Tucherpark

Stadtviertel von München From Wikipedia, the free encyclopedia

Der Tucherpark ist ein Stadtviertel von München. Es wurde Ende der 1960er Jahre auf Initiative der Bayerischen Vereinsbank von Architekt Sep Ruf und Landschaftsarchitekt Karl Kagerer errichtet. Die einheitlich geplante Bürosiedlung wurde als Ensemble (E-1-62-000-80) in die Bayerische Denkmalliste eingetragen. Das ehemalige Bürogebäude Am Tucherpark 12 (D-1-62-000-8508), welches als Technisches Zentrum der Bayerischen Vereinsbank errichtet wurde, sowie das Bürogebäude Sederanger 4–6 (D-1-62-000-8697) wurden als Baudenkmäler eingetragen. Seit dem Auszug der Hypovereinsbank wird der Tucherpark in einem kooperativen Verfahren zu einem Mixed-Use-Viertel mit u. a. Wohnungen, Büros, Hotel, Gastronomie, Gesundheits- und Freizeitangeboten weiterentwickelt und so für die Öffentlichkeit wiederbelebt.

Verwaltungsbau der HypoVereinsbank

Lage

Der Tucherpark liegt in Schwabing-Freimann nördlich des Lehel und wird von der Tivolistraße im Süden und dem Isarring im Norden begrenzt. Die östliche Grenze ist die Isar, im Westen wird der Tucherpark vom Englischen Garten begrenzt. Zwischen dem Tucherpark und dem Lehel liegt noch das kleine Quartier Tivoli. Der Eisbach durchfließt den Tucherpark von Süden nach Norden.

Geschichte

Der Tucherpark war ursprünglich das Gelände der Tivoli-Kunstmühle, die 1969 stillgelegt und abgerissen wurde. Die Bayerische Vereinsbank, die einen neuen Ort für ihre stark gewachsene Verwaltung suchte, startete das Projekt Tucherpark und begann noch 1969 mit dem Bau der Verwaltungsgebäude. Das Konzept der Bürostadt nach amerikanischem Vorbild sowie die Architektur der Gebäude beruhen auf Plänen von Sep Ruf. Das Gebäude Sederanger 4–6 wurde von Uwe Kiessler entworfen.

Benannt ist der Park nach Hans Christoph Freiherr von Tucher, der von 1958 bis 1968 Vorstandssprecher der Bank war.

Ende 2019 verkaufte die Unicredit Bank als Rechtsnachfolger der Bayerischen Vereinsbank das Tucherpark-Areal an die Commerzbank-Tochtergesellschaft Commerz Real und den Projektentwickler Hines. Der Gebäudekomplex ist seither Bestandteil des Portfolios des offenen Immobilienfonds Hausinvest. Unter Wahrung des Denkmalschutzes wurden neben Umbauten und Modernisierungen auch Nachverdichtungsmaßnahmen geplant.[1] Anfang Februar 2025 wurde der Masterplans dem Stadtrat vorgestellt.[2]

Seit Februar 2026 betreibt die Deutsche Telekom gemeinsam mit dem US-Chipkonzern Nvidia im Tucherpark ein KI-Rechenzentrum „Industrial AI Cloud“ mit 10.000 Nvidia-Grafikprozessoren.[3][4] Der Eisbach wird zur Kühlung benutzt.

Beschreibung

Zwillingsplastik 1972 von Isamu Noguchi

Einen Großteil des Tucherparks nehmen die ehemaligen Verwaltungsgebäude und eine Sportanlage mit Schwimmhalle der Bayerischen Vereinsbank (jetzt Unicredit Bank) ein. Zentral im Tucherpark liegt in einem Knick der Straße am Tucherpark das Hilton Munich Park Hotel an der Stelle, wo ursprünglich die Mühle stand.

Der Eisbach durchfließt den Tucherpark auf seiner gesamten Länge. Zwischen Eisbach und Ifflandstraße gibt es im Norden noch einen schmalen öffentlichen Grünstreifen, der im Sommer gerne als Badestrand und Liegewiese genutzt wird.

In dem aus den Grünflächen zwischen den Bürogebäuden bestehenden Skulpturengarten Tucherpark sind Skulpturen und Plastiken zeitgenössischer Künstler aufgestellt.

Verkehr

Der Tucherpark liegt verkehrsgünstig am Mittleren Ring. Die vierspurige Zubringerstraße Ifflandstraße verfügt über eine eigene Ausfahrt für den Tucherpark. Im Süden führen die Hirschauer Straße und ihre Verlängerung, die Oettingenstraße, ins Lehel. Die Tivolistraße, die am Ende der Hirschauer Straße kreuzt, führt über die Max-Joseph-Brücke in den auf der anderen Seite der Isar gelegenen Stadtteil Bogenhausen.

Vor dem Parkhotel Hilton befinden sich ein Taxistand und die Bushaltestelle Tucherpark. Die nächste Tram-Haltestelle ist Tivolistraße. Die neuen Eigentümer arbeiten im Zuge der Revitalisierung an einem Mobilitätskonzept für den Tucherpark.

Weiterentwicklung

Die Modernisierung des Tucherparks hat das Ziel, den Standort aufzuwerten und dabei den Gebäudebestand behutsam weiterzuentwickeln, um so ein attraktives und zukunftsfähiges Wohn- und Arbeitsquartier zu schaffen. Geplant sind auf dem Areal neben rund 600 Wohnungen, zwei Kitas sowie diversen Sport- und Freizeitmöglichkeiten auch Büroflächen, Gastronomieangebote, Flächen für die medizinische Versorgung und kulturelle Angebote. Im Zentrum liegt das Hotel Hilton Munich Park, welches ebenfalls modernisiert wird. Das Tucherpark-Gelände umfasst ca. 10 Hektar, der Großteil davon ist Natur: Rund 1.600 Bäume, Grünflächen, zwei Biotope und der Eisbach, der den Tucherpark durchfließt.[5]

Literatur

  • Claudia Mann: Der Tucherpark – „Investment“ oder „bedeutsames Denkmalensemble“?. In: Schönere Heimat, 113. Jahrgang, Heft 1, Bayerischer Heimatverein für Landespflege e. V., München 2024, ISSN 0177-4492. S. 49–51.
  • Irene Meissner: Bauten der Bayerischen Vereinsbank im Tucherpark, München 1963-1985. In: Irene Meissner: Sep Ruf 1908-1982, München und Berlin 2018, ISBN 978-3-422-07494-1, S. 328–336.
  • Helmuth Stahleder: Von Allach bis Zamilapark. Namen und historische Grunddaten zur Geschichte Münchens und seiner Vororte. München: Buchendorfer, 2001, ISBN 3-934036-46-5
Commons: Tucherpark – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

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