Tony Duvert
französischer Schriftsteller
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Tony Duvert (* 2. Juli 1945 in Villeneuve-le-Roi; † Juli 2008 in Thoré-la-Rochette) war ein französischer Schriftsteller.
Er erhielt 1973 den Prix Médicis für seinen Roman Paysage de fantaisie.[1] 2003 wurde die Verfilmung seines Romans L’Île atlantique auf dem zweisprachigen Fernsehkanal ARTE gezeigt. Für die französische Homosexuellenzeitschrift Gai Pied verfasste er zahlreiche Artikel.
Duvert inszenierte sich in der Zeit der sexuellen Revolution, in der moralische Grenzen aufgehoben schienen, als verruchter Knabenliebhaber, der mit Hunderten Minderjährigen geschlafen haben will.[2] Es sind keine Gerichtsverfahren bekannt, die in Bezug auf seine Person Straftaten dieser Art belegen. Anlässlich des Erscheinens von Paysage de fantaisie sprach der Autor und Journalist Bertrand Poirot-Delpech im Jahr 1973 in der renommierten Tageszeitung Le Monde von Duvert als aufsteigenden Stern, der anderen ein Vorbild sein werde. Und noch 1988 nannte ihn der Schriftsteller und Literaturkritiker François Nourissier anlässlich der Wiederauflage von L’Île atlantique im Feuilleton derselben Tageszeitung in einem Atemzug mit anderen libertären Geistern, die als Grenzgänger und Störenfriede galten, Marquis de Sade, Jean Genet und Philip Roth. So durfte Duverts Interdit de séjour bei seinem Erscheinen im Jahr 1969 wegen der vermeintlich zweifelhaften Moral, die darin vertreten wurde (die nächtlichen Wanderungen und Begegnungen eines homosexuellen Mannes), in Buchhandlungen nicht öffentlich gezeigt, zudem nicht beworben und nicht an Minderjährige verkauft werden.[3][4] Die Historikerin Anne-Claude Ambroise-Rendu, Autorin eines Buches über die Geschichte der Pädophilie im 19. und 20. Jahrhundert, sieht im Jahr 2021 Duvert als kritikablen Verteidiger der Pädophilie; entgegen der Behauptung, der Mann, der sexuellen Umgang mit einem Kind pflege, gehe dabei auf das Kind und sein Verlangen ein, höre er dem Kind in Wahrheit nicht zu, sondern manipuliere es und zwinge ihm seinen eigenen Wunsch auf.[5]
Tony Duvert, der seit Ende der 1980er Jahre zurückgezogen auf dem Land lebte, wurde am 20. August 2008 leblos in seinem Wohnhaus in Thoré-la-Rochette aufgefunden, über einen Monat nach seinem Tod.
Werke
- Romane
- Récidive, Éditions de Minuit, Paris 1967, ISBN 2-7073-0093-4
- Interdit de séjour, Éditions de Minuit, Paris 1969, ISBN 2-7073-0160-4
- Portrait d’homme-couteau, Éditions de Minuit, Paris 1969, ISBN 2-7073-0193-0
- Le voyageur, Éditions de Minuit, Paris 1970, ISBN 2-7073-0224-4
- Paysage de fantaisie, Éditions de Minuit, Paris 1973. Prix Médicis 1973
- Journal d’un innocent, Éditions de Minuit, Paris 1976 ISBN 2-7073-0095-0
- Quand mourut Jonathan, Éditions de Minuit, Paris 1978, ISBN 2-7073-0219-8
- Als Jonathan starb (Übersetzer: François Pescatore), Verlag Rosa Winkel, 1984, ISBN 3-921495-40-7
- Als Jonathan starb (Übersetzer: Joachim Bartholomae), Männerschwarm, 2011, ISBN 3-939542-59-8
- L’Île Atlantique, Éditions de Minuit, Paris 1979 ISBN 2-7073-0250-3; Réédition poche 2005, ISBN 2-7073-1933-3; Vorlage zum TV-Film Insel der Diebe (2005)
- Un anneau d’argent à l’oreille, Éditions de Minuit, Paris 1982, ISBN 2-7073-0606-1
- Essays
- Le Bon Sexe illustré, Éditions de Minuit, Paris 1973 ISBN 2-7073-0003-9
- Poesie
- Die kleineren Besetzungen, Fata Morgana, 1978 (2851941984)
Weblinks
- Literatur von und über Tony Duvert im Katalog der Deutschen Nationalbibliothek
- Tony Duvert bei IMDb