Tony Lovink

niederländischer Kolonialverwalter und Generalgouverneur From Wikipedia, the free encyclopedia

Antonius Hermanus Johannes (Tony) Lovink (* 12. Juli 1902 in Den Haag; † 27. März 1995 in Ottawa, Kanada) war ein niederländischer Kolonialbeamter und Diplomat. Er war von Mai 1949 bis zur Unabhängigkeit Indonesiens im Dezember desselben Jahres der letzte Vertreter der Kolonialmacht im damaligen Niederländisch-Indien.[1] Später war er der niederländische Botschafter in Kanada (1950–1957 sowie 1960–1967) und Australien (1957–1960).

Generalgouverneur Antonius Hermanus Johannes Lovink

Frühes Leben

Lovink wuchs als drittes von vier Kindern in einer wohlhabenden und religiösen Familie auf, die der Niederländisch-reformierten Kirche angehörte. Sein Vater war Agrarwissenschaftler und ab 1909 Leiter der Landwirtschaftsabteilung in der damaligen Kolonie Niederländisch-Indien, weshalb Lovink neun Jahre seiner Kindheit (bis 1918) im heutigen Indonesien verbrachte. Nach dem Abschluss der Höheren Bürgerschule in Den Haag studierte er von 1920 bis 1924 an der damaligen Niederländischen Handels-Hochschule in Rotterdam, unterbrochen vom Wehrdienst und zwei Auslandssemestern an der Universität Heidelberg.

Karriere in China und Niederländisch-Indien

Nachdem ihm eine Stelle im konsularischen Dienst der Niederlande verwehrt geblieben war, trat er 1925 in den Dienst der unter internationaler Aufsicht stehenden Seezollbehörde Chinas, welche im Interesse der kolonialen Niederlassungen („Konzessionen“) ausländischer Mächte den Schmuggel bekämpfte. Mit einem Stipendium der chinesischen Regierung studierte er ab 1927 zwei Jahre an der Universität Mukden (heute Shenyang) in der Mandschurei die chinesische Sprache. Lovink wechselte 1929 in die Kolonialverwaltung von Niederländisch-Indien nach Batavia (heute Jakarta), wo er beim Dienst für chinesische Angelegenheiten arbeitete, der 1933 in Dienst für chinesische und ostasiatische Angelegenheiten umbenannt wurde.

Er heiratete 1931 die in Batavia lebende Niederländerin Clara Nagel, das Paar bekam vier Kinder. Im Juli 1935 wurde er zum Leiter des Dienstes für Ostasiatische Angelegenheiten ernannt. Da dieser auch für die Beobachtung der japanischen Expansionsbestrebungen in Südostasien zuständig war, wurde Lovink in Zeiten des Zweiten Japanisch-Chinesischen Kriegs und später des Zweiten Weltkriegs zum wichtigsten Sicherheitsberater des niederländischen Generalgouverneurs Alidius Tjarda van Starkenborgh Stachouwer. Während der japanischen Invasion Niederländisch-Indiens floh er im März 1942 nach Australien, um sich einer drohenden Gefangennahme zu entziehen. Seine Familie blieb in Batavia zurück und wurde von den Japanern interniert.

Der niederländische Exil-Ministerpräsident Pieter Sjoerds Gerbrandy rief Lovink im Mai 1942 nach London und ernannte ihn zum Generalsekretär des Ministeriums für Allgemeine Kriegsführung. Damit stand er zugleich dem Zentralen Nachrichtendienst der niederländischen Exilregierung vor, bewies in dieser Position aber kein großes Geschick. Im Februar 1943 wurde er als niederländischer Botschafter in den unbesetzten Teil der Republik China entsandt, deren Regierung unter Chiang Kai-shek ihren Sitz damals in Chongqing hatte. Als niederländischer Vertreter gehörte er ab November 1944 dem Unterausschuss für Fernost und Pazifik der United Nations War Crimes Commission an.

Im Außenministerium und Hoher Vertreter in Indonesien

Von März 1947 bis zum Ende desselben Jahres war Lovink Botschafter der Niederlande in der Sowjetunion. Anfang 1948 wurde er zum Generalsekretär im niederländischen Außenministerium (damals unter Pim van Boetzelaer van Oosterhout) ernannt. Er war maßgeblich mit der Indonesienfrage befasst: In der früheren Kolonie hatten nach dem Ende der japanischen Besatzung indonesische Nationalisten die Unabhängigkeit erklärt, die Niederlande wollten dies jedoch zunächst nicht anerkennen. Lovink war ein Gegner einer vollständigen Unabhängigkeit Indonesiens und stand dem im Mai 1949 geschlossenen Roem-Van Roijen-Abkommen skeptisch gegenüber. Nach dem Scheitern der zweiten „Polizeiaktion“, mit der die Kolonialmacht die Unabhängigkeitsbewegung militärisch zurückdrängen wollte, musste er der schrittweisen Entlassung in die Unabhängigkeit jedoch zustimmen.

Als Nachfolger Louis Beels wurde Lovink im Mai 1949 zum Hohen Vertreter der niederländischen Krone in Indonesien ernannt (dieses Amt war nach einer Verfassungsänderung und der Gründung der Niederländisch-Indonesischen Union anstelle der früheren Position des Generalgouverneurs geschaffen worden). In dieser Position unterzeichnete er am 27. Dezember 1949 die Übertragung der vollen Souveränität an die Regierung Indonesiens, womit die niederländische Kolonialherrschaft endete.

Botschafter in Kanada und Australien

Ab 1950 war Lovink niederländischer Botschafter in Kanada. Dieses Land hatte für die Niederlande einerseits als NATO-Partner, andererseits als Migrationsziel vieler niederländischer Auswanderer Bedeutung.

Von 1957 bis 1960 amtierte er als Botschafter der Niederlande in Canberra. Sein besonderer Auftrag waren Verhandlungen mit der australischen Regierung über eine Vereinigung des niederländisch kontrollierten Westteils von Neuguinea (Niederländisch-Neuguinea) mit dem von Australien verwalteten Ostteil der Insel. Westneuguinea war als einziger Teil der früheren Kolonie Niederländisch-Indien 1949 nicht zum unabhängigen Indonesien gekommen, sondern unter niederländischer Herrschaft geblieben, aber auch Indonesien erhob darauf Anspruch. Der einstmals von Deutschland und Großbritannien kolonisierte Osten wurde als Territorium Papua und Neuguinea von Australien verwaltet. Die australische Regierung zeigte sich zwar zunächst offen gegenüber dem Plan eines vereinten und unabhängigen Neuguinea, scheute aber einen Konflikt mit Indonesien. So blieb Westneuguinea noch bis 1962 unter niederländischer Verwaltung und wurde danach Teil Indonesiens.

Von 1960 bis zu seiner Pensionierung 1967 war Lovink auf eigenen Wunsch erneut Botschafter in Kanada. Dort blieb er auch im Ruhestand bis zu seinem Tod.

Einzelnachweise

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