Thomas Welz

deutscher Politiker, Aktiver in der DDR-Oppositionsbewegung From Wikipedia, the free encyclopedia

Thomas Welz (geboren als Thomas Berndt am 2. Januar 1957 in Bad Berka) ist ein deutscher Bürgerrechtler und Publizist. Seit Ende der 1970er-Jahre engagierte er sich in der kirchlichen Friedens- und Oppositionsbewegung der DDR. Als Mitglied des Friedenskreises der Berliner Samariterkirche leitete er den „Arbeitskreis Information“ und war an der Herausgabe mehrerer Samisdat-Publikationen beteiligt.[1]

Thomas Welz 2012

1989 gehörte er zu den Mitbegründern der Bürgerbewegung Demokratischer Aufbruch.[2] Nach der deutschen Wiedervereinigung war Welz kommunalpolitisch tätig und engagierte sich in der Aufarbeitung der Geschichte des DDR-Militärgefängnisses Schwedt.[3]

Leben

Thomas Welz, geborener Berndt, wurde 1957 in Bad Berka geboren und wuchs in Berlin-Altglienicke auf.[4]

Wehrdienst und Haft in Schwedt

Während seines Wehrdienstes in der Nationalen Volksarmee (NVA) wurde Welz 1978/79 für mehrere Monate im Militärgefängnis Schwedt inhaftiert.[5] Das Gefängnis gilt in der Forschung als zentrales Instrument der Militärjustiz in der DDR und Symbol der politischen Disziplinierung von Wehrpflichtigen.[6][7]

Friedens- und Oppositionsarbeit in der Samaritergemeinde

Nach seiner Entlassung aus der Haft engagierte sich Welz im Friedenskreis der evangelischen Samariterkirche in Berlin-Friedrichshain. Dort entstand eines der wichtigsten Zentren der kirchlich verankerten DDR-Opposition.[8] Welz leitete den „Arbeitskreis Information“, der oppositionelle Texte sammelte, Informationen aus Friedens-, Umwelt- und Menschenrechtsgruppen weitergab und mehrere Samisdat-Publikationen herausgab.[9]

Zu den von Welz – zunächst unter seinem Geburtsnamen Thomas Berndt – mit herausgegebenen und verfassten Publikationen gehörten unter anderem die Untergrundzeitschriften Schalom, Wegzehrung und Wendezeit.[10] Diese Blätter griffen Themen wie Frieden, Militarisierung, Bürgerrechte und Demokratiefragen auf und zählten zu den zentralen Kommunikationsmedien der unabhängigen Friedens- und Bürgerrechtsbewegung in der DDR.[11]

Als Autor veröffentlichte Welz zahlreiche Beiträge zu kirchlichen und gesellschaftlichen Themen, unter anderem im Informationsblatt aktuell der Friedens- und Oppositionsgruppen.[12] Dazu gehören Texte zum Kirchentag 1986,[13] zur Friedenswerkstatt 1987[14] und zur Atomenergie nach Tschernobyl.[15]

In zeitgenössischen Berichten – darunter Unterlagen des Ministeriums für Staatssicherheit – und in der späteren Forschungsliteratur wird Welz als Bürgerrechtler beschrieben, der als Autor, Herausgeber und Organisator innerhalb des Friedenskreises und später bei der Gründung der Partei Demokratischer Aufbruch eine wichtige Rolle spielte.[16][17]

Unterlagen des Friedenskreises der Samariterkirche und persönliche Dokumente von Thomas Welz wurden dem Archiv der Bundesstiftung zur Aufarbeitung der SED-Diktatur übergeben und dort erschlossen.[18]

Gründung des Demokratischen Aufbruchs 1989

Im Sommer 1989 gehörte Welz zu den Initiatoren des neu gegründeten Demokratischen Aufbruchs – sozial, ökologisch, der aus dem Umfeld kirchlicher und bürgerrechtlicher Opposition entstand.[19][20] Er verließ die Partei nach der Verabschiedung des Leipziger Programms Mitte Dezember 1989 neben anderen Gründungsmitgliedern wie Friedrich Schorlemmer und Daniela Dahn.

Nach der deutschen Wiedervereinigung

Nach 1990 engagierte sich Welz kommunalpolitisch in Berlin. Zunächst war er für die SPD, später für die Unabhängige Bürgerfraktion Friedrichshain (UBF) Mitglied der Bezirksverordnetenversammlung von Berlin-Friedrichshain. Er arbeitete als Geschäftsführer und Bildungsreferent des „Märkischen Arbeitnehmer Bildungs- und Beratungswerkes“ in Potsdam.[21][22]

Welz war zudem als Zeitzeuge aktiv. Er wirkte unter anderem im Zeitzeugenportal der Bundesstiftung zur Aufarbeitung der SED-Diktatur mit[23] und trat in Rundfunkbeiträgen zum Militärgefängnis Schwedt als Gesprächspartner auf.[24] Gemeinsam mit ehemaligen Häftlingen gründete er den Verein „DDR-Militärgefängnis Schwedt e. V.“ und war dort als stellvertretender Vorsitzender aktiv.[25][26]

Einzelnachweise

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