Tafenoquin

Arzneistoff From Wikipedia, the free encyclopedia

Tafenoquin (WR-238605) ist ein Antimalariamittel. Es handelt sich um eine Weiterentwicklung des 8-Aminochinolins Primaquin durch das Walter Reed Army Institute of Research (WRAIR) der United States Army.[3] Das Medikament weist eine vergleichsweise lange Plasmahalbwertszeit auf. Tafenoquin ist wirksam gegen Gewebs- und Blutschizonten. Aus diesen Gründen ist es zur Malariaprophylaxe sowie zur Behandlung von Rezidiven durch Malaria Tertiana geeignet. In den USA und in Australien erhielten mehrere Tafenoquin-Produkte zwischen Juli und September 2018 die Marktzulassung.[4][5][6][7] Hingegen ist eine Zulassung in Europa laut Angaben der Deutschen Gesellschaft für Tropenmedizin und Internationale Gesundheit e. V. vorerst nicht zu erwarten.[8]

Schnelle Fakten Strukturformel, Allgemeines ...
Strukturformel
Struktur von Tafenoquin
Vereinfachte Strukturformel ohne Stereochemie – Stoffgemisch
Allgemeines
Freiname Tafenoquin
Andere Namen
  • (RS)-N-4-(2,6-Dimethoxy-4-methyl-5-((3-trifluormethyl)phenoxy)-8-chinolinyl)-1,4-pentandiamin (IUPAC)
  • (±)-N-4-(2,6-Dimethoxy-4-methyl-5-((3-trifluormethyl)phenoxy)-8-chinolinyl)-1,4-pentandiamin
Summenformel
  • C24H28F3N3O3 (Tafenoquin)
  • C24H28F3N3O3·C4H6O4 (Tafenoquin·Succinat)
Externe Identifikatoren/Datenbanken
CAS-Nummer
  • 106635-80-7 (Tafenoquin)
  • 106635-81-8 (Tafenoquin·Succinat)
PubChem 115358
ChemSpider 103196
DrugBank DB06608
Wikidata Q2387553
Arzneistoffangaben
Wirkstoffklasse

Antiprotozoikum

Eigenschaften
Molare Masse 463,49 g·mol−1 (Tafenoquin)
Aggregatzustand

fest

Schmelzpunkt

146–149 °C (Tafenoquin·Succinat)[1]

Sicherheitshinweise
GHS-Gefahrstoffkennzeichnung[2]

Succinat

keine GHS-Piktogramme

H- und P-Sätze H: keine H-Sätze
P: keine P-Sätze[2]
Wenn nicht anders vermerkt, gelten die angegebenen Daten bei Standardbedingungen (0°C, 1000 hPa).
Schließen

Kontroverse

Aufgrund der potenziellen Neurotoxizität von 8-Aminochinolinen ist die Zulassung von Tafenoquin umstritten. So wurde die Notwendigkeit besonders sorgfältiger Tests vor einer möglichen Einführung des Medikaments betont.[9][10] Den Herstellern und der US-Armee nahestehende Forschung bezweifelt hingegen die Neurotoxizität von Tafenoquin in der zugelassenen Dosis.[11][12][13]

In Australien erfahren Studien zu Tafenoquin und Mefloquin, die an Angehörigen der australischen Streitkräfte durchgeführt wurden, seit 2015 aus ethischen Gründen massive Kritik in den Medien.[14][15][16][17] Der australische Senat setzte 2018 eine Untersuchung zu den von Teilnehmern vermeldeten Gesundheitsschäden ein.[18][19] Im Abschlussbericht, der im Dezember des gleichen Jahres veröffentlicht wurde, wird festgestellt, dass ihre Symptome authentisch sind, ohne sich eindeutig zur Ursache zu äußern.[20] Veteranen zeigten sich hierüber in der Presse überwiegend enttäuscht.[21]

Da Tafenoquin bei Patienten mit Glucose-6-phosphat-Dehydrogenase-Mangel (G6PD-Mangel) kontraindiziert ist, werden darüber hinaus Einschränkungen bei der praktischen Einsatzfähigkeit des Medikaments zur Malariaprophylaxe diskutiert.[22][23]

Stereochemie

Tafenoquin enthält ein Stereozentrum und besteht aus zwei Enantiomeren. Hierbei handelt es sich um ein 1:1-Stoffgemisch (Racemat) von (R)- und (S)-Form:

Weitere Informationen Enantiomere von Tafenoquin ...
Enantiomere von Tafenoquin

(R)-Form

(S)-Form
Schließen

Literatur

  • G. D. Shanks, A. J. Oloo, G. M. Aleman u. a.: A New Primaquine Analogue, Tafenoquine (WR 238605), for prophylaxis against Plasmodium falciparum malaria. In: Clin Infect Dis. 33, 2001, S. 1968–1974, PMID 11700577.
  • B. Lell, J. F. Faucher, M. A. Missinou u. a.: Malaria chemoprophylaxis with tafenoquine: a randomised study. In: The Lancet. 355 (9220), 2000, S. 2041–2045, PMID 10885356.
  • J. M. Karle, R. Olmeda: Rapid and sensitive quantitative analysis of the new antimalarial N4-[2,6-dimethoxy-4-methyl-5-[(3-trifluoromethyl)phenoxy]-8- quinolinyl]-1,4-pentanediamine in plasma by liquid chromatography and electrochemical detection. In: Journal of Chromatography. 424, 1988, S. 347–356, PMID 3372627.

Einzelnachweise

Related Articles

Wikiwand AI