Tag Null
Film von Mick Jackson (1984)
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Tag Null[1] (englisch Threads ‚(rote) Fäden‘) ist ein BBC-Fernsehfilm von Mick Jackson aus dem Jahr 1984 über einen nuklearen Angriff auf Großbritannien und die Folgen eines Atomkriegs allgemein.
| Film | |
| Titel | Tag Null |
|---|---|
| Originaltitel | Threads |
| Produktionsland | Großbritannien |
| Originalsprache | Englisch |
| Erscheinungsjahr | 1984 |
| Länge | 110 Minuten |
| Altersfreigabe |
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| Produktionsunternehmen | BBC |
| Stab | |
| Regie | Mick Jackson |
| Drehbuch | Barry Hines |
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| Besetzung | |
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Der Film gilt als eine der realistischsten und schockierendsten Darstellungen über die Konsequenzen eines nuklearen Konflikts. Eine Eskalation zwischen den Supermächten im Nahen Osten führt binnen wenigen Wochen zum globalen Atomkrieg. Der Film schildert das Schicksal von zwei Familien einer durchschnittlichen englischen Industriestadt, kurz vor, während und über Jahrzehnte nach dem Angriff. Er behandelt Themen wie den „nuklearen Winter“, den totalen Zusammenbruch der Infrastruktur, die Strahlenkrankheit und die letztendliche Degeneration von Sprache und Kultur. Regisseur Mick Jackson nutzte einen semidokumentarischen Stil mit Informationstafeln und Erzählern, um die wissenschaftlichen und gesellschaftlichen Konsequenzen sachlich, aber auch sehr drastisch darzustellen.
Handlung
Der Film versucht aufzuzeigen, wie durch eine große Katastrophe – hier einen Atomkrieg – die sensiblen Fäden (englisch threads), die eine moderne Gesellschaft zusammenhalten, zerstört werden.
Als Kulisse des Films dient die nordenglische Stadt Sheffield, im Mittelpunkt des Geschehens steht ein junges Paar, Ruth Beckett (dargestellt von Karen Meagher) und Jimmy Kemp (Reece Dinsdale), sowie deren Familien. Die (fiktive) Handlung setzt im März 1983 mit der Invasion der Sowjetunion im Iran ein. Hieraus entsteht rasch eine ernsthafte politische Krise zwischen den Supermächten UdSSR und USA, die den sofortigen Rückzug der sowjetischen Streitkräfte fordern.
Der Weg zum Atomkrieg
Ruth merkt Anfang Mai, dass sie schwanger ist und erzählt dies Jimmy, der ihr daraufhin einen Heiratsantrag macht. Die beiden kaufen eine Wohnung und beginnen mit den Renovierungsarbeiten. Jimmy tut sich allerdings noch schwer mit dem Gedanken, bald verheiratet und Familienvater zu sein, da er den Verlust seiner Unabhängigkeit befürchtet. Zur selben Zeit verschärfen sich die weltpolitischen Spannungen, als bekannt wird, dass ein Schiff der US-Marine im Persischen Golf von den Russen versenkt worden ist. Im Gegenzug wird ein Schiff der sowjetischen Flotte angegriffen.
Der US-Präsident schickt daraufhin Bodentruppen in den Iran; der Bürgermeister Sheffields wird angewiesen, seinen Krisenstab zusammenzurufen. In den Supermärkten kommt es zu ersten Hamsterkäufen. Die Luftwaffenbasis RAF Finningley, 17 km von Sheffield entfernt, befindet sich im permanenten Alarmzustand (im Film ersichtlich über den BIKINI state).
Am 21. Mai stellen die USA der Sowjetunion ein Ultimatum, den Iran zu verlassen. In England demonstriert man gegen diesen Krieg. Die britische Regierung übernimmt die Kontrolle über British Airways, die Ölplattformen in der Nordsee werden von der Royal Navy gesichert. In der Bevölkerung befürchtet man, dass es zu einem großen Krieg kommen könnte, an einem Abend im Pup meint ein Arbeitskollege zu Jimmy, sie sollten noch einmal richtig ihre Freiheiten genießen, denn schon bald könnte wegen eines Atombombenangriffs alles vorbei sein. Jimmy lässt sich zunächst nur zögernd darauf ein, doch am Ende betrügt er seine Verlobte mit einer jungen Frau, die er im Pup kennengelernt hat – bei ihrem Schäferstündchen in Jimmys Auto werden die beiden aber durch eine vorbeifahrende Militärkolonne gestört.
Am 22. Mai um 12 Uhr läuft das Ultimatum aus. Amerikanische B-52-Bomber greifen die sowjetische Basis bei Maschhad an. Zu ihrer Verteidigung setzen die Sowjets auch eine nukleare Abwehrrakete ein. Die USA antworten postwendend mit einem Atomschlag auf den sowjetischen Stützpunkt. Der atomare Schlagabtausch ist damit zunächst beendet. Im britischen Parlament wird rasch ein Notstandsgesetz beschlossen. Überall im Land kommt es zu Unruhen, die Menschen stürmen die Supermärkte und andere Geschäfte, um sich noch rechtzeitig mit Lebensmitteln einzudecken; obwohl die offiziellen Stellen immer wieder betonen, es gäbe diesbezüglich keine Engpässe, sind viele Waren schon bald ausverkauft. Nachschub kann wegen Treibstoffmangels und weil Transportfahrzeuge für die Armee beschlagnahmt wurden, nicht mehr ausgeliefert werden. Viele Stadtbewohner versuchen deshalb, aufs Land zu flüchten, obwohl die Regierung dringend davon abrät.
Am 24. Mai wird ein Flugzeugträger der US-Navy im Persischen Golf versenkt. Daraufhin verhängt die US-Regierung eine Seeblockade gegen Kuba. Auf den britischen Autobahnen kommt es zu kilometerlangen Staus durch Flüchtlinge, zudem werden viele Straßen gesperrt, um Militärtransporte zu ermöglichen. Die Tankstellen werden geschlossen. Patienten mit leichteren Beschwerden müssen die Krankenhäuser verlassen, um Platz für die zu erwartende hohe Zahl an Verwundeten zu machen. „Subversive Elemente“ werden vorsorglich inhaftiert. Private Telefonanschlüsse werden gesperrt. Aufgrund einer Nachrichtensperre weiß die britische Öffentlichkeit nichts über die Atomschläge im Iran.
Am 25. Mai bestätigen Wissenschaftler die beiden atomaren Explosionen, die durch Seismographen und der Messung radioaktiver Stoffe in der Atmosphäre nachgewiesen werden konnten. Die Gewerkschaften drohen mit einem Generalstreik. Kunstwerke werden ebenso wie Feuerwehrwagen an sichere Orte gebracht. Der Bürgermeister von Sheffield begibt sich mit seinem Krisenstab in den Bunker unterhalb des Rathauses. Mehrere eigentlich für diese Notverwaltung vorgesehene Mitarbeiter verweigern sich jedoch oder erscheinen einfach nicht zum Dienst. Vermutlich wollen sie ihre Familien nicht alleine zurücklassen. Auch der Bürgermeister nimmt nur schweren Herzens Abschied von seiner Frau. Sie bittet ihn inständig, nicht in den Bunker zu gehen.
Über Fernsehen und Radio wird die Bevölkerung über die nun anlaufenden Notfallmaßnahmen informiert. Ruth bricht während der Arbeit in ihrer künftigen Wohnung ob der ernsten weltpolitischen Lage in Tränen aus.
Am Morgen des 26. Mai schließlich kommt es zum ersten nuklearen Schlagabtausch. Um 8:30 Uhr, so erfahren wir, ist es 3:30 Uhr in Washington, D.C., zu diesem Zeitpunkt dürften der US-Präsident und seine Berater noch im Bett liegen. Die NATO würde daher erst mit einer gewissen Verzögerung auf einen Angriff reagieren.
Ruth fühlt sich nicht wohl und bleibt im Haus ihrer Eltern, die etwas außerhalb von Sheffield wohnen. Jimmy ist schon bei der Arbeit in seiner Tischlerei irgendwo in der Stadt, seine beiden jüngeren Geschwister dürfen zu Hause bleiben, da alle Schulen vorsorglich geschlossen wurden.
Der Angriff auf Sheffield
Um 8:32 Uhr wird in Sheffield roter Alarm ausgelöst. Der Krisenstab im Bunker aktiviert die Notstromversorgung und bereitet sich auf den bevorstehenden Atomschlag vor. In Sheffield heulen alle Sirenen. Auf den Straßen herrscht mittlerweile das blanke Chaos. Jimmy und seine Kollegen, ebenfalls davon überrascht, versuchen irgendwo Schutz zu finden.
Der erste Sprengkopf explodiert um 8:35 Uhr über der Nordsee. Durch den elektromagnetischen Effekt wird die gesamte Stromversorgung in Großbritannien und Nordwesteuropa außer Betrieb gesetzt.
Um 8:37 Uhr erfolgt die erste Angriffswelle, diese richtet sich vorwiegend gegen die militärischen Einrichtungen der NATO. Der Luftwaffenstützpunkt RAF Finningley wird durch eine Bodenexplosion vollkommen zerstört. Sheffield bleibt vorerst noch unversehrt; der Atompilz über Finningley ist jedoch in der ganzen Stadt zu sehen. Auf den Straßen herrscht eine unbeschreibliche Panik. Jimmy springt in sein Auto, in der Hoffnung, so dem ganzen Desaster noch entkommen zu können, die Technik seines Wagens wurde aber durch den elektromagnetischen Impuls irreparabel beschädigt und er springt nicht an, so dass er sich zu Fuß auf den Weg machen muss. Landesweit sterben 2,5 bis 9 Millionen Menschen in dieser ersten Angriffswelle mit 80 Megatonnen (TNT-Äquivalent).
Nur wenig später explodiert der erste Atomsprengkopf über Sheffield. Im Hypozentrum der Explosion wird alles Leben von einer Sekunde auf die andere ausgelöscht, durch die Detonation erreichen die Temperaturen dort kurzzeitig zwischen 60 und 100 Millionen Grad Celsius. Gebäude nahe dem Einschlagpunkt werden durch die Druckwelle dem Erdboden gleichgemacht, organisches Material verdampft innerhalb von Sekunden. Weiter entfernte Gebäude werden schwer beschädigt. Die Menschen verbrennen entweder bei lebendigem Leib oder sterben durch die hohe Gammastrahlung. Glas zerschmilzt aufgrund der Hitzeentwicklung von 5.000–7.000 Grad Celsius. Kurz darauf detoniert noch ein zweiter Sprengkopf über der Stadt.
Insgesamt werden in diesem Krieg von Ost und West 3.000 Mt atomares Sprengmaterial aufeinander abgefeuert, 210 Megatonnen davon werden über Großbritannien zur Explosion gebracht. Bis zu zwei Drittel aller Wohngebäude werden durch die überall ausbrechenden Großbrände vernichtet. Durch die Druckwellen sind im gesamten Land fast alle Fensterscheiben zertrümmert worden, auch viele Dächer sind abgedeckt. Dadurch sind die Menschen dem radioaktiven Niederschlag (Fallout) schutzlos ausgesetzt, der schon anderthalb Stunden nach den Explosionen auf das brennende Sheffield niederregnet.
Ruth und ihre Eltern haben den Angriff in ihrem Keller dennoch fast unversehrt überstanden. Die bettlägerige Großmutter, die infolge der Notstandsmaßnahmen das Krankenhaus hatte verlassen müssen, stirbt aber schon bald darauf. Als Ruths Eltern ihre Leiche nach oben tragen und im Gang ablegen, beschließt Ruth auf eigene Faust nach Jimmy zu suchen. Sie kann das Ausmaß des Elends und der Verwüstung das sie in der weitgehend zerstörten Stadt sieht kaum begreifen: Die Straßen sind mit Trümmern übersät, überall liegen verkohlte Leichen und Tierkadaver, die wenigen Überlebenden auf die sie trifft stehen entweder unter Schock, sind verwirrt oder vollkommen apathisch. Ihre Eltern werden nur wenig später von Plünderern ermordet.
Über Jimmys weiteres Schicksal erfährt der Zuschauer nichts; Ruth geht mittlerweile davon aus, dass er schon beim ersten Angriff ums Leben gekommen ist, denn einer seiner Arbeitskollegen der Ruth später zufällig über den Weg läuft, weiß nichts über seinen Verbleib. Auch seine Eltern sterben wenige Tage nach den Atomschlägen an der Strahlenkrankheit, da sie in ihrem provisorischen Schutzbau stark durch den radioaktiven Niederschlag kontaminiert wurden und die Mutter durch den Atomblitz schwere Verbrennungen erlitten hat. Unter den ersten Todesopfern der Angriffe sind auch Jimmys Bruder Billy und dessen Schwester: Billy stirbt im Garten seines Elternhauses, wo er nach Jimmys Vögeln sehen wollte, seine Schwester irgendwo auf der Straße, da man sie vorher noch zum Einkaufen geschickt hatte. Als Ruth endlich Jimmys Elternhaus erreicht findet sie in den Trümmern nur mehr die Leiche seiner Mutter vor, als Andenken an ihn nimmt sie ein angekokeltes Buch über exotische Vögel mit, die er gezüchtet hatte.
Der Rathausbunker, in dem sich der Bürgermeister und sein Mitarbeiterstab in Sicherheit gebracht haben, liegt nach dem Atomschlag unter einer meterhohen Schicht aus Schutt und Trümmern begraben aus der sie sich nicht mehr befreien können. Die Verschütteten versuchen, ihr Gemeinwesen trotzdem noch irgendwie zu managen, da aber die Telefonverbindungen ausgefallen sind und nur mehr das Funkgerät funktioniert, haben sie keinen Überblick über die Lage in der Stadt und können nur wenige hilfreiche Anweisungen geben. Zudem wurden die Katastrophenschutzpläne offenbar nicht besonders sorgfältig durchdacht, der Krisenstab ist sich im Unklaren darüber, welche Kompetenzen man überhaupt hat. So können z. B. die Lebensmittelvorräte nicht an die notleidende Bevölkerung verteilt werden, auch diskutiert man schließlich ganz offen darüber, ob es überhaupt noch Sinn macht, die knappen Lebensmittel an Menschen auszugeben die wegen dem hoch radioaktiven Fallout den sie ausgesetzt waren sowieso keine großen Überlebenschancen mehr haben. Die Bunkerinsassen leiden zudem bald selbst an Trinkwasser- und Lebensmittelmangel.
Das Leben in der Nachkriegszeit
Anderthalb Wochen nach den Angriffen setzt der nukleare Winter ein. 100 Mio. Tonnen Rauch- und 500 Mio. Tonnen Staubpartikel sind durch die Atomschläge bis in die obersten Schichten der Erdatmosphäre befördert worden; diese gewaltige Schadstoffmenge blockt den größten Teil des Sonnenlichts ab. Auch tagsüber ist es jetzt in Sheffield düster und kalt, die Temperaturen fallen um bis zu 25 Grad.
Nachdem – bis auf Ruth – alle Hauptakteure ums Leben gekommen sind, treten an die Stelle einer festen Rahmenhandlung verschiedene Einblicke in den Nachkriegsalltag: Ärzte und Pflegepersonal in den wenigen noch funktionierenden Krankenhäuser sind mangels Sanitätsmaterial mit dem exorbitant hohen Ansturm an Verletzten und Kranken vollkommen überfordert, Die Reste von Armee und Polizei können nur mit Waffengewalt die Ordnung halbwegs wiederherstellen. Es gibt kein sauberes Wasser, keinen Strom, keine Unterkünfte und viel zu wenige Nahrungsmittel, überall im Land herrscht das Recht des Stärkeren und damit mehr oder minder Chaos und Anarchie, auch Epidemien, wie z. B. die Cholera, greifen immer mehr um sich.
Die Überlebenden werden aufgefordert, sich am Wiederaufbau zu beteiligen, aber meisten sind für schwere körperliche Arbeit viel zu schwach. Die Zahl der Toten in Großbritannien steigt drei Wochen nach dem Angriff auf 10 bis 20 Millionen, innerhalb der nächsten vier Monate weiter auf einen Stand zwischen 17 und 38 Millionen. Die meisten Leichen bleiben dort wo sie gestorben sind, unbestattet liegen, da es überall an Arbeitskräften mangelt.
Überall im Land werden Internierungslager errichtet; Diebe, Plünderer und Kriminelle werden kurzerhand exekutiert. Durch das nur spärliche Sonnenlicht können die Pflanzen nicht auswachsen oder verdorren, dementsprechend katastrophal fällt die erste Nachkriegsernte aus. Ruth bringt in der Scheune einer Farm unter draumatischen Umständen ihre Tochter Jane zur Welt (deren Name nur im Nachspann genannt wird), die – erstaunlicherweise – nicht durch die Strahlung geschädigt und völlig gesund zu sein scheint. Einige Wochen nach dem Angriff schafft es ein Bergungskommando der Armee, in den Rathausbunker vorzudringen – zu diesem Zeitpunkt sind aber alle Insassen schon längst tot.
Nach einem Jahr kehrt zwar das Sonnenlicht wieder zurück; aber die Ozonschicht ist durch die Schadstoffemissionen massiv geschädigt worden, damit sind die Menschen der harten UV-Strahlung nahezu schutzlos ausgesetzt. Das Risiko, deswegen an Hautkrebs und grauem Star zu erkranken, ist sehr hoch. Der Mangel an Pflanzendünger lässt weiterhin keine größeren Ernteerträge zu, fehlende Insektizide führen zur massenhaften Vermehrung von Schädlingen. Ruth ernährt sich und ihre Tochter u. a. auch von Rattenkadavern, die sie von einem Mann zugesteckt bekommt, der aber dafür als Gegenleistung Sex von ihr verlangt. Erst drei bis acht Jahre nach Kriegsende hat sich die Ozonschicht wieder weitgehend regeneriert, man schätzt, dass zu diesem Zeitpunkt die Bevölkerungszahl der britischen Inseln durch Krieg, Hunger und Krankheiten von ursprünglich etwa 55 Millionen auf einen Stand zwischen 11 und 4 Millionen gesunken ist.
Zehn Jahre später ist Ruth durch das harte und entbehrungsreiche Leben und den Folgen der radioaktiven Verseuchung vorzeitig gealtert; auf dem rechten Auge ist sie durch die hohe UV-Strahlung erblindet. Während der Feldarbeit bricht sie zusammen und stirbt wenig später in ihrer Unterkunft. Jane nimmt den Tod ihrer Mutter regungslos zur Kenntnis, was von ihrem Besitz als nützlich erscheint, nimmt sie an sich, das Buch über exotische Vögel, das ihre Mutter als Andenken die ganzen Jahre gehütet hatte, lässt sie achtlos liegen. Wie viele andere Nachkriegskinder hat sie nie richtig sprechen gelernt, sie beherrscht nur wenige Wörter und kann sich nur in sehr kurzen, schwer zu verstehenden Sätzen artikulieren. Regelmäßiger Schulunterricht findet nicht mehr statt, in einer Szene sitzen die Kinder teilnahmslos vor einem noch halbwegs funktionstüchtigen Videogerät auf dem ihnen von einer gleichgültigen älteren Frau ein Lehrfilm über Tierskelette vorgespielt wird, den sie aber offensichtlich gar nicht richtig verstehen.
Jane verbringt nun ihre Zeit damit, verschlissene Kleidung notdürftig zu reparieren oder auf dem Feld zu arbeiten. In einer Szene zieht sie zusammen mit einer Gruppe Jugendlicher durch die Ruinen eines Stadtviertels und stiehlt ein Stück Brot, um das sie sich später mit einem der Jungen streitet. Sie wird von ihm vergewaltigt und geschwängert.
Mittlerweile gibt es an einigen wenigen Orten wieder Strom; an Technik werden hauptsächlich Dampfmaschinen eingesetzt. Bergbau muss von Hand betrieben werden.
In den letzten Einstellungen des Films läuft die hochschwangere Jane durch die Ruinen, die immer noch das Stadtbild prägen. Man schreibt das Jahr 1996 und sie ist nun dreizehn Jahre alt, ihr Umfeld lässt erkennen, dass Großbritannien immer noch auf den Stand eines Entwicklungslandes verharrt. Sie sucht ein armselig ausgestattetes Hospital auf und bringt dort ihr Kind zur Welt. Es ist eine Totgeburt, da das Baby durch die Strahlung schwer missgebildet ist.
Analyse
Der Film Threads arbeitet mit verschiedenen Mitteln; neben der eigentlichen Handlung gibt es noch die Rolle eines Erzählers, der dem Zuschauer wichtige Hintergrundfakten vermittelt. In der Darstellung der Ereignisse hält sich der Film kaum zurück, manche Einzelheiten werden allerdings nur angedeutet (beispielhaft sei hier die letzte Szene genannt: der Zuschauer kann nur mutmaßen, wie schrecklich das Neugeborene aussieht, da Ruths Tochter bei dessen Anblick zu einem furchtbaren Schrei ausholt – wobei an die Stelle des Schreis der Nachspann tritt). Viele Bilder des Films bleiben dem Betrachter jedoch lange in Erinnerung – neben den überall herumliegenden, entstellten Leichen und beispielsweise einem Korb mit toten Ratten natürlich auch der Atompilz, der durch die Zerstörung Finningleys hervorgerufen wird. Dieser wurde übrigens derart real nachgestellt, dass zum Zeitpunkt der Dreharbeiten viele Bürger tatsächlich glaubten, es habe einen Atomangriff gegeben. An verschiedenen Stellen von „Threads“ kommen die als offizielle Informationsmaterialien der britischen Regierung gedrehten Zivilschutzfilme des Protect-and-Survive-Programms vor, nach deren Ratschlägen sich die Protagonisten von Threads (letztlich erfolglos) richten.
Analog zur ähnlichen US-Produktion The Day After – Der Tag danach legt Threads den Schluss nahe, dass die Gesellschaft sich nie von der Katastrophe erholen wird.
Bereits mehrere Jahre zuvor wurde der mehr im Stile einer Fernsehdokumentation aufgemachte, jedoch in seiner Drastik ähnlich weit gehende, britische Film zur gleichen Thematik The War Game produziert. Der ursprünglich 1965 gedrehte Fernsehfilm wurde aber wegen seiner verstörenden Wirkung erstmals 1985 ausgestrahlt.
Rezeption
| Quelle | Bewertung |
|---|---|
| Rotten Tomatoes (Tomatometer) | 100 %[2] |
| Metacritic (Metascore) | 92/100[3] |
| AllMovie |
Tag Null erhielt ein sehr gutes Presseecho, was sich auch in den Auswertungen US-amerikanischer Aggregatoren widerspiegelt. So erfasst Rotten Tomatoes ausschließlich wohlwollende Besprechungen und ordnet den Film dementsprechend als „Frisch“ ein.[2] Metacritic ermittelt aus den vorliegenden Bewertungen „Allgemeines Kritikerlob“.[3]
Häufig wurde der Film mit The Day After verglichen.[5] Vielfach beurteilten die Kritiker Threads als den besseren der beiden Filme.[6] Die sehr realitätsnahe Darstellung der Auswirkungen eines Atomkriegs auf gewöhnliche Zivilpersonen wurde besonders gelobt, gleichzeitig aber auch kritisiert, dass die (mitunter sehr drastischen) Darstellungen nicht für jeden Zuschauer geeignet seien.[7] Manche Kritiker attestieren dem Film einen hohen pädagogischen Wert.
“It is a real education, after watching this you will not be in favour of nuclear weapons.”
„Er hat echt erziehende Wirkung. Wer ihn gesehen hat, wird Atomwaffen nicht mehr befürworten.“[8]
1985 gewann der Film in vier Kategorien je einen BAFTA TV Award.
Veröffentlichungen
Der Film wurde am 23. September 1984 auf BBC2 ausgestrahlt und ein Jahr später zum Jahrestag der Atombombenabwürfe auf Hiroshima und Nagasaki wiederholt sowie in den USA und Australien gezeigt. Danach verschwand der Film bis 2003 in den Archiven.[9] In Großbritannien erhielt der Film vom BBFC eine Altersfreigabe ab 15.
Die deutsche Synchronisation erfolgte durch den ORF und das Schweizer Fernsehen unter dem Titel Tag Null. Der Film wurde am 6. August 1985 vom Schweizer Fernsehen[10] und am 8. August 1985 vom ORF im Programm FS2 gezeigt.[1] Der deutsche Pidax Film- und Hörspielverlag hat Tag Null auf DVD und Blu-ray veröffentlicht.
Weblinks
- Tag Null bei IMDb
- Tag Null in der Online-Filmdatenbank