The Secret Session
Musikalbum von Red Norvo
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The Secret Session ist ein Musikalbum von Red Norvo. Die 1942 entstandenen Aufnahmen erscheinen 2025 auf Dot Time Records.
| The Secret Session | ||||
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| Studioalbum von Red Norvo | ||||
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Veröffent- |
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Aufnahme |
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Format(e) |
CD, Download | |||
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Titel (Anzahl) |
10 | |||
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45:30 | ||||
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Besetzung |
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Johanan ‘Jo’ Bickhardt, Jerry Roche | ||||
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Hintergrund
In den 1940er-Jahren war Red Norvo ein fester Bestandteil von Benny Goodmans Sextett und leitete gleichzeitig Aufnahmegruppen, zu denen auch die künftigen Bebop-Pioniere Charlie Parker und Dizzy Gillespie gehörten. Die Situation durch den Eintritt der Vereinigten Staaten in den Zweiten Weltkrieg und der Einberufung vieler Musiker einerseits und des Recording ban andererseits stürzten den Vibraphonisten und Bandleader in eine Krise. Er hatte 1942 eine unkonventionelle Band zusammengestellt und litt unter künstlerischer Unsicherheit; er musste befürchten, dass die Einberufungen ihm die Chance auf Aufnahmen nehmen würden, Er löste das Problem, indem er einen ihm wohlgesonnenen Toningenieur dazu brachte, die Regeln des Aufnahmebanns zu brechen. Nachts ließ Norvo seine Band zu einer geheimen Aufnahmesession zusammenkommen, die bisher in keiner Diskografie aufgeführt wurde.[1]
Mit Norvo spielten der 18-jährige Trompeter Milton „Shorty“ Rogers (später eine feste Größe der kalifornischen Cool-Jazz-Szene), der 20-jährige Posaunist Edward Joseph Bertolatus, besser bekannt als Eddie Bert und der Komponist des Großteils des Materials dieser Session, sowie der 19-jährige Aaron Sachs, zu dieser Zeit ein vielversprechender Nachwuchsmusiker im Bebop, der auch Klarinette und Altsaxophon spielte. Die Rhythmusgruppe bildeten der Bassist Clyde Lombardi bei seinem Debüt als Musiker und der Schlagzeuger Gordon „Specs“ Powell. Über den Pianisten herrscht noch Unsicherheit, aber man vermutet die Mitwirkung des Pianisten Hank Kahout aus Cleveland, der bereits häufig mit anderen Norvo-Bands gespielt hatte.[1]
Titelliste
- Red Norvo: The Secret Session (Dot Time Records)
- One Note Jive 3:41
- Speculatin’ 4:39
- I May Be Wrong 6:43
- Keep Smilin’ 3:14
- Rose Room (Art Hickman, Harry Williams) 8:26
- Russian Lullabye 4:28
- Bugle Call Rag (Jack Pettis, Billy Meyers, Elmer Schoebel) 3:24
- Slender Tender and Tall 2:55
- Optical Illusion Pt. 1 4:25
- Liza (George Gershwin, Ira Gershwin, Gus Kahn) 3:24
Wenn nicht anders vermerkt, stammen die Kompositionen von Eddie Bert.
Rezeption

Jegliche Jazzaufnahme aus der Zeit von Petrillos Aufnahmeverbot sei wertvoll, da sie die tiefe Wirkung des Bebop auf junge Musiker widerspiegle, meint Len Weinreich (UK Jazz News). Obwohl Rogers, Bert und Sachs später in diesem Stil große Erfolge feiern sollten, würden diese Aufnahmen kaum davon zeugen und eher in Richtung Duke Ellington weisen, insbesondere jener temperamentvollen kleinen Gruppen der 1930er Jahre, die nominell von Johnny Hodges, Cootie Williams und Barney Bigard angeführt wurden. 1942 hätten sich Norvos „Young Turks“, die ihren eigenen Stil noch nicht gefunden hatten, noch im Einflussbereich der etablierten Meister befunden. Sachs' Klarinettenspiel schwanke zwischen dem allgegenwärtigen Goodman und gelegentlich Lester Young (insbesondere dessen Darbietungen auf den unersetzlichen Aufnahmen der Kansas City Six) und, am Altsaxophon, einem Hauch des voluminösen Pete Brown. Rogers' Bewunderung für Cootie Williams sei deutlich erkennbar, ebenso wie Berts für Trummy Young. Kahout wiederum sei sichtlich von Teddy Wilson fasziniert und, in geringerem Maße, von Count Basie. Norvo aber bleibe sich treu – und das sei gut so.[1]
Das würde eine faszinierende Frage aufwerfen, ob diese Aufnahmen jemals zur Veröffentlichung gedacht weren, so Weinreich weiter. Aller Wahrscheinlichkeit sei dies nicht der Fall gewesen. Angesichts ihrer heimlichen Entstehung und der Dringlichkeit, die Session schnell abzuschließen, klängen sie alle wie erste, hastig aufgenommene Takes. Außerdem sei „I May Be Wrong“ über sechs Minuten lang, „Rose Room“ sogar acht – beides außerhalb der Grenzen der Schellackplatten, dem damals gebräuchlichsten Format. „Meiner Meinung nach“, so endet Weinreich seine Betrachtung, „wollte Norvo in einer zunehmend unsicheren Welt die Leistungen der Band dokumentieren und einige originelle Klangkombinationen bewahren.“ Heute könnte man sich nun an seiner Entscheidung erfreuen und „gleichzeitig einige sehr junge, talentierte Musiker in Aktion erleben.“[1]
Weblinks
- The Secret Session von Red Norvo. In: Bandcamp. (englisch).