Tucker Carlson

US-amerikanischer Fernsehmoderator und politischer Kommentator From Wikipedia, the free encyclopedia

Tucker Swanson McNear Carlson (* 16. Mai 1969 in San Francisco) ist ein US-amerikanischer Journalist, Fernsehmoderator und politischer Kommentator.

Tucker Carlson (2022)

Er wurde als Gastgeber der CNN-Debattensendung Crossfire und der MSNBC-Show Tucker bekannt. Von 2016 bis 2023 moderierte er die abendliche politische Talkshow Tucker Carlson Tonight beim Fox News Channel. Seit seiner Trennung von Fox News veröffentlicht Carlson regelmäßig politische Formate über neue Plattformen, darunter auf X sowie über ein eigenes Streaming-Angebot. Während er zu Beginn seiner Karriere öffentlich noch liberale Ansichten vertrat, wurde er mit der Zeit konservativer und verbreitet inzwischen Verschwörungstheorien über Themen wie Einwanderung, die Corona-Pandemie, Besuche von Außerirdischen, den Sturm auf das Kapitol sowie den Ukraine-Krieg, zu dem er Behauptungen der russischen Propaganda übernahm. Ihm wird die Verbreitung rechtsextremer Aussagen sowie antisemitischer Stereotype vorgeworfen.

Leben

Jugend und Ausbildung

Carlson wurde 1969 als älterer der beiden Söhne des Bankiers, Nachrichtenmoderators und Diplomaten Richard Warner Carlson (1940–2025) und seiner Ehefrau, der Künstlerin Lisa McNear (1945–2011), geboren.[1][2] Sein Ururgroßvater Cesar Lombardi emigrierte 1860 aus der Schweiz nach New York.[3]

Als Carlson sechs Jahre alt war, verließ seine Mutter die Familie. Eigenen Angaben zufolge sah er sie bis zu ihrem Tod im Jahr 2011 nie wieder. 1976 reichte sein Vater die Scheidung ein und beantragte unter Verweis auf die Alkohol-, Marihuana- und Kokainsucht der Mutter das alleinige Sorgerecht für die gemeinsamen Kinder, das er auch erhielt.

1979, als Carlson zehn Jahre alt war, heiratete sein Vater Patricia Swanson (1945–2023), eine Nichte des Senators J. William Fulbright und Tochter des Industriellen Gilbert Swanson (1906–1968), der als Erfinder des TV-Dinners gilt.[4] Patricia Swanson adoptierte Carlson und seinen Bruder Buckley nach der Eheschließung mit ihrem Vater offiziell. Infolgedessen nahm Carlson den Mädchennamen seiner Stief- und Adoptivmutter (Swanson) als zweiten Vornamen an.[5]

Carlsons Stief-/Adoptivmutter brachte ein immenses Vermögen mit in ihre Ehe mit Carlsons Vater. Dieses war ihr als Miterbin des Swanson-Vermögens – ihre Familie war in den 1950er Jahren durch die Produktion von Lebensmitteln, die in den USA bis heute eine bekannte Marke sind (Swanson Frozen Foods), zumal von TV-Dinnern, zu großem Reichtum gelangt – zugefallen, nachdem ihr Vater seine Hauptfirma 1955 an die Campbell Soup Company für eine hohe Summe sowie ein großes Paket von Campbell-Aktien verkauft hatte. Da Patricia Swanson keine biologischen Kinder hatte, wird angenommen, dass sie ihren Teil des ererbten Swanson-Vermögens ihren beiden Stiefsöhnen vermacht hat. Campbell verwendet den Namen Swanson bis in die Gegenwart als Marke für viele Produkte, weshalb immer wieder irrtümlich in Medien berichtet wird, dass die Swanson-Produkte immer noch im Besitz der Familie Swanson seien und dass Carlson, weil Einnahmen der vermeintlich noch existierenden Swanson-Firma durch seine Adoptivmutter seiner Familie zufließen würden, vom Verkauf derselben finanziell profitieren würde. In den 2020er Jahren wurden sogar wiederholt Aufrufe gestartet, Swanson-Produkte zu boykottieren, um Carlson den Profit, der ihm vermeintlich durch den Verkauf derselben erwachsen würde, vorzuenthalten.[6]

Nach dem Besuch der St. George’s School, einer unter der Ägide der Episkopalkirche stehenden Privatschule in Middletown, Rhode Island,[7] studierte Carlson bis 1992 am Trinity College in Hartford, Connecticut, wo er mit einem B. A. in Geschichte abschloss. Nach Darstellung des Biografen Jason Zengerle hatte Carlson zuvor auch eine Aufnahme an einer Ivy-League-Universität angestrebt, letztlich jedoch das Trinity College besucht.[8] Danach begann er, als freiberuflicher Journalist zu arbeiten.

Karriere als Journalist und Fernsehmoderator

Carlson begann seine journalistische Karriere als Faktenchecker beim Policy Review,[4] einem konservativen Magazin, das von der Heritage Foundation herausgegeben wurde.

Später arbeitete er als Reporter bei der Arkansas Democrat-Gazette, und 1995 begann er für The Weekly Standard zu arbeiten.[4] In dieser Zeit stellte Carlson nach Zengerles Darstellung die Rolle der Presse als grundlegende Voraussetzung demokratischer Ordnung heraus und warnte, ohne sie drohe ein rasches Abgleiten in einen „totalitären Polizeistaat“.[8] Er war Kolumnist bei New York und Reader’s Digest. Zudem schrieb er auch für Esquire, The New Republic, The New York Times Magazine und The Daily Beast.[4] Zengerle beschreibt den anschließenden Wechsel ins Kabelfernsehen als einen Schritt, bei dem Carlson zunehmend von Reichweite, Scheinwerferlicht und den ökonomischen Anreizen des Mediums angezogen worden sei.[8]

CNN (2000–2005)

Ab 2000 übernahm er die Moderation diverser Programmformate für den Nachrichten- und Informationskanal CNN, darunter mit Bill Press einige Jahre lang die Sendung The Spin Room und insbesondere die abendliche Live-Diskussions-Runde Crossfire. Darin traten Carlson und Robert Novak abwechselnd als Vertreter der politischen Rechten im Streitgespräch mit einem Co-Moderator (James Carville oder Paul Begala), der die politische Linke vertrat, auf, gemeinsam mit einem oder mehreren Gästen.[4] Von 2004 bis 2005 moderierte er zeitgleich auch die Sendung Tucker Carlson: Unfiltered für den Sender PBS.

In der Ausgabe der von ihm co-moderierten Sendung Crossfire vom 15. Oktober 2004, während des damaligen US-Präsidentschaftswahlkampfes, kam es zu einem vielbeachteten Zusammenstoß von Carlson mit dem Gast dieser Ausgabe der Sendung, dem Komiker und Moderator Jon Stewart. Dieser warf Carlson eine Fragetechnik vor, die seinen Gästen überwiegend Selbstdarstellung ermögliche und vor allem zu überspitzter Polemik statt zum ernsthaften Austausch von Argumenten führe und so das Informationsbedürfnis der Zuschauer nicht erfülle; Carlson und sein Co-Moderator und politischer Widerpart Paul Begala veranstalteten „Theater“ anstatt Journalismus.[9] Dies schade den USA. Carlson reagierte abwehrend und warf Stewart vor, er habe ihn sich lustiger vorgestellt.[10] Sein Vertrag als Moderator dieser Sendung wurde im Januar 2005 nicht verlängert, und Crossfire wurde abgesetzt. Der Präsident von CNN, Jonathan Klein, begründete dies damit, dass Stewarts Kritik berechtigt gewesen sei. Carlson behauptete dagegen, er habe ohnehin bereits im April 2004 bei CNN gekündigt.[11]

Der Medienforscher Jason Zengerle misst der Episode von Carlsons Zusammenstoß mit Stewart und den Folgen, die dieser hatte (Carlson öffentliche Desavouierung und seine Entlassung bei CNN), in seiner 2026 erschienenen Biografie Carlsons eine entscheidende Bedeutung für dessen weitere Entwicklung zu: Das Erlebnis sein ein „vernichtender Karriererückschlag“ (devastating career blow) gewesen und habe eine schwere psychologische Krise in Carlson ausgelöst, die den Prozess seines Abrückens vom journalistischen Mainstream, von dem er bis dahin ein Teil gewesen sei, zugunsten der Aneignung von Positionen, die traditionell in den USA eher am Rand des politischen Spektrums verortet seien, eingeleitet.[12] In einem Interview über sein Buch summierte Zengerle die Bedeutung eines Schlüsselereignisses für Carlsons weitere Entwicklung, die der „Jon Steward-Episode“ nach seiner Überzeugung zukommt, mit der Formel, dass die Blamage, die Stewart ihm zufügte, dass der durch diese Blamage bewirkte vorläufige karrieremäßige Absturz, und dass der fehlende Rückhalt in der Washingtoner Journalistenelite (als der peer group, der er sich damals zugehörig gefühlt habe), den Carlson damals erfuhr, in ihm „gewissermaßen einen Keim von Bitterkeit eingepflanzt“ (planted a seed of resentment) hätten. Carlson habe damals begonnen, „zu fühlen, dass die Welt seine Talente nicht genügend wertschätze und sie nicht nutze, was seinen Groll noch verstärkt“ habe (He started to feel that the world did not sufficiently appreciate his talents and wasn'T taking advantage of them and that furthered the resentment.).[13]

MSNBC (2005–2008)

Von Mai 2005 bis März 2008 führte er bei dem Sender MSNBC als Anchorman durch die nach ihm benannte Talk-Sendung Tucker (anfangs kurzzeitig als The Situation with Tucker Carlson bezeichnet), die werktags um 18:00 Uhr (Ostküstenzeitzone) ausgestrahlt wurde und schließlich wegen schlechter Quoten eingestellt wurde.[14] Während der Olympischen Winterspiele 2006 moderierte Carlson zudem eine nachmittägliche Sendung, in der er sich im Selbstversuch in verschiedenen während der Spiele ausgetragenen Disziplinen ausprobierte. Im selben Jahr berichtete er aus Haifa über den Zweiten Libanonkrieg.

Fox News Channel (2009–2023)

Tucker Carlson (2012)

Von Mai 2009 bis April 2023 stand Carlson beim konservativen Fox News Channel unter Vertrag.[15] Für diesen trat er zunächst häufig als Kommentator oder Teilnehmer an Diskussionsrunden in Sendungen wie Special Report auf. Außerdem vertrat er einige Male Sean Hannity als Gastgeber in dessen Show.[16] Nach Darstellung Zengerles erklärte Carlson 2009, das wichtigste Ziel eines Nachrichtenmediums müsse die möglichst genaue, zutreffende Berichterstattung sein.[8] 2010 gehörte Carlson zu den Mitgründern des Online-Portals The Daily Caller, das nach Zengerles Darstellung zunächst zu mehr Zivilität im politischen Diskurs beitragen sollte.[8] Laut Zengerle entwickelte sich das Projekt jedoch rasch zu einem intensiven Wettbewerb um Aufmerksamkeit und Klickzahlen, unter anderem mit Breitbart News.[8]

Im April 2013 wurde Carlson als Nachfolger von Dave Briggs als einer von drei Co-Moderatoren der Wochenendausgabe der im Frühstücksfernsehen ausgestrahlten Sendung Fox & Friends ausgewählt. Zusammen mit Alisyn Camerota und Clayton Morris moderierte er die dreistündige Sendung, die eine Mischung aus Nachrichten, Unterhaltung und Interviews mit Gästen bietet, dreieinhalb Jahre lang (2013 bis 2016) an Samstag- und Sonntagvormittagen (Fox & Friends Weekend).

Nachdem Bill O’Reilly, der Moderator der an Wochentagen zur Hauptsendezeit um 20.00 Uhr (Ostküstenzeit) ausgestrahlten Sendung im Programm von Fox News (The O'Reilly Factor) aufgrund von Vorwürfen, dass er sich sexuellen Fehlverhaltens gegenüber weiblichen Mitarbeitern des Senders schuldig gemacht habe, im Herbst 2016 von Fox News entlassen wurde, wurde Carlson von der Senderleitung als sein Nachfolger ausgewählt: Im November 2016 übernahm Carlson die Moderation der neuen Sendung Tucker Carlson Tonight, die fortan von 20.00 bis 21.00 Uhr anstelle von The O'Reilly Factor von Fox News ausgestrahlt wurde.[17] Carlson führte anschließend knapp sechseinhalb Jahre (November 2016 bis April 2023) durch diese Sendung.

Tucker Carlson Tonight erreichte schließlich die höchsten Einschaltquoten im Programm von Fox News und für eine politische Sendung in der Hauptsendezeit in den Vereinigten Staaten überhaupt.[18]

Fox News beendete die Zusammenarbeit mit Carlson im April 2023, kurz nachdem sich der Sender und Dominion Voting Systems außergerichtlich auf rund 787 Mio. US-Dollar Schadenersatz geeinigt hatten. Fox News war für die Verbreitung von Falschinformationen zum Ausgang der Präsidentschaftswahl 2020 verklagt worden; Carlson spielte eine Schlüsselrolle in der Klage, insbesondere nachdem bekannt geworden war, dass er in privaten Nachrichten gänzlich andere Positionen zu Donald Trump vertrat als vor der Kamera.[19] Seine Show wurde zum letzten Mal am 21. April 2023 ausgestrahlt.[20] Laut The New York Times wurde er drei Tage später ohne Warnung über seine Entlassung informiert. Die Gründe für die Entlassung sind öffentlich nicht bekannt.[21]

Unabhängiger Podcaster und Influencer

Im Juni 2023 sendete Carlson als Beginn einer eigenen regelmäßig erscheinenden Sendung erstmals ein zehnminütiges Video auf Twitter.[22] Zengerle interpretiert Carlsons Schritt in Richtung X und eigener Streaming-Angebote als Beispiel dafür, wie sich mediale Aufmerksamkeit und politische Wirkung von traditionellen Institutionen zu neuen Plattformen verlagern.[8] Daraufhin teilte Fox Carlson mit, dass dies eine Verletzung des fortbestehenden Exklusivvertrages zwischen den Parteien sei. Carlsons Anwälte erklärten, dass Fox mit dieser Äußerung Carlsons Meinungsfreiheit aus dem 1. Zusatzartikel zur Verfassung der Vereinigten Staaten verletze.[23] Carlsons Wechsel zu X fiel in eine Phase, in welcher die Plattform kurz zuvor von Elon Musk übernommen worden war.[8]

Mit den drei ersten Sendungen erreichte Carlson laut eigenen Angaben ungefähr zwischen 26 Millionen und 13,2 Millionen Abrufe. Diese Zahlen könnten seine Zuschauerzahlen auch überbewerten, in den offiziellen Richtlinien von Twitter für Inhaltsersteller heißt es, dass eine „Videoaufruf-Metrik ausgelöst wird, wenn ein Nutzer ein Video mindestens 2 Sekunden lang anschaut und mindestens 50 % des Videoplayers im Blickfeld hat“.[24] Carlson behauptete in seiner ersten Sendung auf Twitter, dass das US-Militär die Überreste eines außerirdischen Raumschiffs und deren tote Besatzung geborgen hätte. Die Washington Post schrieb daraufhin, dass Carlson inzwischen nur noch ein weiterer Social-Media-Verschwörungstheoretiker unter vielen sei.[25]

Tucker Carlson interviewt Wladimir Putin

Am 6. Februar 2024 interviewte Carlson zwei Stunden lang den russischen Staatspräsidenten Wladimir Putin.[26] Er war die erste westliche Person, dem der russische Präsident seit Beginn des russischen Überfalls auf die Ukraine im Februar 2022 ein Interview gab. Vor dem Interview hatte Carlson seine Motive für sein Interview mit Putin in einer Erklärung dargelegt.[27] Carlson brachte in dem Interview typische Fixierungen der Online-Rechten zur Sprache, auf die Putin jedoch kaum einging.[8] Carlson behauptete u. a., dass sich kein westlicher Journalist, abgesehen von ihm, um ein Interview mit dem russischen Präsidenten bemüht hätte. Dem widersprachen nicht nur westliche Medien, sondern auch der Sprecher der russischen Regierung, Dmitri Peskow; dieser erklärte, dass der russische Präsident viele Interviewanfragen erhalten habe, aber der Kreml „kaum einen Sinn darin, kaum einen Nutzen“ sehe, mit jenen westlichen Medien („traditionelle Fernsehsender, große Zeitungen“) zu kommunizieren, die bisher eine Anfrage gestellt hatten.[28] Der Journalist Demian von Osten von tagesschau.de war der Meinung, dass Carlson bei dem Interview ein „überforderter und unwissender Stichwortgeber“ Putins gewesen sei.[29] Eine vierköpfige Gruppe von Journalisten der Washington Post kommentierte das Interview mit der Einschätzung, dass die von Putin in seinem Gespräch mit Carlson vermittelte Botschaft direkt auf Carlsons Zielgruppe gemünzt gewesen sei, nämlich isolationistische republikanische Anhänger des früheren US-Präsidenten Donald Trump.[30][31] Im Journal für Internationale Politik und Gesellschaft hieß es, dass der Grund, weshalb „ausgerechnet Tucker Carlson eine Audienz bei Putin gewährt wurde, [...] wohl eher in dessen gezeigter Bereitschaft liegen“ dürfte, „Positionen des Kremls zu übernehmen, als in seiner Kompetenz als kritischer Journalist“.[32]

Im Rahmen des Präsidentschaftswahlkampf 2024 nahm Tucker Carlson in Privatgesprächen Einfluss auf die Auswahl von JD Vance als Trumps Running Mate. Er riet von den Kandidaten Marco Rubio und Doug Burgum ab, da sie NeoCons seien. Carlson argumentiert, dass ein NeoCon-Vizepräsident den Geheimdiensten Anreiz gebe, Trump zu ermorden.[33] Zengerle und andere Beobachter sehen Carlsons Einfluss dabei nicht nur bei Personalfragen, sondern auch bei Themen, die in der Trump-nahen Agenda wiederkehrten, etwa der Aufmerksamkeit für die Lage weißer Südafrikaner.[8] Bei dem republikanischen Nominierungsparteitag 2024 trat Carlson dann auf. Am Eröffnungstag war er mit Donald Trump und dessen Familie in der VIP-Loge. Am Donnerstag, dem 18. Juli 2024, hielt er dort eine Rede und wurde auch sonst wie ein Prominenter behandelt.[34] Am 2. September 2024 interviewte Carlson den Podcaster Darryl Cooper, der dabei die Holocaust relativierende These vertrat, dass Winston Churchill der größte Schurke des II. Weltkrieges gewesen sei. Außerdem sei der Tod von Millionen in Konzentrationslagern nicht geplant, sondern auf unzureichende Vorbereitungen der Deutschen zurückzuführen. Carlson bezeichnete Cooper als „besten und ehrlichsten Populär-Historiker der USA“.[35] Anfang Dezember 2024 interviewte Carlson den Außenminister Russlands, Sergei Lawrow.[36]

Nach Anlauf des am 28. Februar 2026 beginnenden gemeinsamen amerikanisch-israelischen Militäreinsatzes gegen den Iran positionierte Carlson sich scharf gegen diesen: Er bezeichnete das militärische Vorgehen gegen den Iran als einen Vorgang, der „absolut ekelhaften und bösen“ (absolutely disgusting and evil) sei. Verschiedene Medien erblickten in den öffentlichen Stellungnahmen von Carlson und anderen prominenten rechten Kommentatoren und Meinungsmachern, wie z. B. Megyn Kelly, gegen die von der Regierung Trump initiierten militärischen Angriffe auf den Iran, einen ersten öffentlich sichtbaren größeren Bruch innerhalb der MAGA-Koalition, die die Basis der zweiten Regierung Trump bildet. Trump griff Carlson im März 2026 scharf wegen seiner Verdammung des Militäreinsatzes an und erklärte, dass Carlson sich „geistig verirrt“ habe (he has lost his way) und kein Repräsentant der MAGA-Bewegung mehr sei. Zur Begründung führte Trump aus, dass MAGA „unser Land retten“ und „wieder großartig“ machen würde und dass MAGA „America First“ sei, Carlson aber „nichts von alledem“ sei. Auch sei Carlson „nicht klug genug“, um „das zu verstehen.“ (“MAGA is saving our country. MAGA is making our country great again. MAGA is America First, and Tucker is none of those things,” Trump said, adding that Carlson is “not smart enough to understand that.”)[37]

Politische Positionen

Carlson with Balázs Orbán at MCC Fest After

Carlson gehört der Republikanischen Partei an.[38] Zengerle beschreibt Carlson als ausgeprägten Kontrarianer, dessen politische Positionen sich im Lauf der Jahre jedoch stark verändert hätten.[8] Demnach sei Carlson früher unter anderem als wohlwollender Beobachter von Politikern wie John McCain sowie als Unterstützer Israels aufgetreten, während er sich später stärker in ein verschwörungsideologisches Spektrum hineinbewegt habe.[8] Zengerle zufolge habe Carlson in diesem Prozess zunehmend Nähe zu Milieus gesucht, in denen auch Neonazis und autoritäre ausländische Machthaber als Gesprächspartner und Bezugspunkte auftauchten.[8]

In seinen Sendungen und Zeitschriftenartikeln trat Carlson wiederholt für einen schlanken Staat und weniger staatliche Regulierungsmaßnahmen ein, etwa gegen ein Rauchverbot[39] zugunsten individueller Entscheidungsfreiheit, für eine Reduzierung der Immigrationsquoten und für eine zurückhaltende Außenpolitik, in der Auslandseinsätze der US-Streitkräfte nur das letzte Mittel darstellen sollten. Er vertritt in Bezug auf Abtreibung eine konservative Position und sprach sich klar dagegen aus.[40]

Er sprach sich noch 2007 allerdings für das Recht Homosexueller auf die Ehe aus. Er sagte, er befürworte die Ehe grundsätzlich als eine „zivilisierende“ Kraft und erwarte diesen Effekt auch bei Homosexuellen.[41] Insgesamt wurde er mit der Zeit immer konservativer und vertrat zuletzt rechtsextreme Positionen.[42]

Den Irakkrieg von 2003 befürwortete Carlson anfangs, vertrat aber ab 2004 eine ablehnende Position und sagte, er betrachte seine ursprüngliche Zustimmung mittlerweile als einen Fehler.[43] Weiter erklärte er, den damals amtierenden Präsidenten George W. Bush kein weiteres Mal zu wählen, und kritisierte auch dessen Gegenkandidaten John Kerry dafür, dass dieser die Invasion des Irak gebilligt hatte.[40]

Im Frühjahr 2011 moderierte Carlson die üblicherweise von parteinahen Journalisten betreute Debatte der Kandidaten für das Amt des chairman der Parteiorganisation der Republikaner, die in der Wahl von Reince Priebus als neuem Vorsitzenden mündete. Sein Verhältnis zur Bush-Regierung war dagegen seit einem Vorfall während des Präsidentschaftswahlkampfes 1999/2000 gespannt: Carlson führte 1999 ein Gespräch mit Bush, der damals Präsidentschaftskandidat der Republikaner war. Nach seinem Bericht darüber soll Bush die in Texas zum Tode verurteilte Karla Faye Tucker verspottet haben, deren Begnadigung Bush als texanischer Gouverneur abgelehnt hatte, weiter habe Bush dabei geflucht „wie ein Fernfahrer“. Dies führte zu einem Zerwürfnis mit der Wahlkampfleitung von George W. Bush.[44]

In einem Interview mit dem Historiker Rutger Bregman im Februar 2019 warf dieser ihm vor, das wichtige Thema Steuerflucht in seiner Berichterstattung bewusst zu verschweigen und sich als Millionär von Milliardären wie Rupert Murdoch und den Koch-Brüdern bezahlen zu lassen. Der überraschte Carlson wurde daraufhin gegenüber Bregman verbal ausfällig. Der betreffende Gesprächsausschnitt wurde von Fox nicht ausgestrahlt.[45][46]

Im Sommer 2020 verteidigte Carlson den 17-jährigen Kyle Rittenhouse, der auf einer Black-Lives-Matter-Demo nach den Polizeischüssen auf Jacob Blake gemäß Videoaufnahmen zwei Demonstranten erschossen hatte. Laut dem späteren umstrittenen Gerichtsurteil, das den Angeklagten freisprach, geschah dies aus Notwehr. Carlson behauptete zunächst, dass in Kenosha „Anarchie“ herrsche und die Behörden die Stadt „aufgegeben“ hätten; er deutete die Tötung der Demonstranten als Akt zur Aufrechterhaltung von Recht und Ordnung. Anschließend fragte er in seiner Talkshow: „Sind wir also wirklich überrascht, dass sich Plünderung und Brandstiftung zu Mord beschleunigt haben? Wie schockiert sind wir darüber, dass 17-Jährige mit Gewehren beschlossen haben, die Ordnung aufrechtzuerhalten, als es sonst niemand tat?“[47][48]

Carlson ist ebenfalls Klimawissenschaftsleugner, der in seiner Sendung unter anderem regelmäßig behauptete, dass Sorgen vor dem Klimawandel wie eine Religion seien und dass „die gesamte Theorie des menschengemachten Klimawandels absurd“ sei.[49] Maxwell Boykoff, Professor für Umweltstudien, erklärte, Carlson habe Klimawandelleugnung nach dem Lehrbuch betrieben und sei einer der einflussreichsten Opponenten hinsichtlich des Klimawandels. Der Klimaforscher Michael E. Mann nannte Carlson eine „ständige Quelle der Desinformation über den Klimawandel“.[50]

Nachdem US-Präsident Trump die Präsidentschaftswahl 2020 verloren und dies aber nicht anerkannt hatte, beschrieb Carlson den künftigen Präsidenten Joe Biden in seiner Show „in einem minutenlangen Monolog als ferngesteuerte Marionette der Reichen und der Tech-Industrie, die Amerika gleichschalten und zu einer Oligarchie machen wollten“ (Julia Kastein, MDR).[51] Zengerle zufolge bezeichnete Carlson Trump in privaten Äußerungen im Jahr 2021 als „dämonische Kraft“, erkannte dessen Attraktivität für eine große Zielgruppe jedoch früh und baute seine Formate entsprechend aus.[8] Ende Februar 2023 belegten private E-Mails und SMS, die im Prozess des Wahlmaschinenherstellers Dominion Voting Systems gegen Fox News öffentlich wurden, dass Carlson intern die Verschwörungserzählung der „gestohlenen“ Präsidentschaftswahl 2020 als völligen Unsinn abgetan und Trumps Anwältin Sidney Powell als „Verrückte“ und „Lügnerin“ bezeichnet hatte, wohingegen er vor laufenden Kameras nach wie vor deren längst widerlegte Behauptung vom angeblichen Wahlbetrug verbreitete.[52]

Den Sturm auf das Kapitol in Washington im Januar 2021 bezeichnete Carlson als eine durch das FBI inszenierte Aktion. Er behauptete, Anhaltspunkte für Widersprüche in der offiziellen Version der Ereignisse zu haben, und forderte eine Untersuchung gegen die „wahren Schuldigen“. Die Washingtoner Regierung unter Joe Biden sei ein „Regime der Geheimniskrämerei und der Täuschung“. Ende Februar 2023 wurde bekannt, dass Kevin McCarthy, der republikanische Sprecher des Repräsentantenhauses, Carlson exklusiv das Videomaterial über die Erstürmung des Kapitols überlassen hat. Zuvor war dieses Material nur dem Untersuchungs-Sonderausschuss und Anwälten der Angeklagten vorbehalten. Mehrere Medien und demokratische Politiker sprachen von einem „schweren Fehler“, da Carlson nun versuchen werde, die Geschichte zu verbiegen und die öffentliche Erinnerung an die Geschehnisse zu manipulieren.[52] Tatsächlich zeigte Carlson in seiner Sendung bald darauf Ausschnitte, die den Eindruck erwecken sollten, es habe sich beim Sturm auf das Kapitol um eine friedliche Demonstration gehandelt.

Im April 2021 verbreitete er in seiner Sendung die unter Rechtsextremen beliebte Verschwörungstheorie vom Großen Austausch. Nach dieser antisemitischen und rassistischen Erzählung werden weiße Bevölkerungsteile gezielt durch nicht-weiße ersetzt. Carlson sagte, er wisse, „dass die Linke und Leute auf Twitter buchstäblich hysterisch werden, wenn man den Begriff ‚Replacement‘ verwendet und wenn man in den Raum wirft, dass die Demokratische Partei versucht, die aktuelle Wählerschaft mit neuen Menschen, gehorsamen Wähler aus der Dritten Welt, zu ersetzen.“ Doch tatsächlich würden sie gerade deshalb hysterisch, weil sie wüssten, dass es wahr sei. Es gehe nicht um Rassismus, sondern um Wählerrechte. „Wenn man die Bevölkerung verändert, verwässert man die politische Macht der Menschen, die dort leben.“ Tatsächlich werde er „[j]edes Mal, wenn sie […] einen neuen Wähler importieren […], als aktueller Wähler entmündigt“. Daraufhin forderte die Anti-Defamation League Carlsons Rücktritt.[53][54][55]

Wenige Tage darauf griff er die Aussagen erneut auf und bekräftigte sie: Der demographische Wandel sei der Schlüssel für die politischen Ziele der Demokratischen Partei. Um an die Macht zu gelangen und diese zu behaupten, planten die Demokraten, die Bevölkerung auszutauschen und durch Einwanderer zu ersetzen, die dann die Demokraten wählen würden. Ziel sei es, „euch“ [also die Zuschauer von Fox News] „irrelevant“ zu machen. Dies sei nachweislich wahr.[56] Nach dem Vormarsch der Taliban in Afghanistan 2021 und dem Rückzug der US-Truppen aus Afghanistan forderte Carlson Rücktritte auf höchster Ebene und behauptete, es gäbe einen Aufstand, wenn die Anführer über längere Zeit keine Verantwortung übernähmen.[57] Im September 2021 verteidigte er die Nutzung gefälschter Impfbescheinigungen zur COVID-19-Impfung. Dies sei „kein schweres Verbrechen“, sondern vielmehr eine „Verzweiflungstat anständiger, gesetzestreuer Amerikaner, die von Tyrannen in die Enge getrieben wurden“.[58][59]

In Bezug auf den Ukraine-Krieg positionierte Carlson sich als ein Gegner einer US-Unterstützung der Ukraine und übernahm dabei mehrere zentrale Behauptungen der russischen Propaganda.[60][61]

Nach dem russischen Überfall auf die Ukraine im Februar 2022 begann das russische Staatsfernsehen – auf Weisung der russischen Ministeriums für digitale Entwicklung, Kommunikation und Massenmedien – Carlson häufig zu erwähnen und zu zeigen. Dieser verbreitete die Falschaussage, dass die USA in der Ukraine Biowaffenlabore betreiben würden.[62][63]

Außerdem machte sich Carlson beim russischen Staatsfernsehen beliebt, indem er bei Fox News die Entscheidung der US-Regierung kritisierte, den ukrainischen Präsidenten Wolodymyr Selenskyj und die Ukraine zu unterstützen, die laut Carlson gar keine Demokratie sei. Er führte als Argument Selenskyjs innenpolitische Entscheidungen an, nach Kriegsausbruch mehrere prorussische TV-Sender geschlossen und mit Wiktor Medwedtschuk einen von vier Parteivorsitzenden der größten ukrainischen Oppositionspartei unter Hausarrest gestellt zu haben.[64][65] Anfang Juni 2023 verunglimpfte Carlson in der ersten Folge seiner neuen Show auf Twitter den ukrainischen Präsidenten Selenskyj, der jüdischer Herkunft ist, auf antisemitische Weise, indem er dessen Gesicht als „verschwitzt und rattenähnlich“ bezeichnete. Selenskyj stecke, so Carlson, mit kapitalistischen US-Investoren wie BlackRock unter einer Decke und verfolge zudem Christen im Land.[66] In seiner Ankündigung zum Interview mit dem Außenminister Russlands, Sergei Lawrow, behauptete Carlson Anfang Dezember 2024, dass die USA Russland angegriffen hätten und sich beide Staaten seitdem in einem unerklärten Krieg miteinander befänden. Er behauptete, dass es auf Regierungsebene zwischen beiden Staaten seit zwei Jahren keinen Kontakt mehr gegeben habe (tatsächlich jedoch werden entsprechende Kanäle – anders als Carlson behauptet – genutzt[67]) und dass er seit einem Jahr versucht habe, ein Interview mit dem ukrainischen Staatspräsidenten zu führen, die ukrainische Regierung aber von der Botschaft der Vereinigten Staaten in der Ukraine die Weisung bekommen habe, dies nicht zu tun.[36]

Ende November 2025 sagte Carlson in einem Interview mit dem Podcaster Shawn Ryan, er hasse die Republikaner, denn sie seien nutzlos und voller Verräter. Er warf ihnen vor, korrupt zu sein, sich zu sehr für die Interessen Israels einzusetzen und zu wenig gegen Kinderschänder zu unternehmen, was sich auf den Umgang der Partei und der Trump-Regierung mit den Epstein-Akten bezieht. Er werde sich ihnen daher widersetzen.[68]

Zu dem am 28. Februar 2026 begonnenen Irankrieg äußerte Carlson, er fände die Entscheidung Trumps „absolut widerwärtig und böse“.[69]

Rezeption

Carlson zählt seit den 2010er Jahren zu den in Kreisen der amerikanischen Rechten populärsten Medienfiguren. Nachdem er sich ursprünglich bei konservativ bzw. republikanisch eingestellten Teilen der US-Bevölkerung im Allgemeinen großer Beliebtheit erfreute, hat er sich in den 2020er Jahren v. a. zu einem Meinungsführer bei den Anhängern der MAGA-Bewegung entwickelt. Das Magazin Newsweek hat in diesem Sinne 2024 festgestellt, dass Carlson im rechten Amerika „beliebt wie eh und je“ (as popular as ever) und „ein ernst zu nehmender Faktor, wenn es darum gehe, die gegenwärtige politische Landschaft im rechten Lager zu gestalten“ (a force to be reckoned with when it comes to shaping the modern political landscape on the right), sei.[70] Immer wieder wurde sein Namen im Zusammenhang einer möglichen Präsidentschaftskandidatur ins Spiel gebracht.[8][71][72]

Anfang 2026 erschien mit Hated by All the Right People eine Biografie des Journalisten Jason Zengerle, die Carlsons Laufbahn als eng mit den strukturellen Veränderungen der US-Medienlandschaft und der jüngeren politischen Polarisierung verknüpft deutet.[8] Der Economist fasste Zengerles Ansatz dabei als Analyse zweier Entwicklungslinien zusammen: einerseits des technologischen Wandels von Print über Kabelfernsehen hin zu sozialen Medien und Streaming, andererseits einer ideologischen Radikalisierung, die Carlson aus dem republikanischen Mainstream in ein stärker verschwörungsideologisches Milieu geführt habe.[8] Der Titel des Buches geht laut Economist auf ein Lob zurück, das Carlson dem ungarischen Ministerpräsidenten Viktor Orbán ausgesprochen habe.[8] Zugleich verweist Zengerle nach Darstellung des Economist darauf, dass Carlsons Reichweite trotz großer Resonanz in rechten Teilöffentlichkeiten durch die Segmentierung des US-Medienmarktes begrenzt bleibe und er selbst eine Präsidentschaftskandidatur wiederholt zurückgewiesen habe.[8]

Unter Carlson kritisch gegenüberstehenden Kommentatoren besteht weitgehend Einigkeit, dass er spätestens seit seiner Tätigkeit bei Fox News als ein politisch weit rechtsstehe Persönlichkeit des amerikanischen öffentlichen Lebens anzusehen ist: So charakterisierte der Journalist Roland Nelles ihn auf Spiegel Online als „strammrechten Moderator“,[73] während Konstantin von Hammerstein den Befund formulierte, dass Carlsons Weltbild sich auf die Drei-Wort-Formel bringen lasse: „Ausländer bedrohen Amerika“, wobei er den Verdacht äußerte, dass Carlson entsprechende xenophobe Positionen in zynischer Weise auch deshalb einnehme, weil er damit Aufmerksamkeit und Quote erlangen könnte („Für die Quote reicht das.“).[74] Auch The New York Times richtete den Vorwurf an Carlson, dass er die Ängste und Klagen seiner Zuschauer zynisch für seinen eigenen medialen Erfolg benutze, indem er diese als Waffe instrumentalisiere. Außer xenophoben meinte die Times auch ausgesprochen rassistischste Elemente in Carlsons Show ausgemacht zu haben.[75]

Die Washington Post machte in diesem Zusammenhang in einem Artikel von 2018 geltend, dass rechtsextreme Medien in den USA Äußerungen Carlsons in dem Bestreben, ihren Positionen ein größeres Maß an Mainstream-Legitimität zu geben, zeitweise gerne zitiert hätten, da das Aufgreifen von Positionen Carlsons, die ihren eigenen Positionen nahe kamen, es ihnen ermöglichte, zu zeigen, dass bestimmte von ihnen vertretenen Positionen, nicht nur von ihnen als Nischenmedien, sondern auch von Persönlichkeiten (wie Carlson) in großen Massenmedien, vertreten werden würden. Der Post zufolge galt Carlson damals (2018) als ein Favorit des Daily Stormers.[76]

Der britische Journalist Jason Stanley gelangte in einer Betrachtung Carlsons in der Zeitung Guardian im November 2018 zu der Einschätzung, dass Carlsons während der vorangehenden Jahre stattgefundene Entwicklung nach rechts sich in einer langen Liste „rassistischer und aufwiegelnder Äußerungen“, die er gemacht habe, niederschlagen würde. Als Beleg hierfür machte er geltend, dass selbst zahlreiche Firmen, die sonst beim konservativen Sender Fox News Werbespots schalten würden, Carlsons Sendung boykottieren würden, da diese ihnen als zu rechtsgerichtet erscheine.[47][77]

Seit den 2020er Jahren ist zudem von verschiedener Seite der Vorwurf gegen Carlson erhoben worden, dass er Verschwörungstheorien vertrete: Der Politikwissenschaftler George Hawley klassifizierte Carlson beispielsweise in einer einschlägigen Studie von 2025 in diesem Sinne als ein Paradebeispiel für führende, einstmals mainstream-konservative, Kommentatoren, die sich im vergangenen Jahrzehnt dem verschwörungstheoretischen Rechtspopulismus angenähert hätten.[78] Der bereits genannte Journalist Stanley bekundete zu diesem Punkt 2022 die Überzeugung, dass Carlson in seiner Fox News-Sendung Verschwörungstheorien aufgreifen und weiterverbreiten würde, die rassistisch und speziell antisemitisch codiert seien, so beispielsweise die These, dass die sogenannte Critical Race Theory von deutsch-jüdischen Marxisten der Frankfurter Schule abstamme. Dies geschehe zwischen den Zeilen, weil er entsprechende, subtextuell gegen Juden gerichtete Theorien verbreite, ohne Juden beim Namen zu nennen.[47][79] Die Neue Zürcher Zeitung stufte Carlson in diesem Kontext in einem Porträt seiner Person von 2022 ebenfalls als einen Verschwörungstheoretiker ein. Außerdem warf sie ihm vor, Unwahrheiten zu verbreiten bzw. die Wahrheit zu verdrehen, wobei er Widersprüche in seiner Argumentation „mit wütenden Monologen und emotionsgeladenen Bildern“ ausgleiche. Mit Blick auf Carlsons Sendung Tucker Carlson Tonight erklärte die NZZ, dass diese ihrer Ansicht nach in der „Dreistigkeit“, mit der sie die Wahrheit häufig missachte, der Dreistigkeit der Propaganda von Staatsmedien autoritärer Staaten, speziell der „der russischen Staatspropaganda“, „in nichts“ nachsteht.[60]

Eine Untersuchung des israelischen Thinktanks Jewish People Policy Institute ergab 2025, dass bei Carlson im Vergleich zum Zeitraum November 2024 bis April 2025 während der darauffolgenden sechs Monate negative Bezugnahmen auf Israel noch weiter zugenommen hätten. Er verurteile zwar offenen Antisemitismus, biete jedoch Antisemiten, einschließlich Holocaustleugnern, eine Bühne. Carlson beschuldigte den konservativen US-Podcaster Ben Shapiro, Israel gegenüber loyaler zu sein als gegenüber den USA und Wucherei zu unterstützen. Die Ermordung des rechten Aktivisten Charlie Kirk verglich Carlson mit der Hinrichtung Jesu, wobei er diese der Jerusalemer Einwohnerschaft anlastete, die „hummusessend herumgesessen“ sei. Zudem behauptete er, dass Israel im Vorfeld Kenntnisse über die Terroranschläge am 11. September 2001 in den USA besessen und dass der verurteilte Straftäter Jeffrey Epstein Verbindungen zu israelischen Geheimdiensten gehabt habe. Carlson habe überdies gegenüber Israel Völkermordvorwürfe im Zusammenhang mit dessen Krieg gegen die Hamas erhoben, Israel mit ebendieser Terrororganisation verglichen sowie die israelische Armee beschuldigt, vorsätzlich Kinder zu töten.[80]

Ehe und Familie

Carlson heiratete am 10. August 1991 Susan Thomson Andrews, die er als Tochter des Direktors der St. George’s School kennen gelernt hatte, während er diese Privatschule besuchte.

Aus der Ehe sind vier Kinder hervorgegangen: Lilie (* 1995), Buckley (* 1997), Hopie (* 1999) und Dorothy (* 2002). Der Sohn Buckley Carlson ist seit 2025 stellvertretender Pressesprecher des US-Vizepräsidenten JD Vance.[81]

Veröffentlichungen

  • Politicians, Partisans and Parasites. My Adventures in Cable News. New York (NY): Warner Books 2003, ISBN 0-446-52976-1.
  • Ship of Fools: How a Selfish Ruling Class is Bringing America to the Brink of Revolution, New York (NY): Free Press 2018, ISBN 978-1-5011-8366-9.
  • The Long Slide: Thirty Years in American Journalism. New York (NY): Threshold Editions 2021, ISBN 978-1-5011-8369-0.

Literatur

  • Jason Zengerle: Hated by All the Right People: Tucker Carlson and the Unraveling of the Conservative Mind. Little Brown, New York 2026, ISBN 978-0-316-38159-8.

Einzelnachweise

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