Ursulataler

silberner Gulden (Talermünze) der Stadt Köln From Wikipedia, the free encyclopedia

Der Ursulataler, andere Schreibweise Ursula-Taler, auch Dreikönigstaler genannt, ist ein silberner Gulden (Talermünze) der Stadt Köln, der 1512 und 1516 geprägt wurde. Die Talermünze zeigt auf der Vorderseite die Heiligen Drei Könige und auf der Rückseite die Legende der Heiligen Ursula. Es sind auch 12, 23 und doppelte Ursulataler sowie Goldabschläge bekannt. Spätere Nachprägungen wurden auch als zwei-, drei- und mehrfache Ursulataler geprägt. Sie sind an der fehlenden Jahreszahl erkennbar. Die späteren Nachschläge der Stadt Köln stammen aus dem frühen 17. Jahrhundert. Wahrscheinlich wurden sie zwischen 1610 und 1630 geprägt.[1]

Ursulataler von 1516, Vorderseite mit den Heiligen Drei Königen (Münzkabinett Berlin)
Rückseite mit der Heiligen Ursula in der Mitte (Münzkabinett Berlin)

Beschreibung

Der abgebildete Ursulataler von 1516 wurde ohne Münzmeisterzeichen in der Kölner Münze, Region Rheinland, geprägt. Der Taler ist aus Silber, hat einen Durchmesser von 45 mm und wiegt 28,26 g. Für die ordnungsgemäße Herstellung war der Münzmeister Heinrich von Lynnar verantwortlich.[2]

Vorderseite

Die Vorderseite zeigt die Heiligen Drei Könige,[3] von links nach rechts Melchior, Kaspar und Balthasar. Vor dem in der Mitte stehenden Kaspar ist der Stadtschild von Köln dargestellt.[4] Die Weisen aus dem Morgenland erscheinen als Könige mit Krone und Zepter. Unten im Abschnitt befindet sich eine Schriftzeile. Nach Michael Lilienthal und Carl Christoph Schmieder sind es die Worte „O FELI(x) COLO(nia)“ (O glückliches Colonia).[5] In der Umschrift „IASPAR (I statt K) – MELChlO(r) – BALT(h)AS(ar) – A(nno) D(omini) 1516“ befinden sich drei kleine Wappen, die angeblich die der drei Könige sind.[6]

Rückseite

Die Rückseite mit der Umschrift SANGVI(n)E – hI ROSEO REGNA VINCERE – SVPE(r)NA (= „Diese haben mit ihrem rosinfarbenen Blute [rosenfarbenen Blut] das himmlische Reich erworben.“[7]) zeigt ein Schiff mit der heiligen Ursula mit gefalteten Händen. In ihrer Brust steckt ein Pfeil. Rechts daneben steht der Papst St. Cyriacus (historisch nicht belegt) mit Tiara, in der Linken einen Doppelkreuzstab haltend. Links daneben steht Prinz Aetherius (nach Lilienthal ist es jedoch der Bischof zu Basel St. Pantulus). Dahinter sind einige der 11.000 Jungfrauen aus ihrem Gefolge zu sehen. Die Standarte oben rechts ist die der Bretagne. Die linke zeigt die drei übereinander gehenden Leoparden im Banner von England.[8]

Lilienthal erklärt, dass auf der Rückseite des Talers ein Schiff zu sehen ist,

„[…] darinnen sieben Personen stehen: es soll die heilige Ursula mit einigen ihrer 11.000 Jungfrauen, den Papst S. Cyriacus und den Bischoff zu Basel S. Pantulus vorstellen. Neben dem Mast-Baum stecken zwey Fahnen. Umschrift: SANGVInE HI ROSEO REGNA VICERE SVPErNA. Ist von mancherley Stempel […].“[9]

Zu den Standarten erklärt Köhler in seiner Münzbelustigung, dass im Schiff zwei Fahnen stecken;

„in denen zur Rechten sind drey über einander gehende Leoparden als das Wappen von Engelland / und in der Linken sind zwey reihen Hermelin, als das Wappen von klein Britannien / oder Bretagne in Frankreich.“[10]

Heilige Ursula, Gemälde von Carlo Crivelli (etwa 1435 bis 1495)

Legende

Die Heilige Ursula war eine Prinzessin der Bretagne, die einen englischen Prinzen heiraten sollte. Die Banner von England und der Bretagne sind deshalb auf der Rückseite des Talers zu sehen. Auf der Rückreise einer Wallfahrt nach Rom soll sie, nach dem auf das 4. Jahrhundert datierten Mythos, mit 11.000 Jungfrauen von Hunnen unter König Attila gefangen worden sein und dabei den Märtyrertod erlitten haben. Die Märtyrerin war zum Todeszeitpunkt acht Jahre alt.[11] Ihre Gebeine werden als Reliquien in der Kölner Kirche St. Ursula aufbewahrt.

In zeitgenössischen Quellen ist das Leben der Heiligen Ursula nicht bezeugt. Die Ursulalegende ist dennoch untrennbarer Teil der Geschichte der Stadt Köln. Mit dem Wappen der Stadt Köln, das sich mit geringem Unterschied auch auf dem Ursulataler befindet, lässt sich die Ursulalegende erklären. Das „redende Wappen“, sowohl auf der Talermünze als auch im Kölner Wappen, versinnbildlicht das Martyrium der Heiligen Ursula.[12] In der Amtskette des Oberbürgermeisters von Köln befindet sich an prominenter Stelle ein vergoldeter Ursulataler von 1516.

  • MA Shops: Ursulataler. Neuprägung von 1973 o.J. (1976) Die Neuprägung ist unter dem Abschnitt auf der Vorderseite mit 1976 gekennzeichnet. Allerdings sind diese Münzbilder im Vergleich mit dem Original mit Abweichungen im Detail behaftet und das Gewicht von 24,48 g unterscheidet sich vom Original (28,26 g). Auch daran ist diese Neuprägung zu erkennen.

Literatur

  • Helmut Kahnt: Das Große Münzlexikon von A bis Z, Regenstauf 2005.
  • Heinz Fengler, Gerd Gierow, Willy Unger: transpress Lexikon Numismatik, Berlin 1976.
  • Carl Christoph Schmieder: Handwörterbuch der gesammten Münzkunde. Halle und Berlin 1811.
  • Michael Lilienthal: Vollständiges Thaler Cabinet, das ist Historisch-Critische Bescheibung … Königsberg, Leipzig 1735.
  • Johann David Köhler: Münzbelustigung, Band 1, 1729, S. 257.
  • Oskar Schade: Die Sage von der heiligen Ursula und den elftausend Jungfrauen: Ein Beitrag zur Sagenforschung. 3. Auflage. Rümpler, Hannover 1854 (Digitalisat).

Einzelnachweise

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