Ulf Manhenke
deutscher Schauspieler und Schauspiellehrer
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Ulf Hagen Manhenke[1] (* 21. Mai 1964 in Oranienburg, Bezirk Potsdam, DDR) ist ein deutscher Schauspieler und Schauspiellehrer.
Leben und Wirken
Ulf Manhenke wurde als Sohn des Naturwissenschaftlers und Politikers Volker Manhenke in Oranienburg geboren.
1985 gründete er mit dem Musiker Stephan König das „Jazztheater Leipzig“ und führte bei dessen erster Premiere, Leb wohl, Judas von Ireneusz Irediński, Regie.[2] Seit dieser Zeit wurde er durch das Ministerium für Staatssicherheit (Stasi) innerhalb einer Operativen Personenkontrolle beobachtet. Ab 1986 studierte Manhenke an der Hochschule für Schauspielkunst „Ernst Busch“, Außenstelle Rostock, Schauspiel. Dort veröffentlichte Manhenke 1989 mit einigen Kommilitonen eine politisch unerwünschte Wandzeitung, in der sie die Haltung der DDR-Regierung zum kurz zuvor in Peking verübten Tian’anmen-Massaker kritisierten. Die Dozenten Bernd Röther, Thomas Vallentin und Karlheinz Adler verhinderten ihre Exmatrikulation, indem sie ihre Unterschrift unter Bertolt Brechts Gedicht Lob des Zweifels setzten und am zuvor geräumten Wandzeitungsbrett der Hochschule anbrachten und sich damit solidarisch mit den Studierenden erklärten, worauf die ermittelnde Stasi das Schulgebäude verließ. Davon erzählt unter anderem das letzte Kapitel des Buches Kein Phönix ohne Asche – Schauspielschule. Faxentempel. Von Sinnenmotten und Eulenspiegeln. Vom Spielen.[3]
Manhenke arbeitete als Schauspieler, Theaterregisseur, Autor und Schauspiellehrer u. a. am Volkstheater Rostock, am Theater Plauen, am Mecklenburgischen Landestheater Parchim, am Theater und Orchester Heidelberg und am Deutschen Staatstheater Temeswar. Bis 2000 war er Direktor des Theaters der Hansestadt Wismar, bevor er nach Leipzig wechselte, wo er an die Hochschule für Musik und Theater „Felix Mendelssohn Bartholdy“ als Professor für Schauspiel berufen wurde.[4] Von 2002 bis 2024 war Manhenke Senator dieser Hochschule. In dieser Zeit gelang es ihm, u. a. mit Unterstützung des damaligen Rektors Robert Ehrlich, die Gründung des Schauspielinstituts „Hans Otto“ an der HMT zu initiieren. Damit erlangte die Leipziger Schauspielausbildung den Ehrennamen der 1992 abgewickelten Theaterhochschule Leipzig wieder zurück. Mehrere Jahre war Manhenke stellvertretender Studiendekan dieses Instituts.[5]
Kein Phönix ohne Asche
Von Manhenke mit Hilfe von Studierenden in einem vielbeachteten Buch zusammengetragene Beobachtungen bestätigen nach Hans-Joachim Maaz (Vorwort), dass Schauspiel zu studieren ein befreiender, psychotherapeutischer Prozess sein kann, da die Chance, Rollen zu spielen, es ermöglicht, unerweckte, tabuisierte oder gar verbotene Persönlichkeitsanteile ins Leben zu holen und zu entfalten. In einem Interview mit dem Mitteldeutschen Rundfunk bezeichnete Manhenke seine Arbeit und den Umgang an der Leipziger Schule untereinander als „Gegenmodell zu Welt“.[6]
„Ich glaube, kein neueres Buch über die Ausbildung von Schauspielern hat das Ineinanderfließen von menschlichen, gesellschaftlichen und künstlerischen Prozessen besser beschrieben als „Kein Phönix ohne Asche“… Es ist ein Plädoyer für die Freiheit der Kreativität von kommerziellen und ideologischen Zwecken und… vor allem dafür, zu sich selbst zu stehen und sich zu entwickeln.“
„Dieses Buch eröffnet einen poetischen Dialog… Es lässt sich als Liebeserklärung an die Sehnsucht des Menschen nach Selbsterkenntnis und an die darin vermutete Selbstbestimmung lesen wie auch als Provokation. Es beschreibt Spielen und Theater als gewaltfreien Konfliktraum, in dem sich der originäre Mensch allen Widersprüchen seiner Existenz stellen kann, ohne von ihnen vernichtet zu werden. Es liest sich wie ein Gedicht und hallt nach wie ein Manifest.“
Theater, Veröffentlichungen
- Das Erbteil oder Unsere Feste künden vom Werk unserer Hände, 1989/90
- Back in the U.S.S.R. oder Wolke in Hosen (Uraufführung: 1990, Mecklenburgisches Landestheater Parchim)
- Irgendwann kriegen wir Euch doch (UA: 1991, Mecklenburgisches Landestheater Parchim)
- Just for fun oder Der Häuptling ist tot (UA: 1992, Theater Güstrow)
- Fremdes Revier, 1994, Drehbuch
- 50 Jahre Theater der Hansestadt Wismar (Hrsg., Wismar 1998)
- Eisenland oder Damals war alles so schön (mit Mario Peters, Musik, UA: 1998, Theater der Hansestadt Wismar)
- Ein Tag im Paradies (mit Mario Peters, Komposition, UA: 1999, Theater der Hansestadt Wismar)
- „...dann gehst du aber auf 'ne richtige Schule!“ 50 Jahre Schauspieler-Ausbildung in Leipzig 1953-2003, Zusammenstellung: Gerhard Neubauer, Mitarbeit, HMT Leipzig, 2003[8]
- Wahrnehmen – um Geschichten zu erzählen. In: Gerhard Neubauer, Bernd Guhr und Ulf Manhenke: Auftrag - Das Schauspielinstitut „Hans Otto“ in Leipzig, Vergangenheit, Gegenwart, Zukunft, HMT Leipzig, 2010[9]
- Gehen muss man, gehen, gehen. In: Offene Rechnungen – Intendanz Armin Petras – Maxim Gorki Theater Berlin, Verlag Theater der Zeit, 2013, ISBN 978-3-943881-32-5
- Auf hoher See oder Was ist Kunst (Sebastian Hartmann und Johann Sebastian Bach in Leipzig). In: MT JOURNAL Nr. 36, 2014[10]
- Kein Phönix ohne Asche – Schauspielschule. Faxentempel. Von Sinnenmotten und Eulenspiegeln. Vom Spielen. Lychatz Verlag, Leipzig, Bilder Erich Kissing, 2018, ISBN 978-3942929639, Neuauflage in der edition winterwork, Borsdorf, 2023, ISBN 978-3-98913-023-4
- Spielen macht glücklich. In: Kreuzer, Interview mit Tobias Prüwer, 11/2018[11]
- Die Kunst der Frage, Ringvorlesung, HMT Leipzig, 2021[12]
- Lob des Zweifels, HMT Leipzig 2021
- Die Welt, so nah. In: Kontrapunkt, Ulrich Grasnick – Lyrikpreis, KLAK Verlag, 2024, ISBN 978-3-911617-01-7
- Geister und Dämonen. In: Die Macht der Magie, edition winterwork, 2025, ISBN 978-3-98913-176-7
Verschiedene Texte Manhenkes wurden von Olaf Hilliger und Frank Raschke vertont und nachfolgend von der Künstlergemeinschaft „apluso“[13] oder der Leipziger Schauspielbrigade veröffentlicht.[14][15]