Tundrasaatgans
Art der Gattung Feldgänse (Anser)
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Die Tundrasaatgans (Anser serrirostris) ist eine Art aus der Gattung der Feldgänse (Anser) innerhalb der Familie der Entenvögel (Anatidae). Sie bewohnt die arktischen und subarktischen Tundragebiete Eurasiens und gehört zu den Zugvögeln, die im Winter nach Mittel- und Ostasien sowie teilweise nach Mitteleuropa ziehen. Sie wird häufig zusammen mit der nah verwandten Waldsaatgans (Anser fabalis) betrachtet, von der sie sich jedoch in mehreren morphologischen und genetischen Merkmalen unterscheidet.[1]
| Tundrasaatgans | ||||||||||||
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Tundrasaatgänse | ||||||||||||
| Systematik | ||||||||||||
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| Wissenschaftlicher Name | ||||||||||||
| Anser serrirostris | ||||||||||||
| Gould, 1852 |
Merkmale
Die Tundrasaatgans ist eine mittelgroße bis große Gans mit einer Körperlänge von etwa 66–84 cm und einer Flügelspannweite von 135–165 cm. Ihr Gewicht liegt zwischen 2,5 und 3,5 Kilogramm.
Das Gefieder ist überwiegend graubraun, die Unterseite etwas heller. Der Schnabel ist im Verhältnis zur Kopfgröße eher kurz und kräftig, meist schwarz mit einer orangefarbenen oder rosafarbenen Binde in der Mitte. Die Beine sind orange.
Von der Waldsaatgans unterscheidet sich die Tundrasaatgans durch ihren kürzeren Hals, kompakteren Körperbau, kürzeren Schnabel und eine im Flug oft gedrungenere Silhouette. Auch rufen Tundrasaatgänse etwas höher und nasaler.
Verbreitung und Lebensraum
Das Brutgebiet der Tundrasaatgans erstreckt sich über die arktische Tundra Eurasiens – von der Halbinsel Kola in Russland bis nach Ostsibirien. Sie bevorzugt offene Landschaften mit Feuchtgebieten, Flüssen und Seen.
Im Winter zieht sie nach Ost- und Südostasien, wobei große Bestände in China, Korea und Japan überwintern. Kleinere Zugrouten führen nach Osteuropa und vereinzelt bis nach Mitteleuropa, wo sie gelegentlich zusammen mit anderen Saatgans-Arten auftritt.[2]
In Deutschland wird die Tundrasaatgans vor allem in Nordostdeutschland (insbesondere in Brandenburg, Mecklenburg-Vorpommern und Sachsen-Anhalt) in größeren Beständen beobachtet.
Die Waldsaatgans (Anser fabalis) dagegen tritt überwiegend in Nordwestdeutschland auf, dort jedoch meist nur in kleineren Zahlen.
Ernährung
Die Tundrasaatgans ernährt sich überwiegend von pflanzlicher Kost. Im Sommer frisst sie Gräser, Seggen, Kräuter und Wurzeln der Tundravegetation. Während des Zuges und im Winter nutzt sie auch landwirtschaftliche Flächen und äst dort Getreidereste, Wintergetreide und andere Feldpflanzen.[3]
Fortpflanzung
Die Brutzeit liegt zwischen Mai und Juli. Das Nest wird am Boden, meist in der Nähe von Wasser, gebaut und mit Pflanzenmaterial ausgepolstert.
Das Gelege besteht aus 4 bis 6 Eiern, die vom Weibchen etwa 27 bis 29 Tage bebrütet werden. Die Jungvögel sind Nestflüchter und werden von beiden Eltern geführt. Nach rund 6 Wochen sind sie flugfähig.
Systematik

Lange Zeit wurde die Tundrasaatgans als Unterart der Saatgans (Anser fabalis) angesehen (Anser fabalis serrirostris).
Neuere molekulargenetische Untersuchungen bestätigten jedoch, dass sie als eigene Art betrachtet werden sollte.
Seit 2010 begannen große ornithologische Organisationen und Checklisten (z. B. IOC World Bird List, BirdLife International, American Ornithologists’ Union) Anser serrirostris offiziell als eigene Art zu führen.
Unterarten
Innerhalb der Art Anser serrirostris werden in der Regel zwei Unterarten unterschieden:[2]
- Anser serrirostris rossicus: Diese Unterart hat ein weiter westlich gelegenes Verbreitungsgebiet. Sie brütet in der Tundra Nordrusslands und im nordwestlichen Sibirien, von der Kanin-Halbinsel bis zur Taimyr-Halbinsel. Ihre Winterquartiere liegen vor allem in West- und Mitteleuropa sowie in Südwestasien.
- Anser serrirostris serrirostris: Diese Unterart besitzt ein weiter östliches Verbreitungsgebiet. Sie brütet in der Tundra Nordostsibiriens, vom Lena-Delta bis in das Gebiet von Anadyr. Im Winter zieht sie nach Ostchina, Korea und Japan.
Gefährdung
Die Tundrasaatgans gilt laut der IUCN (International Union for Conservation of Nature) derzeit als nicht gefährdet (Least Concern).
Trotzdem können Lebensraumverlust, Jagd und Störungen an Brut- und Rastplätzen regional zu Bestandsrückgängen führen.