Urbanatix

Projekt From Wikipedia, the free encyclopedia

Bei Urbanatix treten Street-Art-Talente aus der Metropole Ruhr und Umgebung gemeinsam mit internationalen Artistik-Profis in einer einzigartigen Show auf. Die jungen Talente zeigen ihr Können in Parkour, Tanz, Biking und weiteren Street Artistik Disziplinen. Die Inszenierungen sind ein Crossover aus urbaner Bewegungskunst, Weltklasse-Artistik, Livemusik und multimedialer Performance. Ein eigens komponierter und auf die Acts abgestimmter Soundtrack, Elemente von Comedy und ein roter Erzählfaden, der durch eine Geschichte führt, machen das Konzept der Show weltweit einmalig. Veranstaltungsorte waren die Bochumer Jahrhunderthalle[1], die Grugahalle in Essen und erstmals 2025 der Bochumer Ruhrcongress. Produzent von Urbanatix ist die Grandezza Entertainment GmbH (Stand: 2025), Regisseur und Initiator ist Christian Eggert.

Anstelle einer Zugabe gibt es ein „Battle“ der Street-Artisten
Die Artisten bilden zum Schluss das typische „X“ als UrbanatiX-Gruß

Entstehungsgeschichte

Anfang 2007 entwickelte Christian Eggert von der Agentur Dacapo-Kultur Offensiv die Idee einer großen Showproduktion. Dabei ging es darum, junge Talente aus der Bewegungskunst zu finden, zu fördern und zusammen mit internationalen Profi-Künstlerinnen und -Künstlern in einer gemeinsamen Inszenierung auf die Bühne zu bringen. Die Bewerbung als Bochumer Projekt bei der RUHR.2010 – Kulturhauptstadt Europas wurde abgelehnt, trotzdem fand im Frühjahr 2009 das erste Castings statt. Gesucht wurden circa fünfzig junge Leute zwischen 16 und 25 Jahren, die Parkour, Freerunning, Tricking, Breakdance, Skateboarden, Biking oder andere Street Artistik Disziplinen konnten. Professionelle Trainerinnen und Trainer betreuten die ausgewählten jungen Talente an mehreren Workshopterminen sowie einem zweiwöchigen Trainingscamp, um deren Fähigkeiten zu verbessern und eine gemeinsame Choreografie einzustudieren. Erste kleinere Auftritte gab es unter anderem auf dem Zeltfestival Ruhr im August 2009.

Ab Januar 2010 trainierte das urbanatix-Ensemble in der entweihten und ausgeräumten Bochumer Marienkirche. In dem 700 Quadratmeter großen Kirchenschiff wurden dazu Trampoline, Obstacles, Tricking-Bahnen, ein Chinesischer Mast, Tanzspiegel, Rampen und vieles mehr aufgebaut. Im Gründungs- und Betreuerteam waren der Regisseure Christian Eggert, der Musikproduzent Sebastian Maier, Choreograph Takao Baba, Projektleiterin Carolin Hensel-Lippold, die Kostümbildnerin Jana Januschewski-Moze und Fachtrainer wie Hugo Noël vom kanadischen Cirque du Soleil für das Catwall Trampolin. Zeitweise kamen auch internationale Artisten wie Remi Martin und Eike von Stuckenbrok hinzu, mit denen gemeinsame Auftritte in der Show geplant wurden und später stattfanden.

Chronologie der Shows

Zwischenzeitlich von der RUHR.2010 als offizielles Kulturhaupstadt-Projekt nachnominiert, fand Pfingsten 2010 die erste Show mit 45 jungen Talenten und 8 internationalen Artisten in der Jahrhunderthalle Bochum statt. Die Kulissen auf der 600 Quadratmeter großen Bühne wurden während der Show mehrfach umgebaut, um mit Rampen oder Kästen entsprechende Sprungelemente für die Biker und Freerunner zu bieten.[2] Die fünf spätabendlichen und mitternächtlichen Vorstellungen mit jeweils 1200 Zuschauern waren vollständig ausverkauft und erzeugten ein positives Echo.[3][4][5][6]

Urbanatix trat im Europäischen Kulturhauptstadtjahr noch zu mehreren Veranstaltungen auf, wie zum Beispiel dem Zeltfestival Ruhr oder Bochum Total.[7] Außerdem inszenierte das Ensemble zur Extraschicht im Signal Iduna Park in Dortmund eine 40-minütige, eigens dafür choreografierte Show vor circa 10.000 Zuschauern. Im September 2010 gab es ein neues Casting, bei dem sich diesmal auch junge Frauen bewarben und ausgewählt wurden. Für Dezember 2010 wurde in einer Kooperation von der Agentur Dacapo-Kultur Offensiv und der Jahrhunderthalle eine neue Showreihe mit dreizehn Veranstaltungen realisiert. Diese waren durchgehend ausverkauft.[8] Zum Abschluss des Kulturhauptstadtjahres lud die RUHR.2010 an zwei Shows alle Mitarbeitenden, Sponsoren, Multiplikatoren und weitere Kulturschaffende ein. Durch dieses spezifische Publikum wurde urbanatix noch präsenter in der Szene und legte den Grundstein für weitere Aktivitäten.

Weitere Entwicklungen und die Show heute

Im November 2011 trat Urbanatix erneut in der Jahrhunderthalle Bochum auf. Das Grundkonzept blieb dabei erhalten, jedoch wurden die Shows kontinuierlich weiterentwickelt. Seitdem erhielt jede Inszenierung jährlich einen eigenen Titel und wurde zum Publikumsmagneten mit treuer Fangemeinde. Bis 2019 spielte urbanatix in der Jahrhunderthalle Bochum unter folgenden Titeln: Spinning Around (2011), CloseUp! (2012), sub:City (2013), Outside the Box (2014), Now! (2015), Drop the Beat (2016), Grooftop (2017), Road Trip (2018), x (2019).

Nach einer coronabedingten Pause in den Jahren 2020, 2021 und 2022 kehrte die Show 2023 mit neuer Spielzeit und anderem Veranstaltungsort zurück: Erstmals war Urbanatix in mehreren Shows unter dem Titel „XMas Edition“ zwischen Weihnachten und Neujahr in der Grugahalle Essen zu sehen und lockte insgesamt gut 20.000 Zuschauerinnen und Zuschauer an. Im Jahr darauf, 2024, trat Urbanatix unter dem Titel „time to play“ ein weiteres Mal zwischen dem 26. und 31. Dezember in der Grugahalle auf – mit je zwei Vorstellungen pro Tag und neuem Programm. Für 2025 sind im gleichen Zeitraum neun Shows geplant, zurück am Ursprungsort Bochum, diesmal im RuhrCongress Bochum. Das 15-jährige Jubiläum findet unter dem Titel „urbanatix:outa space“ statt.

Urbanatix on tour: Produktionen abseits der jährlichen Shows

Neben den jährlichen Shows gibt es auch maßgeschneiderte Produktionen von Urbanatix für verschiedene Kunden aus Kultur, Politik, Wirtschaft und Wissenschaft. Urbanatix spielt zum Beispiel auch auf Events wie Extraschicht, Ruhr Games und anderen bundesweiten Veranstaltungen. Drei Jahre hintereinander spielte Urbanatix im Rahmen des größten europäischen Festivals für Neuen Zirkus („Cirque Nouveau-Sommerfestival“) der Autostadt Wolfsburg vor internationalem und nationalem Publikum. Hierbei eröffnete das Ensemble jeweils die insgesamt zehn Shows auf der Open-Air-Hafenbühne vor jeweils 3.000 Zuschauerinnen und Zuschauern. Anlässlich des 20-jährigen Jubiläums der Philharmonie Salzburg durfte Urbanatix in der Salzburgarena mit der Produktion „Next Level“ auftreten.

Außerdem tourt die Inszenierung auch durchs Ausland, unter anderem mit Auftritten in Österreich und der Schweiz. Im Sommer 2024 war urbanatix in einer außergewöhnlichen Produktion erstmals in den Niederlanden zu sehen: Für das 40-jährige Jubiläum des Theaters Maaspoort arbeitete das urbanatix Team mit Street Culture Venlo zusammen und kreierte eine Show, bei der Profis und Street Artists aus dem Ruhrgebiet und aus Nordlimburg gemeinsam auf der Bühne performten. Die Show fand im Rahmen des Sommerfestivals Urban Connections statt.

Für 2024 entwickelte das Kreativteam von Urbanatix außerdem ein neues Format, das seine Premiere im Februar im Schauspielhaus Bochum feierte und als Projekt der Neuen Künste Ruhr mit Mitteln des Ministeriums für Kultur und Wissenschaft des Landes Nordrhein-Westfalen gefördert wurde. Die neue Tour-Produktion mit dem Titel „urbanatix:essence“ bringt eine Mischung aus Streetdance, Artistik, Schauspiel und Musik auf die Bühne. Dabei zeigt das zehnköpfige Team eine recht junge Kunstform, die sich Neuer Zirkus nennt und die erstmals in einem Schauspielhaus aufgeführt wird. Regie der neuen Inszenierung führten urbanatix-Initiator Christian Eggert und Theatermacher Frank Hörner vom Herner theaterkohlenpott. Weitere Gastspiele von urbanatix:essence waren bei den Ruhrfestspielen Recklinghausen im Theater Marl, den Flottmann-Hallen in Herne und beim Düsseldorf Festival in Düsseldorf und 2025 beim Atoll Festival in Karlsruhe zu sehen.

Die Idee hinter Urbanatix

Die Metropole Ruhr ist das viertgrößte zusammenhängende Stadtgebiet Europas. Hier hat sich wie in anderen großen Hauptstädten eine subkulturelle Jugendszene etabliert, die sich in Street Artistik ausprobiert, sie für sich entdeckt und weiterentwickelt. Diese urbane Kunst wie zum Beispiel Parkourlaufen, Biking, Tanz oder Skateboarden findet meist unentdeckt auf der Straße statt und wird in der Öffentlichkeit kaum wahrgenommen. Christian Eggert, Inhaber der Kulturagentur Dacapo, hatte daher die Idee, diese Talente auf die große Bühne zu bringen und sie einem breiten Publikum vorzustellen. Damit wollte er auf ihre Kreativität und ihr Können aufmerksam machen. Gleichzeitig bot er ihnen die Chance, sich weiterzuentwickeln, indem er die jungen Talente mit internationalen Stars der Artistik-Szene zusammenbrachte. Mit Urbanatix gelang es, das künstlerische Ausdruckspotential der Jugendlichen mit moderner, internationaler Artistik zu verbinden.

Urbanatix und das Open Space

Hinter dem Showformat Urbanatix steckt ein Konzept, das über die jährlichen Inszenierungen herausgeht. Seit 2015 gibt es die Trainingsstätte Open Space, die als Treffpunkt und Trainingszentrum für Street Artistik und moderne Bewegungskunst eröffnet wurde. Hier können sich junge Menschen kreativ ausprobieren und künstlerisch weiterentwickeln nach dem Motto „each one teach one“, also jeder lernt von jedem. Herkunft, sozialer Status, Alter oder Können spielen dabei keine Rolle. Bei der Kombination aus Urbanatix und Open Space geht es somit um ein bundesweit einmaliges Konzept gelebter Integrations- und Jugendarbeit.

Das Open Space ist eine frei zugängliche, 1.200 Quadratmeter große Halle, in der Kinder, Jugendliche und junge Erwachsene auf Gleichgesinnte treffen und sich im Tricking, Tanzen, Parkour, Biken, Luftakrobatik und weiteren Künsten üben. Alle haben die gemeinsame Leidenschaft für die Bewegung und erfahren dadurch, was sie verbindet. Dabei lernen sie etwas über sich selbst, über andere und über verschiedene Wege, sich auszudrücken. Das Open Space bietet auch die Möglichkeit, sich in Castings für die Shows von urbanatix zu präsentieren. Es lebt von einer besonderen Community. Auch abseits der Shows gibt es hier die Möglichkeit, Künstler zu fördern, zu vernetzen und sich eine Zukunftsperspektive aufzubauen. Außerdem bietet der Open Space Platz für zahlreiche Residenzen von internationalen Künstlergruppen, die den Ort jenseits der normalen Öffnungszeiten nutzen.

Betreiber des Open Space ist der Verein Open Space-Streetart und moderne Bewegungskunst e.V., gefördert mit Mitteln des Ministeriums für Kinder, Jugend, Familie, Gleichstellung, Flucht und Integration des Landes Nordrhein-Westfalen und des Kulturbüros der Stadt Bochum. Nach Angaben der Betreiber gibt es im Open Space monatlich über tausend Trainingsbesuche. Die Trainingsstätte kooperiert auch mit Schulen und sozialen Einrichtungen und bietet Workshops an. Für das innovative on-and-off-stage-Konzept wurden urbanatix und Open Space 2017 mit dem Europäischen Kulturpreis, dem N.I.C.E. Award, ausgezeichnet.

Bilder von der Show 2011

Einzelnachweise

Related Articles

Wikiwand AI