Talbot Avenger

Mittelklassefahrzeug des französischen PSA-Konzerns From Wikipedia, the free encyclopedia

Der Talbot Avenger ist ein in der unteren Mittelklasse positioniertes Fahrzeug des französischen PSA-Konzerns, das von 1979 bis 1981 als viertürige Limousine und als Kombi gebaut und fast ausschließlich auf den britischen Inseln verkauft wurde. Er ist der Nachfolger des Chrysler Avenger, mit dem er technisch und äußerlich weitgehend übereinstimmt, und geht in seiner Grundkonzeption auf den 1970 eingeführten Hillman Avenger zurück. Der Talbot Avenger galt als eine veraltete Konstruktion und hatte in seiner kurzen Produktionszeit nur eine Außenseiterrolle.

Schnelle Fakten Avenger ...
Talbot
Bild
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Talbot Avenger (1981)
Avenger
Produktionszeitraum 1979–1981
Klasse Untere Mittelklasse
Karosserieversionen Limousine, Kombi
Motoren Ottomotoren:
1,3–1,6 Liter
Länge 4144–4272 mm
Breite 1615 mm
Höhe 1408 mm
Radstand 2498 mm
Leergewicht 891–965 kg
Vorgängermodell Chrysler Avenger
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Modellgeschichte

Talbot mit Chrysler-Logo

Der Avenger wurde in der zweiten Hälfte der 1960er-Jahre von dem britischen Automobilhersteller Rootes als Konkurrent der Mittelklassemodelle von Ford (Cortina), BMC (Austin Maxi, Morris Marina) und General Motors (Vauxhall Viva)[1] entwickelt. Als das Auto 1970 auf den Markt kam, war Rootes mittlerweile vom US-amerikanischen Chrysler-Konzern übernommen worden. Der Avenger war das letzte neue Modell, das unter der Rootes-Marke Hillman eingeführt wurde. 1976 nahm Chrysler UK eine Umstrukturierung der Modellpalette vor, in deren Verlauf der Avenger ein Facelift erhielt. Das Auto stand danach als Chrysler Avenger im Programm und ergänzte als betont konservatives Modell den 1975 eingeführten modernen Fronttriebler C6, den Chryslers französische Tochter Simca entwickelt hatte und der ab 1976 als Chrysler Alpine für den britischen Markt in Ryton-on-Dunsmore produziert wurde. Grund für die Fortsetzung der Avenger-Produktion war im Wesentlichen, dass Chrysler sein Press- und Montagewerk im schottischen Linwood auslasten musste.[Anm. 1]

Nachdem die wirtschaftlichen Schwierigkeiten Chryslers auch in den USA existenzbedrohend geworden waren,[2] verkaufte der Konzern Ende 1978 seine europäischen Tochterunternehmen in Frankreich, Großbritannien und Spanien an die von Peugeot geführte französische PSA-Gruppe. PSA forcierte danach auch in Großbritannien die Produktion europaweit einheitlicher Modelle, vor allem des C6 und der neu entwickelten Kompaktlimousine Chrysler Horizon. Den Bau des britischen Chrysler Hunter, der 1966 erschienen und als letzter Ableger der Rootes-Arrow-Reihe noch im Programm verblieben war, stellte PSA unmittelbar nach der Übernahme ein. Den Avenger führte PSA dagegen vorübergehend weiter, ohne ihn weiterzuentwickeln. Lediglich der erst 1978 eingeführte, vom Avenger abgeleitete Sunbeam erhielt ein Facelift und technische Modifikationen. Avenger und Sunbeam wurden ab 1979 unter der neu etablierten Marke Talbot verkauft. Ungeachtet dessen behielt der Avenger – anders als die übrigen Chrysler-Modelle, deren Produktion PSA fortsetzte – auch nach der Umbenennung in Talbot das Chrysler-Logo (Pentastar) in der Kühlermaske bei.

Am 11. Februar 1981 endete die Produktion des Avenger ebenso wie die des Sunbeam. Drei Monate später wurde das Werk in Linwood, in dem die beiden Modelle gebaut worden waren, stillgelegt und schrittweise abgerissen.[3]

Modellbeschreibung

Karosserie

Der Talbot Avenger war als viertürige Limousine mit einem Semifließheck und als Kombi mit großer Heckklappe erhältlich; die zweitürige Version, die noch beim Chrysler Avenger erhältlich gewesen war, entfiel.[4] Das unter der Leitung von Roy Axe entworfene Karosseriedesign des Avenger wurde nicht verändert. Das Profil des bereits 1965 gestalteten Avenger ist von der Coke-Bottle-Linie geprägt, die die Rootes-Designer bereits 1966 in den Karosserieentwurf aufgenommen hatten[4] und die Ende der 1970er-Jahre veraltet war. Ab 1980 waren beim Talbot Avenger die Dächer der Limousinen in allen Ausstattungsvarianten serienmäßig mit Vinyl überzogen;[4] beim Vorgänger von Chrysler hatte es das Vinyldach nur bei der teuersten Ausstattungslinie GLS gegeben.

Fahrwerk

Die Vorderräder sind einzeln an MacPherson-Federbeinen aufgehängt, hinten hat der Avenger eine Starrachse an vier Lenkern (zwei längs, zwei diagonal) mit Schraubenfedern.[5] Vorn und hinten gibt es Teleskopstoßdämpfer.

Motorisierung

Der Antrieb des Talbot Avenger entspricht dem des Chrysler Avenger. Hier wie da kommen vorn längs eingebaute Reihenvierzylindermotoren mit Graugussblöcken und oben hängenden Ventilen zum Einsatz.[6] Angetrieben werden jeweils die Hinterräder. Zur Wahl standen Motoren mit einem Hubraum von 1295 cm³ (Bohrung × Hub: 78,6 × 66,7 mm) oder 1598 cm³ (87,3 × 66,7 mm). Die Leistungsspanne reichte wie beim Chrysler Avenger von 59 PS (43 kW) bis 80 PS (59 kW). Allerdings war die Zuordnung der Motoren teilweise anders als beim Chrysler. Während die stärkste Motorenvariante beim Chrysler Avenger ausschließlich im viertürigen GLS erhältlich war, gab es ihn beim Talbot Avenger exklusiv im Kombi.[7]

Weitere Informationen Modelle und Motorisierungen, Hubraum ...
Modelle und Motorisierungen
Hubraum Bohrung × Hub Motorleistung Höchstgeschwindigkeit Verfügbarkeit
1295 cm³ 78,6 × 66,7 mm 59 PS (43 kW) 133 km/h Avenger 1300 LS Saloon/Estate
Avenger 1300 GL Saloon/Estate
1598 cm³ 87,3  × 66,7 mm 69 PS (41 kW) 151 km/h Avenger 1600 LS Saloon/Estate
Avenger 1600 GL Saloon/Estate
80 PS (59 kW) 160 km/h Avenger 1600 GLS Estate
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Produktion

Der Talbot Avenger wurde vollständig im schottischen Werk Linwood hergestellt. Dort entstanden seit Markteinführung des Avenger im Jahr 1970 die Rohkarosserien des Avenger, und seit 1976 fand dort auch die Endmontage statt. Unter PSA-Führung entstanden von 1979 bis 1981 insgesamt 37.309 Avenger. Diese Zahl schließt eine Reihe von Autos aus dem Frühjahr 1979 ein, die nach Übernahme durch PSA, aber vor Einführung der neuen Marke Talbot noch als Chrysler verkauft wurden.[8]

Todd Motors in Neuseeland komplettierte bis Ende 1980 aus Großbritannien importierte Avenger-Bausätze (CKD) für den lokalen Markt. Die CKD-Produktion endete zusammen mit der Einstellung des Avenger in Europa.[9]

Rezeption

Der Talbot Avenger wurde als langweilige und veraltete Konstruktion empfunden.[8]

Literatur

Anmerkungen

  1. Chrysler UK hatte Ende 1975 finanzielle Hilfen von der britischen Regierung in Anspruch nehmen müssen. Im Gegenzug musste Chrysler sich verpflichten, alle Arbeitsplätze in dem von der Schließung bedrohten Werk Linwood zu erhalten. Dort war zuvor die Produktion des kleinen Hillman Imp ausgelaufen; die Fertigung des Avenger musste daraufhin die Lücke in der Auslastung schließen (vgl. Keith Adams: Labour’s bailout of Chrysler (UK) – death of a dream or vital lifeline? www.aronline.co.uk, 10. Januar 2023, abgerufen am 27. Januar 2026.).

Einzelnachweise

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