Utila-Leguan

Art der Gattung Schwarzleguane (Ctenosaura) From Wikipedia, the free encyclopedia

Der Utila-Leguan (Ctenosaura bakeri) ist ein ungewöhnlicher Vertreter der Schwarzleguane, dessen Verbreitung auf die zu Honduras gehörende nur 42 Quadratkilometer kleine Karibikinsel Utila (Islas de la Bahía) beschränkt ist.[1]

Schnelle Fakten Systematik, Wissenschaftlicher Name ...
Utila-Leguan

Utila-Leguan (Ctenosaura bakeri)

Systematik
Ordnung: Schuppenkriechtiere (Squamata)
ohne Rang: Toxicofera
ohne Rang: Leguanartige (Iguania)
Familie: Leguane (Iguanidae)
Gattung: Schwarzleguane (Ctenosaura)
Art: Utila-Leguan
Wissenschaftlicher Name
Ctenosaura bakeri
Stejneger, 1901
Schließen

Beschreibung

Der deutsche Name Schwarzleguan bezieht sich auf die graubraune bis schwarze Färbung, die allen Schwarzleguanen in unterschiedlichem Umfang zu eigen ist. Utila-Leguane sind die einzigen Schwarzleguane, die bereits als Jungtiere beim Schlupf deutlich graubraun bis schwarz gefärbt sind; Jungtiere anderer Arten haben zunächst eine grüne Färbung.

Eine Studie von 2012 stellte fest, dass bei Utila-Leguanen die Männchen im Schnitt größer und schwerer sind als die Weibchen; auch ist der Schwanz bei Männchen länger bei vergleichbarer Kopf-Rumpf-Länge. Dabei wurde für Männchen eine durchschnittliche Kopf-Rumpf-Länge von 21,6 cm und für Weibchen 18,5 cm ermittelt.[2]

Männchen können aber eine Kopf-Rumpf-Länge von bis zu 40 cm und ein Maximalgewicht von 1 kg erreichen, während Weibchen eine Kopf-Rumpf-Länge 22,5 cm und ein Maximalgewicht von 450 g erreichen können.[3]

Utila-Leguane erreichen eine Gesamtlänge (Schnauze bis Schwanzspitze) von 56 bis 80 cm.[4]

Ökologie

Verbreitungsgebiet

Der Utila-Leguan kommt nach bisherigem Kenntnisstand endemisch im ca. 10 km² großen Mangrovenwald der honduranischen Karibikinsel Utila vor. Er ist ein Baumbewohner und lebt im nassen, schattigen Mangrovensumpf.[1] Die Anpassung an den salzig-feuchten Lebensraum der Mangrove ist eine Besonderheit dieser Art, alle anderen Schwarzleguane bevorzugen aride Habitate.

Die Leguane fressen die salzhaltigen Blättern der Mangrovenpflanzen sowie Krabben und Insekten.[1]

Fortpflanzung

Da die Gelege des Utila-Leguans in den feuchten Mangrovenwäldern nicht erfolgreich zum Schlupf kommen würden, wandern die trächtigen Weibchen zu Beginn der Trockenzeit an sonnige Sandstrände in der Nachbarschaft der Mangrove[1]. Auf Utila gibt es jedoch nur wenige sandige Strandabschnitte. Im März graben die Weibchen tiefe Höhlen in den Sand und legen 11 bis 15 Eier[5] ab. Das sind verglichen mit anderen Leguanarten eher wenige. Nach der Eiablage ziehen sich die Weibchen wieder in den Mangrovenwald zurück. Rund 85 Tage[5] später schlüpfen die Jungtiere und wandern zunächst in die buschigen Mangrovenrandbereiche.

Die Jungtiere sind durch Fressfeinde wie Krabben, Schlangen, Vögel sowie große Artgenossen gefährdet. Nur 5 % überleben das erste Jahr. Dazu kommt, dass die Eier der Leguane auf der Insel als Delikatesse gelten und oft ausgegraben werden. Auch trächtige Weibchen wurden am Strand gefangen und getötet, um an die Eier zu kommen. Das führte am Ende des 20. Jahrhunderts beinahe zur Ausrottung der Utila-Leguane.

Entdeckungsgeschichte

Ctenosaura bakeri wurde 1901 anhand von Tieren beschrieben, die der Washingtoner Zoo vom US-amerikanischen Konsul auf Utila geschenkt bekommen hatte. Es handelte sich um Weibchen, die an den Stränden der Insel gefangen worden waren. Nach ihrem Tod stellte sie der Zoodirektor Frank Baker, nach dem die Art benannt wurde, dem Herpetologen Leonhard Hess Stejneger für systematische Untersuchungen zur Verfügung.

Über die ungewöhnliche ökologische Einnischung war zunächst nichts bekannt und man nahm an, dass die Leguane im Strandbereich Utilas leben würden. Die Art galt bis Mitte der 1990er-Jahre als verschollen. Erst 1994 untersuchte Gunther Köhler als Doktorand der Johann Wolfgang Goethe-Universität Frankfurt am Main die Systematik der Schwarzleguane; beinahe zufällig stieß er in der Mangrove auf ein erwachsenes Männchen des Utila-Leguans.

Gefährdung und Schutz

Während Wissenschaftler die Art beinahe hundert Jahre lang vergeblich gesucht hatten, stand der Utila-Leguan (auf Englisch „Swamper“ genannt) schon lange auf der Speisekarte der Inselbewohner. Stetige Zuwanderung, u. a. durch den Tourismusboom auf den Islas de la Bahía, zu denen Utila gehört, hatte den Jagddruck auf die Art erhöht. Durch Initiative von Gunther Köhler und anderen Wissenschaftlern wurde der Utila-Leguan noch 1994 nach honduranischem Recht unter Naturschutz gestellt.

Seit Ende 2004 ist die Art auch auf der Roten Liste der bedrohten Arten der Weltnaturschutz-Union als „vom Aussterben bedroht“ (Engl.: „Critically endangered“) eingestuft (Stand 2025). Die letzte Beurteilung des Rote-Liste-Status fand im Jahr 2018 statt; dabei wurde die Population auf 3.000 bis 6.000 Tiere geschätzt (Stand 2025).[6]

Ein gemeinsames Artenschutzprojekt unter dem Namen „Schutzprojekt Utila-Leguan, Honduras“ wurde von der Senckenberg Gesellschaft für Naturforschung und der Zoologischen Gesellschaft Frankfurt 1994 ins Leben gerufen.[7] Im Jahre 1997 wurde dafür die Station „Iguana Research and Breeding Station“[8] (Deut.: Leguan Forschungs- und Zuchtstation) auf Utila eingerichtet, die sich der Aufklärung und Beratung der Bevölkerung und der Touristen widmet und ein Aufzuchtprogramm betreibt. Wie lange geplant wurde die Station 2008 dann in die Verantwortung der Bay Islands Foundation übergeben.[7] Im selben Jahr wurde das Projekt von der Regierung von Honduras as Nichtregierungsorganisation (NRO; englisch Non-governmental organization, NGO) anerkannt.[8]

Die Arbeit in der Station auf Utila wird zum Großteil von freiwilligen Helfern aus aller Welt durchgeführt[8]; die Station wird mit Spendenmitteln betrieben.

Commons: Utila-Leguan (Ctenosaura bakeri) – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

Related Articles

Wikiwand AI