Teletest

Studie zur Messung der Reichweiten von Fernsehen From Wikipedia, the free encyclopedia

Der Teletest (eigene Schreibweise: TELETEST) ist die Studie zur Messung der Reichweiten von Fernsehen in Österreich. Auftraggeber ist die Arbeitsgemeinschaft TELETEST[1], ein Verein, dem der Österreichische Rundfunk (ORF), ProSiebenSat.1 PULS4 (Vermarkter der ProSiebenSat.1-Gruppe), RTL AdAlliance Austria (Vermarkter der RTL Gruppe und einiger anderer Sender), ATV und ServusTV angehören. Mit der Durchführung ist die GfK Austria mit einem TV-Panel und die TVI (TV-Insight) mit der HbbTV-Messung beauftragt.

AGTT Datenveröffentlichung
Logo TELETEST

Mit September 2024 startete das Projekt TELETEST 2.0. Dabei werden die Daten aus dem TELETEST-Panel der GfK bei TV-Insight (TVI) mit den Return Path Data von über 1,1 Millionen mit dem Internet verbundener HbbTVs in Österreich zusammengeführt[2][3], wodurch Schwankungen in kleineren Zielgruppen und damit sogenannte „Nuller-Reichweiten“ deutlich reduziert werden können.

GfK

TV-Panel

Das TELETEST-Panel der GfK, die einstweilen Teil von NielsenIQ (NIQ), einer Abspaltung der The Nielsen Company, ist, wurde in den letzten Jahren auf rund 1.500 Haushalte verringert. Zuvor waren es etwa 1.670 Haushalte.[4] Waren beim früheren Panel rund 1.400 Personen zwischen 14 und 49 Jahre alt, hat man durch das neue synthetische Panel durch Einbeziehung der Messung von Hybrid Broadcast Broadband TV eine Basis von etwa 43.000 Menschen in diesem Alter. Auch bei einer ganz kleinen Zielgruppe wie den 12- bis 19-Jährigen sind die Fallzahlen stark angewachsen: Aus 270 Personen des Panels sind jetzt rund 8.000 geworden. Damit ist die jetzige Datenbasis effektiv viel größer, als das Panel je war.

Die elektronische Messung von Reichweiten und Beurteilungen empfangbarer Fernsehsender wurde in Österreich 1991 vom ORF eingeführt.[5] Die „Projektgemeinschaft Fessel-GfK und ifes“ baute unter Leitung der ORF-Medienforschung ein TV-Panel mit 600 Haushalten auf, in denen das in der Schweiz entwickelte Messgerät Telecontrol VI zum Einsatz kam. Man startete mit 1.600 Erwachsenen (Personen über 12 Jahren) und 250 Kindern (3 bis 11 Jahre).[6] Mit der Messung wurde es möglich, auch Marktanteile auszuweisen. Durch das größere Programmangebot des aufkommenden Privat-Fernsehens stieg das Interesse an vertiefenden Auswertungen, weshalb ab 1995 die Panelgröße auf 1200 Haushalte verdoppelt wurde. Als Messgerät kam nun das modernere, mit einem eigenen Tuner ausgestattete Messgerät Telecontrol XL, zum Einsatz. Seit Anfang 2007 ist die AGTT der Auftraggeber des TELETEST.[7]

Die systematische Fernsehforschung begann 1968/69 mit dem Münchner Institut Infratest. Alle Personen im Haushalt über 14 Jahren wurden befragt, wann man „gestern“ und „vorgestern“ ferngesehen hat.[8] Im Mai 1968 wurden die ersten INFRATEST-Ergebnisse einer täglichen Befragung in Wellen für den Jahresanfang veröffentlicht.[9] 1974 wurde von der Haushaltsstichprobe auf Personensample umgestellt und es wurde jeweils das Programm einer ganzen Woche erhoben. Interviews in 18 Wellen zu je 10 Tagen jahresgleich verteilt. Weiters gab es Sonderstudien zu diversen Sendungen. Beim Infratest 1975/76 wird erstmals die Gesamtnutzung TV (Tagesreichweite: „gestern -ferngesehen“) erhoben und das Umschaltverhalten erfragt. Von 1981 bis 1990 wurde das TV-Verhalten in regelmäßigen Wellen mittels Tagebuch-Methode im KIT (Kontinuierlicher Infratest) erhoben.[10]

Anfang der 2010er Jahre wurde Panel, elektronische Messung und Auswertungssoftware (Evogenius Reporting und Evogenius Advertising der GfK) weiter ausgebaut.[11] Ab 2010 wird im TELETEST auch die zeitversetzte Fernsehnutzung der auf die Ausstrahlung folgenden Woche über HDD in die Quoten-Auswertung einbezogen. Voraussetzung dafür war die Einführung des Messgeräts TC-Score[12], bei dem die Funktionalität eines TV-Geräts vom Messgerät übernommen wurde (Substitution). Am Tag nach der Ausstrahlung enthalten die zur Verfügung stehenden Reichweiten sowohl die lineare Fernsehnutzung als auch die geringfügig zeitversetzte Nutzung (VOSDAL = video on same day as live). Die endgültigen Quoten beinhalten die Daten der linearen TV-Nutzung (in „Echt-Zeit“) plus VOSDAL plus die Nutzung von Aufzeichnungen von weiteren sechs Tagen. Diese Festlegung erfolgte auf Basis der internationalen Erfahrungen, wo sich zeigte, dass fast die gesamte zeitversetzte TV-Nutzung, die privat aufgezeichnet wurde, innerhalb der ersten Woche nach Ausstrahlung stattfindet.

Die Stichprobe ist disproportional nach Bundesländern angelegt, um die Ergebnisse auch für kleinere Bundesländer zuverlässig auswertbar zu machen. Die Panelrotation beträgt im Schnitt rund 15 % bis 20 % pro Jahr d. h. jedes Jahr wird ein Sechstel bis ein Fünftel der Testhaushalte ausgetauscht. Die GfK Austria, die von der AGTT mit der Durchführung des TELETEST beauftragt ist, rekrutiert die Testhaushalte. Diese sind ausschließlich der GfK selber bekannt. Die AGTT als Auftraggeber bezieht nur anonymisierte, hochgerechnete und zusammengefasste Ergebnisse, wie sie z. B. im Internet, im Teletext oder in den Zeitungen publiziert werden. Es ist nicht möglich, sich aktiv für das TELETEST-Panel zu bewerben, da eine statistisch einwandfreie, repräsentative Zufallsauswahl von Panelhaushalten damit nicht gewährleistet wäre. Die Teilnehmer erhalten Aufwands- und Stromkostenentschädigungen abhängig von der Anzahl der Geräte und Personen im Haushalt.

Establishment-Survey & Sinus Milieus

Informationen über die fernsehtechnische Ausstattung der Haushalte stammen aus der Establishment-Survey der AGTT, einer Studie, die seit vielen Jahren von IFES durchgeführt wird. Beim TELETEST-Monitoring besuchen die Interviewer einen Haushalt persönlich (Pantry Check). Die Daten dienen der Steuerung und Kontrolle des TV-Panels. Seit vielen Jahren sind im TELETEST Auswertungen nach Sinus Milieus Zielgruppen-Darstellung möglich. Die Daten werden in Zusammenarbeit mit dem Heidelberger Institut Sinus Sociovision, das mehrheitlich im Besitz des österreichischen Integral-Instituts ist, gewonnen. Neben der üblichen Einteilung in Altersstufen kann auch nach Einstellungen und Werthaltungen gruppiert werden.

Messgerät im GfK Panel

GfK Messgerät im TELETEST mit einem angemeldeten Seher A

Die einzige Methode, mit der TV-Sender auf Smart-TV-Geräten unterschiedlichster Bauart gemessen werden können, ist Audiomatching. Diese Schlüsseltechnologie der modernen Medienforschung funktioniert im Prinzip wie Shazam. Ein Audiomatching-Messgerät wird über einen Audio-Ausgang am TV-Gerät angeschlossen, erzeugt über diesen einen akustischen Fingerabdruck (ein Muster der Differenzen von Höhen und Tiefen) und sendet diesen an die GfK. Dort wird ein TV-Sender / ein Programm anhand seines Fingerabdrucks in den von GfK aufgezeichneten Mustern von Sendern / Programmen gesucht und gegebenenfalls identifiziert. Acoustic Fingerprinting bzw. Audio Watermarking ist in vielen nationalen TV-Messsystemen z. B. auch in Deutschland[13], UK[14], Frankreich[15] oder den USA im Einsatz.

Das Messgerät im GfK Panel besteht aus einer Bildschirmeinheit (Diagonale 18 cm), die über einen Audiokonverter an einem digitalen Tonausgang (optischer oder koaxialer Anschluss) des Fernsehgerätes bzw. Receivers angeschlossen wird. Die Steuerung erfolgt über eine eigene Fernbedienung, die Datenübertragung mittels Mobilfunk. Jeder Person im Haushalt ist ein Buchstabe (A, B, C …) zugeordnet. Nimmt eine Person vor dem Fernsehgerät Platz, muss sie sich mit ihrem Buchstaben am Messgerät registrieren (Druck des Buchstabens auf der Fernbedienung). Auf die gleiche Weise muss sich beim Verlassen auch wieder abgemeldet werden. Am Bildschirm des Gerätes sind die Buchstaben der aktiven Seher ersichtlich. Der aktuell gesehene Sender wird anhand der digitalen Senderkennung im Tonsignal erkannt. Gegen Ende der Sendung hat jeder Einzelne die Möglichkeit, eine Bewertung mit Noten von 1 bis 6 zu vergeben. Gäste können mittels eigener Gastanmeldung ebenfalls erfasst werden. Jedes Fernsehgerät im Haushalt erhält ein separates eigens programmiertes Messgerät, das per Post zugesandt wird und selbst installiert werden kann. Dem Testhaushalt steht eine Hotline zur Verfügung, bei der technische Probleme aber auch längere Abwesenheiten gemeldet werden. In der Nacht werden die Messergebnisse und Bewertungen übertragen.

Online-Videomessung

Seit Ende 2016 veröffentlicht die AGTT Daten aus der Online-Videomessung.[16] Die Messmethode basiert auf zwei Säulen. Zum einen gibt es für jeden teilnehmenden Publisher eine standardisierte, zentrale, serverseitige Zensus-Messung der Abrufe der einzelnen Mediatheken.[17] Dazu müssen die einzelnen Player (z. B. HTML5- oder HbbTV-Player, TV-Apps oder Apps für iOS und Android) mit einem Messcode versehen werden. Weiters gibt es eine Erhebung im Online-Panel der GfK. Die erste Säule liefert durch die Vollerhebung exakte Daten zur Zahl der Abrufe sowie zur Nutzungszeit. Von der zweiten Säule kommen soziodemografische Daten sowie Daten zu Überschneidungen. Neben den bisher üblichen Bruttoviews werden für Videos auch Durchschnittsreichweiten ausgewiesen. Diese ergeben sich aus der Nutzungszeit und sind damit unmittelbar mit den Durchschnittsreichweiten von TV-Sendungen vergleichbar. Durch diese Ausweisung von zwei Kennzahlen ist ein Brückenschlag sowohl in die Online- als auch in die TV-Welt möglich. Diese Logik gilt auch für die monatlichen Gesamt-Nutzungszahlen. Dort werden die Nutzungszeit, die Bruttoviews und die im Online-Bereich üblichen „Visits“ (bei der AGTT genannt „Nettoviews“) ausgewiesen. Durch die geplante Fusion dieser Daten mit dem TELETEST-Panel entsteht im Endausbau eine einheitliche „Währung“, in der (Broadcast-)TV- und Online-Reichweiten von Fernsehprogrammen zu einer Gesamtreichweite zusammengefasst werden können.

TVI

HbbTV-Messung

Die im TV-Panel gemessenen Daten der GfK werden mit den Return Path Data der TV-Insight (TVI) von über einer Million HbbTV-Geräten in Echtzeit angereichert, wodurch die TV-Nutzung präziser abgebildet werden kann.[18] TVI ist ein Unternehmen in Salzburg, das sich mit TV‑Messung und ‑Datenanalyse beschäftigt. Das Verfahren wird als TELETEST 2.0 bezeichnet und ist seit September 2024 das Standardverfahren in Österreich. Die granularen Daten, die laufend von den HbbTV-Geräten anonymisiert und datenschutzkonform übermittelt werden, präzisieren das Bild der TV-Nutzung. Die Seherschaft kleiner Sendern, von Nischensendern oder in nutzungsschwachen Zeitzonen kann damit präziser dargestellt werden, denn klassische TV-Panels stoßen in einer TV-Landschaft mit sehr vielen Angeboten und veränderten Sehgewohnheiten an Grenzen. Die Anzahl an Panelisten reicht nicht aus, um zu jeder Zeit jeden Sender gut abzubilden. Das einer gegebenenfalls niedrigen Fallzahl geschuldete Artefakt einer Reichweite mit „Null“, gehört mit der neuen Methodik der Vergangenheit an.[19][20] Im ersten halben Jahr nach der Einführung konnte die Nullerreichweite in der Zielgruppe der 12- bis 49-Jährigen über alle gemessenen AGTT-Sender hinweg um rund 97 Prozent reduziert werden.

TV-Load

Die Echtzeit-Daten aus dem TELETEST 2.0 sind die Basis für TV-LOAD (TV Live Optimized Advertising). Dieses neue Produkt, das von der Arbeitsgemeinschaft TELETEST zusammen mit TV-Insight und Virtual Minds[21] wurde, optimiert Werbeblöcke in Echtzeit.[18] Von dieser zusätzlichen Buchungsart versprechen sich die AGTT-Sender eine höhere Relevanz der Werbeblöcke für die Zuschauerinnen und Zuschauer.[22] Es wird sekundengenau erkannt, welche Zielgruppe gerade welche Sendung schaut. Darauf basierend können Werbeblöcke dynamisch und zielgruppenspezifisch zusammengestellt und in Echtzeit ausgespielt werden.[23]

TELETEST-Daten-Veröffentlichungen

Aufgrund der hohen Erhebungskosten werden nur wenige TELETEST-Daten unentgeltlich zur Verfügung gestellt. Grundsätzlich sind die Daten den zahlenden Mitgliedern, Lizenzsendern sowie Werbungtreibenden und Media-Agenturen vorbehalten. Neben der AGTT selbst veröffentlichen einige Mitglieder auf ihren Webseiten und Teletextangeboten Quotendaten ihrer TV-Sender.

Weitere Informationen Institution, Links zu veröffentlichten Daten ...
InstitutionLinks zu veröffentlichten Daten
AGTTTV Hitlisten täglich für die Zielgruppe Personen älter als 12 Jahre, Durchschnittsreichweite DRW in Tausend für die Sender ORF (Zeit im Bild-Durchschaltung), ORF eins, ORF 2, ATV, Puls 4, ServusTV, ATV2, Puls 24; ProSieben (A+D)[24], Sat.1 (A+D), Kabel eins (A+D), Sixx (A+D), Sat.1 Gold (A+D), ProSieben Maxx (A+D), kabel eins Doku (A+D), RTL (A+D), RTL II (A+D), Super RTL (A+D), VOX (A+D), Nitro (A+D), RTL Up (A+D), ntv (A+D), DMAX (A+D), TLC (A+D), Sport1 (A+D), OE24TV, ARD (Das Erste), ZDF, 3sat, Krone TV; AGTT TOP 3 gestern bzw. für vorgestern und vorvorgestern; AGTT TOP 5 wöchentlich; AGTT TV MA Sender monatlich; AGTT TV MA Jahr sowie Online Bewegtbild mit TOP 10 AGTT Streaming nach Sendern mit Durchschnittsreichweite und Bruttoviews aus Österreich.
IP AustriaTOP 10 täglich, mit DRW E 12+ in Tsd. u. MA % für die Zielgruppen E 12-49 / E 18-59 / E 18-39 für die Sender RTL (A+D), VOX (A+D), SUPER RTL (A+D), NITRO (A+D) und RTL II (A+D).
ORF/ORF-EnterpriseORF-Medienforschung: Sendungen ORF eins + ORF 2 12+ DRW % / Tausend / MA % TOP 5 ORF1 / ORF2 / 3sat mit MA / DRW Tsd. + Tagesreichweite in % / Tsd. Sender ORF1+2 / ORF1 / ORF2 / 3sat TOP 10 ORF1+2 / ORF Top 10: die reichweitenstärksten ORF-Sendungen; ORF-Teletext (auch via Web): (12+ DRW % / MA % / Tsd.) auf Seite 376: ORF eins gestern, Seite 377: ORF 2 gestern, Seite 378: ORF eins vorgestern und zwei weitere Tage zurück, Seite 379: ORF 2 vorgestern und zwei weitere Tage zurück.
ServusTV[siehe AGTT]
SevenOne Media Austria (P7S1P4)[siehe AGTT]
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Einzelnachweise

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