Aue-Stiftung
finnische Stiftung zur Förderung deutscher Kultur und Gelehrtengesellschaft
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Die Aue-Stiftung (finnisch Aue-Säätiö, schwedisch Aue-Stiftelsen, englisch Aue-Foundation) ist eine 1985 vom Ehepaar Ulla und Theodor Aue gegründete private und politisch ungebundene Stiftung mit Sitz in Finnlands Hauptstadt Helsinki. Vorsitzende ist seit 2020 Annamari Arrakoski-Engardt.[1]
| Aue-Stiftung | |
|---|---|
| Rechtsform | Registrierte Stiftung |
| Gründung | 1985 in Helsinki |
| Gründer | Theodor und Ulla Aue |
| Sitz | Munkkiniemen Puistotie 18 B 47, 00330 Helsinki |
| Motto | Kultureller Austausch im europäischen Geist |
| Vorsitz | Annamari Arrakoski-Engardt |
| Geschäftsführung | Johanna Hovilainen |
| Website | http://www.aue-stiftung.org/ |
Die mehrsprachig arbeitende Stiftung fördert das Bewusstsein für die Kultur des deutschsprachigen Europas sowie den wissenschaftlichen und künstlerischen Austausch zwischen Mitteleuropa, dem Ostseeraum und Finnland. Zudem engagiert sie sich für die Stärkung Europas als verantwortungsbewusster Vorreiter nachhaltiger Entwicklung und als Verteidiger der Werte der liberalen Demokratie.[1]
Theodor Aue

Theodor Wilhelm Aue (geboren am 28. März 1916 in Kokand in Russisch-Turkestan; gestorben am 23. Juni 1991 in Detmold) war ein finnischer Unternehmer, der aus einer deutschbaltisch geprägten Familie mit engen wirtschaftlichen und kulturellen Verbindungen nach Russland stammte. Die Memoiren seiner Mutter, Margarethe Aue, wurden von der Germanistin Luise Liefländer-Leskinen veröffentlicht.[2]
Die Familie ließ sich nach der Russischen Revolution zunächst in Estland, ab 1925 dauerhaft in Finnland nieder. Aue besuchte die Deutsche Schule Helsinki und studierte anschließend an der Handelshochschule Helsinki.
1955 übernahm Aue die Leitung des väterlichen Import- und Exportunternehmens Oy Max Aue Ab, das er bis zum Verkauf 1975 erfolgreich ausbaute. Darüber hinaus war er Mitgründer der Lebensmittelimportfirma Oy Seege Ab.
Neben seiner unternehmerischen Tätigkeit engagierte sich Aue im deutschen Kulturleben Helsinkis, insbesondere in der Deutschen Schule, der Deutschen Evangelisch-Lutherischen Gemeinde und der Deutschen Bibliothek.
Prägend für sein Denken waren persönliche Erfahrungen mit politischer Verfolgung von Familienangehörigen in der Sowjetunion sowie sein Interesse an der Geschichte der Immigration aus Zentraleuropa in den europäischen Nordosten und der daraus langfristig resultierende kulturelle und wirtschaftliche Austausch über Landesgrenzen.[3]
Geschichte
Vor dem Hintergrund seines ausgeprägten europäisch-integrativen Geschichts- und Kulturverständnisses, das sich gegen Nationalismus und ideologische Verengung richtete, gründete Theodor Aue 1985 gemeinsam mit seiner Ehefrau Ulla Aue die Stiftung. Die operative Tätigkeit, mit dem Ziel der Förderung der deutschen Kultur und der historischen Forschung im nord- und osteuropäischen Raum, begann 1988.[3]
Bis 1998 hatte die Stiftung den Namen Stiftung zur Förderung deutscher Kultur (finnisch Saksalaisen kulttuurin edistämissäätiö, schwedisch Stiftelsen för främjande av tysk kultur).[4] Seit 1999 lautet der deutsche Name Aue-Stiftung,[5] nach dem Familiennamen der Stifter.
Stiftungsarbeit
Die Aue-Stiftung ist als „registrierte Stiftung“ (rekisteröity säätiö / registrerad stiftelse) nach finnischem Recht registriert. Sie ist Mitglied in der Delegation der wissenschaftlichen Gesellschaften in Finnland[6] und dem Verband der Wissenschaftsverlage in Finnland (Suomen tiedekustantajien liitto / Förbundet för vetenskapspublicering i Finland).[7]
Sie kooperiert mit Organisationen im Ausland, darunter die Universitäten Stettin und Greifswald sowie Academia Baltica[6] und das Finnland-Institut in Berlin.[1]
Im Inland kooperiert die Stiftung eng mit anderen deutschsprachigenen Institutionen in Finnland, darunter das Goethe-Institut Finnland, die Deutsch-Finnische Handelskammer, die Deutsche Bibliothek Helsinki, die Deutsche Evangelisch–Lutherische Gemeinde in Finnland, die Deutsche Schule Helsinki, sowie mit den Botschaften Deutschlands, Österreichs und der Schweiz. Außerdem besteht Zusammenarbeit mit dem Finnischen Deutschlehrerverband, dem Finnland-Österreich Verein, dem Verein Sveitsin Ystävät Suomessa und Suomi-Saksa Yhdistysten Liitto.[1]
Zu den zentralen Tätigkeiten der Aue-Stiftung gehören die Initiierung von Forschungsprojekten, die Durchführung von wissenschaftlichen Tagungen sowie thematische Veröffentlichungen. Auf ihrer Website betreibt die Stiftung außerdem einen mehrsprachigen Blog.[8]
Stipendien
Die Stiftung unterstützt die Forschung sowie kulturelle Aktivitäten und ökumenische Arbeit. Dazu vergibt sie Forschungs- und Reisestipendien. Außerdem wird der Schüleraustausch im deutschsprachigen Mitteleuropa gefördert.[9]
Veröffentlichungen
Organisation
Die hauptamtliche Geschäftsführerin ist seit 2019 die studierte Germanistin Johanna Hovilainen.[12] Sie wird durch den Vorstand, einen Beirat und den Forschungsausschuss unterstützt.
Vorstand
Den Vorsitz des Vorstands hat seit 2020 die Literaturwissenschaftlerin[13] Annamari Arrakoski-Engardt inne.
Beirat
Ein Beirat, dessen Mitglieder auf Lebenszeit ernannt werden, unterstützt die Arbeit des Vorstandes. Zu den prominenten Beiratsmitgliedern gehören die ehemaligen Ministerpräsidenten Finnlands Mari Kiviniemi und Paavo Lipponen, der Bibliothekar Robert Schweitzer, die Historiker Seppo Hentilä und Seppo Zetterberg, die Biochemikerin Marja Makarow, die Politikwissenschaftlerin Anna-Maija Mertens, die Journalistin Katarina Baer, die Ökonomin Sinikka Salo, die ehemalige Botschafterin Ritva Koukku-Ronde, der ehemalige Botschafter Hans Peter Bazing, der Autor Roman Schatz sowie weitere Personen. Ein ehemaliges Beiratsmitglied ist der Historiker Matti Klinge.[1]
Forschungsausschuss
Der Forschungsausschuss der Aue-Stiftung ist für die wissenschaftliche Bearbeitung stiftungsnaher Themen zuständig und an der Stipendienvergabe beteiligt. Ein Schwerpunkt liegt auf der Weiterentwicklung des Themenspektrums in den Bereichen Sprache, Kultur, Gesellschaft, Politik und Geschichte sowie auf der Konzeption neuer wissenschaftlicher Veranstaltungsformate und deren Durchführung. Den Vorsitz des Forschungsausschusses hat seit 2021 die Germanistin und Professorin Sandra Reimann inne.[1]
Preise
Die Stiftung vergibt mehrere Preise für herausragende Leistungen im Sinne der Stiftungsziele sowie an verdiente Freunde und Förderer der deutschen Sprache und deutschsprachigen Kultur in Finnland.[9]
- Theodor-Aue-Preis (10.000 €)
- Margarethe-Aue-Preis (5.000 €)
- Ulla-Aue-Preis (5.000 €)
- Medaille für Verdienste um Frieden und Verständigung (5.000 €)
Vorsitzende
Siehe auch
Literatur
- Luise Liefländer-Leskinen (Hrsg.): Margarethe Aue. Lebenserinnerungen (= Veröffentlichungen der Aue-Stiftung. Band 48). Aue-Stiftung, Helsinki 2023, ISBN 978-952-7283-17-2.
- Robert Schweitzer: Theodor Aue und seine Stiftung (= Veröffentlichungen der Aue-Stiftung. Band 51). 2., durchgesehene und aktualisierte Auflage. Aue-Stiftung, Helsinki 2024, ISBN 978-952-7283-19-6.