Universitätsklinikum Bonn

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Das Universitätsklinikum Bonn (UKB) ist ein Krankenhaus der Maximalversorgung mit 1341 Betten[1].

Etwa 9.884[2] Mitarbeiter arbeiteten dort in Forschung, Lehre und Krankenversorgung sowie im öffentlichen Gesundheitswesen mit Stand des Jahres 2024.

TrägerschaftAnstalt des öffentlichen Rechts
OrtBonn
BundeslandNordrhein-Westfalen Nordrhein-Westfalen
StaatDeutschland Deutschland
Schnelle Fakten Trägerschaft, Ort ...
Universitätsklinikum Bonn
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Trägerschaft Anstalt des öffentlichen Rechts
Ort Bonn
Bundesland Nordrhein-Westfalen Nordrhein-Westfalen
Staat Deutschland Deutschland
Koordinaten 50° 42′ 6″ N,  6′ 11″ O
Leitung Uwe Reuter[3], Vorstandsvorsitzender und ärztlicher Vorstand
Versorgungsstufe Maximalversorgung
Betten 1.341 Planbetten (2023)
Mitarbeiter ca. 9.200 (2023) bzw. 9.884 (2024)
davon Ärzte rd. 1.200 (2023)
Zugehörigkeit Universität Bonn
Gründung 1818
Website https://www.ukbonn.de/
Lage
Universitätsklinikum Bonn (Nordrhein-Westfalen)
Universitätsklinikum Bonn (Nordrhein-Westfalen)
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Gesamtansicht UKB aus der Luft
Organigramm des UKB vom Oktober 2024
Eltern-Kind-Zentrum (ELKI) als Entwurfszeichnung
Neurologie, Psychiatrie und Psychosomatik (NPP)

Geschichte

Mit der preußischen Neugründung der Hochschule 1818 als Rheinische Friedrich-Wilhelms-Universität Bonn wurden die Kliniken der medizinischen Fakultät zunächst im ehemaligen Kurfürstlichen Schloss untergebracht, das der Universität vermacht worden war.[4] Wegen zunehmenden Platzbedarfs in den folgenden Jahrzehnten erwarb die Universität 1865 ein ehemaliges Bastionsgelände in Rheinnähe,[5] im Gebiet der heutigen Beethovenhalle. Die klinischen Disziplinen für Gynäkologie und Geburtshilfe, für Innere Medizin, für Chirurgie sowie für Dermatologie und Venerologie bekamen jeweils eigene Gebäude. 1872 konnte als erste die Geburtshilflich-Gynäkologische Klinik bezogen werden, bis 1884 folgten die übrigen.[5]

Obwohl viele der Professoren und Mitarbeiter als überzeugte Katholiken galten, schlossen sich 1933 über ein Drittel der Fakultätsmitglieder der Nationalsozialistischen Deutschen Arbeiterpartei an. Nach dem Inkrafttreten des „Gesetzes zur Verhütung erbkranken Nachwuchses“ vom 14. Juli 1933 wurden in der Frauenklinik Zwangssterilisationen und Zwangsabtreibungen vorgenommen.[6] Bei einem Bombenangriff am 14. Oktober 1944 wurden das Hauptgebäude der Universität im ehemaligen kurfürstlichen Schloss und das Klinikviertel am Rhein schwer beschädigt.[7]

Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde das Universitätsklinikum auf dem Gelände einer ehemaligen Flak-Kaserne auf dem Venusberg neu errichtet. Die ersten Kliniken nahmen dort ab 1949 ihren Betrieb wieder auf.[7] Inzwischen sind in der Stadt außerhalb des Venusberg-Campus nur noch das Gerichtsmedizinische Institut, die Diamorphinambulanz, die Vorklinischen Institute und die Zahnklinik des UKB. Seit 2001 ist das Universitätsklinikum Bonn selbstständig in Rechtsform einer AöR mit einem eigenen Aufsichtsrat. Es wird von einem fünfköpfigen Vorstand geführt.[8][1]

Struktur

Kennzahlen zum UKB

Gemäß dem eigenen Geschäftsbericht des Jahres 2023[1] umfasst das UKB:

Bereich Pflege

Die Pflege am UKB gemäß dem Geschäftsbericht 2023[9]

  • Pflegedienst: 1.517 Vollkräfte
  • Nichtwissenschaftliche Medizintechnische Dienstleistungen (MTD): 1.330 Vollkräfte
  • Funktionsdienst (FD): 625 Vollkräfte
  • Personal der Ausbildungsstätten: 46 Vollkräfte
  • Ausbildungszentrum für Pflegeberufe
  • 2021 nahmen in Mexiko 30 Kandidaten am „Global Skill Partnership“-Projekt teil, die anschließend in 2022 ihre Tätigkeit am UKB begannen[8]

Rankings und Case Mix Index (CMI)

  • U.a. in den Focus-Gesundheits-Klinik-Listen 2022[10] und 2023[11] wurde das Universitätsklinikum Bonn auf Platz eins unter den Kliniken in Nordrhein-Westfalen gelistet.
  • Im Ranking des F.A.Z.-Instituts „Top-Arbeitgeber – Innovativ. Digital. Nachhaltig“.[12] wurde das Universitätsklinikum Bonn auf Platz 1 der Öffentlichen Krankenhäuser in Deutschland gelistet sowie in den 4 Jahren von 2021 bis 2025 vom F.A.Z.-Institut in den Kategorien „Deutschlands begehrteste Arbeitgeber“ sowie „Ausbildungs-Champions“ ausgezeichnet.[13]
  • Das UKB steht im Wissenschafts-Ranking von Nordrhein-Westfalen auf Platz 1 unter den Universitätskliniken.
  • Das UKB hatte 2022 den dritthöchsten Case Mix Index und in den Corona-Jahren 2020 und 2021 als einziges der 35 deutschen Universitätskliniken einen Leistungszuwachs.[8]
  • Das UKB hatte 2022 ein Spitzen-Ergebnis in Qualität und Wirtschaftlichkeit[14]

Krankenversorgung

Leitbild des UKB

Hervorzuheben aus dem Bereich der Krankenversorgung (KV) ist u. a. (d. h. ohne Anspruch auf Vollständigkeit):

Forschung

Biomedizinisches Zentrum I (BMZ I)
Biomedizinisches Zentrum II (BMZ II)

Forschungsarbeitsgruppen des UKB sind teilweise auch an interdisziplinären Projekten der Universität Bonn tätig, dies betrifft z. B. deutlich das Life and Medical Sciences Bonn (LIMES)[41] sowie den transdisziplinären Forschungsbereich „Life & Health“[42] und das Pharma-Zentrum-Bonn (PZB),[43] das sich als Plattform bzw. Forum für den wissenschaftlichen Austausch und die Vernetzung aller Pharmaforschenden an der Universität Bonn sowie an außeruniversitären Forschungseinrichtungen versteht. Auch transdisziplinär tätig ist das am 23. Februar 2024 gegründete „Zentrum für Medizinische Datennutzbarkeit und Translation“ (ZMDT)[44], das insbesondere von der Rechts- und Staatswissenschaftlichen Fakultät und der Medizinischen Fakultät getragen wird und unter der direkten Verantwortung des Rektorats der Universität Bonn steht.

Forschungsschwerpunkte

Stand Anfang 2025 weist die Bonner Medizinische Fakultät folgende Forschungsschwerpunkte bei sich aus[45]:

  • Immunosciences and Infection – Immunologisch-infektiologischer Schwerpunkt. Hierzu gehört u. a. die wesentliche Beteiligung des UKB am Exzellenzcluster „ImmunoSensation“[46], ein von der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) seit dem Jahr 2012 gefördertes Exzellenzcluster an der Universität Bonn[47][48], das zudem seit 2019 über die erste Ausschreibungsrunde der damals neu initiierten Exzellenzstrategie unter der dortigen Fördernummer 2151 weiterhin als Leuchtturmprojekt von öffentlicher Seite finanziell gefördert wird und dessen Förderung im Mai 2025 unter der Bezeichnung „ImmunoSensation3“ für weitere Jahre verlängert wurde.[49] Im Jahr 2011 war dieser Forschungsschwerpunkt Gründungsmitglied[45] des Deutschen Zentrum für Infektionsforschung (DZIF) der Helmholtz-Gemeinschaft.
  • Neurosciences – Die Neurowissenschaften in Bonn werden durch das Bonn Center of Neuroscience[50] (abgekürzt mit BCN bzw. mit CENs), das zentrale Netzwerk für Neurowissenschaften der Universität Bonn, vertreten. Dabei profitiert die diesbezügliche Forschung auch durch die Nähe zum DZNE, das direkt neben dem Neurozentrum des UKB beheimatet ist.
  • Cardiovascular Sciences – Inhaltlich fokussiert der Schwerpunkt auf die Herz-, Gefäß- und Klappendegeneration, den Metabolismus und Regenerationsmechanismen im kardiovaskulären System.
  • Oncology – Über das Centrum für Integrierte Onkologie (CIO)[51] ist das UK Bonn als offizielles Spitzenzentrum der Deutschen Krebshilfe in den CIO ABCD Verbund Aachen-Bonn-Cologne-Düsseldorf integriert.
  • Genetics and Epidemiology – Der Querschnittsbereich Genetics and Epidemiology ist ein Fach- und Profilbereich-übergreifender Schwerpunkt, mit einer starken methodischen bzw. konzeptionellen Basis.

Forschungsverbünde

Genetische Medizin und Genetische Epidemiologie[52]

  • BMBF NGFN+ Affektive Störungen und Schizophrenie (M. Nöthen)
  • BMBF Netzwerk Seltene Krankheiten „CURE-Net“ (Reutter)
  • E-Rare Angioedema (S. Cichon)
  • Deutsche Krebshilfe Verbundprojekt Familiärer Darmkrebs (Gründer Peter Propping †)
  • W3-Schwerpunktprofessur Genomic Statistics and Bioinformatics (Land NRW) (Krawitz)

Neurowissenschaften[53]

  • DFG-SFB/TR 3: Mesiale Temporallappen-Epilepsien (2012 auslaufend) (Steinhäuser)
  • DFG-Klinische Forschergruppe KFO 177: Angeborene Immunität bei chronischer Neurodegeneration (2007–2013) (Heneka, Klockgether)
  • DFG-Forschergruppe FOR 926: Pathologie und Pathophysiologie des Endocannabinoidsystems (Wiederbegutachtung 2011) (Zimmer)
  • BMBF-BioPharma-Wettbewerb Biopharma-Neuroallianz: Neue Drug Targets und Protektions-Strategien für neurodegenerative Erkrankungen – Identifizierung von microRNAs und deren Ziel-mRNAs (2009–2012) (Pfeifer; Müller, Mathematisch-Naturwissenschaftliche Fakultät)
  • BMBF Kompetenznetz Degenerative Demenzen (KNDD) (Wiederbegutachtung 2010) (Maier)
  • E-Rare Internationales Netzwerk für spinozerebelläre Ataxien (RISCA) (Wiederbegutachtung 2011) (Klockgether)

Geschäftsberichte und Beteiligungen

Als AöR veröffentlicht das UK Bonn seit 2001 jährlich im Sommer des jeweiligen Folgejahres auch in Hinblick auf die gesetzlichen Offenlegungsvorschriften einen eigenen Geschäftsbericht. Mitte Juni 2025 sind im Internet weiterhin die Berichtsjahre ab 2012[54][55] einsehbar sowie eingeschränkt auch u. a. der Geschäftsbericht zum Berichtsjahr 2006.[56]

Das UKB ist gemeinsam mit der Bonner Universität mehrheitlich beteiligt an der im Jahr 2002 mit Unterstützung des Landes NRW und des Bundes gegründeten Translations-Gesellschaft „Life and brain“[57][58], die in direkter Nachbarschaft zum Universitätsklinikum ansässig ist. Des Weiteren ist das UKB Hauptgesellschafter des „MVZ Venusberg“[59], einem 2008[60] gegründeten Medizinischen Versorgungszentrum (MVZ) in Bonn.

Personen

Liste der Vorstandsvorsitzenden seit Gründung der AöR

Die Vorstandsvorsitzenden werden hier i. d. R. für eine fünfjährige Amtszeit bestellt.

Weitere Informationen Amtszeit, Person ...
AmtszeitPersonKomplette Amtsbezeichnung
ab November 2025Uwe Reuter[3]Vorstandsvorsitzender und ärztlicher Vorstand
Oktober 2024 – Oktober 2025Bernd WeberKommissarischer Vorstandsvorsitzender und Dekan der Medizinischen Fakultät
Januar 2012 – September 2024Wolfgang Holzgreve[61]Vorstandsvorsitzender und ärztlicher Direktor
2002–2011Michael Lentze[62]Vorstandsvorsitzender und ärztlicher Direktor
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Auswahl an mit dem UKB verbundener Persönlichkeiten

  • Alfred Gütgemann (1907–1985), Professor für Chirurgie und von 1954 bis 1977 Direktor der Chirurgischen Klinik.
  • Arwed Franz (1941 - ), Kaufmännischer Direktor mit 27-jähriger Amtszeit bis September 2007.[63]
  • August Bier (1861–1949), deutscher Chirurg und Hochschullehrer.
  • Christian Drosten (1972- ), bis 2017 Direktor des Instituts für Virologie und Mitglied der Leopoldina[64]
  • Christian E. Elger (1949 – ), ehemaliger Direktor der Klinik für Epileptologie.
  • Christian Kurts (1964 - ), Institutsdirektor und Mitglied der Leopoldina.[65]
  • Eicke Latz (1970 – ), bis 2023 Institutsdirektor und Mitglied der Leopoldina.[66]
  • Erich von Redwitz (1883–1964), ehemaliger Direktor der Chirurgischen Universitätsklinik.
  • Frank G. Holz (1962 – ), Direktor der Augenklinik und Mitglied der Leopoldina.[16]
  • Georg Nickenig (1964 – ), Direktor der Kardiologischen Klinik und Leiter des Herzzentrums Bonn.
  • Johann Friedrich Hermann Albers (1805–1867), Mediziner und Pathologe und Mitglied der Leopoldina.[67]
  • Jörg Kalff (1962 - ), Direktor der Chirurgischen Klinik und Mitglied der Leopoldina[68]
  • Johannes Schramm (1946 – ), ehemaliger Direktor der Klinik für Neurochirurgie.
  • Lukas Radbruch (1959 - ), Direktor der Klinik für Palliativmedizin und Mitglied der Leopoldina[69]
  • Manfred Göthert (1939–2019), ehemaliger Direktor Institut für Pharmakologie und Toxikologie und Mitglied der Leopoldina[70]
  • Manfred Hansmann (1936–2009), deutscher Gynäkologe, mit der Schwerpunkttätigkeit der Pränatalen Diagnostik und Therapie.
  • Martin Exner (1951 - ), ehemaliger Direktor Institut für Hygiene und Öffentliche Gesundheit[71]
  • Otmar D. Wiestler (1956- ), bis 2003 Direktor des Instituts für Neuropathologie und Mitglied der Leopoldina[72]
  • Peter Propping (1942–2016), ehemaliger Direktor des Instituts für Humangenetik und Mitglied der Leopoldina.[73]
  • Soeren Jepsen (1958 - ), ehemaliger[74] Direktor der Klinik für Parodontologie und Zahnerhaltung und Mitglied der Leopoldina[75]
  • Thomas Klockgether (1956 - ), ehemaliger Direktor der Klinik für Neurologie sowie Dekan[25][76] der Bonner Medizinischen Fakultät bzw. ab 2011 erster Direktor der Klinischen Forschung am DZNE.[77]
  • Ulrich Eibach (1942 – ), war bis Ende 2007 Klinikpfarrer.
  • Ulrich Gembruch (1954 - ), ehemaliger Direktor der Klinik für Geburtshilfe und Pränatale Medizin und Mitglied der Leopoldina.[78]
  • Ulrich Heifer (1930–2018), ehemaliger Direktor des Instituts für Rechtsmedizin.
  • Wolfgang Maier (1949 – ), ehemaliger Direktor der Klinik für Psychiatrie und Mitglied der Leopoldina.[79]

Siehe auch

Einzelnachweise

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