Torrevieja
Gemeinde in Spanien
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Torrevieja (valencianisch Torrevella) ist eine Stadt im Südosten Spaniens an der Costa Blanca. 2025 hatte die Gemeinde 98.533 Einwohner, davon knapp über 50 % Ausländer. In den Sommermonaten liegt die Zahl der Menschen vor Ort bedingt durch den Tourismus um ein Vielfaches höher.
| Gemeinde Torrevieja | ||
|---|---|---|
| Wappen | Karte von Spanien | |
| Basisdaten | ||
| Land: | ||
| Autonome Gemeinschaft: | ||
| Provinz: | Alicante | |
| Comarca: | Vega Baja del Segura | |
| Gerichtsbezirk: | Torrevieja | |
| Koordinaten: | 37° 59′ N, 0° 41′ W | |
| Höhe: | 7 msnm[1] | |
| Fläche: | 71,76 km²[2] | |
| Einwohner: | 98.533 (Stand: 2025)[3] | |
| Bevölkerungsdichte: | 1.373 Einw./km² | |
| Gründung: | 1803 | |
| Postleitzahl(en): | 03181–03188 | |
| Gemeindenummer (INE): | 03133 | |
| Verwaltung | ||
| Bürgermeister: | Eduardo Jorge Dolón Sánchez | |
| Website: | torrevieja.es/es | |
| Lage des Ortes | ||
Geografie
Torrevieja gehört zur Comarca Vega Baja del Segura der Provinz Alicante in der Valencianischen Gemeinschaft. Torrevieja befindet sich im spanischen Sprachgebiet. Obwohl Torrevieja außerhalb des traditionellen valencianisch-katalanischen Sprachgebiets liegt, wurde der Stadt Zweisprachigkeit verordnet, um als südlichste Sprachinsel touristisch herauszuragen (auch südlichstes Johannisfeuer).
Geschichte
Antike und Mittelalter
Archäologische Funde, deren Datierung vom 1. Jahrhundert v. Chr. bis ins 3. Jahrhundert n. Chr. reicht, zeugen von einer Besiedlung der Region in Römerzeit.[4]
Die Lagune von Torrevieja ging 1283 durch eine Schenkung des kastilischen Infanten Sancho IV. an die Stadt Orihuela. Aufgrund wirtschaftlicher und technischer Probleme ging sie später wieder an die Krone zurück.
Neuzeit
Die systematische Salzgewinnung in der Laguna de Torrevieja und der Laguna de la Mata begann im letzten Drittel des 18. Jahrhunderts. Entscheidend war unter anderem die günstige Lage der Bucht von Torrevieja, die sich für das Verladen auf Schiffe als geeignet erwies. Ab 1766 wurden die Salinen staatlich verwaltet.
Die neuzeitliche Stadt ging aus dem Fischer- und Salinendorf hervor, das 1803 per Dekret von König Carlos IV. gegründet und 1820 mit der administrativen Abspaltung von Orihuela als eigenständiges Municipio konstituiert wurde.[5][6] Der Name ist von einem alten Wachturm (spanisch torre, ‚Turm‘ und vieja, ‚alt‘) aus der Zeit der Reconquista abgeleitet,[7] dessen genauer Standort in Vergessenheit geriet,[8] nachdem er durch das Erdbeben von 1829 zerstört worden war.[9]
Nach einer Serie von Erdbeben ab September 1828 bebte am 21. März 1829 in der Vega Baja, zwischen Guardamar del Segura und Torrevieja die Erde. Das Beben forderte mindestens 389 Tote und 400 Verletzte. 3.000 Häuser wurden völlig zerstört, weitere 2.500 wurden unbewohnbar. Torrevieja wurde praktisch vollständig zerstört. Durch einen Spendenaufruf des Königs Ferdinand VII., der selbst 1,5 Millionen Real beisteuerte, konnte der zerstörte Ort zügig wieder aufgebaut werden. So erhielt die Siedlung einen geplanten Grundriss, der bis heute im Kern Bestand hat. Anstelle verschachtelter Gässchen und ungeplanter Erweiterungen erfolgte die Anordnung der Häuser in Quadraten mit parallel angelegten Straßen um das Übergreifen von Bränden zu vermeiden und Platz für Flüchtende zu lassen.[10]
Im Jahr 1857 wurde der offizielle Ortsname von Torrevieja y la Mata zu Torrevieja geändert.[11]
Zu Beginn des 20. Jahrhunderts wurde ein Viertel des in Spanien verkauften Salzes in Torrevieja gewonnen. Die gewachsene Bedeutung der Gemeinde wurde im Jahr 1931 deutlich, als König Alfons XIII. der Gemeinde per Sonderbewilligung den Status einer Stadt verlieh.[12]
Bevölkerungsentwicklung
Durch den zunehmenden Tourismus an der Costa Blanca bekam Torrevieja, das 1970 noch weniger als 10.000 Einwohner zählte, einen Entwicklungsschub. Erste kleine Siedlungen (Urbanizaciónes) entstanden. Der weiterhin wachsende Bedarf an Wohnraum führte zu einem Bauboom, der die Einwohnerzahl schnell anwachsen ließ.
Im Jahr 2000 wurde erstmals die statistisch wichtige Einwohnerzahl von 50.000 erreicht, womit in Spanien deutlich höhere staatliche Zuwendungen für öffentliche Einrichtungen verbunden sind. Dies ist in einer Touristenstadt, die in der Hochsaison noch deutlich mehr Menschen beherbergt, von großer Bedeutung. Im Gefolge der Finanz- und Immobilienkrise in Spanien sank die Einwohnerzahl ab 2012 drastisch, lag 2025 aber wieder bei rund 100.000. Ursächlich für den Wiederanstieg der Einwohnerzahl war der russische Überfall auf die Ukraine im Februar 2022, der zum deutlichen Anstieg ukrainischer, aber auch russischer Einwohner führte.
Zum 1. Januar 2026 lag die Zahl gemeldeter ukrainischer Einwohner bei 10.074, gefolgt von Russen mit 5.746, vor Kolumbianern mit 5.560. Mit 1.313 liegt die Zahl der Deutschen erst auf dem 10. Platz. Insgesamt sind 59.295 Ausländer aus 123 Ländern in Torrevieja gemeldet.[13]
Von den ausländischen Touristen entfällt der Großteil auf Deutsche, Russen und Briten. Im Juli und August verbringen zusätzlich noch hunderttausende von Spaniern, hauptsächlich aus dem Großraum Madrid, die Sommerferien in ihren Ferienwohnungen und Häusern an der Costa Blanca. Mit dem Bau von Zweit- und Ferienwohnungen ging auch ein deutlicher Wandel in der Struktur der Haushalte einher. Lebten 1842 noch durchschnittlich 4,6 Personen in einem Haushalt, so reduzierte sich die Zahl bis 2021 auf 2,3 Personen.
| 2021 | 2011 | 2001 | 1991 | 1981 | 1970 | 1960 | 1950 | 1940 | 1930 | 1920 | 1910 | 1900 | 1887 | 1877 | 1860 | 1842 | |
|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|
| Einwohner | 83.740 | 90.097 | 50.953 | 25.014 | 12.321 | 9.735 | 9.564 | 9.143 | 9.663 | 8.850 | 9.331 | 9.110 | 7.906 | 7.846 | 8.269 | 6.708 | 3.876 |
| Haushalte | 36.829 | 39.855 | 21.565 | 8.818 | 3.555 | 2.601 | 2.512 | 2.788 | 2.559 | 2.386 | 2.023 | 2.106 | 1.947 | 1.874 | 1.961 | 1.495 | 845 |
| Nationalität | 2022 | Nationalität | 2012 | Nationalität | 2003 | ||
|---|---|---|---|---|---|---|---|
| Briten | 4.722 | Briten | 13.121 | Briten | 9.135 | ||
| Russen | 4.004 | Deutsche | 4.015 | Deutsche | 4.644 | ||
| Ukrainer | 2.984 | Russen | 3.869 | Kolumbianer | 2.051 | ||
| Marokkaner | 2.150 | Marokkaner | 2.949 | Russen | 1.975 | ||
| Kolumbianer | 2.117 | Rumänen | 2.481 | Ukrainer | 1.485 | ||
| Rumänen | 1.388 | Ukrainer | 2.087 | Ecuadorianer | 1.171 | ||
| Italiener | 891 | Kolumbianer | 1.378 | Marokkaner | 1.054 | ||
| Deutsche | 875 | Italiener | 1.174 | Rumänen | 352 | ||
| Chinesen | 798 | Franzosen | 599 | Brasilianer | 335 | ||
| Argentinier | 590 | Argentinier | 540 | Chinesen | 301 | ||
| Ausländer gesamt | 33.961 | Ausländer gesamt | 54.869 | Ausländer gesamt |
Klima
Das angenehme Küstenklima (320 Sonnenscheintage) trug zum raschen Zuwachs bei, der Torrevieja in Spanien zur Boomtown werden ließ. Dieses Klima zieht viele Rheuma-, Herz- und Asthmakranke sowie an Schuppenflechte leidende Personen hierher. Die zwei großen Salzseen von Torrevieja und La Mata (einem Ortsteil von Torrevieja) sorgen zusammen mit der Meeresluft dafür, dass Torrevieja zu den klimatisch gesündesten Gegenden Europas zählt. Angenehm sind auch die Temperaturen im Winter. An schönen Tagen im Dezember und Januar können die Temperaturen bisweilen die 20 °C-Marke übersteigen.
Tourismus


Salzlagunen
Torrevieja liegt zwischen zwei Lagunen und dem Mittelmeer in einer großen Ebene. Die Lagunen sind ein Rückzugsgebiet für seltene Wasservögel, wie beispielsweise der Korallenmöwe. International bekannt ist Torrevieja wegen seiner Salzproduktion, einer der bedeutendsten in Europa. Die Besichtigung der Salinen ist 2012 eingestellt worden. Die Arbeitsweise einer solchen kann aber in der Saline bei Santa Pola von der Straße aus beobachtet werden. Zwei große Salzlagunen sind das Wahrzeichen dieses Fremdenverkehrsortes.
Strände
Zur Gemeinde gehören herrliche Strände, die in Kombination mit der traditionellen Fischerei und der Salzgewinnung zur Entwicklung des Tourismus beitragen. Der Küstenstreifen beginnt im Norden mit dem beliebten La-Mata-Strand, mit feinem Sand. Die schönen Felsbuchten von El Mojón und Las Zorras sind besonders hervorzuheben. An den beliebten und lebhaften Stränden, La Mata, Los Locos und Del Cura, entlang führt eine Strandpromenade.
Fischereitourismus
War die Torrevejenser Fischereiflotte Mitte des 20. Jahrhunderts noch eine der größten der Provinz, stiegen ab den 1970er Jahren immer mehr Fischer in das lohnende Baugeschäft um. Nur noch ein halbes Dutzend Fischerboote liegen im Hafen. Die verbliebenen Fischer widmen sich immer mehr dem von der Landesregierung geförderten Fischereitourismus und erhalten so traditionelle Fangmethoden am Leben. Wolfsbarsch und Dorade kommen fast nur noch aus der Zucht, und das zu Preisen, bei denen konventionelle Kleinfischer nicht konkurrieren können. Vor der Küste Torreviejas solle eine „Reserva Marina“, also eine Meeresschutzgebiet, entstehen. Das Landesumweltministerium Valencia hat 2019 das Schutzgebiet angekündigt. Damit werden bestimmte Arten von der kommerziellen Nutzung ausgenommen sowie der Fischfang auf umweltschonende Methoden beschränkt und gefördert, worin eine Zukunft für den uralten Beruf liegen könnte. Die Fischer von Torrevieja haben 2018 insgesamt 2.379 Tonnen Fisch an Land gebracht und daraus etwas über fünf Millionen Euro erlöst. Den größten Anteil am Fang nehmen die „Blaufische“ Sardinen und Boquerones, mit 82 Prozent ein, gefolgt von Pulpo und Schwertfischen. Hauptabnehmer ist die Supermarktkette Mercadona, gefolgt von Gastronomiegroßhändlern.
Parque Aromatico
Am 3. Juli 2009 wurde zwischen der Avenida Torreblanca und Avenida Corinto, unweit von der N 332 (angrenzend zu den Siedlungen Alto Mar und Torremata) der Parque Aromático eröffnet. Auf rund 70.000 Quadratmetern hat die katalanische Landschaftsgärtnerin und Architektin Carmen Piños für ca. 2 Millionen Euro, investiert von der Stadt Torrevieja und dem valencianischen Tourismusministerium, einen Park geschaffen, der zu einem Dufterlebnis einlädt. Durch Lavendel, Rosmarin, Thymian, Jasmin, Salbei etc. wurde dieser Park zu einer wahren „Aromatherapie“. Pinien und Bougainvillea sowie stählerne Pergolen und gewundene Wege aus Kalkstein runden dieses Bild noch ab. Außerdem sind Kinderspielplätze errichtet worden. Bewässert wird der Park mit aufgefangenem Regenwasser sowie Tröpfchenbewässerung unter Nutzung von aufbereitetem Wasser des Klärwerkes. Zum Schutz vor Vandalismus ist der Park komplett eingezäunt. Die Öffnungszeiten des Aromaparkes im Sommer sind von 9 bis 24 Uhr, im Winter wird der Park bereits um 20 Uhr geschlossen.
Ökologie
Wie alle spanischen Städte mit mehr als 50.000 Einwohnern sollte auch Torrevieja zum 1. Januar 2025 eine Niedrigemissionszone (Zona de Bajas Emisiones, ZBE) einrichten. Trotz der EU-Fördergelder in Höhe von 6,7 Millionen Euro zur Umsetzung dieser Maßnahme konnte sich die Stadt erst zum Jahresende 2025 dazu durchringen die Verordnung über die ZBE zu verabschieden. Außerdem wurde ein 111 Hektar großes Stadtgebiet als Niedrigemissionszone ausgewiesen. Das Aufstellen von Schildern und Kameras zur Durchsetzung der ZBE wurde für das Jahr 2026 angekündigt.[16]
Kultur
Die Stadt verleiht den Literaturpreis Premio de Novela Ciudad de Torrevieja.
Außerdem gilt Torrevieja als Hauptstadt der Habanera. Seit 1955 wird alljährlich ein Habanera-Festival veranstaltet, an dem Chöre aus der ganzen Welt teilnehmen.
Wie viele spanische Städte feiert Torrevieja an Ostern die Semana Santa. Das nach dem Künstler Tomas Valcarcel Deza benannte Ostermuseum (Museo de la Semana Santa “Tomás Valcárcel Deza”) in der Avenida de las Habaneras zeigt unter anderem traditionelle Schnitzereien, die bei den Osterprozessionen zum Einsatz kommen.[17]
Persönlichkeiten
- Sandra Alonso (* 1998), Radrennfahrerin
- Paola Bernabé Cobos (* 2003), Handballspielerin
- Lisa Oppedal (* 2003), Handballspielerin
Weblinks
- Offizielle Website der Gemeinde (spanisch)


