Urnes-Stil
Stilrichtung der Wikingerzeit
From Wikipedia, the free encyclopedia
Der Urnes-Stil ist die späteste Stilrichtung der Wikingerzeit. Erste Arbeiten im Urnes-Stil finden sich in der zweiten Hälfte des 11. Jahrhunderts, als die Wikingerkunst noch stark vom vorausgehenden Ringerike-Stil beeinflusst war. Der Urnes-Stil blieb bis zum Beginn des 12. Jahrhunderts in Gebrauch. Kennzeichnend für den Stil sind feinlinige, ineinander verflochtene Tierdarstellungen (drakslingor, dt. Drachenschlingen)[1].





Namensgebend für den Kunststil ist Urnes (manchmal auch Ornes), ein kleiner Ort am Ostufer des Lustrafjords, einem Seitenarm des Sognefjords in Norwegen. Der Ort ist vor allem sehenswert wegen der Stabkirche, deren Ursprung vor das Jahr 1100 zurückgeht und die als älteste Stabkirche Norwegens bezeichnet werden kann. Das erhaltene Gebäude stammt aus den 1130er Jahren.
Vor allem wegen ihres reich geschnitztes Nordportals, wurde sie 1979 in die Liste des UNESCO-Weltkulturerbes aufgenommen. Sie vereinigt in sich Spuren keltischer Kunst mit Traditionen der Wikinger und Bauformen der Romanik.
Weitere Schnitzereien im Urnes-Stil sind noch, wenn auch in einem stark verwitterten Zustand, an zwei Brettern des Portals der Kapelle von Bjølstad erhalten, die vom Vorgängerbau übernommen wurden. Ebenso weist das Nordportal des Chores der Stabkirche Hopperstad zwei ineinander verschlungende Ranken im Urnes-Stil auf, die bei Neubau der Stabkirche im 12. Jahrhundert wiederverwendet wurden.[2][3] Auch ein Fußbodenbrett des im Jahr 1880 abgerissenen Chores der Stabkirche Torpo weist die Reste einer ähnlichen Schnitzerei auf. Ebenso befanden sich solche am Giebelbrett der Stabkirche Rinde, die im 19. Jahrhundert abgerissen wurde.[2]
Der Urnes-Stil findet sich gemeinsam mit dem Mammen-Stil und dem Ringerike-Stil unter anderem auch auf dem Teppich von Bayeux.[4]
Auch in den Runensteinen der Runenmeister Fot und Balli lassen sich Details des Urnes-Stils feststellen. Ebenso in Metallarbeiten, wie Schmucknadeln, den sogenannten Urnesfibeln, der hölzernen Innenausstattung der Stabkirche Urnes und der Buchmalerei wurde der Urnes-Stil verwendet.[2]
Literatur
- Thorsten Andersson, Klaus Böldl, Frands Hersehend, Dieter Strauch, Sir David M. Wilson: Wikinger. In: Reallexikon der Germanischen Altertumskunde (RGA). 2. Auflage. Band 34, Walter de Gruyter, Berlin / New York 2007, ISBN 978-3-11-018389-4, S. 55–79.
- Sebastian Brather, Torsten Capelle: Wikingerzeit. In: Reallexikon der Germanischen Altertumskunde (RGA). 2. Auflage. Band 34, Walter de Gruyter, Berlin / New York 2007, ISBN 978-3-11-018389-4, S. 79–81.
- Egon Wamers (Hrsg.): Die letzten Wikinger – Der Teppich von Bayeux und die Archäologie. Archäologisches Museum Frankfurt am Main, Frankfurt am Main 2009, ISBN 978-3-88270-506-5