Thaleischweiler

Ortsteil von Thaleischweiler-Fröschen From Wikipedia, the free encyclopedia

Thaleischweiler ist mit rund 2800 Einwohnern der größere Ortsteil der im rheinland-pfälzischen Landkreis Südwestpfalz liegenden Ortsgemeinde Thaleischweiler-Fröschen.

Schnelle Fakten Ortsgemeinde Thaleischweiler-Fröschen ...
Thaleischweiler
Wappen der ehemaligen Gemeinde Thaleischweiler
Koordinaten: 49° 16′ N,  35′ O
Höhe: 250 m ü. NHN
Einwohner: 2822 (30. Juni 2007)[Ohne Beleg]Vorlage:Infobox Ortsteil einer Gemeinde in Deutschland/Wartung/NoEinwQuelle
Eingemeindung: 7. Juni 1969
Postleitzahl: 66987
Vorwahl: 06334
Thaleischweiler (Rheinland-Pfalz)
Thaleischweiler (Rheinland-Pfalz)
Lage von Thaleischweiler in Rheinland-Pfalz
Straßenzug in Thaleischweiler
Straßenzug in Thaleischweiler
Schließen

Lage

Der Ort liegt am westlichen Rand des Pfälzerwalds am Schwarzbach, der ihn vom Ortsteil Thalfröschen trennt. Zu Thaleischweiler gehören auch die Wohnplätze „Am Schloß“, „Buchenwaldhof“, „Einöde Buchholz“, „Lenspacherhof“ und „Rosselmühle“.[1]

Geschichte

Mittelalter

Das Dorf war ein zwischen den Grafschaften Zweibrücken-Bitsch und Leiningen-Dagsburg gemeinsames Kondominat. In Zweibrücken-Bitsch gehörte es zum Amt Lemberg und dort zur Amtsschultheißerei Fröschen.[2]

Frühe Neuzeit

1570 verstarb Graf Jakob von Zweibrücken-Bitsch (* 1510; † 1570) als letztes männliches Mitglied seiner Familie. Das Amt Lemberg erbte seine Tochter, Ludovica Margaretha von Zweibrücken-Bitsch, die mit dem (Erb-)Grafen Philipp (V.) von Hanau-Lichtenberg verheiratet war. Ihr Schwiegervater, Graf Philipp IV. von Hanau-Lichtenberg, gab durch die sofortige Einführung des lutherischen Bekenntnisses dem streng römisch-katholischen Herzog Karl III. von Lothringen Gelegenheit, militärisch zu intervenieren, da dieser die Lehnshoheit über die ebenfalls zum Erbe gehörende Herrschaft Bitsch besaß. Im Juli 1572 besetzten lothringische Truppen die Grafschaft. Da Philipp IV. der lothringischen Übermacht nicht gewachsen war, wählte er den Rechtsweg. Beim anschließenden Prozess vor dem Reichskammergericht konnte sich Lothringen hinsichtlich der Herrschaft Bitsch durchsetzen, das Amt Lemberg dagegen – und somit auch der hanau-lichtenbergische Teil von Thaleischweiler – wurde der Grafschaft Hanau-Lichtenberg zugesprochen.

1736 starb mit Graf Johann Reinhard III. der letzte männliche Vertreter des Hauses Hanau. Aufgrund der Ehe seiner einzigen Tochter, Charlotte (* 1700; † 1726), mit dem Erbprinzen Ludwig (VIII.) (* 1691; † 1768) von Hessen-Darmstadt fiel die Grafschaft Hanau-Lichtenberg – und damit auch der Hanauer Anteil an Thaleischweiler – nach dort. Der bis 1791 Leining’sche Anteil gehörte anschließend denen von Sickingen.[3]

Neuzeit

Im Zuge der Französischen Revolution wurde 1794 das linke Rheinufer im Ersten Koalitionskrieg besetzt. Thaleischweiler wurde französisch. Von 1798 bis 1814 gehörte Thaleischweiler zum Kanton Waldfischbach im Departement Donnersberg.

Aufgrund der auf dem Wiener Kongress getroffenen Vereinbarungen kam das Gebiet im Juni 1815 zunächst zu Österreich und wurde 1816 auf der Grundlage eines Staatsvertrags an das Königreich Bayern abgetreten, wo es zum Rheinkreis gehörte[4] und hier zum Landkommissariat Pirmasens, ab 1862 zum Bezirksamt Pirmasens und seit 1939 zum Landkreis Pirmasens, der 1997 in Landkreis Südwestpfalz umbenannt wurde.

Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde die Gemeinde Thaleischweiler innerhalb der französischen Besatzungszone Teil des Regierungsbezirks Pfalz im damals neu gebildeten Land Rheinland-Pfalz. Im Zuge der rheinland-pfälzischen Verwaltungsreform wurde Thaleischweiler am 7. Juni 1969 zusammen mit Thalfröschen zur neuen Gemeinde Thaleischweiler-Fröschen zusammengelegt.[5]

Wappen

Die Sparren des Ortswappens entstammen dem Wappen der Grafschaft Hanau.

Jüdische Gemeinde Thaleischweiler

Aus dem Jahre 1767 stammt die erste schriftliche Nachricht von Juden, ein Schreiben den Regenten ist unterzeichnet von „Joseph Isaac Schulz, Jud zu Thaleischweiler“.[6] Vom 18. Jahrhundert bis etwa 1910 gab es in Thaleischweiler eine jüdische Gemeinde. Sie hatte eine Synagoge, eine Religionsschule (in einem 1854 gekauften und zu einem Schulhaus umgebauten Gebäude), ein rituelles Bad und einen Friedhof. Der jüdische Friedhof wurde 1902 eröffnet und liegt innerhalb es des allgemeinen Ortsfriedhofes an der Friedhofstraße. Zur Besorgung religiöser Aufgaben der Gemeinde war zeitweise ein Lehrer angestellt, der zugleich als Vorbeter und Schochet tätig war.

Das bis heute als Wohnhaus erhaltene Gebäude der ehemaligen Synagoge in Thaleischweiler war ein ursprüngliches Wohnhaus, das 1827/28 zu einer Synagoge umgebaut wurde, dabei wurden wahrscheinlich die bis heute charakteristischen Rundbogenfenster eingebaut. Es ist ein Bruchsteinbau mit Satteldach.

Im 19. Jahrhundert entwickelte sich die Zahl der jüdischen Einwohner wie folgt: 1801 und 1808 je 86 jüdische Einwohner (16,4 % der Gesamteinwohnerschaft), 1825 waren es 99 und 1848 insgesamt 143 in 25 Familien. Um 1810 werden als Haushaltsvorstände genannt: Samuel Auer, Raphael Bloch, Salomon Deutschmann, Samuel Deutschmann (Gebrauchtwarenhändler), Schmuel Feiß, Jacob Frank, Marx Frank, Moses Frank (Kleinhändler), Marianne Hirsch, Jacques Kern, Isaac Lesem (Kleinhändler), Judith Lesem Witwe, Leopold Mayer, Jacques Nathan (Kleinhändler), Zacharias Schwarz, Abraham Stern (Gebrauchtwarenhändler) und Michel Stern (Gebrauchtwarenhändler)[7]. Um 1924 gehörten noch 12 Personen zur jüdischen Gemeinde, diese hatte sich schon 1910 mit den in Thalfröschen lebenden Juden der jüdischen Gemeinde Höheneinöd angeschlossen.

Von den in Thaleischweiler geborenen oder längere Zeit im Ort lebenden Juden sind 16 in der NS-Zeit umgekommen (Angaben nach den Listen von Yad Vashem, Jerusalem und den Angaben des „Gedenkbuches - Opfer der Verfolgung der Juden unter der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft in Deutschland 1933-1945“).

Persönlichkeiten

Verkehr

Der Ort verfügt zusammen mit dem kleineren Teilort über den gemeinsamen Haltepunkt Thaleischweiler-Fröschen an der Bahnstrecke Landau–Rohrbach.

Literatur

  • Beamtenverzeichniß und Statistik des Königlich Bayerischen Regierungsbezirkes der Pfalz. Speyer 1870.
  • Friedrich Knöpp: Territorialbestand der Grafschaft Hanau-Lichtenberg hessen-darmstädtischen Anteils. [maschinenschriftlich] Darmstadt 1962. [Vorhanden in Hessisches Staatsarchiv Darmstadt, Signatur: N 282/6].
  • Alfred Matt: Bailliages, prévôté et fiefs ayant fait partie de la Seigneurie de Lichtenberg, du Comté de Hanau-Lichtenberg, du Landgraviat de Hesse-Darmstadt. In: Société d’Histoire et d’Archaeologie de Saverne et Environs (Hrsg.): Cinquième centenaire de la création du Comté de Hanau-Lichtenberg 1480 – 1980 = Pays d’Alsace 111/112 (2, 3 / 1980), S. 7–9.

Einzelnachweise

Related Articles

Wikiwand AI