Thomas Marksteiner

österreichischer Klassischer Archäologe From Wikipedia, the free encyclopedia

Thomas Marksteiner (* 26. Februar 1958 in Wien; † 12. November 2011) war ein österreichischer Klassischer Archäologe und ehemaliger Leiter der österreichischen Grabungen in Limyra.

Leben

1958 als Sohn des Psychiaters Alois Marksteiner geboren, besuchte er für seine Schulbildung das Lycée Français de Vienne. Er studierte ab 1982 Klassische Archäologie und Ägyptologie an der Universität Wien, diplomierte über Das Südtor von Limyra und promovierte über Die befestigte Siedlung von Limyra im Jahr 1992 bei Jürgen Borchhardt. Der wissenschaftliche Fokus seiner Arbeiten liegt auf einer umfassenden Darstellung der Wehrarchitektur und Siedlungsstrukturen Lykiens, welche die archaische, klassische und hellenistische Epoche umspannt.

Ausgehend von Limyra war Marksteiner lange Zeit in zahlreichen Feldforschungsprojekten integriert. Er nahm 1997 bis 2000 an Frank Kolbs Survey Kyaneai teil, ebenso wie 1991 bis 2000 an den von Christian Le Roy und später Jacques des Courtils geleiteten Grabungen in der Stadt Xanthos.

Einen eigenständigen Schwerpunkt bildeten jedoch die von ihm gemeinsam mit Kollegen und Freunden entwickelten Surveyprojekte in dem Umland von Limyra von 1994 bis 2000. Dazu gehören insbesondere ein Survey auf dem Bonda Tepe sowie eine weitere Untersuchung im Weichgebiet der hellenistischen Siedlung Istlada. Seine erarbeitete Expertise in Bezug auf antike Befestigungsanlagen fand bald darauf auch Anerkennung außerhalb der lykischen Studien, was zur Betrauung mit der Bearbeitung der Stadtmauern von Ephesos führte.

Im Jahr 2000 erfolgte die Habilitation Trysa. Eine zentrallykische Niederlassung im Wandel der Zeit. Am 3. April 2001 erhielt er die Lehrbefugnis als Universitätsdozent für Klassische Archäologie.[1] Bald darauf trat er die Nachfolge Jürgen Borchhardts an und übernahm die Leitung der österreichischen Ausgrabungen in Limyra von 2002 bis 2007. Dort leitete er ein stratigrafisches Projekt, das neue Daten zur Entwicklung Limyras lieferte. Zudem leitete er ein Surveyprojekt in Andriake, der Hafenstadt des antiken Myra.

Verheiratet war er mit der Archäologin Banu Yener-Marksteiner, die gleichfalls in Lykien forscht.[2]

Veröffentlichungen (Auswahl)

  • Die befestigte Siedlung von Limyra (= Forschungen in Limyra Bd. 1). Phoibos-Verlag, Wien 1997, ISBN 3-901232-09-5 (Dissertation)
  • Trysa – eine zentrallykische Niederlassung im Wandel der Zeit. Siedlungs-, architektur- und kunstgeschichtliche Studien zur Kulturlandschaft Lykien (= Wiener Forschungen zur Archäologie Bd. 5). Phoibos-Verlag, Wien 2002, ISBN 3-901232-30-3 (Habilitationsschrift)
  • Lykien. Ein archäologischer Führer. Phoibos-Verlag, Wien 2010, ISBN 978-3-85161-029-1.
  • Sondage 9 in der Weststadt, in: J. Borchhardt, Bericht der Grabungskampagne in Limyra 1987, KST 10/2, 1988, 113 – 116.
  • Das Südtor von Limyra mit Berücksichtigung von Toranlagen und Wehrarchitektur in Lykien, ÖJh 59, 1989, Beibl. 39 – 110.
  • Siedlungsstrukturen in Lykien, in: Götter, Heroen, Herrscher in Lykien. Katalog der Ausstellung auf der Schallaburg 1990 (Wien 1990) 23 – 28.
  • Die Grabung in der Weststadt, in: J. Borchhardt, Bericht der Grabungskampagne in Limyra 1989, KST 12/2, 1990, 324 f.
  • Ein Grabpfeilerfragment aus Trysa, ÖJh 61, 1991, 69 – 74.
  • Stadtdarstellungen und lykische Städte, in: J. Borchhardt – G. Dobesch (Hrsg.), Akten des II. Internationalen Lykien-Symposions II, Wien 6.–12. Mai 1990, (Wien 1993) 31 – 38.
  • Klassisches Polygonalmauerwerk in lykischen Befestigungen, in: J. des Courtils – J. Moretti (Hrsg.), Les Grands Ateliers d’Architecture dans le Monde Egéen du VIe Siècle av. J.C., Actes du Colloque d’Istanbul, 23 – 25 Mai 1991, Varia Anatolica 3 (Paris 1993) 35 – 46.
  • Die Grabungen in der Weststadt von Limyra, in: J. Borchhardt – T. Marksteiner – M. Seyer, Grabungen und Forschungen in Limyra in den Jahren 1984 – 1990, ÖJh 61, 1991/1992, Beibl. 133 – 140.
  • Wohn- oder Sakralbauten: Die Suche nach den hölzernen Vorbildern lykischer Felsgräber, ÖJh 62, 1993, 87 – 94.
  • Trysa, Korba, Tyberissos und Teimiussa: Lykische Herrensitze in klassischer Zeit, in: F. Kolb (Hrsg.), Lykische Studien 1. Die Siedlungskammer von Kyaneai in Lykien, AMS 9 (Bonn 1993) 97 – 138.
  • Befestigte Siedlungen Lykiens in vorrömischer Zeit, in: Fortifications et Défense du Territoire en Asie Mineure Occidentale à l’Epoque grècque. Actes du Colloque d’Istanbul, REA 96, 1994, 299 – 314.
  • Geböschte Mauern in der griechischen Befestigungsarchitektur des Mutterlandes und Kleinasiens in klassischer und hellenistischer Zeit, IstMitt 44, 1994, 39 – 54.
  • Kastell oder Herrensitz? Zur Besiedlung der Chora der befestigten Siedlung Zêmuri/Limyra im Lykien der klassischen Zeit, ÖJh 63, 1994, 95 – 120.
  • Brand- und Körperbestattung. Tumulus- und Fassadenkammergräber. Überlegungen zu Veränderungen der Bestattungsbräuche im vorhellenistischen Lykien, Lykia 1, 1994, 78 – 88.
  • Der Istlada Survey: Die Kampagne 1994, KST 13/2, 1995, 89 – 102.
  • Die befestigte Siedlung von Hoyran, in: F. Kolb (Hrsg.), Lykische Studien 2. Die Siedlungskammer von Kyaneai in Lykien, AMS 18 (Bonn 1995) 205 – 228.
  • Die Burg von Tüse, in: F. Kolb (Hrsg.), Lykische Studien 2. Die Siedlungskammer von Kyaneai in Lykien, AMS 18 (Bonn 1995) 151 – 167.
  • Ein Survey im Gebiet von Istlada (Zentrallykien), MiChA 1, 1995, 64 – 65 (mit A. Konecny).

Literatur

  • Andreas L. Konecny: In memoriam Thomas Marksteiner. In: Jahreshefte des Österreichischen Archäologischen Institutes in Wien 80, 2011, S. 6–11 (mit Schriftenverzeichnis).
  • Martin Zimmermann: Thomas Marksteiner'ın Ardından / Obituary for Thomas Marksteiner. In: Anadolu Akdenizi Arkeoloji Haberleri10, 2012, S. 1–3 (Digitalisat).
  • Barbara Beck-Brandt, Sabine Ladstätter, Banu Yener-Marksteiner (Hrsg.): Turm und Tor. Siedlungsstrukturen in Lykien und benachbarten Kulturlandschaften. Akten des Gedenkkolloquiums für Thomas Marksteiner in Wien, November 2012 (= Forschungen in Limyra Bd. 7). Österreichisches Archäologisches Institut, Wien 2015, ISBN 978-3-900305-75-8 / ISBN 978-3-7001-8194-1.
  • Oliver Hülden über Marksteiner, Thomas: Lykien. Ein archäologischer Führer. Wien 2010, in: H-Soz-u-Kult 26.04.2011. Rezension zu: Marksteiner, Thomas: Lykien. Ein archäologischer Führer

Anmerkungen

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