Ulrich Kull
deutscher Botaniker
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Ulrich Kull (* 26. Juli 1938 in Bad Cannstatt) ist ein deutscher Biologe, Botaniker, Geowissenschaftler, Hochschullehrer und Autor, der von 1978 bis 2003 als Leiter der damaligen Abteilung für Pflanzenphysiologie/Botanik am Biologischen Institut der Universität Stuttgart wirkte. Er ist Verfasser biologischer Lehrwerke.
Leben und Wirken
Beruflicher Werdegang
Ulrich Otto Kull wurde in Bad Cannstatt geboren als Sohn des Oberlehrers Otto Kull und seiner Ehefrau Elfriede Kull, geb. Sapper. Er besuchte das Mörikegymnasium in Ludwigsburg und legte dort im März 1956 das Abitur ab.[1] Da durch das familiäre Umfeld sein Interesse für die Natur und Naturwissenschaften früh geweckt worden war, begann er dementsprechend 1956 sein Studium der Naturwissenschaften (Hauptfach Chemie, Beifächer Biologie und Geologie)[2] und Philosophie an der Technischen Hochschule Stuttgart (seit 1967 Universität Stuttgart) und an der Eberhard Karls Universität Tübingen. 1962 legte er das Staatsexamen für das höhere Lehramt ab. 1963 verwaltete er eine wissenschaftliche Assistentenstelle am Botanischen Institut der TH Stuttgart. Seine Promotion zum Dr. rer. nat. erfolgte im Dezember 1964 über ein Thema aus der Pflanzenphysiologie: „Über das Vorkommen und das physiologische Verhalten der Sedoheptulose im Rahmen des Kohlenhydrathaushaltes vegetativer Pflanzenteile“.[1] Nach seiner Habilitation 1969 war Ulrich Kull - neben einer Phase unterrichtlicher Tätigkeit - zunächst Privatdozent für Botanik und Leiter der Abteilung für Chemische Pflanzenphysiologie und Allgemeine Biologie am Botanischen Institut.[3]
1977 wurde Kull zunächst außerplanmäßiger Professor, dann von 1978 bis 2003 Professor und Leiter der Abteilung Pflanzenphysiologie bzw. Botanik am Biologischen Institut der Universität Stuttgart. Besondere Verdienste erwarb er sich bei der Gründung der Fakultät und der Förderung und Mitprägung des Studienganges „Technische Biologie“. Dieser Studiengang zeichnete sich aus durch die besondere Gewichtung biochemisch-molekularbiologischer Inhalte und das Einbringen anwendungsorientierter, biotechnischer Sichtweisen in Lehre und Forschung.[3]
Von 1984 bis 1995 war Kull Projektleiter und zeitweise auch Sprecher im Sonderforschungsbereich „Natürliche Konstruktionen“ (SFB 230) mit dem Fokus auf Leichtbauweise in Natur und Architektur. Dabei arbeitete er mit dem Architekten Frei Otto zusammen.[4]
Sein beruflicher Alltag war stark geprägt von seiner Lehrtätigkeit auf den Gebieten der Botanik und der Allgemeinen Biologie sowie seiner Arbeit als Studiendekan und in der Lehrerfortbildung.[4]
Für sein langjähriges Engagement in der Lehre sowie als Autor und Herausgeber von biologischen Lehrbüchern wurde er 1993 mit dem Landeslehrpreis Baden-Württemberg ausgezeichnet.[5]
Auch nach seinem Ruhestand 2003 hält Ulrich Kull weiterhin einzelne Vorlesungen an der Universität Stuttgart.
Seit 1981 ist Kull verheiratet mit Marga Bühler-Kull und lebt in Stuttgart-Zuffenhausen.[6]
Autorenschaft
Ein besonderer Schwerpunkt ist Kulls umfangreiche Autorentätigkeit, beispielsweise als Verfasser biologischer Lehrwerke für das Studium und die gymnasiale Oberstufe, für die er überregionale Bekanntheit erlangte, vor allem als jahrzehntelanger Mitautor und Mitherausgeber des Oberstufen-Biologie-Schulbuches „Der Linder“ (Linder Biologie).[3]
Neben den Lehrwerken gehören zu seinen Schriften zahlreiche wissenschaftliche Aufsätze mit Themen aus Botanik, Pflanzensoziologie, Ökologie, allgemeiner Biologie, Biochemie, Bionik, Geologie, aber auch botanische Reiseführer und Schriften zur lokalen Kultur- und Wissenschaftsgeschichte sowie Biografien, beispielsweise von Johann Gottlob von Kurr, Gottlieb Löffler, Heinrich Adolf von Eck.[7]
Mitgliedschaften
Sein besonderer Einsatz gilt der Gesellschaft für Naturkunde in Württemberg, dessen Mitglied er seit 1956 ist. Als Vorsitzender dieses über 180 Jahre alten naturwissenschaftlichen Vereins fungierte er von 1983–1989, 1992–1998, 2001–2004 und 2006–2007 und als stellvertretender Vorsitzender von 1998–2001 und 2007–2010. Sein breites Wissensspektrum bringt er seit vielen Jahrzehnten nicht nur in Vorträgen ein, sondern auch bei den von ihm geleiteten geologisch-botanischen Exkursionen (Kreta, Teneriffa, Sizilien usw.). Dazu kommen wissenschaftliche Beiträge, Monografien und zahlreiche Nachrufe beispielsweise über Heinrich Walter, Michael Höllwarth, Theodor Butterfaß und Frank Westphal in der Zeitschrift der Gesellschaft (Jahreshefte der Gesellschaft für Naturkunde in Württemberg). Im Jahr 2010 wurde er für sein umfangreiches Engagement und seine den Verein prägenden Leistungen und Verdienste zum Ehrenmitglied der Gesellschaft ernannt.[7]
Daneben ist Ulrich Kull auch an seinem Wohnort kulturell aktiv, beispielsweise im Heimatgeschichtlichen Arbeitskreis Zuffenhausen, der örtlichen Volkshochschule und dem Schwäbischen Albverein.[8][9][10][11]
Veröffentlichungen (Auswahl)
Lehrwerke
- Grundriss der Allgemeinen Botanik. Schweizerbart’sche Verlagsbuchhandlung, 3. neu bearbeitete und erweiterte Auflage, Stuttgart 2019, ISBN 978-3-510-65434-5.
- Evolution in Stichworten. Gebrüder Borntraeger, Berlin; Stuttgart 2007, ISBN 978-3-443-03118-3.
- Evolution des Menschen: biologische, soziale und kulturelle Evolution. Studienreihe Biologie Bd. 6, Metzler, Stuttgart 1989, ISBN 978-3-476-20114-0.
- mit Hans Knodel: Ökologie und Umweltschutz. Studienreihe Biologie Bd. 4, 2. neu bearb. und erw. Auflage. Metzler, Stuttgart 1981, ISBN 978-3-804-71410-6.
- mit Hans Knodel: Genetik und Molekularbiologie. Studienreihe Biologie Bd. 1, 2. Auflage, Metzler, Stuttgart 1980, ISBN 978-3-476-20181-2.
- Evolution. Studienreihe Biologie Bd. 3, Metzler, Stuttgart 1977, ISBN 978-3-476-20060-0.
Wissenschaftliche Schriften
- Pflanzenwelt und Landschaft von Madagaskar - ein Streifzug. In: Jahreshefte der Gesellschaft für Naturkunde in Württemberg, Jg. 180, Stuttgart 2024, ISSN 0368-2307, S. 5–95.
- Das Messinium-Ereignis und seine Folgen für die Biodiversität. In: Naturwissenschaftliche Rundschau, 77. Leinfelden-Echterdingen 2024, S. 603–604.
- Von Wissenschaft über Esoterik bis zum Verschwörungsmythos. In: Jahreshefte der Gesellschaft für Naturkunde in Württemberg, Jg. 178, ISSN 0368-2307, Stuttgart 2022, S. 443–506.
- Eine neue Großgliederung der Eukaryoten. In: Naturwissenschaftliche Rundschau, 73. Stuttgart 2020, S. 199–201.
- Bausteine der Welt - Von den vier Elementen des Altertums zum Schwerionenbeschleuniger (ein Spaziergang durch die Geschichte der chemischen Elemente). In: Jahreshefte der Gesellschaft für Naturkunde, Jg. 169, Stuttgart 2013, S. 5–57.
- mit Stergos Diamantoglou: Kreta. Sammlung geologischer Führer, Band 107, Borntraeger, Stuttgart 2012, ISBN 978-3-443-15095-2.
- Massenaussterben und ihre Bedeutung für die Evolution. In: Jahreshefte der Gesellschaft für Naturkunde in Württemberg, Jg. 167, Stuttgart 2011, S. 5–27.
- Auswirkungen der Stickoxide als Luftschadstoffe auf die Vegetation. In: Jahreshefte der Gesellschaft für Naturkunde, Jg. 157, Stuttgart 2001, S. 5–20.
- Mit Ulrike Vallon: Localization of proteasomes in plant cells. In: Protoplasma, Band 182, Springer, 1994, S. 15–18.
- Mit Astrid Herbig und Frei Otto: Construction and Economy of Plant Stems as Revealed by Use of the Bic-method. In: Annals of botany 69, 1992, S. 327–334.
- Ein botanischer Streifzug durch die Cordillera Blanca (Peru). In: Natur und Museum 121, Senckenberg-Gesellschaft, 1991, S. 257–268.
- Mit Astrid Herbig: Konstruktion, Leichtbau und Ökonomie bei Pflanzen. Beiträge zum 1. Internationalen Symposium des SFB 230: Natürliche Konstruktionen, Leichtbau in Architektur und Natur. Stuttgart 1989, ISBN 3-927078-02-6, S. 125–132.
- Mit Siegmund Seybold: A contribution to the floristics and vegetation of Zanskar (Kashmir). In. Botanische Jahrbücher für Systematik 105, 1985, S. 263–277.
- Botanik in Reiseführern: Irrtum vorbehalten, Kosmos 79, Stuttgart 1983, S. 48–54.
- Geschichte der Geo- und Biowissenschaften. In: Johannes H. Voigt (Hrsg.): Festschrift zum hundertfünfzigjährigen Bestehen der Universität Stuttgart. Deutsche Verlags-Anstalt, Stuttgart 1979, S. 277–329.