Vaviquinia

Suco in Osttimor From Wikipedia, the free encyclopedia

Vaviquinia (Vavikinia) ist ein osttimoresischer Suco im Verwaltungsamt Maubara (Gemeinde Liquiçá).

Schnelle Fakten Daten ...
Vaviquinia
Küstenstraße beim Fort Maubara
Daten
Fläche 14,12 km²[1]
Einwohnerzahl 2.831 (2022)[2]
Chefe de Suco Aleixo de Araujo
(Wahl 2023)
Aldeias Einwohner (2015)[1]
Darulara 513
Delesuvati 381
Lebumeta 99
Morae 300
Nunuana 166
Pametapu 185
Vila 1032
Der Suco Vaviquinia
Maubara (Osttimor)
Maubara (Osttimor)
Maubara
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Geographie

Schnelle Fakten Orte, Position ...
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Vaviquinia liegt im Norden des Verwaltungsamts Maubara, am Ufer der Sawusee. Westlich befindet sich der Suco Gugleur und südlich und östlich der Suco Maubaralissa. Entlang der Grenze zu Maubaralissa fließt der Bahonu und mündet östlich vom Ort Maubara (Vila Maubara), am Ponta Camale Media Ilo, in die Sawusee. Der Mantaro entspringt im Grenzgebiet zu Gugleur folgt der Grenze, biegt dann nach Westen ab und kommt vereinigt mit dem Tikidur als Marae wieder zur Grenze, bis er die Sawusee erreicht.[4][5]

Im Norden befindet sich der Foho Vatuaba (245 m, !491.3792835625.1944755Lage) und im Nordwesten die Erhebungen Foho Maumanu (245 m, !491.3751785625.1782255Lage) und Foho Kailibar (492 m, !491.3694535625.1817285Lage).[6] Der höchste Punkt des Sucos liegt im Süden. Der Berg erreicht 802 m (!491.3500915625.1880605Lage).

Vaviquinia hat eine Fläche von 14,12 km²[1] und teilt sich in die sieben Aldeias Darulara, Delesuvati, Lebumeta, Morae, Nunuana, Pametapu und Vila.[4][7]

Maubara, der Hauptort des Verwaltungsamts, ist die größte Siedlung des Sucos und liegt im Nordosten an der Küste. Neben dem Sitz des Verwaltungsamtes befindet sich hier auch der Sitz des Sucos Vaviquinia. Ebenfalls am Meer liegt im Westen an der Mündung des Marae das Dorf Morae. Darulara befindet sich in einem Flusstal, südwestlich des Dorfes Maubara und östlich des Foho Vatuaba. Am Südhang des Foho Kailibar liegen die Dörfer Lebunicta und Lebumeta, während das Dorf Pabalebu sich auf einem Höhenzug westlich des Bahonu befindet. Zur Aldeia Nunuana im Süden gehören das Dorf Nunuana und die beiden kleinen Siedlungen Cicavae und Loroeso.[4][8]

Die nördliche Küstenstraße, eine der wichtigsten Verkehrswege des Landes, führt auch an der Küste Vaviquinias entlang. Vor Maubara Vila können Schiffe ankern. Im Ort befinden sich zwei Grundschulen, eine Präsekundarschule, eine Polizeistation und ein Hospital. Nur Cicavae verfügt ebenfalls über eine Grundschule.[4][8]

Einwohner

In Vaviquinia leben 2.831 Einwohner (2022), davon sind 1.408 Männer und 1.423 Frauen. Im Suco gibt es 525 Haushalte.[2] Über 87 % der Einwohner geben Tokodede als ihre Muttersprache an. Fast 13 % sprechen Tetum Prasa.[9]

Geschichte

Kolonialzeit

Fort Maubara
Kirche von Maubara (2014)

Nach der erfolgreichen Abwehr von einem Angriff von zwei Schiffen aus Sikka wurde von der Niederländischen Ostindien-Kompanie (VOC) eine Einheit aus hundert europäischen und balinesischen Soldaten, unter dem Kommando von Jacob Pietersz, nach Maubara entsandt, die ein Fort an einem Ort namens Dasitulu errichtete. Um das Fort herum entstand der heutige Ort Maubara. 1759 kehrte Pietersz mit einer neuen Einheit Soldaten zurück und musste erneut einen Angriff auf Maubara abwehren. Wer die Angreifer waren ist nicht bekannt.[10.1][11]

1760 griffen die Portugiesen mit einer Streitmacht aus dem Osten Maubara erneut an. Ein VOC-Schiff mit vierzig Mardijker-Soldaten vertrieb den Feind. 1761 zog VOC-Kommandant Hans Albrecht von Plüskow die balinesischen Soldaten aus Maubara ab. Nur zwölf Europäer blieben als kleine Besatzung in Fort Maubara. José Xavier Doutel, der Herrscher von Maubara, bat daher in Kupang um erneute Verstärkung. Um dem Nachdruck zu verleihen, schickte er große Mengen an Sandelholz und Bienenwachs als Geschenk.[10.2][12]

Im Vertrag von Lissabon vereinbarten die Niederländer 1859 im Rahmen eines größeren Gebietsaustauschs Maubara an die Portugiesen abzutreten. Die Übergabe erfolgte im April 1861. 1869 beschrieb der Kapitän der portugiesischen Korvette Sa de Bandeira Maubara als eine Ansammlung einiger Hütten aus Stroh und Palmblättern, eine davon gehörte dem Kommandanten des dortigen Distrikts. Das Fort aus losen Steinen, nah am Meeresufer, war zu diesem Zeitpunkt nur noch mit einer einzelnen, rostigen Kanone bestückt.[13.1]

Ab der Mitte des 19. Jahrhunderts ließen sich Hakka-Händler in Maubara nieder. Es entstand eine ganze chinesische Siedlung. Der Historiker René Pélissier nennt für 1883 eine Anzahl von 300 chinesischen Einwohnern in Maubara, eine Zahl, die eher unwahrscheinlich ist. Da seltener Frauen unter den Einwanderern waren, heirateten sie oft einheimische Frauen. Die Chinesen gründeten Geschäfte und betrieben im Hinterland Handel bis in das Tal des Lóis. Für den Export kaufte man Kaffee, für den Markt in Maubara lokale Waren und verkaufte Importwaren, unter anderem auch Opium.[10.3] 1878 vermeldete der Alferes Esteves Angriffe und Plünderung von chinesischen Häusern durch die lokale Bevölkerung und, dass ein Angriff auf das Fort drohe. Esteves forderte 300 Mann zur Verstärkung aus Liquiçá an. In Fort Maubara waren 1878 nur ein Fähnrich, ein Quartiermeister (furriel), zwei Korporale (cabo) und fünf Soldaten (soldados) stationiert. In der Zollstation, die 1889 errichtet wurde, versahen zusätzlich ein Sergeant und sechs weitere Soldaten ihren Dienst.[10.4]

Anfang Juni 1886 ermordeten Krieger unter dem Befehl von Dom José Calau einen Hakka in Vaviquinia. Am Strand von Maubara drohten sie, Dom António, dem Major des Reiches und einen Timoresen namens Assu den Kopf abzuschlagen. Francisco Pedro de Mira Feijo Elvaim, der portugiesische Kommandant des Forts informierte sofort Gouverneur Alfredo de Lacerda Maia (1885–1887) und dieser eilte mit einer kleinen Truppe nach Maubara, um die Mörder gefangen zu nehmen. Dabei geriet Maia in einen Hinterhalt und musste sich zum Fort Maubara zurückziehen. Nach einigen Gefechten zwang Maia Dom José Calau zur Unterzeichnung eines Friedensabkommens.[10.5]

Während der Revolte von Maubara 1893 versammelten sich die portugiesische Truppen in Maubara und zogen dann gegen die verschiedenen Dörfer Maubaras. Am 9. Juni 1893 brannten sie das Dorf Morae nieder.[10.6] Da nach den Kämpfen viele Leichen liegen blieben, brach die Cholera aus. Die chinesische Gemeinde in Maubara war sehr stark betroffen. Bis Anfang 1894 zählte man durch die Seuche allein in Maubara 279 Todesfälle. Die Seuche breitete sich aber über die Region hinaus aus.[10.7]

Grab von Liurai José Nunes in Vila

Im August 1975 kam es zum Bürgerkrieg zwischen UDT und FRETILIN. Liquiçá und Maubara wurden zu Hochburgen der UDT. Ihre lokalen Führer waren der Liurai von Maubara Gaspar Correia da Silva Nunes, Maubaras Administrator Adelino Tinoco, die Brüder José und Joaquim Sanches und João Pina. Im Fort Maubara und der Grundschule des Ortes wurden hunderte vermeintliche FRETILIN-Anhänger von der UDT interniert. Am 27. August übernahm die FRETILIN die Kontrolle über die koloniale Hauptstadt Dili.[14] Die UDT-Führung zog sich Anfang September zuerst nach Liquiçá, dann am 7. September mit Gefangenen und tausenden Zivilisten nach Maubara zurück. Am 15. September nahm die FRETILIN die Stadt Liquiçá ein. Gaspar Nunes und Adelino Tinoco flohen zusammen mit João Viegas Carrascalão mit einem kleinen Boot von Morae aus in das indonesische Westtimor.[10.8] Auch große Teile der Bevölkerung Vaviquinias floh aus Angst vor Gewalt nach Indonesien.[15]

Indonesische Besatzungszeit und Unabhängigkeit

Kurz darauf begann Indonesien Osttimor zu besetzen, das sich gerade für unabhängig erklärt hatte. Indonesische Kriegsschiffe beschossen Maubara am 2. Juni, dann drangen Soldaten des 403. indonesischen Armeebataillons in den Ort ein, ohne auf Gegenwehr zu stoßen. Die timoresischen Einwohner waren in die Berge geflohen, geblieben waren nur die Hakka-Familie, die sich in einem Haus versammelten und verbarrikadierten. Chinesische Zeugen berichteten von den folgenden Ereignissen: Die Indonesier fragten gezielt nach zwei chinesischen Einwohnern, doch diese waren nach Australien geflohen. Daraufhin verlangten die indonesischen Soldaten nach Gold, aber die Hakka hatten keine Wertsachen. Soldaten derselben Einheit hatten zuvor in Liquiçá Gold von den Hakka-Familien dort eingesammelt. Verärgert trieben die Indonesier die Familien die Hauptstraße hinunter zum Fort Maubara, wo die Männer von den Frauen getrennt wurden.[10.9] Eine der älteren Hakka-Frauen sprach Indonesisch. Sie verriet den Soldaten, dass zwei Männer sich mit zwei Dutzend Kindern nahe dem chinesischen Friedhof versteckten. Am Tag darauf brachte die Frau die Soldaten zum Friedhof und forderte die Geflohenen auf, in den Ort zurückzukommen. Dort angekommen, wurden sie zu den gefangenen Frauen gebracht, die auf dem Feld vor der Verwaltung warteten. Die anderen Männer waren weggebracht worden. Die Zurückgebliebenen glaubten, sie würden vielleicht als Träger (tenaga bantuan operasi, TBO) von den Indonesiern eingesetzt. Doch später erzählte den Hakka ein Timorese, der bei dem Bataillon diente, dass alle Hakka-Männer von den Indonesiern erschossen wurden. Die Leichen waren zum Hügel Leoborai Rau gebracht und dort verbrannt worden. Die Namen von 15 chinesischen und einem timoresischen Opfer hier sind bekannt.[10.10] Ein Jahr später entdeckte man bei Ebbe die sterblichen Überreste von weiteren 50 chinesischen Männern am Strand. Sie wurden eingesammelt und im Friedhof beerdigt.[10.11][15][16]

In Maubara gründete die FALINTIL die base de apoio Malehui, eine Widerstandsbasis, die Zuflucht für Flüchtlinge aus Maubara, Leimea-Craic, Railaco, Atsabe, Ainaro und Zumalai bot. Später wurde die Basis von den Indonesiern zerstört. Ende 1979 gab es sogenannte Transit Camps, in denen die Besatzer osttimoresische Zivilisten internierten, im Ort Maubara und in Lebumeta.[15]

1999 versuchten pro-indonesische Milizen (Wanra) die Stimmung vor dem Unabhängigkeitsreferendum am 30. August mit Gewalt zu beeinflussen. Aus dem Dorf Maubara stammt eine der gefürchtetsten Wanra Osttimors, die Besi Merah Putih (BMP), die vor allem in diesem Subdistrikt zwangsrekrutierte und hier auch ihr Hauptquartier hatte. Viele Menschen flohen aus Angst vor den Zwangsrekrutierungen. Bereits ab Januar 1999 war die BMP aktiv. Sie beging vor dem Referendum und nach der Bekanntgabe der Entscheidung für die Unabhängigkeit Hunderte von Verbrechen. Am 19. Januar griff die BMP den Ort Maubara an, worauf viele Einwohner nach Leotala flohen.[15]

Am 16. März umzingelte die pro-indonesische Miliz Besi Merah Putih (BMP) das Konvent der Karmelitinnen in Morae. Man beschuldigte die Nonnen, sie würden die Unabhängigkeitsaktivisten unterstützen und drohte alle zu töten.[17.1]

Am 19. Januar 1999 griff die BMP den Ort Maubara an, worauf viele Einwohner nach Leotala flohen. Am 15. Februar wurde Vatuvou überfallen. Lissadila und Maubaralissa wurden zu Geisterstädten. Ihre Einwohner flohen nach Sare (Distrikt Ermera). Allein dort versammelten sich bis zu 6.000 Flüchtlinge und blieben bis zum Eintreffen der INTERFET im September 1999. Fast 2.700 Flüchtlinge aus Vatuvou und Maubara versammelten sich im März in Gariana (Vatuvou), 375 bei den Karmeliternonnen in Lissadila.[15]

Am 4. April 1999 zerstörten BMP-Milizionäre in Maubara Häuser von Unabhängigkeitsbefürwortern und legten Feuer. Danach flüchteten 25 Milizionäre in das Hauptquartier der Armee in Maubara (Koramil). Die Bevölkerung war in Wut geraten und umzingelte den Stützpunkt, bewaffnet mit Pfeil und Bogen und mit Macheten, doch Pastor Rafael, José Afat, der Chefe de Suco und der Militärkommandant Carlos dos Amaral konnten den Mob von einer Stürmung abhalten. Tags darauf griffen Milizionäre, zusammen mit Polizisten und Soldaten der Koramil, Unabhängigkeitsbefürwortern an oder verhafteten sie. Zwei Einwohner Maubaras wurden dabei getötet. Um 8 Uhr morgens zogen die Miliz und Sicherheitskräfte aus Maubara ab, in Richtung Liquiçá. Als man das in Liquiçá hörte, zog eine Gruppe an die Grenze zwischen den Subdistrikten, um sie Miliz zu stoppen. Es kam zu einem Zusammenstoß. Die Sicherheitskräfte, die auf beiden Seiten der Straße waren, versuchten nicht den Kampf zu verhindern, sondern schossen auf die Menschen. Zwei Personen wurden getötet, sieben starben. Die Miliz zog weiter nach Liquiçá, wo es am 6. April 1999 zum Kirchenmassaker von Liquiçá kam, einen der schlimmsten Vorfälle während der gesamten Gewaltwelle im Umfeld des Referendums.[17.2]

Die Wahrheits- und Freundschaftskommission führte mehrere Versöhnungsprozesse (community reconciliation processes CRP) auf Suco-Ebene in Maubara durch. In Vaviquina traten 2004 nur drei Zeugen auf, da (laut dem Administrator Maubaras) es sonst nicht zu einer Versöhnung gekommen wäre. Danach arbeiteten über hundert Menschen – ehemalige Milizionäre und Befürworter der Unabhängigkeit gleichermaßen – gemeinsam fünf Tage lang an der Instandsetzung von vier Kilometern Straße.[10.12]

Politik

António dos Santos (2016)
Sitz des Sucos in Maubara

1952 war Ussi Vili Chefe de Suco von Vaviquinia, ein Verwandter von José Nunes, dem Liurai von Maubara. Er war von den Portugiesen eingesetzt worden.[18] 1964 hatte das Amt Lúcio da Silva Nunes inne.[19]

Bei den Wahlen von 2004/2005 wurde António dos Santos zum Chefe de Suco gewählt[20] und 2009 in seinem Amt bestätigt.[21] Bei den Wahlen 2016 gewann Alcino Nunes[22] und 2023 Aleixo de Araujo.[23]

2023 wurden als Chefe de Aldeias gewählt: Paulino do S. Lopes (Darulara), Filomino Afonso (Delesuvati), Manuel Lopes (Lebumeta), Manuel Carion do Santos (Morae), Mariano L. do Santos (Nunuana), Almeiro do Santos (Pametapu) und Felix do Santos (Vila).[23]

Wirtschaft

Gemeiner Wimpelfisch (Heniochus acuminatus) in Maubara

Vor der Küste des Ortes Maubara befinden sich Tauchplätze, die touristisch erschlossen sind.

Persönlichkeiten

Commons: Vaviquinia – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

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