Ulrich Blumenbach
deutscher Übersetzer (* 1964)
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Ulrich Blumenbach (* 2. Januar 1964 in Hannover) ist ein deutscher literarischer Übersetzer.

Leben
Ulrich Blumenbach – aufgewachsen in Lüneburg – studierte Anglistik, Germanistik und Geschichte an den Universitäten Münster, Sheffield und Berlin. 1990 legte er sein 1. Staatsexamen ab. Seit 1993 arbeitet Blumenbach als Übersetzer aus dem Englischen sowie aus dem Amerikanischen Englisch in die deutsche Sprache. Er lehrt als Lehrbeauftragter im Studiengang Literarisches Übersetzen an der Heinrich-Heine-Universität in Düsseldorf und leitet das Zürcher Übersetzertreffen.
Ulrich Blumenbach ist verheiratet und lebt mit seiner Familie (eine Tochter, ein Sohn) in Basel.
Wirken
Blumenbach hat u. a. Romane, Essays und Erzählungen folgender Autoren übersetzt: Paul Beatty, Truman Capote, Agatha Christie, Giles Foden, Kinky Friedman, Stephen Fry, Arthur Miller, Raja Rao, Will Self, Tobias Wolff. Seit 2022 arbeitet Blumenbach für den Suhrkamp Verlag an einer neuen Übersetzung des Werkes Finnegans Wake von James Joyce.
Von November 2003 bis Dezember 2008 übersetzte Blumenbach für den Verlag Kiepenheuer & Witsch den Roman Infinite Jest von David Foster Wallace. Das Werk erschien unter dem deutschen Titel Unendlicher Spaß im August 2009. Und 2010 veröffentlichte der Rowohlt Verlag Blumenbachs Übersetzung der Urfassung von Jack Kerouacs Roman Unterwegs unter dem amerikanischen Originaltitel On The Road – Die Urfassung. Ab August 2011 übersetzte Ulrich Blumenbach den Roman The Pale King von Wallace. Das Werk aus dem Nachlass des Autors erschien im November 2013.
Blumenbach ist Mitglied im Verband deutschsprachiger Übersetzer literarischer und wissenschaftlicher Werke, VdÜ.
Zitat
Ein Zitat zum Buch Unendlicher Spaß:
„Leser dürfen sich im Dickicht verirren, dürfen missverstehen, sogar überspringen. Nur der Übersetzer darf sich saloppe Fahrlässigkeit nicht erlauben, und muss der Konstruktion bis in die letzten Verästelungen nachgehen, d.h. zunächst sie verstehen und jedes einzelne Glied umsetzen, selbst wenn kein Leser die Feinstruktur eines ausfächernden Gebildes je bewusst aufnehmen sollte.“
Auszeichnungen
- 2009–2011: Hieronymusring für besondere Leistungen in der literarischen Übersetzung des Verbands literarischer Übersetzer. Er gab ihn weiter an Karin Krieger.[1]
- 2009 Heinrich Maria Ledig-Rowohlt-Preis der Heinrich Maria Ledig-Rowohlt-Stiftung für die Übersetzung des Romans Unendlicher Spaß von David Foster Wallace
- 2010: Preis der Leipziger Buchmesse für den Roman Unendlicher Spaß von David Foster Wallace (Kategorie: Übersetzung)
- 2010: Kurd-Laßwitz-Preis für die Übersetzung des Romans Unendlicher Spaß von David Foster Wallace
- 2015: 10. Zuger Übersetzer-Stipendium für die Übersetzung des Romans Witz von Joshua Cohen[2]
- 2016: Kulturpreis der Stadt Basel; die Laudatio hielt Fritz Senn[3]
- 2022: Paul-Celan-Preis des Deutschen Literaturfonds für die Übersetzung des Romans Witz von Joshua Cohen[4]
- 2025: Benennung des Hauptgürtelasteroiden (38048) Blumenbach, für seine Übersetzung von Unendlicher Spaß[5]
- 2026: Johann-Heinrich-Voß-Preis für Übersetzung[6]
Übersetzungen
Die Titel sind chronologisch sortiert:
- Dorothy Parker: Unbezwungen. Gedichte Englisch – Deutsch. Mit einem Nachwort von Nora Gomringer. Dörlemann, Zürich 2024, ISBN 978-3-03820-140-3.
- Jonathan Lethem. Der Stillstand. Tropen, Stuttgart 2024, ISBN 978-3-608-50242-8.
- Raymond Chandler: Playback. Diogenes, Zürich 2023 ISBN 978-3-257-07247-1.
- William Brewer: Der rote Pfeil. Karl Blessing, München 2023, ISBN 978-3-89667-722-8.
- János Székely: Eine Nacht, die vor 700 Jahren begann. Herausgegeben von Silvia Zanovello. Diogenes Verlag, Zürich 2023, ISBN 978-3-257-07236-5.[Anm. 1]
- Tom McCarthy: Der Dreh von Inkarnation. Suhrkamp Verlag, Berlin 2023, ISBN 978-3-518-43123-8.
- Raymond Chandler: Das hohe Fenster. Diogenes, Zürich 2022, ISBN 978-3-257-07203-7.[7]
- Joshua Cohen: Witz. Schöffling, Frankfurt am Main 2022, ISBN 978-3-89561-629-7, Rezension.[8]
- Irene Dische: Die militante Madonna. Hoffmann & Campe, Hamburg 2021, ISBN 978-3-455-01196-8, Rezension.[9]
- George Orwell: Farm der Tiere. Mit einem Nachwort von Eva Menasse. Manesse, München 2021, ISBN 978-3-71752518-9.[Anm. 2]
- Jonathan Lethem: Anatomie eines Spielers. Tropen, Stuttgart 2021, ISBN 978-3-608-50154-4.
- Jonathan Lethem: Der wilde Detektiv. Tropen, Stuttgart 2019, ISBN 978-3-608-50385-2.
- David Foster Wallace: Der Spaß an der Sache. Alle Essays. Übersetzt zusammen mit Marcus Ingendaay. Kiepenheuer & Witsch, Köln 2018, ISBN 978-3-462-04989-3, Rezension.[10]
- Stephen King, Richard Chizmar: Gwendys Wunschkasten. (= Gwendy-Reihe, Band 1). Heyne, München 2017, ISBN 978-3-453-43925-2.
- Dorothy Parker: Denn mein Herz ist frisch gebrochen. Gedichte. Zweisprachige Ausgabe. Nachwort und Zeittafel von Maria Hummitzsch. Dörlemann, Zürich 2017, ISBN 978-3-03820-044-4.[11]
- Joshua Cohen: Solo für Schneidermann. Schöffling, Frankfurt am Main 2016, ISBN 978-3-89561-626-6.
- Truman Capote: Wo die Welt anfängt. Herausgegeben von Anuschka Roshani. Kein & Aber, Zürich 2015, ISBN 978-3-0369-5731-9.
- Joshua Cohen: Vier neue Nachrichten. Schöffling, Frankfurt am Main 2014, ISBN 978-3-89561-625-9.
- Jonathan Lethem: Der Garten der Dissidenten. Klett-Cotta, Stuttgart 2014, ISBN 978-3-608-50116-2.
- Anthony Burgess: Clockwork Orange. Klett-Cotta, Stuttgart 2013, ISBN 978-3-608-93990-3.
- David Foster Wallace: Der bleiche König. Kiepenheuer & Witsch, Köln 2013, ISBN 978-3-462-04556-7.
- Mrs. Stephen Fry: Darling, fesselst du schon mal die Kinder? Das heimliche Tagebuch der Edna Fry. Aufbau, Berlin 2012, ISBN 978-3-351-03388-0.
- David Foster Wallace: Das hier ist Wasser / This is water. Gedanken zu einer Lebensführung der Anteilnahme vorgebracht bei einem wichtigen Anlass. (Anstiftung zum Denken). Kiepenheuer & Witsch, Köln 2012, ISBN 978-3-462-04418-8.
- David Foster Wallace: Alles ist grün. Storys. Kiepenheuer & Witsch, Köln 2011, ISBN 978-3-462-04327-3.
- Danielle Ganek: Der Sommer, in dem wir Gatsby gelesen haben. Goldmann, München 2011, ISBN 3-442-47485-X.
- Jack Kerouac: On The Road – Die Urfassung. Rowohlt, Reinbek bei Hamburg 2010, ISBN 978-3-498-03550-1.
- David Foster Wallace: Unendlicher Spaß. Kiepenheuer & Witsch, Köln 2009, ISBN 978-3-462-04112-5.
- Giles Foden: Die letzte Stadt von Afrika. Aufbau, Berlin 2006, ISBN 3-351-03076-2.
- David Foster Wallace: Vergessenheit. Zusammen mit Marcus Ingendaay. Kiepenheuer & Witsch, Köln 2008, ISBN 3-462-03974-1.
- David Foster Wallace: In alter Vertrautheit. Zusammen mit Marcus Ingendaay. Kiepenheuer & Witsch, Köln 2006, ISBN 3-462-03727-7.
- Kinky Friedman: Der glückliche Flieger. Nachwort Franz Dobler. Tiamat, Berlin 2005, ISBN 3-89320-088-6.
- Robert Sedlack: Ein unvergessliches Jahr im Leben des Fred Pickle. Hoffmann & Campe, Hamburg 2005, ISBN 3-455-06811-1.
- Kinky Friedman: Ballettratten in der Vandam Street. Nachwort Wiglaf Droste. Tiamat, Berlin 2005, ISBN 3-89320-084-3.
- Giles Foden: Sansibar. Aufbau, Berlin 2003, ISBN 3-351-02986-1.
- Raja Rao: Kanthapura. Dörlemann Verlag, Zürich 2003, ISBN 978-3-908777-02-1.
- Arthur Miller: Widerhall der Zeit. Essays. Hg. Steven R. Centola. Fischer, Frankfurt am Main 2003, ISBN 3-10-049011-8.
- Robert Sedlack: Afrikasafari. Hoffmann & Campe, Hamburg 2003, ISBN 3-455-06810-3.
- Stefan Sullivan: Sibirischer Schwindel. Eichborn, Frankfurt am Main 2002, ISBN 3-8218-4514-7.
- Kinky Friedman: Ohrensausen. Heyne, München 2001, ISBN 3-453-19804-2.
- Ann Marlowe: Gerade Linien. Sieben Jahre mit Heroin. Aufbau, Berlin 2001, ISBN 3-351-02529-7.
- Stephen Fry: Der Sterne Tennisbälle. Aufbau, Berlin 2001, ISBN 3-351-02929-2.
- Giles Foden: Der letzte König von Schottland. Aufbau, Berlin 2001, ISBN 3-351-02916-0.
- Linda Jaivin: Miles Walker, du bist tot. Hoffmann und Campe, Hamburg 2001, ISBN 3-455-03640-6.
- Kinky Friedman: Straßenpizza. Heyne, München 2000, ISBN 3-453-19894-8.
- Agatha Christie: 16 Uhr 50 ab Paddington. Scherz, München 2000.
- Nicholas Blincoe: Manchester Slingback. DTV, München 2000, ISBN 3-423-20350-1.
- Cynthia De Felice: Die Lehrzeit des Lucas Whitaker. Freies Geistesleben, Stuttgart 2000, ISBN 3-7725-1892-3.
- Raqqefet Sela-Šefî: Literarische Dynamik und Kulturbildung. Zur Konstruktion des Repertoires deutscher Literatur im ausgehenden 18. Jahrhundert. Bleicher, Gerlingen 1999, ISBN 3-88350-467-X.
- Will Self: Das Ende der Beziehung. Rowohlt, Reinbek bei Hamburg 1999, ISBN 3-499-22418-6.
- Jonathan Cole: Über das Gesicht. Naturgeschichte des Gesichts und unnatürliche Geschichte derer, die es verloren haben. Kunstmann, München 1999, ISBN 3-88897-226-4.
- Kinky Friedman: Der Leibkoch von Al Capone. Hoffmann & Campe, Hamburg 1999, ISBN 3-455-10373-1.
- Paul Beatty: Der Sklavenmessias. Rowohlt, Berlin 1999, ISBN 3-87134-303-X.
- Nicholas Blincoe: Speed Boys. DTV, München 1999, ISBN 3-423-20201-7.
- Tibor Fischer: Die Voyeurin. Rowohlt, Berlin 1998, ISBN 3-87134-302-1.
- Tobias Wolff: Die entscheidende Nacht. Zusammen mit Frank Heibert. Rogner & Bernhard, Hamburg 1998, ISBN 3-8077-0183-4.
- Stephen Fry: Geschichte machen. Haffmans, Zürich 1997, ISBN 3-251-00365-8.
- Kinky Friedman: Gott segne John Wayne. Hoffmann & Campe, Hamburg 1997, ISBN 3-455-02274-X.
- Hugh Laurie: Der Waffenhändler. Haffmans, Zürich 1997, ISBN 3-251-00361-5.
- Tibor Fischer: Stalin oder ich. Rowohlt, Reinbek bei Hamburg 1997, ISBN 3-499-13792-5.
- Tibor Fischer: Ich raube, also bin ich. Die Eddi Coffin Story. Rowohlt, Berlin 1997, ISBN 3-87134-258-0.
- Kinky Friedman: Gürteltier und Spitzenhäubchen. Haffmans, Zürich 1996, ISBN 3-251-30060-1.
- Michael Palin: Hemingways Stuhl. Haffmans, Zürich 1996, ISBN 3-251-00310-0.
- Stephen Fry: Paperweight. Haffmans, Zürich 1996, ISBN 3-251-00309-7.
- Beth Roberts: Pariser Affären. Roman zum Film French Kiss. Rowohlt, Reinbek bei Hamburg 1995, ISBN 3-499-13777-1.
- Stephen Fry: Das Nilpferd. Haffmans, Zürich 1994, ISBN 3-251-00243-0.
- Robert O’Connor: Krieg im Frieden. Buffalo Soldiers. Haffmans, Zürich 1994, ISBN 3-251-00245-7.
- Stephen Fry: Der Lügner. Haffmans, Zürich 1994, ISBN 3-251-00240-6.
Sonstige Werke
- Oversetting the Original. Fehler in Übersetzungen, in: Literarischer Monat, 33, Juli 2018, Schwerpunktheft über literarische Übersetzung, mit weiteren Beiträgen von Miriam Mandelkow, Peter Torberg Christa Schuenke und Barbara Sauser.
Weblinks
- Eintrag über Ulrich Blumenbach im Lexikon des Vereins Autorinnen und Autoren der Schweiz
- Ulrich Blumenbach: Die Ausweitung der Literatursprache. (FAZ vom 18. August 2009). FAZ, abgerufen am 30. Juni 2011.
- Ulrich Blumenbach, Biografie und Bibliografie auf Viceversa Literatur
- Blumenbach in der Übersetzer-Datenbank des VdÜ, 2019
- Vom Glück des Übersetzens, Dankesrede Blumenbachs zum Erhalt des Hieronymusrings beim VdÜ, 2009