Thomas Mellon
Gründer der Mellon Bank, Patriarch der Mellon Familie, Pennsylvania.
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Thomas Mellon (* 3. Februar 1813 in Lower Castletown, Omagh, Irland; † 3. Februar 1908 in Pittsburgh, Pennsylvania, Vereinigte Staaten) war ein US-amerikanischer Unternehmer, Richter und Anwalt, der vor allem als Gründer der Mellon Bank und als Patriarch der Mellon-Familie aus Pittsburgh bekannt ist.

Laufbahn
Mellon wurde am 3. Februar 1813 als Sohn des schottisch-irischen Landwirts Andrew Mellon und seiner niederländischstämmigen Frau Rebecca Wauchob im Camp Hill Cottage in County Tyrone, heutiges Nordirland, geboren.[1] Im Jahr 1816 wanderte sein Großvater, Archibald Mellon, in die Vereinigten Staaten aus und ließ sich im Westmoreland County, Pennsylvania, nieder. Andrew und seine Familie folgten zwei Jahre später. Thomas sollte zuerst den familiären Landwirtschaftsbetrieb übernommen, wurde in seiner Jugend allerdings von dem Wohlstand großer Landsgutsbesitzer und der Autobiografie von Benjamin Franklin inspiriert und er schrieb sich im Oktober 1834 an der University of Pittsburgh, die damals als Western University of Pennsylvania bekannt war, ein und schloss sein juristisches Studium 1837 ab.[2][3][4]
Nach seinem Abschluss fand er eine Anstellung in einer Anwaltskanzlei in Pittsburgh und wurde Referendar beim Gerichtsschreiber des Allegheny County. Am 15. Dezember 1838 wurde er selbst als Rechtsanwalt zugelassen und gründete seine eigene Kanzlei, die sich auf Zivilrechtsfälle spezialisierte.[3] Als Anwalt war Mellon sehr erfolgreich. Im Jahr 1859 wurde er zum Hilfsrichter am Gericht für Zivilsachen des Allegheny County gewählt und begann am 1. Dezember eine zehnjährige Laufbahn als Richter.[4]
Mellon investierte die Einnahmen aus seiner Anwaltstätigkeit klug und erwarb große Teile der Immobilien in der Innenstadt von Pittsburgh. Ende 1869 beschloss er, sich aus dem Richteramt zurückzuziehen, um eine eigene Bank zu gründen.[4] Am 2. Januar 1870 eröffnete er zusammen mit seinen Söhnen Andrew W. und Richard B. die T. Mellon & Sons' Bank. Über der eisernen Tür des ursprünglichen Bankgebäudes in der Smithfield Street 145 wurde eine fast lebensgroße Statue seines Vorbilds, Benjamin Franklin, angebracht. Er verlor fast sein Vermögen während der Panik von 1873, konnte sich danach allerdings wieder wirtschaftlich erholen. Zu seinen Investitionen zählten neben Immobilien in der Innenstadt von Pittsburgh auch Kohlefelder sowie ein Darlehen in Höhe von 10.000 Dollar an Henry Clay Frick im Jahr 1871, das die Versorgung der Stahlwerke von Andrew Carnegie mit Koks sicherstellte.[5]
Am 5. Januar 1882 zog er sich aus der täglichen Leitung der Bankgeschäfte zurück und übergab diese seinem 26-jährigen Sohn Andrew. Unter der Leitung von Andrew W. und Richard B. war die Mellon Bank bis zum Ende des Jahrhunderts das größte Bankinstitut des Landes außerhalb von New York.[3] Am 3. Februar 1890 veräußerte er den größten Teil seines übrigen Vermögens und überließ es seinen Söhnen.[5]
Mellon starb an seinem 95. Geburtstag, dem 3. Februar 1908, in seinem Haus in East Liberty.[3]
Familie und Privates

Am 22. August 1843 heiratete er nach einer langen und mühsamen Werbungsphase Sarah Jane Negley, die Tochter von Jacob und Barbara und Tante von James S. Negley, aus einer Familie wohlhabender Landbesitzer.[6] Thomas und Sarah Mellon hatten acht Kinder, von denen fünf das Erwachsenenalter erreichten:
- Thomas Alexander Mellon, (1844–1899), verheiratet mit Mary C. Caldwell, der Schwester von Alexander Caldwell, US-Senator für Kansas; Vater von Thomas Alexander Mellon III. und des Architekten Edward Purcell Mellon.
- James Ross Mellon (1846–1934), verheiratet mit Rachel Hughey Larimer, Tochter des Eisenbahn- und Grundbesitzers William Larimer; ihr Sohn war William Larimer Mellon. James Mellon entging dem Militärdienst im Sezessionskrieg, indem er einen Ersatzmann bezahlte. Thomas Mellon schrieb an James: „Ein Mann kann ein Patriot sein, ohne sein eigenes Leben zu riskieren oder seine Gesundheit zu opfern. Es gibt viele Leben, die weniger wertvoll sind.“[7]
- Sarah Emma Mellon (starb im Kindesalter).
- Annie Rebecca Mellon (starb im Kindesalter).
- Samuel Selwyn Mellon (starb 1862 im Alter von 9 Jahren).
- Andrew William Mellon (1855–1937), wurde US-Finanzminister und Gründer der National Gallery of Art
- Richard Beatty Mellon (1858–1933)
- George Negley Mellon (1860–1887)
Mellon betraute seine Söhne schon in sehr jungen Jahren mit geschäftlichen Unternehmungen. Im Alter von 21 Jahren hatte sein Sohn Tom zusammen mit seinem Sohn Jim durch den Betrieb einer Gärtnerei, eines Holzlagers und eines Baustoffhandels etwa 100.000 Dollar erwirtschaftet, und Andrew leitete bereits im Alter von 17 Jahren ein Theater.[5] Dank ihrer guten Vorbereitung auf das Geschäftsleben zählte die Familie Mellon zum Zeitpunkt des Todes von Richter Mellon im Jahr 1908 zu den reichsten und prominentesten Industriellen der Vereinigten Staaten.
Er unterhielt ein „Landhaus“ in der 401 North Negley Avenue in East Liberty, wo er seiner Leidenschaft für den Gartenbau nachging und Obstbäume sowie andere Pflanzen züchtete. Außerdem interessierte er sich für die Gedichte von Robert Burns und für die Geschichte Irlands. Mellon war Mitglied der Presbyterianischen Kirche.[5] Über katholische Iren urteilte Mellon: „bösartige Leidenschaften“ der Gewalt und Irrationalität „wurden unter den Iren so lange und so gründlich gepflegt und waren so tief in ihrem Wesen verwurzelt, dass es der modernen Zivilisation bislang nicht gelungen ist, diesen Virus auszurotten“ und die „die einzige Möglichkeit, die irische Frage zu lösen, wäre, die Insel zu versenken.“[6][4] 1885 verfasste er eine private Biografie, welche später von seinen Nachfahren veröffentlicht wurde.[6]
Werke
- James Mellon: The Judge: A Life of Thomas Mellon, Founder of a Fortune. Yale University Press, 2011, ISBN 978-0-300-17618-6.