TKX-50

chemische Verbindung From Wikipedia, the free encyclopedia

TKX-50 (Dihydroxylammonium-5,5′-bistetrazolyl-1,1′-diolat) ist eine instabile organische Verbindung, die sowohl als ein Vertreter der Stoffgruppe der Tetrazole als auch der organischen Hydroxylaminsalze angesehen werden kann. Der Stickstoffgehalt im Molekül beträgt 59,3 %.

Schnelle Fakten Strukturformel, Allgemeines ...
Strukturformel
Strukturformel von TKX-50
Allgemeines
Name TKX-50
Andere Namen
  • Dihydroxylammonium-5,5′-bistetrazolyl-1,1′-diolat
  • Dihydroxylammonium–5,5′-bitetrazole-1,1′-dioxide
  • HATO
Summenformel C2H8N10O4
Kurzbeschreibung

farblose Kristalle[1]

Externe Identifikatoren/Datenbanken
CAS-Nummer 1403467-86-6
Wikidata Q54936067
Eigenschaften
Molare Masse 236,15 mol−1
Aggregatzustand

fest

Dichte

1,92 g·cm−3[2][3]

Sicherheitshinweise
GHS-Gefahrstoffkennzeichnung
keine Einstufung verfügbar[4]
Wenn nicht anders vermerkt, gelten die angegebenen Daten bei Standardbedingungen (0°C, 1000 hPa).
Schließen

Geschichte

Die erste Synthese und Charakterisierung der Verbindung erfolgte in der Arbeitsgruppe von Thomas M. Klapötke an der Universität München. Die Ergebnisse wurden im Jahr 2012 publiziert.[2]

Gewinnung und Darstellung

Die Herstellung der Verbindung erfolgt durch die Umsetzung von 5,5′-Bistetrazolyl-1,1′-diol (BTO) mit Hydroxylamin. Die Ausgangsverbindung BTO kann relativ einfach aus Glyoxal, Hydroxylamin, Chlor und Natriumazid erhalten werden.[5][6]

Synthese

Eigenschaften

TKX-50 ist ein kristalliner Feststoff, der keinen Schmelzpunkt zeigt. Die Verbindung tritt in zwei polymorphen Kristallformen auf. Bei etwa 180 °C wird ein Phasenübergang zweiter Ordnung mit einer geringen Wärmekapazitätsänderung von etwa 0,3 J·K−1·mol−1 beobachtet, wobei eine Umwandlung der Tieftemperatur- in eine Hochtemperaturkristallform stattfindet. Dabei ändert sich das Kristallsystem von monoklin mit der Raumgruppe P21/c zu triklin mit der Raumgruppe P1.[7] Die Verbindung ist thermisch instabil. DSC-Messungen zeigen oberhalb von 215 °C eine exotherme Zersetzungsreaktion mit einer Zersetzungswärme von −2200 kJ·kg−1 bzw. −520 kJ·mol−1.[8][5][9] Die Standardbildungsenthalpie basierend auf Messungen mittels Verbrennungskalorimetrie beträgt 473 kJ·mol−1.[10] Die Verbindung ist mechanisch empfindlich gegenüber Schlag und Reibung. Wichtige Explosionskennzahlen sind:

Explosionsrelevante Eigenschaften
Sauerstoffbilanz−27,1 %[5]
Explosionswärme6029 kJ·kg−1 %[5]
Explosionstemperatur3957 K[5]
Detonationsgeschwindigkeit9687 m·s−1[5]
Detonationsdruck425 kbar[5]
Normalgasvolumen846 l·kg−1[5]
Schlagempfindlichkeit20 J[2][5]
Reibempfindlichkeit120 N[2][5]
StahlhülsentestGrenzdurchmesser 10 mm, Typ H[11]

Verwendung

Wegen der höheren Leistung wie der Detonationsgeschwindigkeit und des Detonationsdrucks im Vergleich zum Beispiel zu RDX oder HMX, der sehr geringen Schlagempfindlichkeit, sowie der relativ einfachen Synthese, ist die Verbindung als neuer Sekundärsprengstoff interessant.[2][12]

Literatur

  • Thomas M. Klapötke: TKX-50: A Highly Promising Secondary Explosive. In: Djalal Trache, Fouad Benaliouche, Ahmed Mekki (Hrsg.): Materials Research and Applications, Select Papers from JCH8-2019. Springer Nature Singapore Pte Ltd., 2021, ISBN 978-981-15-9222-5, S. 1–91, doi:10.1007/978-981-15-9223-2.
  • Thomas M. Klapötke: Chemistry of High-Energy Materials. 5th Edition, Walter de Gruyter GmbH, Berlin/Boston 2019, ISBN 978-3-11-062438-0, S. 305–311.

Einzelnachweise

Related Articles

Wikiwand AI