Ulrich Engelmann
deutscher Regisseur
From Wikipedia, the free encyclopedia
Ulrich Engelmann (geboren 1944 in Meiningen) ist ein deutscher Regisseur, der am Deutschen Theater Berlin wirkte und an der Staatlichen Schauspielschule Berlin (später: Hochschule für Schauspielkunst Ernst Busch) unterrichtete.
Leben und Wirken
Ulrich Engelmann ist 1944 in Meiningen geboren und aufgewachsen. Sein Interesse für Theater entdeckte er früh: Als Grundschüler besuchte er ein Puppentheater-Gastspiel in der Aula der Theo-Neubauer-Schule (heute: Schule am Pulverrasen) und inszenierte anschließend für seine Geschwister regelmäßig eigene Puppentheatervorstellungen. Sein Bühnendebüt hatte er 1959 als Statist bei Fidelio am Meininger Theater (Musikalische Leitung: Rolf Reuter, Regie: Alexander Reuter).[1]
Nach seinem Abitur bewarb sich Engelmann an der Theaterhochschule Leipzig um einen Studienplatz. Da er die Aufnahmeprüfung im ersten Anlauf nicht bestand, arbeitete er zunächst als Beleuchter. Im zweiten Anlauf bestand er die Aufnahmeprüfung.
Im September 1965 fand im GST-Lager Tambach-Dietharz eine Luftschutzbelehrung für Studenten der Theaterhochschule Leipzig und des Pädagogischen Institutes Mühlhausen statt. Diese geriet nach einer Viertelstunde durch den Protest der Studenten aus der Bahn, führte zu einer Diskussion über sozialistische Demokratie und zu einem von 138 Studenten unterschriebenen Brief an die Studentenzeitschrift "Forum". Als einer der Wortführer wurde Engelmann daraufhin zum Grundwehrdienst der NVA einberufen, mitten im Studium und außerhalb der beiden in der DDR üblichen Termine.[1]
Ulrich Engelmann wurde von Wolfgang Heinz als Regieassistent ans Deutsche Theater Berlin engagiert. Ende der 1960er-Jahre war er am Deutschen Theater zunächst als Regieassistent und Schauspieler tätig und anschließend als Regisseur.[1] Ulrich Engelmann fertigte Probennotate[2] zu Prozess in Nürnberg von Rolf Schneider (Regie: Wolfgang Heinz), das 1967 am Deutschen Theater als erstes Dokumentartheaterstück der DDR uraufgeführt wurde.[3][4] Engelmann selbst inszenierte in den 1970er-Jahren hauptsächlich Komödien, die beim Publikum und bei der Kritik beliebt waren: So wurden von 1972 bis 1980 allein 300 Vorstellungen seiner Inszenierung Das Pflichtmandat von John Mortimer gespielt.[5]
Parallel zu seiner Regietätigkeit am Deutschen Theater Berlin unterrichtete Ulrich Engelmann an der Staatlichen Schauspielschule Berlin (später: Hochschule für Schauspielkunst Ernst Busch) und inszenierte zahlreiche Studioinszenierungen mit Schauspielstudierenden am bat-Studiotheater. Mehrere seiner Inszenierungen wurden als Fernsehspiele aufgezeichnet und im DDR-Fernsehen gesendet.[6]
Nach der Wende inszenierte Ulrich Engelmann seltener und hauptsächlich Musiktheater (u. a. am Bremer Theater), wurde zum Professor berufen und unterrichtete weiterhin an der Hochschule für Schauspielkunst Ernst Busch.[1] 1990 lud Giorgio Strehler zu einer einwöchigen Konferenz über Schauspielausbildung nach Mailand ein, auf der Engelmann einen der Hauptvorträge hielt.
Inszenierungen
- 1971: Schatten eines Rebellen von Sean O’Casey am Theater Rudolstadt
- 1972: Das Pflichtmandat von John Mortimer, Deutsches Theater Berlin – Kleine Komödie / Fernsehspiel
- 1972: Die Hochzeit von Anton Tschechow, bat-Studiotheater[7]
- 1974: Die falsche Münze von Maxim Gorki, Deutsches Theater Berlin – Kammerspiele
- 1975: Provinzanekdoten – Die Geschichte mit dem Metteur – Zwanzig Minuten mit einem Engel von Alexander Wampilow, Deutsches Theater Berlin – Kleine Komödie
- 1975: Woyzeck von Georg Büchner, Meininger Theater
- 1977: "Wrdlbrmpfd" (Karl-Valentin-Abend)', Deutsches Theater Berlin
- 1978: Ehe der Hahn kräht von Ivan Bukovčan, Fernsehspiel
- 1979: Über die Schädlichkeit des Tabaks – Tragöde wider Willen – Schwanengesang von Anton Tschechow, Deutsches Theater Berlin / Fernsehspiel
- 1981: Der Herr von Pourceaugnac von Molière, Fernsehspiel
- 1981: Dreyfus von Jean-Claude Grumberg (DDR-Erstaufführung), Deutsches Theater Berlin im bat-Studiotheater
- 1982: Der Pferdeapfel und die Rose oder Das Recht auf Neujahrsgeschenke von Georges Courteline, bat-Studiotheater / Fernsehspiel[8]
- 1983: Der Menschenfeind von Molière, Staatsschauspiel Dresden
- 1984: Hoppla, wir leben! von Ernst Toller, Deutsches Theater Berlin, Koproduktion mit der Hochschule für Schauspielkunst „Ernst Busch“[9]
- 1986: Der Mann von draußen von Alexander Dworezki, Staatstheater Schwerin
- 1986: Der Menschenfeind von Molière, bat-Studiotheater[10]
- 1986: My Fair Lady von Alan Jay Lerner und Frederick Loewe, Jugendtreff im Palast der Republik[11]
- 1987: "Du bist dran,ich passe" von Georges Feydeau, Schauspiel Karl-Marx-Stadt/Fernsehspiel
- 1988: Kabale und Liebe von Friedrich Schiller, Universität der Künste Phnom Penh
- 1989: Die Kunst der Komödie von Eduardo de Filippo, Staatstheater Schwerin
- 1989: Don Karlos von Friedrich Schiller, bat-Studiotheater[12], Gastspiel bei den Schillertagen in Mannheim
- 1990: Die Palästinenserin von Joshua Sobol, bat-Studiotheater, Gastspiele in Hamburg, Stuttgart, Zürich und Amsterdam.
- 1991: Du bist dran, ich passe! von Georges Feydeau, Maxim Gorki Theater
- 1993: Hase,Hase von Coline Serreau, Theater Tübingen
- 1994: Geschichten aus dem Wienerwald von Ödön von Horvath, bat-Studiotheater
- 1995: Der Fiedler auf dem Dach von Joseph Stein und Jerry Bock, Bremer Theater
- 1996: Die Meistersinger von Nürnberg von Richard Wagner, Bremer Theater
- 1998: Die Fledermaus von Johann Strauss, Bremer Theater
- 2000: Falstaff von Giuseppe Verdi, Semperoper
- 2001: "Dudaderdudadieda" -bat-Studiotheater
Weblinks
- Ulrich Engelmann bei IMDb