Teufelsgeige
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Die Teufelsgeige, auch Deiwelsgeije, Bumbass oder (vor allem im Sarntal) Bettelgeige, französisch basse de Flandre, ist ein Rhythmus- und Lärminstrument, das in der Volksmusik bei Fastnachtsumzügen, beim Zampern oder bei Polterabenden eingesetzt wird. Instrumentenkundlich gehören allen Formen der Teufelsgeige zu den Stabzithern.
Bauform
Das ursprüngliche Instrument war in Westeuropa im 17. Jahrhundert ein einfacher Musikbogen, zwischen dessen gebogenem, elastischem Holzstab und der Saite an einem Ende eine mit Luft gefüllte Tierblase als Resonanzkörper steckt. Die Saite wurde mit einem Holzstab gestrichen oder angeschlagen. Der in der litauischen Volksmusik gespielte pūslinė ist in einer traditionellen Form ein elastischer Musikbogen mit einer zwischen Saitenträger und Saite eingeklemmten Schweinsblase. Dieser pūslinė und der Mundbogen kon-kon in der Wolgaregion sind die in Europa in der Gegenwart praktisch einzigen Musikbögen.
Ist der Stab fest und gerade, lautet die Klassifizierung Musikstab. Es gibt pūslinė mit einem gekrümmten, aber nahezu festen Stab und ein bis zwei Saiten, die sich an einem Griffbrett verkürzen lassen. Die Saiten werden mit einem Bogen gestrichen.[1]
Die heute verbreitete Teufelsgeige gehört ebenfalls zu den Musikstäben. Der Saitenträgers, dessen Länge die Körpergröße des Spielers nicht überschreiten sollte, ist mit ein bis drei Saiten bespannt. Daran befestigt sind diverse Idiophone wie Schellen, Schellenring, Zimbeln und Klanghölzer. Als Korpus dient häufig ein Tamburin. Früher wurden ausrangierte Haushaltsgegenstände aus Blech am Holzstab fixiert. Oft wird die Teufelsgeige durch einen Teufels- oder Kasperkopf an der Spitze des Stabes geschmückt. Die Instrumente werden mit einem Schlägel geschlagen, mit sägezahnartigen Einritzungen daran lassen sich die Saiten zupfen. Wird der Holzstab auf den Boden gestampft, so ertönt durch die metallenen Klangkörper und Rasseln der typische Klang der Teufelsgeige.
In der Slowakei wird ein der Teufelsgeige entsprechendes Saiteninstrument namens ozembuch meist zusammen mit einem Akkordeon als Gesangsbegleitung zur Unterhaltung gespielt.[2] Die flämischen Varianten heißen boembas.[3]
Die polnische „Teufelsgeige“, diabelskie skrzypce, gehörte früher zu magischen jahreszeitlichen Ritualen und wurde von Sternsingern an Weihnachten, an Fastnacht und an Ostern eingesetzt. Heute dient die diabelskie skrzypce in einigen Volksmusikgruppen als Rhythmusinstrument. In der historischen Region Kurpie lassen sich auch langsame Melodien hervorbringen, indem die Spannung der an einem drehbaren Holzwirbel befestigten Saite während des Spiels verändert wird.[4]
- Litauischer Musikbogen pūslinė, dessen Saite durch eine Schweinsblase verstärkt wird, auf einer Briefmarke
Literatur
- Anthony C. Baines: Bumbass. In: Grove Music Online, 2001
- Manfrid Ehrenwerth: Teufelsgeige und ländliche Musikkapellen in Westfalen. (Beiträge zur Volkskultur in Nordwestdeutschland herausgegeben von der Volkskundlichen Kommission für Westfalen Landschaftsverband Westfalen-Lippe, Heft 79) F. Coppenrath, Münster 1992, ISBN 3-89325-983-X
Weblinks
- Teufelsgeigen-Bauanleitung auf dibborsch.de ( vom 1. Dezember 2017 im Internet Archive)
- Schlagwort Teufelsgeige bei Flickr mit zahlreichen Abbildungen
- The bumbass, lagerphone, and tromba marina connection. A short history of the one string stick. Website von Jon Rose