Ulla Kypta

deutsche Historikerin From Wikipedia, the free encyclopedia

Ulla Kypta (* 1982) ist eine deutsche Historikerin.

Leben

Ulla Kypta studierte von 2001 bis 2007 Mittelalterliche Geschichte, Politische Wissenschaft und Volkswirtschaftslehre in Erlangen. Sie hatte Auslandssemester in Rom (Oktober 2003 bis Februar 2004) und Wien (März bis Juni 2004). Von Juli bis September 2008 war sie wissenschaftliche Mitarbeiterin am Lehrstuhl für Volkswirtschaftslehre der Universität Erlangen-Nürnberg. Von 2008 bis 2012 war sie Promotionsstipendiatin im Leibniz-Projekt „Politische Sprache im Mittelalter. Semantische Zugänge“ an der Universität Frankfurt am Main. Sie hatte von Oktober bis Dezember 2010 einen Forschungsaufenthalt am Deutschen Historischen Institut in London. Von Januar bis Juni 2012 war sie Stipendiatin (Pre-doctoral Fellowship) am Max-Planck-Institut für Wissenschaftsgeschichte in Berlin. Sie wurde 2012 promoviert mit einer von Bernhard Jussen betreuten Arbeit Die Autonomie der Routine. Wie im 12. Jahrhundert das englische Schatzamt entstand. Die Arbeit wurde mit dem Dissertationspreis des Stiftungsfonds Kopper für herausragende Dissertationen ausgezeichnet. Von August 2012 bis Januar 2015 war sie Assistentin am Lehrstuhl Mittelalter II, Universität Frankfurt am Main. Von 2015 bis 2019 war sie Assistentin bei Jan Rüdiger am Lehrstuhl für die Allgemeine Geschichte des Mittelalters der Universität Basel.

Im April 2022 folgte ihre Habilitation an der Universität Basel mit der Arbeit Kooperative Individualisten. Wie ließen sich Kaufleute im spätmittelalterlichen Antwerpen vertreten? Die Arbeit wurde 2024 mit dem Preis der Humboldt-Universität für hervorragende Leistungen auf dem Gebiet der Mittelalterlichen Geschichte, gestiftet von Michael und Claudia Borgolte, ausgezeichnet. Im Jahr 2013 begründete sie gemeinsam mit Julia Bruch und Tanja Skambraks den Arbeitskreis für spätmittelalterliche Wirtschaftsgeschichte. Ab 2019 war sie Juniorprofessorin (W1 mit Tenure Track nach W2) für Geschichte des Spätmittelalters und der Frühen Neuzeit an der Universität Hamburg. Im Jahr 2025 wurde sie Nachfolgerin von Martin Kintzinger als Professorin für Mittelalterliche Geschichte an der Universität Münster. Sie ist seit 2025 Mitglied des Konstanzer Arbeitskreises für mittelalterliche Geschichte. Außerdem ist sie unter anderem Mitglied in der Gesellschaft für Sozial- und Wirtschaftsgeschichte, im Hansischen Geschichtsverein, Verband der Historiker und Historikerinnen Deutschlands und im Verein für Hamburgische Geschichte.

Forschungsschwerpunkte

Ihre Forschungsschwerpunkte sind Handel und Kaufleute zwischen 1250 und 1650, Geschichte der Verwaltung, Theorien, Methoden und große Erzählungen der Wirtschaftsgeschichte, Hansegeschichte, vor allem die Spätzeit im 16. und 17. Jahrhundert, Nordeuropa von England bis Estland sowie gesellschaftliche Ordnungen und Transformationen. In ihrer Dissertation befasste sie sich mit dem englischen Exchequer („Schatzamt“) und wie sich diese Organisation im 12. Jahrhundert zur Zeit Heinrichs I. und Heinrichs II. konstituierte.[1] Sie stellte die These auf, dass sich in den Pipe Rolls eine Sprache etabliert habe, die die ungeplante und unbeabsichtigte Entstehung des Schatzamtes ermöglichte. Nach Kypta sind es ganz grundsätzlich Routinen und nicht Intentionen einzelner Akteure, die zu Organisationsbildung führten.[2]

In ihrer Habilitation untersuchte sie, wie sich Kaufleute an einem Ort vertreten ließen, an dem sie selbst nicht anwesend waren. Sie wertete dazu städtische Quellen aus Antwerpen aus, dem wichtigsten europäischen Umschlagplatz des späten 15. und frühen 16. Jahrhunderts. Zur Hanse stellte sie die These auf, dass sie ein Produkt der spätmittelalterlichen Krise gewesen sei. Mit dem frühneuzeitlichen Wirtschaftsaufschwung gegen Ende des 15. Jahrhunderts habe ihre Bedeutung abgenommen und spätestens im 17. Jahrhundert habe sie keine Rolle mehr gespielt.[3]

Schriften (Auswahl)

Monographien

  • Kooperative Individualisten. Gesellschafter, Diener und Bevollmächtigte deutscher Kaufleute im Antwerpen des späten 15. und 16. Jahrhunderts (= Vierteljahrschrift für Sozial- und Wirtschaftsgeschichte. Beihefte. 262). Steiner, Stuttgart 2025, ISBN 978-3-515-13647-1.
  • Die Autonomie der Routine. Wie im 12. Jahrhundert das englische Schatzamt entstand (= Historische Semantik. Bd. 21). Vandenhoeck & Ruprecht, Göttingen 2014, ISBN 978-3-525-36723-0.

Herausgeberschaften

  • mit Julia Bruch, Tanja Skambraks: Markets and their actors in the late Middle Ages. De Gruyter, Berlin 2021, ISBN 978-3-11-064221-6.
  • mit Julia Bruch, Tanja Skambraks: Methods in premodern economic history. Case studies from the Holy Roman Empire. Palgrave Macmillan, Cham 2019, ISBN 978-3-030-14659-7.

Anmerkungen

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