Tropolone

Hydroxyderivate des Tropons From Wikipedia, the free encyclopedia

Die Tropolone sind eine Gruppe von Naturstoffen, die sich vom 2-Hydroxytropon (α-Tropolon, kurz auch nur Tropolon[1]) ableiten.[2] Charakteristisch ist das siebengliedrige carbocyclische Ringsystem mit drei konjugierten Doppelbindungen, einer Carbonyl- und einer Hydroxygruppe (6π-Aromaten).

Einteilung und Vorkommen

Der Riesen-Lebensbaum (Thuja plicata) enthält das Tropolonderivat Hinokitiol

Das Grundgerüst des Siebenrings von α-Tropolons findet sich in manchen Naturstoffen. Der Name „Tropolone“ leitet sich von „Atropin“ ab und wurde 1945 von M. J. S. Dewar geprägt[1] für eine Gruppe von Oxyketonen, denen ein neuartiges Ringsystem zu Grunde lag.

Nach Nozoe[3] werden Tropolone vom Terpentyp, Hydroxytropoloncarbonsäuren, Purpurogallin und Tropolone vom Alkaloidtyp unterschieden.

  • Hydroxytropoloncarbonsäuren: Ein andersartiger Tropolonabkömmling ist die Stipitatsäure (C8H6O5), mit einer Carboxy- und einer weiteren Hydroxygruppe als Substituenten, die aus dem Schimmelpilz Penicillium stipitatum isoliert wurde. Auch die Tropolone Stipitatonsäure, Puberulasäure und Puberulonsäure werden von Penicillium-Arten gebildet.[5]
  • Beim Purpurogallin (C11H8O5), das in verschiedenen Formen von Gallen wie Galläpfeln und in Rinden von Eichen vorkommt, ist das Strukturmotiv des Tropolons Teil eines bicyclischen Ringsystems.
  • Tropolone vom Alkaloidtyp: Auch das Ringsystem von Colchicin, dem Hauptalkaloid von Colchicum autumnale (Herbstzeitlose), kann als komplexes Tropolon-Derivat betrachtet werden.[6]

Stammverbindung α-Tropolon

α-Tropolon ist das 2-Hydroxyderivat des Tropons und besitzt zwei Stellungsisomere mit gleicher Summenformel (C7H6O2). Beim α-Tropolon stehen Carbonyl- und Hydroxygruppe in 1,2-Stellung benachbart am Ring. Dies ermöglicht eine Keto-Enol-Tautomerie (siehe Abschnitt Eigenschaften), so dass es keines der üblichen Ketonderivate gibt.[1] Außerdem kennt man noch β-Tropolon (1,3-Substitution) und γ-Tropolon (1,4-Substitution), denen jedoch keine besondere Bedeutung zukommt.

Tropolone
Name α-Tropolonβ-Tropolonγ-Tropolon
Andere Namen 1,2-Tropolon,
2-Hydroxycyclohepta-2,4,6-trienon
Purpurocatechol
2-Hydroxytropon
TROPOLONE (INCI)[7]
1,3-Tropolon
3-Hydroxytropon
1,4-Tropolon
4-Hydroxytropon
Strukturformel
CAS-Nummer 533-75-53324-76-34636-39-9
? (Isomerengemisch)
PubChem 1078920751
Summenformel C7H6O2
Molare Masse 122,12 g·mol−1
Aggregatzustand fest
Kurzbeschreibung hellgelber Feststoff[8]
Schmelzpunkt 50–52 °C[8]
Siedepunkt 80–84 °C (0,1 mmHg)[8]
pKs-Wert 6,9[9] 5,4[9]
Löslichkeit löslich in Wasser
GHS-
Kennzeichnung

keine GHS-Piktogramme
[8]
keine Einstufung verfügbar
keine Einstufung verfügbar
H- und P-Sätze keine H-Sätze siehe oben siehe oben
keine EUH-Sätze keine EUH-Sätze keine EUH-Sätze
keine P-Sätze siehe oben siehe oben
Toxikologische Daten 190 mg·kg−1 (LD50, Ratte, i.p.)[8]

Synthese

Die Oxidation von Cycloheptanon mit Selendioxid führt zu 1,2-Cycloheptandion. Die anschließende Bromierung-Dehydrobromierung im basischen Medium und eine Hydrierung führt zu α-Tropolon.[10]

Tropolon-Synthese
Tropolon-Synthese

Eigenschaften

Tautomerie bei α-Tropolon

Das α-Tropolon kommt in zwei tautomeren Formen vor, was durch Infrarotspektren belegt wurde. Da die tautomere Umwandlungsgeschwindigkeit sehr groß ist, wird ebenfalls eine Strukturformel mit einer Wasserstoffbrückenbindung postuliert. Der Wechsel des Protons von einem Sauerstoffatom zum anderen führt zugleich zu einer Verschiebung der π-Elektronen der Doppelbindungen, die in einem eben gebauten Siebenring mit 6π-Elektronen zur Ausbildung eines mesomeriestabilisierten Systems führt, der die Hückel-Regel erfüllt, also ein Aromat ist:

α-Tropolon mit ebenem Siebenring als 6π-Elektronen-Aromat
α-Tropolon mit ebenem Siebenring als 6π-Elektronen-Aromat

Reaktivität

α-Tropolon lässt sich – wie viele andere Aromaten – nitrieren und bromieren. Es kuppelt mit Diazoniumsalzen. Durch Erhitzen wird es zu Benzoesäure isomerisiert.

Einzelnachweise

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