Tourer

Motorradtyp From Wikipedia, the free encyclopedia

Ein Tourer ist ein straßenzugelassenes Motorrad, das besonders zum Fahren längerer Reisen geeignet ist. Tourer sind in der Regel großzügig verkleidet, um den Fahrer wirksam vom Fahrtwind zu entlasten.

Honda NT700V Deauville

Klassifikation

Die klassische Sitzposition ist nur leicht nach vorne gebeugt mit etwas erhöhtem Lenker. Der Kniewinkel ist bequem, zirka 80 bis 90 Grad. Der Motor ist eher auf Durchzugskraft (Elastizität) als auf Höchstleistung ausgelegt, so dass eine ruhige, aber deshalb nicht unbedingt langsame Fahrweise möglich ist. Die Technik ist üblicherweise wartungsarm, man findet in dieser Motorradkategorie häufig Kardanantrieb vor. Es besteht meist die Möglichkeiten zur Mitnahme von Gepäck in Koffern, nicht selten sind die Modelle bereits ab Werk mit Koffern ausgestattet. Gemäß den Anforderungen nach Leistung, sind Tourer meist in höheren Hubraumklassen vertreten.[1][2]

Geschichte

Als erstes Tourermotorrad gilt die Harley-Davidson Electra Glide, die 1965 erstmals erschien. Mit steiferem Rahmen, höhere Verdichtung, stärkere Bremsen und neue Nockenwellen sowie einem elektrischen Anlasser und über 40 kg mehr Gewicht, unterschied sie sich deutlich von dem Vorgänger Modell Harley-Davidson Duo Glide. Daraufhin folgte im Februar 1968 die Moto Guzzi V7 700 (später umbenannt in V7 Polizia). Dieses Polizeimotorrad wies schon das typische Toureraussehen auf und wurde von dem Los Angeles Police Department genutzt.[3] Dies löste große Beliebtheit für das später in Moto Guzzi V7 California umbenannte Motorrad aus. Dadurch wurden andere Motorradhersteller auf den wachsenden Markt aufmerksam. 1972 entstanden die ersten Prototypen für die Honda Gold Wing, das erste fertige Modell erschien allerdings erst 1988.[4][5] Die BMW R 90 S gilt als erstes Serienmotorrad der Welt mit einer schnittige, lenkerfeste Cockpit-Verkleidung aus glasfaserverstärktem Kunststoff und legte so 1973 einen weiteren Grundstein zur Entwicklung des Tourer Motorrads.

Seit Jahren stehen hauptsächlich elektronische Komponenten wie Handykonnektivität, Schaltassistent, Rückfahrassistent, Airbags und verbesserte Audio-Systeme im Vordergrund der Weiterentwicklung.[6][7][8]

Inzwischen rücken Tourer in den Hintergrund der immer beliebter werdenden Reiseenduros als typisches Reisemotorrad.[9][10][11]

Sporttourer

Ende der 1980er Jahre entstanden die Sporttourer, die sich durch leistungsstärkere Motoren und Fahrwerke sowie eine sportlichere Sitzhaltung auszeichnen. Die Vollverkleidung ist in der Regel mehr nach aerodynamischen Gesichtspunkten gestaltet und daher nicht ganz so ausladend wie bei klassischen Tourern.

Marktübersicht

Typische Tourer-Motorradmodelle sind:

Weitere Informationen Bild, Hersteller ...
Bild Hersteller Modell Motor Hubraum Leistung Antrieb Leergewicht (vollgetankt) Verkaufsstart
BMW K 1600 GT (K48) 6-Zylinder-Reihenmotor 1649 cm³ 118 kW (160 PS) Kardanantrieb 306 kg 2011
BMW R 1250 RT 2-Zylinder-Boxermotor 1254 cm³ 100 kW (136 PS) Kardanantrieb 279 kg 2018
Yamaha Tracer 9 3-Zylinder-Reihenmotor 888 cm³ 88 kW (120 PS) Kettenantrieb 220 kg (mit ABS) 2015
Yamaha FJR 1300 4-Zylinder-Reihenmotor 1298 cm³ 105,5 kW (143 PS) Kardanantrieb 268 kg 2001
Honda NT1100 2-Zylinder-Reihenmotor 1084 cm³ 75 kW (102 PS) Kettenantrieb 238 kg 2022
Honda GL1800 Gold Wing (SC79) 6-Zylinder-Boxermotor 1833 cm³ 93 kW (126 PS) Kardanantrieb 365 kg 2018
Honda ST 1100 Pan European 4-Zylinder-V-Motor 1085 cm³ 72 kW (98 PS) Kardanantrieb 327 kg (mit ABS) 1990
Triumph Trophy SE 3-Zylinder-Reihenmotor 1215 cm³ 98 kW (133 PS) Kardanantrieb 301 kg 2012
Kawasaki Z1300 6-Zylinder-Reihenmotor 1286 cm³ 74 kW (101 PS) Kardanantrieb 294 kg 1979
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Weitere Tourer/Sporttourer sind unter anderem:

Einzelnachweise

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