Untersteinach

Gemeinde im Landkreis Kulmbach (Regierungsbezirk Oberfranken) From Wikipedia, the free encyclopedia

Untersteinach ist eine Gemeinde im oberfränkischen Landkreis Kulmbach in Bayern und Sitz der Verwaltungsgemeinschaft Untersteinach.

Schnelle Fakten Wappen, Deutschlandkarte ...
Wappen Deutschlandkarte
Untersteinach
Deutschlandkarte, Position der Gemeinde Untersteinach hervorgehoben
Basisdaten
Koordinaten: 50° 8′ N, 11° 32′ O
Bundesland:Bayern
Regierungsbezirk: Oberfranken
Landkreis: Kulmbach
Verwaltungs­gemeinschaft: Untersteinach
Höhe: 333 m ü. NHN
Fläche: 11,43 km²
Einwohner: 1751 (31. Dez. 2024)[1]
Bevölkerungsdichte: 153 Einwohner je km²
Postleitzahl: 95369
Vorwahl: 09225
Kfz-Kennzeichen: KU, EBS, SAN
Gemeindeschlüssel: 09 4 77 159
Gemeindegliederung: 3 Gemeindeteile
Adresse der
Gemeindeverwaltung:
Stadtsteinacher Str. 17
95369 Untersteinach
Website: www.untersteinach.de
Erster Bürgermeister: Volker Schmiechen (SPD)
Lage der Gemeinde Untersteinach im Landkreis Kulmbach
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Geografie

Untersteinach liegt im Naturpark Frankenwald. Im Ort mündet die Untere Steinach als rechter Zufluss der Schorgast.[2]

Gemeindegliederung

Es gibt drei Gemeindeteile (in Klammern ist der Siedlungstyp angegeben):[3][4]

Die Einöde Neumühle zählt zum Gemeindeteil Untersteinach.

Es gibt auf dem Gemeindegebiet nur die Gemarkung Untersteinach.[5] Sie hat eine Fläche von 11,425 km² und ist in 2054 Flurstücke aufgeteilt, die eine durchschnittliche Flurstücksfläche von 5562,5 m² haben.[6][7]

Geschichte

Der Ort wurde im Jahre 1281 als „Nydernsteinach“ erstmals urkundlich erwähnt. Benannt wurde der Ort nach dem Fluss Steinach. Im Gegensatz zu Stadtsteinach, das ursprünglich ohne den Zusatz Stadt- auskam, hatte Untersteinach von Anfang an den Zusatz Nydern-, woraus sich schließen lässt, das Untersteinach die jüngere Siedlung ist.[8] Die Adelsfamilie Varell prägte über sechs Generationen bis zu ihrem Aussterben 1765 die Geschichte des Orts.

Am 10. August 1706 kam es durch einen Bubenstreich zu der bisher größten Katastrophe in der Geschichte von Untersteinach. Drei Jugendliche hatten in einer Scheune mit einer Schlüsselbüchse gespielt, woraufhin das Gebäude Feuer fing. Aufgrund des schönen Wetters und der beginnenden Erntesaison befanden sich fast alle Bürger des Ortes auf den Feldern. So konnte sich das Feuer rasch ausbreiten und fast das komplette Dorf brannte ab. Es war ein Todesopfer zu beklagen. Die Untersteinacher wurden nach dem Unglück in den Nachbardörfern aufgenommen. Zwei Häuser blieben verschont, von denen eines das älteste Gebäude in Untersteinach ist. Es befindet sich in Privatbesitz und steht unter Denkmalschutz.

Gegen Ende des 18. Jahrhunderts bestand Untersteinach aus 100 Anwesen und 1 Kirche, 1 Pfarrhaus, 1 Schulhaus und 1 Gemeindehirtenhaus. Das Hochgericht übte das brandenburg-bayreuthische Stadtvogteiamt Kulmbach aus. Die Dorf- und Gemeindeherrschaft oblag dem Stadtvogteiamt gemeinsam mit dem Kastenamt Kulmbach. Grundherren waren

  • das Kastenamt Kulmbach (39 Anwesen: 2 Mahlmühlen, 1 Wirtshaus, 1 Schmiede, 1 Badstube, 2 Höfe, 3 Halbhöfe, 1 Viertelhof, 1 unbebauter Viertelhof, 17 Sölden, 8 Tropfgütlein, 1 ödes Tropfgütlein, 1 Wohnhaus)
  • das Klosteramt Kulmbach (17 Anwesen: 3 Halbhöfe, 8 Viertelhöfe, 2 Dreiachtelhöfe, 2 Söldengütlein, 1 Häuslein, 1 Tropfhaus),
  • die Verwaltung Burghaig (4 Anwesen: 1 Gut, 3 Gütlein),
  • das Ritterkanton Gebürg mittelbar für

Seit dem Reichsdeputationshauptschluss von 1802 gehört Untersteinach zu Bayern. Mit dem Gemeindeedikt wurde 1811 der Steuerdistrikt Untersteinach gebildet, zu dem Gumpersdorf und Hummendorf gehörten. Zugleich entstand die Ruralgemeinde Untersteinach, die deckungsgleich mit dem Steuerdistrikt war. Sie war in Verwaltung und Gerichtsbarkeit dem Landgericht Kulmbach zugeordnet und in der Finanzverwaltung dem Rentamt Kulmbach. Am 1. Oktober 1840 wurde sie an das Landgericht Stadtsteinach und dem Rentamt Stadtsteinach überwiesen (1919 in Finanzamt Stadtsteinach umbenannt). In der freiwilligen Gerichtsbarkeit unterstanden 46 Anwesen bis 148 dem Patrimonialgericht Untersteinach.[10] Ab 1862 gehörte Untersteinach zum Bezirksamt Stadtsteinach (1939 in Landkreis Stadtsteinach umbenannt). Die Gerichtsbarkeit blieb beim Landgericht Stadtsteinach (1879 in Amtsgericht Stadtsteinach umgewandelt). Die Gemeinde hatte 1964 eine Fläche von 11,428 km².[11]

Einwohnerentwicklung

Im Zeitraum von 1988 bis 2018 sank die Einwohnerzahl von 1941 auf 1811 um 130 bzw. um 6,7 %. Am 31. Dezember 1997 hatte Untersteinach 2076 Einwohner.

Gemeinde Untersteinach

Weitere Informationen Jahr, Einwohner ...
Jahr 181918401852186118671871187518801885189018951900190519101919192519331939194619501961197019872007201020152021
Einwohner 67478686784585287590896197997199799399910331053108211101141169617861759204319661945184818371783
Häuser[12] 131138137142155201279489599610
Quelle [13][14][14][15][16][17][18][19][20][21][14][22][14][23][14][24][14][14][14][25][11][26][27][28][28][28][29]
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Ort Untersteinach

Weitere Informationen Jahr, Einwohner ...
Jahr 001809001818001819001861001871001885001900001925001950001961001970001987
Einwohner 5395547237398408729471628166519461889
Häuser[12] 102120124138183261465
Quelle [9.2][10][13][15][17][20][22][24][25][11][26][27]
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Religion

Untersteinach hat die evangelische St.-Oswald-Kirche und die römisch-katholische Kirche Mariae Heimsuchung.

St. Oswald

Die St.-Oswald-Kirche ist eine alte Wehrkirche mit Elementen des gotischen Baustils. Die alten Wehranlagen aus Sandstein mit dem Torhaus sind noch erhalten und können besichtigt werden. Auch das alte Pfarrhaus ist noch von einer Mauer umgeben.

Urkundlich erstmals erwähnt wurde die Pfarrei im Jahre 1281 anlässlich eines Streits zwischen den von Blassenberg und dem Grafen Otto von Orlamünde.[30]

Bereits im Jahre 1553 nahm die St.-Oswald-Gemeinde die evangelisch-lutherische Lehre an.

Alte Steinbrücke über die Untere Steinach

Politik

Bürgermeister

Bürgermeister ist seit 2014 Volker Schmiechen (SPD). Sein Vorgänger war Heinz Burges (SPD).

Gemeinderat

Die Gemeinderatswahlen seit 2014 ergaben folgende Stimmenanteile und Sitzverteilungen:

Weitere Informationen Partei/Liste, Sitze ...
Partei/Liste 2020[31] 2014
Sitze Sitze
SPD 6 6
Wählergemeinschaft Untersteinach 2 2
CSU 3 3
Untersteinacher Bürgergemeinschaft 1 1
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Wappen und Flagge

Wappen
Blasonierung:Gespalten von Silber und Rot; vorne ein nach links gewendeter roter Greif, hinten ein silberner widersehender nackter Mann, der mit beiden Händen eine silberne Lanze schräg vor sich hält.“[32]
Flagge

Die Gemeindeflagge ist rot-weiß.[33]

Städtepartnerschaften

Die Gemeinde unterhält eine kommunale Partnerschaft zur Gemeinde Mogilany in Polen.

Bau- und Bodendenkmäler

Infrastruktur und Wirtschaft

Wirtschaft

In Untersteinach gibt es zahlreiche Industrie- und Dienstleistungsbetriebe.

Verkehr

Der Bahnhof Untersteinach (b Stadtsteinach) liegt an der Bahnstrecke Bamberg–Hof. Hier zweigt die Bahnstrecke Untersteinach–Stadtsteinach, die heute nur dem Güterverkehr dient, ab. Die Bundesstraße 303 führt nach Stadtsteinach (4 km nordwestlich) bzw. nach Wirsberg (5,5 km südöstlich). Die Bundesstraße 289 führt nach Kulmbach (6,5 km westlich) bzw. nach Ludwigschorgast (2,3 km östlich). Die Kreisstraße KU 13 verbindet mit Guttenberg (3 km nordöstlich). Gemeindeverbindungsstraßen führen nach Gumpersdorf (3,1 km westlich) und nach See (3 km südlich). Eine Anliegerstraße verbindet mit Hummendorf (1,7 km nordwestlich).[2]

Panorama von Untersteinach und Umgebung

Bildung

Volksschule Untersteinach-Ludwigschorgast

Untersteinach verfügt über eine Grundschule. In der Volksschule Untersteinach-Ludwigschorgast werden, aufgeteilt auf die beiden Schulgebäude in Untersteinach und Ludwigschorgast, derzeit 140 Schüler der Klassen eins bis vier unterrichtet (Stand 2010/11). Die Klassen 1 und 2 befinden sich im Gebäude in Ludwigschorgast, die Klassen 3 und 4 in Untersteinach.[34]

Mittelschule Stadtsteinach-Untersteinach

Untersteinach ist Mitglied im Mittelschulsprengel Stadtsteinach-Untersteinach. Die Klassen 5 und 6 werden im Schulgebäude Untersteinach unterrichtet, die übrigen in der Nachbargemeinde Stadtsteinach.[35]

Persönlichkeiten

  • Johann Gottfried Biedermann (* 19. August 1705 in Plauen, † 11. Juli 1766 in Untersteinach), („Hochfürstlich Brandenburg-Culmbachischer“) Pfarrer und Genealoge. Er erstellte die genealogischen Tabellen des fränkischen Adels.
  • Georg Adam von Varell (* 28. Juni 1709 in Untersteinach, † 6. November 1765 in Untersteinach), Kaiserl. Rat und Generalfeldmarschall-Leutnant des Fränkischen Kreises, Oberst über ein Infanterieregiment im Siebenjährigen Krieg. Er war der letzte Vertreter seines Geschlechts und wohnte im Schloss Untersteinach, welches nach seinem Tod an die Familie Guttenberg zurückfiel (ab 1869 Sitz der Schlossbrauerei, 1982 in baufälligem Zustand abgebrochen).

Literatur

Einzelnachweise

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