Triebtäter
Person, die aus Drang zur Befriedigung eines Triebes eine Straftat begeht
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Ein Triebtäter ist „jemand, der aus dem Drang zur Befriedigung eines Triebes, besonders des Geschlechtstriebes, eine Straftat begeht.“[1] Ähnlich definiert der Duden: „Männliche Person, die aus dem Drang zur Befriedigung eines Triebes, besonders des Geschlechtstriebs, eine Straftat begeht“.[2] Es ist ein umgangssprachlicher Begriff für Sexualstraftäter, der in wissenschaftlichen Publikationen keine Verwendung findet. Das Wort ist ein Determinativkompositum aus den Substantiven Trieb und Täter.
Meist werden Personen umgangssprachlich als Triebtäter bezeichnet, die nicht nur, aber auch aufgrund einer Paraphilie (zu denen z. B. Exhibitionismus zählt) ihre Sexualität nicht in dem gesellschaftlich geduldeten Rahmen ausleben und andere Personen vergewaltigen, sexuell nötigen oder im schlimmsten Fall ermorden.
Analog versteht der Duden unter einem Triebverbrecher als Spezialform „eine männliche Person, die aus dem Drang zur Befriedigung eines Triebes, besonders des Geschlechtstriebs, ein Verbrechen begeht.“ Nicht jede Straftat ist ein Verbrechen.
Geschichte
Im 19. Jahrhundert sprach man vom krankhaften Trieb und von einer Trieberkrankung. Sie wurde definiert als eine unwiderstehliche Neigung zu zwecklosen, unvernünftigen oder verbrecherischen Handlungen, die ohne wirksame Gegenvorstellungen bei Belasteten (bei einer Psychasthenie) auftreten und in Handlungen umgesetzt werden. Beispiele waren Brandstiftungstrieb und Stehltrieb.[3] Ab 1959 nannte Willibald Pschyrembel als Beispiele für krankhafte Triebstörungen Satyriasis, Nymphomanie, Sadismus, Masochismus, Pyromanie, Kleptomanie und Mordtrieb. Als Ursachen nannte er Psychopathien, Schwachsinn, endogene Psychosen, Intoxikationen und organische Hirnerkrankungen.[4]
In der Medizin wurde meistens nicht auf die Strafbarkeit abgestellt; in der Rechtsprechung wurde meistens nicht auf die Krankhaftigkeit abgestellt.
Literatur
- Nikolaus Heim: Operation „Triebtäter“, Kastration als ultima ratio. Gespräche mit kastrierten Sexualtätern (= Forschungsergebnisse zur Sexualpsychologie. Band 8). Dr. Kovac, Hamburg 1998, ISBN 3-86064-673-7.
- Jens Hoffmann, Cornelia Musolff (Hrsg.): Täterprofile bei Gewaltverbrechen. Mythos, Theorie, Praxis und forensische Anwendung des Profilings. Springer-Verlag, Berlin, Heidelberg 2006, ISBN 978-3-540-68647-7.
- Frank J. Robertz, Alexandra Thomas (Hrsg.): Serienmord. Kriminologische und kulturwissenschaftliche Skizzierung eines ungeheuerlichen Phänomens. Edition Belleville, München 2004, ISBN 3-936298-09-2.
- Eberhard Schorsch, Nikolaus Becker: Angst, Lust, Zerstörung: Sadismus als soziales und kriminelles Handeln (= Beiträge zur Sexualforschung. Band 78). Psychosozial-Verlag, Gießen 2000, ISBN 3-89806-048-9.
- Eberhard Schorsch: Perversion als Straftat. Dynamik und Psychotherapie. 2. Auflage, Ferdinand-Enke-Verlag, Stuttgart 1996, ISBN 3-432-27212-X.
- Jerome Endrass, Astrid Rossegger, Frank Urbaniok, Bernd Borchard (Hrsg.): Intervention bei Gewalt- und Sexualstraftätern. Risk-Management, Methoden und Konzepte der forensischen Therapie. Medizinisch Wissenschaftliche Verlagsgesellschaft, Berlin 2012, ISBN 978-3-941468-70-2.
- Klaus M. Beier (Hrsg.): Pädophilie, Hebephilie und sexueller Kindesmissbrauch. Die Berliner Dissexualitätstherapie. Springer-Verlag, Berlin 2018, ISBN 978-3-662-56593-3.
- Thomas Gruber: Sexuell deviantes Verhalten von Jugendlichen. Carl-Auer-Verlag, Heidelberg 2018, ISBN 978-3-8497-0218-2.
- Thomas Bliesner, Friedrich Lösel, Günter Köhnken (Hrsg.): Lehrbuch Rechtspsychologie. Hans Huber Verlag, Bern 2014, ISBN 978-3-456-85411-3.
- Hans-Dieter Schwind: Kriminologie und Kriminalpolitik. Eine praxisorientierte Einführung mit Beispielen. 23. Aufl. C.F. Müller Verlag, Heidelberg 2016. ISBN 978-3-7832-0047-8.
