TV Jahn-Rheine 1885

Sportverein aus der nordrhein-westfälischen Stadt Rheine From Wikipedia, the free encyclopedia

Der Turnverein Jahn-Rheine 1885 e. V. (kurz: TV Jahn) ist ein Sportverein aus der nordrhein-westfälischen Stadt Rheine. Mit 10.382 Mitgliedern (Stand: 1. Januar 2025)[1] ist der Verein neben Preußen Münster einer der beiden größten Sportvereine des Münsterlandes und gehört damit zu den größeren Sportvereinen in Deutschland.

NameTV Jahn-Rheine 1885
Gründung15. Oktober 1885
VereinssitzDeutschland Rheine, Nordrhein-Westfalen
Mitglieder10.382 (Stand: 1. Januar 2025)[1]
Schnelle Fakten Name, Gründung ...
TV Jahn Rheine
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Name TV Jahn-Rheine 1885
Gründung 15. Oktober 1885
Vereinssitz Deutschland Rheine, Nordrhein-Westfalen
Mitglieder 10.382 (Stand: 1. Januar 2025)[1]
Abteilungen 31
Vorsitzender Ralf Kamp
Website www.tvjahnrheine.de
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Abteilungen

Sportstätten und Einrichtungen

Der Sportpark des TV Jahn

Der TV Jahn-Rheine unterhält zwei vereinseigene Sportstätten sowie einen Bewegungskindergarten.

Der Sportpark des TV Jahn wurde am 16. April 1978 offiziell seinen Mitgliedern übergeben.[3] Auf einer Gesamtfläche von rund 55.000 Quadratmetern finden sich unter anderem Beach-Volleyball-Felder, eine Bogenschießanlage, eine Bouleanlage, Spielflächen für Kinder sowie Tennisplätze und -hallen. Die ebenfalls auf dem Areal stehenden Vereinsgebäude umfassen insgesamt rund 6.000 Quadratmeter. Sie beherbergen unter anderem ein Fitnessstudio, mehrere Gymnastik-, beziehungsweise Tanzsport- und Kampfsporthallen unterschiedlicher Größe, ein Café, die Verwaltung des Vereins sowie die Gebäude des vereinseigenen Kindergartens.[4]

Das 2016 eröffnete Sportforum

Das Sportforum des TV Jahn wurde am 15. Januar 2016 offiziell eröffnet. Das Gebäude bietet auf zwei Ebenen Platz für ein rund 200 Quadratmeter großes Fitnessstudio, drei Gymnastikräume mit Größen von bis zu 200 Quadratmetern, ein Café sowie eine angeschlossene Turnhalle mit rund 400 Quadratmetern Grundfläche.[5]

Der 1994 eröffnete Bewegungskindergarten Mobile

Der Bewegungskindergarten Mobile des TV Jahn wurde am 1. Dezember 1994 in Betrieb genommen und war damit zugleich der erste vereinseigene Bewegungskindergarten Nordrhein-Westfalens. Die Gebäude liegen auf dem Areal des Sportparks des TV Jahn und bieten insgesamt Platz für sechs Gruppen, die je über zwei eigene Gruppenräume und einen Bewegungsraum verfügen.[6]

Der TV Jahn-Rheine als Bildungsträger

Seit dem 1. August 2018 (Schuljahr 2018/2019) ist der TV Jahn Träger von Offenen Ganztagsgrundschulen (OGS) an aktuell sieben Grundschulstandorten in Rheine. Der Verein übernimmt diese Aufgabe als Träger der freien Jugendhilfe nach § 75 SGB VIII.[7] Der TV Jahn ist zudem Ausbildungsträger für soziale Berufe und bildet Berufspraktikanten, PIA-Studierende sowie dual Studierende der Sozialen Arbeit unter anderem auf der Grundlage eines eigenen Ausbildungskonzeptes aus.[8]

Offener Ganztag

Im Offenen Ganztag an den Grundschulen arbeitet jeweils ein Team aus pädagogischen Fachkräften, sportpädagogischem Personal und pädagogischen Betreuungskräften, unterstützt von Studierenden und Freiwilligendienstleistenden.

Der Verein hat ein eigenes pädagogisches Konzept für den „Bewegten Ganztag“ entwickelt.[9] Bildung, Betreuung und Erziehung werden dabei über das zentrale Prinzip Bewegung ganzheitlich miteinander verknüpft. Unter anderem wird dies durch tägliche Sport-, Bewegungs- und Kreativangebote, bewegtes Lernen, sogenannte „Power Breaks“ als bewegte Pausen sowie offene Bewegungslandschaften erreicht.

Ergänzend existieren im Offenen Ganztag eigene Konzepte für den Kinderschutz, Bewegte Sprache und inklusive Bildungsarbeit. Wichtige Ziele sind auch die Stärkung von Teilhabe und Demokratiebildung, etwa durch Kinderparlamente, Feedbackrunden oder Wunschboxen. Weitere Schwerpunkte liegen auf Inklusion und Lebensweltorientierung. Eltern werden in einer Bildungspartnerschaft einbezogen zum Beispiel durch Entwicklungsgespräche, Elterncafés, einen Elternrat, kultursensible Kommunikation und digitale Plattformen.

Kinderschutzkonzept

Der TV Jahn-Rheine begann Ende November 2023 mit der Erarbeitung eines vereinsinternen Kinderschutzkonzeptes. Dieses wurde im Dezember 2024 fertiggestellt und am 1. Januar 2025 offiziell eingeführt. Das Konzept steht unter dem Motto „ICH schaue hin“, wobei „ICH“ für Identität (innere Haltung), Courage (Qualifikation) und Handlungsplan (Krisenleitfaden) steht.

Grundlage des Konzeptes bilden unter anderem das „Handlungs- und Maßnahmenkonzept der nordrhein-westfälischen Landesregierung im Bereich sexualisierte Gewalt gegen Kinder und Jugendliche“, die „Empfehlungen Schutzauftrag“ des Landschaftsverbandes Rheinland (LVR) und des Landschaftsverbandes Westfalen-Lippe (LWL) sowie das Landeskinderschutzgesetz im Sport des Landes Nordrhein-Westfalen mit den Empfehlungen des Landessportbundes.

Das Kinderschutzkonzept des Vereins umfasst eine Vielzahl von Inhalten. Dazu zählen die Darstellung rechtlicher Grundlagen, Aufgaben und Pflichten des Vereins sowie die Zusammenarbeit mit dem Jugendamt. Ein besonderer Fokus liegt auf Datenschutz, Risikoanalysen und Maßnahmen der Qualitätssicherung. Hierzu gehört für alle haupt-, neben- und ehrenamtlich Beschäftigten die verpflichtende Vorlage erweiterter Führungszeugnisse nach § 72a Abs. 2 SGB VIII, die Unterzeichnung eines Ehrenkodexes, regelmäßige Schulungen sowie ein detaillierter Handlungsplan im Verdachtsfall.

Weiterhin beinhaltet das Konzept Regelungen zum internen Kinderschutz, Definitionen und Indikatoren möglicher Kindeswohlgefährdungen sowie standardisierte Vorgehensweisen bei Verdachtsmomenten. Dazu zählen die Einschätzung unterschiedlicher Gefährdungsformen, erste Meldungen innerhalb des Vereinsalltags und die Kooperation mit dem Jugendamt. Ergänzend sind Dokumentationspflichten, Prozessabläufe und Maßnahmen zur Sicherstellung von Ergebnis-, Prozess- und Strukturqualität festgelegt. Zudem wurden im Verein Ansprechpersonen für den Kinderschutz benannt.[10]

Inklusion im TV Jahn

Der TV Jahn-Rheine beschloss im Jahr 2016 ein eigenes Inklusionskonzept, das unter dem Motto „Sport für alle“ steht.[11] Ziel des Konzeptes ist es, Kindern und Erwachsenen mit und ohne Behinderung die Teilnahme an sämtlichen Sportangeboten des Vereins zu ermöglichen. Die Vielfalt der Angebote soll dabei helfen, eine Sportart zu finden, in der gemeinsames Training und Spielen besonders gut gelingt.

In der Praxis bedeutet dies, dass Menschen mit und ohne Behinderung – soweit es die jeweilige Sportart zulässt – in denselben Gruppen oder Mannschaften aktiv sind. Auch bei Abteilungs- oder Gesamtveranstaltungen wird auf eine gleichermaßen attraktive Gestaltung für alle Teilnehmenden geachtet.

Zur Umsetzung investiert der Verein in die Aus- und Weiterbildung seiner Übungsleiterinnen und Übungsleiter mit Blick auf Inklusion und informiert diese über entsprechende Qualifizierungsangebote. Darüber hinaus baut der TV Jahn Strukturen auf, die Menschen mit und ohne Behinderung dabei unterstützen, ein passendes Bewegungsangebot zu finden.

Ein spendenfinanzierter Sozialfonds ermöglicht zudem finanzielle Unterstützung, um eine Teilnahme am Sportangebot unabhängig von den wirtschaftlichen Voraussetzungen sicherzustellen. Im Rahmen des Familienunterstützenden Dienstes werden Kinder, Jugendliche und Erwachsene mit Behinderung bei Freizeitaktivitäten von freiwilligen Assistentinnen und Assistenten ambulant begleitet.

Darüber hinaus ist der TV Jahn Rheine Mitglied und Mitinitiator des Inklusionsnetzwerks für Sport in Rheine.[12]

Organisation

Die 31 Abteilungen des TV Jahn-Rheine wählen intern jeweils eigene Abteilungsvorstände und darüber hinaus entsprechend ihrer Abteilungsstärke mindestens einen oder mehrere Delegierte, die sie in die Delegiertenversammlung des Vereins entsenden. Die Delegiertenversammlung des TV Jahn übernimmt entsprechend einer Mitglieder- oder Hauptversammlung die repräsentative und beschlussfassende Funktion für alle Mitglieder des Vereins.[13]

Geschäftsführend steht an der Spitze des TV Jahn ein hauptamtlicher Vorstand, bestehend aus einem Vorstandsvorsitzenden und zwei Stellvertretenden Vorstandsvorsitzenden. Der Vorstand trägt die Gesamtverantwortung für die strategische und operative Führung des Vereins.

Das Präsidium des TV Jahn repräsentiert den Verein nach außen und tritt als dessen Gesicht in der Öffentlichkeit auf. Es setzt sich zurzeit zusammen aus einem Präsidenten, zwei Vizepräsidenten, einem Ehrenpräsidenten und fünf Präsidiumsmitgliedern.[14]

Geschichte

Der heutige TV Jahn-Rheine 1885 ist hervorgegangen aus dem Zusammenschluss des Turnvereins Rheine 1885 mit dem Turnverein Jahn, Rheine-Eschendorf am 4. April 1937, damals unter dem neuen Namen Turngemeinde Jahn Rheine.[15]

Turnverein Rheine 1885

Der Turnverein Rheine 1885 (kurz: TV Rheine 1885), der ältere der beiden Vorgängervereine, wurde am 15. Oktober 1885 in der damaligen Gaststätte Fuest an der Marktstraße gegründet. Mit Gründung dieses Vereins begann zugleich die Geschichte des außerschulischen Vereinssports in der Stadt Rheine.[16][17]

Im Protokoll der Gründungsversammlung werden 33 Namen aufgeführt. Der Gelbgießergeselle Bernhard Schmitz, Hauptinitiator der Vereinsgründung, wurde zum 1. Sprecher, die seinerzeitige Bezeichnung für einen 1. Vorsitzenden, des Vereins gewählt.

Schmitz war außerdem Steiger bei der „turnerisch geschulten“, Freiwilligen Feuerwehr in Rheine. Bereits seit den 1840er Jahren hatten in ganz Deutschland Freiwillige aus den Reihen Turnvereinsmitglieder Techniken des Leitersteigens und das Bedienen von Feuerspritzen geübt. Aus diesen Übungen entwickelte sich zunächst ein regelmäßiger Übungsdienst und später die sogenannten Turnerfeuerwehren als Vorläufer der späteren Freiwilligen Feuerwehren. In Rheine verlief diese Entwicklung nicht nur sehr verspätet, sondern höchst ungewöhnlich auch in der „falschen“ Reihenfolge: Hier war es der Turnverein, der aus der seit 1882 bestehenden Turnerfeuerwehr hervorging und nicht wie normalerweise die Feuerwehr aus dem Verein. Grund hierfür war vermutlich, dass bei der Rheiner Feuerwehr kurz vor Gründung des Turnvereins Rheine der Beschluss gefasst wurde, zukünftig keine Gesellen mehr in ihre Reihen aufzunehmen. Damit war es Handwerksgesellen in Rheine nicht mehr möglich, der Turnerfeuerwehr beizutreten und an deren regelmäßigem, sportlichem Training teilzunehmen. Solche Zugangsvoraussetzungen gab es im neu gegründeten Turnverein Rheine wohl bewusst nicht: Ein bestimmter Beruf, Stand oder Konfession standen einem Beitritt nicht entgegen. Und so fanden sich unter den ersten Mitgliedern unter anderem Handwerksgesellen, Bahnarbeiter, Fabrikarbeiter, Techniker und Katholiken wie Protestanten. Lediglich Frauen war die Aufnahme im Verein, dem Zeitgeist entsprechend, verwehrt.[18]

Der Begriff Turnen war in jeder Zeit übrigens weit größer gefasst als heute. So verstand man darunter neben dem Geräte- und Bodenturnen zum Beispiel auch Turnspiele wie Faustball, Freiübungen, das Exerzieren und das volkstümliche Turnen, das am ehesten der heutigen Leichtathletik gleichkommt.[19]

Erste Übungsstätte wird die 1877 ursprünglich für den Schulsport erbaute, städtische Turnhalle am Südring (heute Kardinal-Galen-Ring). Für die Benutzung der Halle wurden dem Verein für Beleuchtung, Heizung und Reinigung im Winter 1,25 Mark, im Sommer 50 Pfennig berechnet. Zum Vergleich: Textilarbeiter in der Baumwollindustrie hatten Ende des 19. Jahrhunderts einen durchschnittlichen Stundenlohn von 12 bis 20 Pfennig.[20]

Für das Jahr 1890 wird berichtet, dass unter dem ersten Turnwart des Vereins, Richard Kirchner bereits 150 junge Männer trainierten. Während des Ersten Weltkrieges ruhte der Turnbetrieb im Verein. Im Jahr 1920 wurde eine Turnerinnenabteilung gegründet. War der Verein bis dahin nur im Geräteturnen aktiv, wurde nun auch das sogenannte Volksturnen angeboten, das sich seit Ende des Ersten Weltkrieges zunehmend zur modernen Leichtathletik entwickelt hatte.

Im November 1933 wurde der TV Jahn-Rheine 1885 mit dem Turnverein Jahn, Rheine-Eschendorf und dem Turnclub Westfalia zwangsweise zur Rheiner Turnvereinigung zusammengeschlossen.

Turnverein Jahn-Eschendorf

Der Turnverein Jahn-Eschendorf (kurz: TV Jahn-Eschendorf) wurde gegründet am 1. Dezember 1907 in der Gaststätte Eschendorfer Hof in Eschendorf, einem heutigen Rheiner Stadtteil, der damals noch nicht zur Stadt gehörte und erst 1925 im Rahmen einer Kommunalreform eingemeindet wurde. Im Zuge der Eingemeindung benannte sich der Verein um in Turnverein Jahn, Rheine-Eschendorf.[21]

Turnlokal war zunächst der Saal der Gaststätte Laurenz an der Osnabrücker Straße. Im Jahr 1910 wurde der Saal der Gaststätte Cordesmeyer zum neuen Turnlokal des Turnvereins Jahn-Eschendorf.

Während des Zeit des Ersten Weltkrieges ruhte der Übungsbetrieb. Schon kurz nach dem Waffenstillstand vom 11. November 1918 wurde der Turnbetrieb Ende des Jahres wieder aufgenommen.

Im Jahr 1920 wurde im Verein eine Turnerinnenabteilung eingerichtet. Ebenfalls 1920 entstanden eine Faustballabteilung sowie eine Leichtathletikabteilung, die noch im gleichen Jahr beachtliche sportliche Erfolge vorweisen konnte und schon bald zu einer der tragenden Säulen des Vereins wurde.

Im November 1933 wurde der Turnverein Jahn, Rheine-Eschendorf mit dem TV Jahn-Rheine 1885 und dem Turnclub Westfalia zwangsweise zur Rheiner Turnvereinigung zusammengeschlossen.

TV Jahn-Rheine 1885 (ab November 1933)

Dem Zusammenschluss des Turnvereins Jahn, Rheine-Eschendorf mit dem TV Jahn-Rheine 1885 im April des Jahres 1937 vorausgegangen waren bereits zwei zwangsweise Vereinigungen der seinerzeit insgesamt drei Rheiner Turnvereine im Zuge der Gleichschaltung nach der Machtergreifung der Nationalsozialisten.

Im November 1933 mussten sich die Vereine TV Jahn-Rheine 1885, der Turnverein Jahn, Rheine-Eschendorf und als dritter Verein der Turnclub Westfalia zur Rheiner Turnvereinigung zusammenschließen. Darin führten die Vereine, kontrolliert vom Nationalsozialistischen Reichsbund für Leibesübungen, nominell noch ein Eigenleben. Die Turnvereinigung stieß bei den Mitgliedern der drei Vereine allgemein auf Ablehnung, und so kam der der Übungsbetrieb schließlich mehr und mehr zum Erliegen. Die Rheiner Turnvereinigung wurde aus diesem Grund aufgelöst und die drei Vereine im Jahr 1935 in den neu gegründeten Turnerbund Rheine gezwungen. Auch im Turnerbund gelang es den Vereinen nicht, den Übungsbetrieb wieder zu beleben. Erst die Auflösung des Turnerbundes Rheine und der 1937 ebenfalls nicht freiwillig erfolgte Zusammenschluss von TV Jahn-Rheine 1885 mit dem Turnverein Jahn, Rheine-Eschendorf zur Turngemeinde Jahn Rheine, brachte eine Wiederbelebung des Übungsbetriebes.[22]

In den ersten Monaten nach dem Ausbruch des Zweiten Weltkrieges am 1. September 1939 versuchte die Turngemeinde Jahn zwar noch den Übungsbetrieb aufrechtzuerhalten, musste ihn aber kriegsbedingt nach einigen Monaten einstellen.

Nach Ende des Zweiten Weltkrieges stellte die Turngemeinde Jahn Rheine am 10. September 1945 einen Antrag auf „Wiedereröffnung des Turnbetriebes“ beim Bürgermeisteramt der Stadt Rheine. Zunächst verstand sich der Verein als Fortsetzung des 1907 gegründeten Turnvereins Jahn-Eschendorf.

Am 1. November 1945 erhielt der Verein die Genehmigung, einen Teil der Reithalle in Eschendorf zu Trainingszwecken zu nutzen. Im Zuge der Aufarbeitung der nationalsozialistischen Vergangenheit wurde dem Verein im Mai 1946 untersagt, den Namensbestandteil „Jahn“ zu führen, da mit diesem antidemokratische und militaristische Tendenzen verbunden wurden.[23] Der Verein nannte sich daher fortan Turnverein Eintracht Rheine-Eschendorf.

Ende des Jahres 1948 erlaubte die Militärregierung wieder das Führen des Bestandteiles „Jahn“ in Vereinsnamen, worauf der Verein am 6. November seinen heutigen Namen TV Jahn-Rheine 1885 annahm. Damit ist auch die 1937 unter dem Druck der Nationalsozialisten erfolgte Verschmelzung des TV Rheine 1885 mit dem TV Jahn, Rheine-Eschendorf endgültig besiegelt.

Das Jedermannturnen oder der Zweite Weg im Sport wurde 1963 auch im TV Jahn-Rheine propagiert. Die neuen Gruppen bildeten gemeinsam mit der bereits 1961 gegründeten Frauen-Gymnastik-Gruppe die Grundlage zum allmählichen Aufstieg zum Großverein.

1966 löste die gedruckte Vereinszeitung mit dem Titel Der Überschlag das alte Mitteilungsblatt ab. Am 8. Juni 1966 trat das 1.000. Mitglied dem Verein bei, der damit zum Großverein wurde. 1967 richtete der Verein im Keller der Turnhalle an der Johannesschule erstmals eine Vereinsgeschäftsstelle ein. Die Mitgliederversammlung verabschiedete 1973 eine neue Satzung, die die von 1949 ablöst. Gleichzeitig wurde damit der Weg geebnet für die Planung des heutigen Freizeitparks, indem die Versammlung einen entsprechenden Grundsatzbeschluss fasste. Im selben Jahr wurde erstmals die Grenze von 2.000 Mitgliedern überschritten.[23]

1977: Erste Bauarbeiten im neuen Sportpark des TV Jahn

1976 stellte die Stadt Rheine dem Verein das jetzige Vereinsgelände für den Freizeitpark zur Verfügung. Durch die Fertigstellung der städtischen Kopernikussporthalle im selben Jahr erhielt der Verein weiteren Auftrieb. Im selben Jahr überstieg die Mitgliederzahl des Vereins erstmals die 3.000er Marke. 1977 erfolgten die ersten Baumaßnahmen im Freizeitpark. Die ersten Tennisplätze wurden im Frühjahr 1978 zur Benutzung freigegeben.

Seit 1980 ist die Delegiertenversammlung das oberste Organ des Vereins. In den folgenden Jahren wurde die Vereinsarbeit ganz auf das Jubiläum zum hundertjährigen Bestehen abgestellt. Die Veranstaltungen rund um dieses Jubiläum brachten dem Verein so viel Auftrieb, dass seine Mitgliederzahl im Herbst des Jahres 1985 erstmals die 4.000 überstieg.[23]

Im Jahr 1994 eröffnete der Verein seinen Bewegungskindergarten Mobile. Mit dem Sportforum stellte der TV Jahn-Rheine im Jahr 2016 seine zweite, vereinseigene Sportstätte fertig.

Zum 1. Januar 2025 überstieg die Mitgliederzahl die Grenze von 10.000 Mitgliedern.[1]

Herausragende Sportlerinnen und Sportler / Erfolge

  • Jonas Reckermann (geb. 1979) – Beachvolleyball. Olympiasieger 2012 (London), Weltmeister 2009 sowie mehrfacher Europameister und mehrfacher Deutscher Meister. Reckermann stammt aus Rheine und lernte das Volleyballspielen in der Halle beim TV Jahn-Rheine (Jugend).
  • Lena Malkus (geb. 1993) – Leichtathletik (Weitsprung). U20-Olympiasiegerin/Gold bei Olympischen Jugendspielen 2010, U23-Europameisterin 2013 und Deutsche Meisterin (u. a.). In ihrer Jugend war Malkus beim TV Jahn-Rheine gemeldet (frühere Vereinszugehörigkeit laut Athletenprofil).
  • Erik Machens – Rollstuhltanz. Mehrfacher Deutscher Meister, Europameister sowie zweifacher Vize-Weltmeister (laut Vereins- und Porträtseiten). Machens ist als Trainer/Leiter im Rollstuhl-Tanzangebot des TV Jahn-Rheine aktiv.[24][25]
  • Dance Company – Leistungsgruppen „Make ’em rock“ / „Make ’em rise“ (TV Jahn-Rheine) – Tanz / Hip-Hop (DTHO). Teilnahme an DTHO-Meisterschaften und nationalen Titelplatzierungen, u. a. Deutsche Meister- / Vizemeistertitel in DTHO-Wettbewerben[26][27]
  • Nancy Arning (auch: Nancy Arning-Ross) – Karate; fünffache Deutsche Meisterin sowie mehrfache Landesmeisterin; mehrfach für regionale Leistungskader benannt[28][29]

Einzelnachweise

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