Tideböhl
baltisches Adelsgeschlecht †
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Die Familie Tideböhl (russisch Тидебель) war eine aus Pommern stammende deutschbaltische gelehrte und adlige Familie.

Geschichte
Die ersten urkundlichen Erwähnungen der Familie datieren aus dem Jahr 1555, als Erasmus Tideböhl als Student an der Universität Greifswald erwähnt wurde. Die Familienlinie beginnt mit dem Bürgermeister von Wolgast, Johann Tideböhl (1658–1728), dessen zwei Söhne die beiden Zweige der Familie Tideböhl begründeten. Der ältere Sohn, Johann Georg Tideböhl (1711–1756), zog nach seinem Abschluss an der Universität Jena 1735 nach Reval, wo er zunächst Vizerektor der Domschule zu Reval und später Dompfarrer wurde. Sein Bruder Karl Bogislaus Tideböhl (1719–1770) ließ sich ebenfalls in Reval nieder und wurde Konrektor der Domschule. Sein Sohn, Johann Christian Tideböhl (1741–1807), war Hofrat, Professor und Direktor der Ritter- und Domschule zu Reval.
Johann Georg Tideböhls Enkel, der Revaler Stadtrat und spätere Staatsrat Johann Heinrich Tideböhl (1786–1856), wurde durch den Wladimirorden (1816) in den russischen Adelsstand erhoben; er gilt als Begründer der livländischen Linie der Familie. Seine Söhne erhielten 1868 ein Adelsdiplom.[1] Der ältere Zweig der Tideböhls starb offenbar 1936 in männlicher Linie aus, der jüngere 1918.
Tideböhl im Ritterregister
Geheimrat Arnold Gustav Wilhelm von Tideböhl (1818–1888) wurde in die Adelsregister von Livland (1867), Estland (1868), Saaremaa (1868) und Kurland (1875) aufgenommen. Sein jüngerer Bruder, Generalmajor August Johann Sigismund von Tideböhl (1824–1890), war bereits 1865 in Livland immatrikuliert worden. Die Familie besaß keine Güter in den baltischen Provinzen.
Familienmitglieder
- Johann Georg Tideböhl (1711–1756), stellvertretender Rektor der Domschule zu Reval, leitender Pfarrer der Ritter- und Domkirche zu Reval
- Karl Bogislaus Tideböhl (1719-1770), Konrektor der Domschule zu Reval[2]
- Johann Christian Tideböhl (1741–1807), Hofberater, Professor und Direktor[3] der Tallinner Ritter- und Domschule[4]
- Georg Gottlieb Tideböhl (1751–1806), Professor an der Domschule zu Reval[5]
- Bogislaus Tideböhl (1762–1819), Hofrat, Direktor der Gymnasien von Reval und Mitau, Direktor der Provinzschulen in Estland und Kurland
- Johann Heinrich von Tideböhl (1786–1856), Mitglied des Revaler Stadtrats, Stabschef des Generalgouverneurs von Livland, Estland und Kurland, geadelt im Jahr 1816[6]
- Carl Eduard Tideböhl (1798-1831), Beamter im Amt des Zivilgouverneurs von Livland[7]
- Arnold Gustav Wilhelm von Tideböhl (1818–1888), Geheimer Rat, Direktor des Büros des Generalgouverneurs von Livland, Estland und Kurland, Laienmitglied des Evangelisch-Lutherischen Generalkonsistoriums Russlands
- August Johann Sigismund von Tideböhl (1824–1890), Generalingenieur, Leiter der Nikolai-Ingenieurakademie[8]
- Arnold Johann Heinrich von Tideböhl (1860–1919), Jurist, Herausgeber, Politiker
Wappen
Blasonierung: In Blau drei pfahlweis gestellte silberne Pfeile mit der Spitze nach oben, darüber jeweils ein goldener Stern. Auf dem gekrönten Helm mit blau-goldenen Helmdecken ein silbern geharnischter Arm, der einen silbernen Pfeil emporreckt, zwischen einem von Blau und Gold übereck geteilten offenen Flug.
Literatur
- Eesti Ajalooarhiiv (EAA) f. 854, n. 3, s. 633. Toimik Tideböhli aadliperekonna kohta.
- EAA, f. 4918, n. 1, s. 1913. Tideböhli suguvõsa Törne arhiivis.
- Carl Arvid von Klingspor: Baltisches Wappenbuch, mit Zeichnungen von Adolf Matthias Hildebrandt, Stockholm 1882, S. 92 (digitale-sammlungen.de) und Tfl. 116 (digitale-sammlungen.de).
- Genealogisches Handbuch der baltischen Ritterschaften. Teil: Estland. Bd I. Görlitz: Verlag E. U. Starke, 1930. Lk 401 .
- Genealogisches Handbuch der baltischen Ritterschaften. Teil: Livland. Bd I. Görlitz: Verlag E. U. Starke, 1929. Lk 281–284 .
- Genealogisches Handbuch der baltischen Ritterschaften. Teil: Oesel. Tartu: Osaühing „Ilutrükk“, 1935. Lk 596–598 .
- Немцы России. Энциклопедия. (Nemzy Rossii. Enziklopedija) Bd. 3 (П−Я). Председатель редакционной коллегии О. Кубицкая (Predsedatel redakzionnoi kollegii O. Kubizkaja). Moskau: "ЭРН" (ERN) 2006. Lk 538–540 .
Weblinks
- Tideböhli suguvõsa aadlivapp saidil gerbovnik.ru
- Väljavõte Eestimaa rüütelkonna genealoogilisest käsiraamatust. personen.digitale-sammlungen.de
- Väljavõte Liivimaa rüütelkonna genealoogilisest käsiraamatust. personen.digitale-sammlungen.de
- Väljavõte Saaremaa rüütelkonna genealoogilisest käsiraamatust. personen.digitale-sammlungen.de