Tennenlohe

Gemarkung und statistischer Bezirk von Erlangen, Bayern, Deutschland From Wikipedia, the free encyclopedia

Tennenlohe (fränkisch: Dännalou[2]) ist ein Gemeindeteil der kreisfreien Stadt Erlangen (Mittelfranken, Bayern).[3] Der Statistische Bezirk 52 wird ebenfalls Tennenlohe genannt, ebenso gibt es eine Gemarkung Tennenlohe, die in der Fläche deckungsgleich ist mit der ehemaligen Gemeinde Tennenlohe.

Schnelle Fakten Kreisfreie Stadt Erlangen ...
Tennenlohe
Kreisfreie Stadt Erlangen
Koordinaten: 49° 33′ N, 11° 2′ O
Höhe: 294–312 m ü. NHN
Fläche: 2,87 km²
Einwohner: 4610 (2024)[1]
Bevölkerungsdichte: 1.606 Einwohner/km²
Eingemeindung: 1. Juli 1972
Postleitzahl: 91058
Vorwahl: 09131
Karte
Der Statistische Bezirk 52 (Tennenlohe) und die Gemarkung Tennenlohe in Erlangen
Tennenlohe Ortskern Luftaufnahme (2019)
Tennenlohe Ortskern Luftaufnahme (2019)
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Tennenlohe ist Standort des Innovations- und Gründerzentrums Nürnberg-Fürth-Erlangen, des Fraunhofer-Instituts für Integrierte Schaltungen, des Lehrstuhls für Kunststofftechnik sowie neuerdings des geographischen Instituts der Universität Erlangen. Auch die Unternehmenszentrale der Großbäckerei Der Beck sowie etliche Unternehmen der IT-Branche befinden sich in Tennenlohe. Internationale Kunst wird im Skulpturenpark Tennenlohe, 1994 gegründet vom Erlanger Künstler Dieter Erhard, und auf der Skulpturachse Tennenlohe ganzjährig präsentiert.

Geographie

Der Ortskern von Tennenlohe, im Vordergrund die Kirche St. Maria Magdalena (2019)
Das Gasthaus „Rotes Ross“ wurde 1609 erbaut und 1984 modernisiert
Skulpturenpark und Löschweiher

Gemarkung

Die Gemarkung Tennenlohe hat eine Fläche von 4,470 km². Sie ist in 3016 Flurstücke aufgeteilt, die eine durchschnittliche Fläche von 1482,09 m² haben.[4][5]

Statistischer Bezirk

Der Statistischen Bezirk 52 (Tennenlohe) hat eine Fläche von 2,869 km² und umfasst nur das nördlich der Bundesautobahn 3 gelegene Gebiet der Gemarkung Tennenlohe. Der südliche, annähernd unbewohnte Teil gehört zum Statistischen Bezirk 51 (St. Egidien).

Lage

Das Pfarrdorf liegt im Knoblauchsland sieben Kilometer südlich der Stadt Erlangen an der Bundesautobahn 3 und der Bundesstraße 4, die Distanz nach Nürnberg beträgt zehn Kilometer. Nördlich von Tennenlohe erstreckt sich das Waldgebiet Brucker Lache bis an die Erlanger Innenstadt und bis nach Bruck. Hier liegt auch das Walderlebniszentrum Tennenlohe, eines von fünf Walderlebniszentren der Bayerischen Forstverwaltung. Das Walderlebniszentrum bietet neben einem Waldmuseum mit Ausstellungen zur Geschichte des Sebalder Reichswalds sowie zu Flora und Fauna der Wälder auch einen Naturerlebnispfad mit verschiedenen Stationen wie Zapfenwerfen, Tierweitsprung oder einem Waldlabyrinth, der auch außerhalb der Öffnungszeiten des Zentrums benutzt werden kann. Östlich des Ortes befindet sich das Naturschutzgebiet Tennenloher Forst,[6] welches nicht nur von den Bewohnern Tennenlohes gerne als Erholungsgebiet zum Wandern und Radfahren genutzt wird. Etwa 80 Kunstwerke sind in und um den Erlanger Kunstvorort Tennenlohe zu entdecken.

Geschichte

Frühgeschichte

In der Umgebung beim Dornberg bei Tennenlohe wurden aus der jüngeren Steinzeit Steingeräte aus Feuer- oder Hornstein gefunden.[7]

Ortsgeschichte

Tennenlohe dürfte wohl erst im 11./12. Jahrhundert während der Siedlungsperiode im Sebalder- und Lorenzer Reichswald entstanden sein. Erstmals urkundlich erwähnt wurde der Ort im Jahr 1265 als „Tenninloch“. Der Ortsname bedeutet ‚Tannenwald‘ (Grundwort -loch, Bestimmungswort mhd. tennīn für ‚aus Tannenholz‘).[8] In dem Dokument wurde der Verkauf eines Guts an das Kloster Engelthal am 23. März 1265 beurkundet. Als Zeuge wurde ein Conradus de Tenninloch benannt. Man darf also davon ausgehen, dass der Ort von diesem Geschlecht gegründet wurde. Abgesehen davon ist zum Geschlecht der Tennenloher nicht viel mehr bekannt. Es gab später abermals Nennungen des Namens in Urkunden, hierbei darf jedoch davon ausgegangen werden, dass damit nicht mehr dieses Tennenlohe gemeint war.[9]

Lange Zeit gehörte Tennenlohe zur Reichsstadt Nürnberg; dies ist auch noch am Wappen der Stadt Nürnberg zu erkennen, welches in der Kirche Sankt Maria Magdalena hängt. Tennenlohe lag an der Handelsstraße Nürnberg-Bayreuth-Leipzig und war daher ein beliebter Ort zum Rasten für Leute auf der Durchreise.

Von 1797 bis 1810 unterstand Tennenlohe dem Justiz- und Kammeramt Erlangen. 1810 kam der Ort an das Königreich Bayern. Im Rahmen des Gemeindeedikts wurde Tennenlohe dem 1813 gebildeten Steuerdistrikt Bruck zugewiesen.[10] Mit dem Zweiten Gemeindeedikt (1818) entstand die Ruralgemeinde Tennenlohe.[11] Sie war in Verwaltung und Gerichtsbarkeit dem Landgericht Erlangen zugeordnet und in der Finanzverwaltung dem Rentamt Erlangen (1919 in Finanzamt Erlangen umbenannt). Ab 1862 gehörte Tennenlohe zum Bezirksamt Erlangen (1939 in Landkreis Erlangen umbenannt) und zum Stadt- und Landgericht Erlangen (1879 in das Amtsgericht Erlangen umgewandelt). 1964 hatte die Gemeinde eine Gebietsfläche von 4,203 km².[12]

Nach 1945 entstanden in Tennenlohe zahlreiche neue Wohn- und Gewerbegebiete, insbesondere nach der Fertigstellung der Bundesautobahn 3 von Nürnberg nach Frankfurt 1964. In den 1960er- und 1970er-Jahren entstanden in Tennenlohe sehr viele Reihenhäuser und Mehrfamilienhäuser, hauptsächlich gebaut von den Unternehmen Doma, Heinlein, EBU und der KWG. Die heutige Straße „Böhmlach“ hieß zur damaligen Zeit „Doma-Straße“, da dort ausschließlich Reihenhäuser der Firma Doma gebaut wurden.

Gebietsreform

Die im Jahre 1967 durch Ministerpräsident Alfons Goppel angekündigte Gebietsreform hatte in erster Linie das Ziel, die kommunale Selbstverwaltung zu stärken und den steigenden Bedürfnissen der Bürger gerecht zu werden. Als Besonderheit kam im Großraum der kreisfreien Städte Nürnberg, Erlangen, Fürth und Schwabach hinzu, dass man eine durchgehende Städteachse ohne eigenständige Gemeinden dazwischen schaffen wollte. Diese Pläne der Staatsregierung sollten einen Konkurrenzkampf zwischen den kleinen Landgemeinden und den großen kreisfreien Städten vermeiden.[13]

Die Pläne der Staatsregierung stießen bei den Tennenloher Bürgern auf großen Unmut. Bei einer Bürgerversammlung stimmten 200 Bürger gegen die Eingemeindung nach Erlangen. Lediglich ein Bürger stimmte für die Eingemeindung.[14] Um diesem Stimmungsbild Rechnung zu tragen und die Eingemeindung zu vermeiden, hat man überlegt, eine Verwaltungsgemeinschaft mit anderen Gemeinden aus dem Landkreis Erlangen zu bilden (Gemeinderat 16. März 1971) oder sich sogar mit der westlich gelegenen Nachbargemeinde Eltersdorf zusammenzuschließen (Gemeinderat 30. Juli 1971).[13]

Sämtliche dieser Bemühungen waren jedoch erfolglos und so wurde die Landgemeinde Tennenlohe am 1. Juli 1972 nach Erlangen eingemeindet. Die zwischen Stadt und Gemeinde verhandelten Eingemeindungsverträge haben festgelegt, wie die Eingemeindung vonstattengehen wird. Festgelegt wurde darin beispielsweise, dass Gebühren für Abfallentsorgung, Straßenreinigung usw. zunächst für 3,5 Jahre weiter gelten.[14] Überdies wurde 1974 auch eine Außenstelle der Erlanger Stadtverwaltung im Sandsteinhäuschen (Branderweg 1) errichtet,[15] welche von Sybila Most bedient wurde. 1976 wurde die Zahl der Amtstage auf zwei pro Woche reduziert, bevor die Verwaltungsstelle 1981 endgültig ihre Türen für die Bürger geschlossen hat.[16]

Einwohnerentwicklung

Weitere Informationen Jahr ...
Jahr181818401852185518611867187118751880188518901895190019051910
Einwohner335420421415381376382372404399379408360353362
Häuser[17]525361706870
Quelle[10][18][19][19][20][21][22][23][24][25][26][19][27][19][28]
Jahr191919251933193919461950195219611970198720212024
Einwohner4024434885238118688751076224039854610
Häuser7997169972
Quelle[19][29][19][19][19][30][19][12][31][32][1][1]
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Religion

Tennenlohe ist seit der Reformation evangelisch-lutherisch geprägt und Sitz der Pfarrei St. Maria Magdalena gepfarrt. Die Katholiken sind nach St. Peter und Paul (Bruck) gepfarrt.[33]

Kultur und Sehenswürdigkeiten

Baudenkmäler

In Tennenlohe gibt es 20 Baudenkmäler:[34]

  • Branderweg 1: Ehemaliges Hirten- und Armenhaus
  • Branderweg 6: Gasthaus Rotes Roß
  • Branderweg 7: Ehemaliges Forsthaus
  • Branderweg 10: Wohnhaus
  • Franzosenweg 19: Friedhof
  • Gründlacher Straße 20: Bauernhaus
  • Herringstraße 1: Bauernhaus und ehemaliges Zapfenwirtshaus
  • Herringstraße 5: Bauernhaus
  • Im Gäßla 3/Branderweg: Gartenmauer
  • Im Gäßla 4: Ehemalige Tabakscheune
  • Lannersberg 1: Bauernhaus
  • Schloßgasse 6: Scheune
  • Schloßgasse 7: Ehemaliges Schloss Tennenlohe
  • Sebastianstraße 2: Ehemaliges Schulhaus
  • Sebastianstraße 4: Evangelisch-lutherische Pfarrkirche St. Maria Magdalena
  • Sebastianstraße 8: Gasthaus Goldener Schwan
  • Sebastianstraße 11: Bauernhaus
  • Sebastianstraße 17: Ehemaliges Gasthaus Goldener Bock
  • Sebastianstraße 18: Wohnhaus
  • Sebastianstraße 20: Bauernhaus

Lokale Kultur und Dialekt

Feste und Traditionen

In Tennenlohe werden traditionelle fränkische Feste gefeiert. Dazu gehört insbesondere die Tennenloher Kerwa, welche für gewöhnlich Mitte August stattfindet. Bestandteil der Feierlichkeiten sind der Bieranstich zur Eröffnung der Kerwa, das Aufstellen des Kerwabaumes, der Kirchweihgottesdienst sowie das Betzenaustanzen. Die Kerwa dauert in der Regel vier Tage.

Dialekt

In Tennenlohe spricht man den Nürnberger Dialekt. Es handelt sich dabei um eine Variante des Ostfränkischen. Der Dialekt hat etwa zur Hälfte Merkmale, die aus dem Nordbairischen übernommen sind. Insbesondere die „ou“- und „äi“-Laute findet man hier wieder. Daher lautet die Aussprache des Ortes im Dialekt auch Dennalouh.

Der letzte Bürgermeister der Gemeinde Tennenlohe, Adolf Most, hat in der Ortszeitschrift der SPD Tennenlohe regelmäßig mundartliche Gedichte verfasst, die unter dem Titel „Tennälouher Gwaaf“ erschienen sind. Die Gedichte hat er unter dem Pseudonym „Tennälouher Gerch“ verfasst. Behandelt wurden verschiedene Themen - meist handelte es sich um Aufreger die das Dorf beschäftigte. Des Weiteren ist unter anderem das Kerwa-Lied im lokalen Dialekt verfasst.

Durch den verstärkten Zuzug von Neubürgern, insbesondere im Zeitraum von etwa 1960 bis 1980, ist der Dialekt immer weiter verschwunden. Die ursprüngliche Form, wie sie von alteingesessenen Tennenlohern gesprochen wurde, ist kaum noch zu finden.

Vereinsleben

In Tennenlohe gibt es eine Vielzahl von Vereinen. Darunter beispielsweise die Schützengemeinschaft Tennenlohe, die Kärwaburschen und Kärwamadli Tennenlohe e. V., Frankenballon e. V. und viele mehr.[35]

Von besonderer Relevanz sind der Sportverein Tennenlohe sowie der Arbeitskreis Tennenlohe des Heimat- und Geschichtsvereins Erlangen.

Verkehr und Infrastruktur

Verkehr

Gemeindeverbindungsstraßen verbinden Tennenlohe mit Großgründlach und Reutles. Die Äußere-Tennenloher-Str. führt nordwestlich nach Bruck. Die Kreisstraße ER 3 verbindet Tennenlohe in Richtung Westen mit Eltersdorf und nach Osten mit der Kurt-Schumacher-Str. und der Bundesstraße 4. Letztere führt in nördliche Richtung nach Erlangen und in Richtung Süden nach Nürnberg. Über die Anschlussstelle 84 Erlangen-Tennenlohe ist der Ort an die Bundesautobahn 3 angebunden.

In Tennenlohe verkehren vier Buslinien. Die Buslinie 295 verbindet Tennenlohe auf kurzem Weg mit der Erlanger Kernstadt. Die Linie 290 führt über Reutles, Großgründlach und Boxdorf nach Nürnberg am Wegfeld und in andere Richtung über Bruck bis zum Erlanger Waldkrankenhaus. Die Linie 20 fährt über die technische Fakultät der FAU zu den Erlanger Arcaden und in der anderen Richtung nach Nürnberg am Wegfeld. An der Haltestelle am Wegfeld besteht Anschluss an die Straßenbahn Nürnberg. Im Rahmen der Stadt-Umland-Bahn ist auch eine Anbindung Tennenlohes an die Straßenbahn geplant. Darüber hinaus besteht an Wochenenden eine Nachtbusverbindung mit der Linie N10.

Der nächstgelegene Bahnhaltepunkt befindet sich in Eltersdorf.

Infrastruktur

In Tennenlohe gibt es einen Supermarkt und einen Discounter. Die Großbäckerei Der Beck betreibt zwei Filialen im Ort. Des Weiteren gibt es eine Apotheke sowie mehrere Haus- und Zahnärzte. Jeweils ein evangelischer und ein katholischer Kindergarten sowie eine Grundschule befinden sich auch im Ort.

Bildergalerie

Söhne und Töchter des Ortes

  • Johann von Herring (1758–1836), österreichischer Unternehmer
  • Ernst Johann von Herring-Frankensdorf (1816–1871), österreichischer Unternehmer und Mitglied des Mährischen Landtages
  • Peter Greve (1910–1983), Bildhauer und Maler

Literatur

Commons: Tennenlohe (Erlangen) – Sammlung von Bildern

Fußnoten

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