Tanking
die Praxis, absichtlich schwache Mannschaften aufstellen, um Ligaregeln auszunutzen, die den unterlegenen Teams in der nächsten Saison Vorteile bringen
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Tanking bezeichnet im Mannschaftssport die Praxis, absichtlich leistungsschwache Mannschaften aufzustellen, um Ligaregeln auszunutzen die den unterlegenen Teams in der nächsten Saison Vorteile bringen.[1] Die betreffenden Teams zielen in der Regel auf die höchsten Draft-Picks im nächsten Draft ab, da diese Picks üblicherweise an die Teams mit der schlechtesten Bilanz der Vorsaison gehen.
Taktik
Teams, die mit dem Tanking beginnen, geben oft ihre Starspieler ab, um die Gehaltskosten zu senken und jüngere Talente zu verpflichten.[2] Eine weitere Möglichkeit ist es den besten Spielern weniger Einsatzzeit zu geben oder sie verletzt zu melden. Dadurch müssen die Bankspieler länger spielen und das Leistungsniveau des gesamten Teams nimmt ab.
Obwohl die Begriffe „Tanking“ und „Rebuilding“ manchmal synonym verwendet werden, gibt es Unterschiede zwischen den beiden Konzepten.[3][4]
Tanking ist in US-amerikanischen Mannschaftssportarten mit geschlossenen Ligen wie der NBA, der NFL, der NHL und anderen deutlich verbreiteter als in offenen Sportligen anderer Länder. Dort werden schwache Leistungen typischerweise durch ein Auf- und Abstiegssystem bestraft, bei dem die schlechtesten Teams jeder Saison in eine niedrigere Liga absteigen und durch die besten Teams dieser Liga ersetzt werden. Der Abstieg kostet die Teams Einnahmen und erschwert die Verpflichtung von Top-Talenten, wodurch Tanking keinen Sinn macht.
Tanking unterscheidet sich von Handlungen die unternommen werden, um ein vorher festgelegtes Ergebnis in einem bestimmten Wettkampf zu erzielen und als Spielmanipulation bezeichnet wird.
Tanking im Baseball
Die Chicago Cubs und die Houston Astros in der Major League Baseball (MLB) waren in den 2010er Jahren Vorreiter dieser Strategie. Die Astros beendeten drei Jahre in Folge die Saison mit der schlechtesten Bilanz der Liga – mit mindestens sechs Spielen Rückstand. Beide Teams nutzten ihre anschließenden Draft-Picks, um Starspieler auszuwählen, die sie zu Meisterschaften führten: Die Cubs gewannen die World Series 2016, die Astros 2017 und 2022.[5] Andere Teams wie die Miami Marlins, Baltimore Orioles, Kansas City Royals und Detroit Tigers versuchten, diese Strategie nachzuahmen, indem sie ihre besten Spieler abgaben. Ihr Ziel war es, jüngere Stars zu draften und zu entwickeln sowie Kosten zu senken, um einige Jahre später wieder konkurrenzfähig zu sein. Allerdings ist Tanking im Baseball deutlich weniger effektiv, da die Top-Draft-Picks der MLB viel seltener erfolgreich sind als ihre Pendants in der NBA oder NFL.[6]
Tanking im Basketball
Die Dallas Mavericks wurden in den letzten Spielen der NBA-Saison 2023 des Tanking beschuldigt. Die Mavericks waren mit hohen Erwartungen in die Saison gestartet, doch nachdem sie auf den 11. Platz der Western Conference abgerutscht und aus dem Play-in-Turnier ausgeschieden waren, schonten sie in ihrem vorletzten Saisonspiel gegen die Chicago Bulls die Stars Luka Dončić und Kyrie Irving sowie zahlreiche Stammspieler. Die Mavericks verloren das Spiel und verpassten damit die Playoffs. Ihren Draft-Pick schuldeten die Mavericks den New York Knicks, dieser war jedoch Top-10-geschützt – die Niederlage erhöhte die Wahrscheinlichkeit, dass sie ihn im NBA-Draft 2023 behalten konnten. Head Coach Jason Kidd gab nach dem Spiel zu, dass die Entscheidung, Spieler zu schonen, von Teambesitzer Mark Cuban und General Manager Nico Harrison getroffen worden war. Nach der Saison wurden sie wegen ihres Verhaltens mit einer Geldstrafe von 750.000 US-Dollar belegt.[7][8][9][10][11]
Tanking im Football
Ein Vorteil des Tankings in der National Football League im Vergleich zu anderen Sportligen ist, dass es keine Draft Lottery gibt, sodass dem schlechtesten Team auch der erste Pick zugesprochen wird. Zudem haben hohe Draftpicks in der NFL eine höhere Tauschkraft als in anderen Ligen. Aufgrund der großen Kadergröße (derzeit 53) und Startspieler (22) gibt es jedoch wenige Einzelspieler, die ein Team im Alleingang zu größerem Erfolg verhelfen. Auch die kurze Saison mit nur 16–17 Regular-Season-Spielen und ungleichen Spielplänen macht Tanking im Football eher unattraktiv, da auch eigentlich stärkere Teams eher hinter schwächeren Teams landen als in Ligen mit 82 und mehr Spielen.[12]
Tanking im Football war lange Zeit nicht bekannt. Vor 2011 fand es nahezu nicht statt, da hohe Draftpicks auch mit teureren Verträgen kamen, was durch den Salary Cap nachteilig war. Mit dem Tarifvertrag 2011 kam jedoch eine Gehaltsobergenze für Rookieverträge, die Top-Picks zu einem begehrten Gut machten, da General Manager sich daraus Star-Spieler für wenig Geld erhofften.[13] Bereits während der Saison 2011 starteten Fans der Indianapolis Colts die sogenannte „Suck for Luck“-Kampagne, mit dem Ziele, dass sich die Colts den Gesamterstenpick sicherten und damit Quarterback Andrew Luck auswählen sollten. Zuvor hatte sich Colts-Star-Quarterback Peyton Manning eine Nackenverletzung zugezogen und fiel die gesamte Saison aus. Nicht nur die Offense des Divisionsiegers des Vorjahres fiel jedoch auseinander, sondern auch die Defense. Mit nur zwei Siegen aus 16 Spielen konnten die Colts daher den ersten Pick erhalten und wählten Luck aus. Obwohl es nie bewiesen werden konnte, wird dies meist als erster Tankingvorfall in der NFL-Geschichte bezeichnet. Seitdem wurden öfter Tankingvorwürfe gegen verschiedene Teams laut.[14]
Als Gegenmaßnahme zu Tanking führte die Football-Minor-League USFL 2022 ein, dass als die beiden schlechtesten Teams zum Saisonende aufeinander trafen, der Gewinner den Top-Pick im nächsten Draft erhält.[15]