Umberto Guidoni
italienischer Physiker, Astronaut und Politiker, MdEP
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Umberto Guidoni (* 18. August 1954 in Rom, Italien) ist ein italienischer Physiker, ehemaliger Astronaut und Abgeordneter des Europäischen Parlaments. Nach einer Karriere als Wissenschaftler flog er auf zwei Raumflügen an Bord des Space Shuttle in den Weltraum. Nach seiner Laufbahn als Astronaut war er in der Wahlperiode 2004–2009 für die Partei der italienischen Kommunisten Mitglied im Europäischen Parlament.
Jugend und Ausbildung
Guidoni wurde 1954 in der italienischen Hauptstadt Rom geboren. Nach seinem Abitur 1973 am liceo Gaio Lucilio schrieb er sich an der Universität La Sapienza in Rom ein und studierte zunächst Physik und später Astrophysik. 1978 wurde ihm der Doktorgrad (summa cum laude) im Fach Astrophysik verliehen. Anschließend bekam er ein Stipendium vom staatlichen Nationalen Komitee für Kernenergie und arbeitete auf dem Gebiet der thermonuklearen Fusion.[1][2]
Guidoni ist verheiratet und hat einen Sohn.[1]
Arbeit als Wissenschaftler
1982 nahm er eine Stelle als Wissenschaftler im Nationalen Komitee für Erneuerbare Energien (ENEA) an, wo er ab 1983 in der Abteilung für Sonnenenergie an Methoden zur Charakterisierung von Solarpanelen arbeitete.[3][1]
1984 wechselte er zum Institut für Weltraumphysik IFSI (Istituto di Fisica dello Spazio Interplanetario) des Nationalen Forschungsrates (CNR), wo er das Experiment RETE (Research on Electrodynamic Tether Effects) für den späteren Fesselsatelliten TSS (Tethered Satellite System) entwickelte.[1]
Ab 1985 erarbeitete Guidoni die Datenverarbeitungsanlage für RETE und half, am IFSI eine Plasmakammer einzurichten. In ihr war es möglich, die elektrodynamischen Phänomene eines angebundenen Satelliten simulieren. Drei Jahre später ernannte man ihn zum Projektwissenschaftler für RETE, wo er für die Integration des Experiments in den TSS verantwortlich zeichnete.[3]
Astronautentätigkeit
Ausbildung als Nutzlastspezialist
Seit 1989 war Guidoni einer von zwei Wissenschaftlern im Astronautenteam der Italienischen Weltraumagentur, die zu payload specialists für die TSS-1-Mission des Spaceshuttles ausgebildet wurden. Im Jahr 1991 ging er zum Training ans Johnson Space Center der NASA in Houston. Während der STS-46/TSS-1-Mission (31. Juli bis 8. August 1992) assistierte er dem wissenschaftlichen Team im Payload Operations Control Center in Houston.[3]
Flug STS-75

Knapp vier Jahre später wurde das Experiment wiederholt. Dieses Mal kam Umberto Guidoni zum Einsatz und startete am 22. Februar 1996 an Bord der Raumfähre Columbia zur 16-tägigen Mission STS-75. Obwohl dieses Mal das Seil kurz vor Erreichen der geplanten Länge von 20 Kilometern riss, konnten wertvolle Daten gewonnen werden.[3]
Flug STS-100

Von 1996 bis 1998 wurde Guidoni zusammen mit der 16. Astronautengruppe der NASA zum Missionsspezialisten ausgebildet. Im August 1998 wurde er dem neugeschaffenen Astronautenkorps der Europäischen Raumfahrtorganisation (ESA) zugeordnet.[3]
Zu seinem zweiten Raumflug startete Guidoni am 19. April 2001 mit der Raumfähre Endeavour zur Mission STS-100. Dieser Flug führte zur Internationalen Raumstation (ISS) und verwendete zum ersten Mal das italienische Logistikmodul Raffaello. Guidoni war der erste westeuropäische Besucher auf der ISS.[3]
Abgeordneter des Europäischen Parlaments

Seine Karriere als Raumfahrer beendete Guidoni zugunsten einer politischen Laufbahn. Er gab an, dass ihn die Partei der italienischen Kommunisten ihn gefragt habe, ob er die Partei im Europäischen Parlament vertreten möchte. Er bezeichnet sich selbst allerdings nicht als „richtigen Kommunisten“.[4] Im Juni 2004 wurde Guidoni insEuropäische Parlament gewählt, dem er vom 20. Juli 2004 bis zum 13. Juli 2009 als Abgeordneter angehörte. Er gehörte dort der Fraktion GUE/NGL an und war Mitglied im Ausschuss für Industrie, Forschung und Energie, im Haushaltskontrollausschuss, sowie der Delegation für die Beziehungen zu den Vereinigten Staaten. Außerdem gehörte er dem Ausschuss für Umweltfragen, Volksgesundheit und Lebensmittelsicherheit und der Delegation für die Beziehungen zu Japan als Stellvertreter an.[5]
In Redebeiträgen setzte sich Guidoni im Parlament unter anderem für den Ausbau der Erneuerbaren Energien auf europäischem Niveau ein,[6][7] sprach sich gegen eine Diskriminierung von Roma und Rumänen in durch die italienische Regierung im Kontext von antiziganistischen Ausschreitungen im Jahr 2008 aus[8][9] und stellte parlamentarische Anfragen zu unter anderem umweltpolitischen, sozialen und Bürgerrechtsthemen.[10]
Er legte seine Mitgliedschaft in der Partei nieder, nachdem er 2009 aus dem Europaparlament ausschied.[5]
Eponyme
2001 wurde der Asteroid (10605) Guidoni nach ihm benannt.[11]
Siehe auch
Weblinks
- Guidonis Homepage (italienisch)
- Kurzbiografie von Umberto Guidoni bei spacefacts.de
- Biografie von Umberto Guidoni in der Encyclopedia Astronautica (englisch)
- Umberto Guidoni in der Abgeordnetendatenbank des Europäischen Parlaments
