Udo Sierck

deutscher Autor und Aktivist der Behindertenbewegung From Wikipedia, the free encyclopedia

Udo Sierck (* 1956 in Hamburg) ist ein deutscher Autor und Aktivist der Behindertenbewegung, der seit den späten 1970er-Jahren Debatten um Selbstbestimmung und Antidiskriminierung in Bezug auf Menschen mit einer Behinderung mitgeprägt hat.[1]

Leben

Sierck wuchs in Hamburg auf, besuchte zunächst die Sonderschule, wechselte später ans Gymnasium und studierte Bibliothekswesen sowie anschließend Ethnologie und Geschichte.[1] Er lebt mit einer spastischen Einschränkung infolge von Komplikationen nach einer Operation bei der Geburt mit kurzzeitiger Sauerstoffunterversorgung.[1] Politisiert wurde er in den 1970er-Jahren durch die Proteste gegen das Kernkraftwerk Brokdorf. Aus dieser Erfahrung heraus schloss er sich der Hamburger „Krüppelgruppe“ an.[1] Als Autor schrieb er für die Krüppelzeitung, die aus der Behindertenbewegung heraus entstand und Diskriminierung öffentlich thematisierte.[1] Am 18. Februar 1987 durchsuchte das Bundeskriminalamt auf Anordnung des Bundesgerichtshofs im Zusammenhang einer Dokumentation zur „Roten Zora“ und Unterlagen aus humangenetischen Beratungsstellen seine Wohnung sowie die Hamburger Lokalredaktion der taz.[2]

Wirken

Sierck tritt für den Abbau von Sonderinstitutionen wie Sonderschulen und Werkstätten ein, kritisiert den „Mythos“ des geschützten Raums und plädiert für inklusive Bildungs- und Arbeitswege sowie gesellschaftlichen Respekt gegenüber behinderten Menschen.[1] Zur Sichtbarkeit der Bewegung beteiligte er sich an provokanten, öffentlichkeitswirksamen Aktionen und verwies auf Regelüberschreitungen als politisches Mittel; 1987 nahm er etwa zur Problematisierung diskriminierender Sprache an einem Sit-in im Foyer des Nachrichtenmagazins Der Spiegel teil.[1] Er veröffentlichte Der Pannwitzblick. Wie Gewalt gegen Behinderte entsteht (1993) und Widerspenstig, eigensinnig, unbequem: Die unbekannte Geschichte behinderter Menschen (2017).[1] Mit Frech und frei – 50 Jahre Kämpfe der Behindertenbewegung (2025) legte Sierck eine komprimierte Zeitgeschichte der Behindertenbewegung vor.[1][3][4]

Veröffentlichungen (Auswahl)

  • Macht und Gewalt – tabuisierte Realitäten in der Behindertenhilfe, Juventa Verlag, Weinheim, 2019, ISBN 978-3-7799-3946-7
  • Bösewicht, Sorgenkind, Alltagsheld: 120 Jahre Behindertenbilder in der Kinder- und Jugendliteratur, Juventa Verlag, Weinheim, 2021, ISBN 978-3-7799-6332-5
  • Körperkult und Behinderung: eine Geschichte zwischen Erniedrigung und Faszination, AG SPAK Bücher, Arbeitsgemeinschaft Sozialpolitischer Arbeitskreise, Neu-Ulm, ISBN 978-3-945959-71-8
  • Erniedrigung, Faszination, Emanzipation: Körper (kult) und Behinderung, Juventa Verlag ein Imprint der Julius Beltz GmbH & Co. KG, Weinheim, 2023, ISBN 978-3-7799-7020-0
  • Frech und frei: 50 Jahre Kämpfe der Behindertenbewegung, Assoziation A, Berlin, 2025, ISBN 978-3-86241-514-4

Einzelnachweise

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