Veitsaurach
Ortsteil der Stadt Windsbach
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Veitsaurach (fränkisch: Faits-aura[2]) ist ein Gemeindeteil der Stadt Windsbach im Landkreis Ansbach (Mittelfranken, Bayern).[3] Die Gemarkung Veitsaurach hat eine Fläche von 4,792 km². Sie ist in 814 Flurstücke aufgeteilt, die eine durchschnittliche Flurstücksfläche von 5886,57 m² haben.[4] In ihr liegen neben dem namensgebenden Ort die Gemeindeteile Buckenmühle und Lanzendorf.[5]
Veitsaurach Stadt Windsbach | |
|---|---|
| Koordinaten: | 49° 17′ N, 10° 53′ O |
| Höhe: | 374 (374–402) m ü. NHN |
| Einwohner: | 270 (25. Mai 1987)[1] |
| Eingemeindung: | 1. Mai 1978 |
| Postleitzahl: | 91575 |
| Vorwahl: | 09871 |
Ortsansicht | |

Geografie
Das Pfarrdorf liegt im Tal der Aurach, in die links der Lanzenbach und Klingengraben münden. Nördlich des Ortes liegt der Weinberg (412 m ü. NHN), südlich der Schlossberg mit einem Burgstall.
Die Kreisstraße AN 17 führt über die Buckenmühle nach Rudelsdorf (2,1 km südöstlich) bzw. nach Bertholdsdorf (0,8 km westlich). Gemeindeverbindungsstraßen verlaufen nach Lanzendorf (1,1 km nördlich) und nach Kettersbach zur AN 15 (1,6 km südlich). Ein Wirtschaftsweg führt nach Suddersdorf zur AN 28 (1,6 km südwestlich).[6]
Geschichte
Der Ort wurde 1183/95 als „Urahe“ erstmals urkundlich erwähnt. Der Ortsname leitet sich vom Flussnamen Aurach ab. Zur Unterscheidung von vier gleichnamigen Orten in näherer Umgebung erhielt er den Zusatz des Kirchenpatrons, dem Heiligen Veit (erstmals 1364 als „Veiczawrach“ bezeugt).[7]
1187 wurde von Bischof Otto von Eichstätt die auf einer Bergnase errichtete Kirche geweiht. Weltlicher Patron der Kirche war der Graf von Abenberg. Im Jahr 1193 erteilte das Kloster Heilsbronn Veitsaurach das Pfarrrecht.
Laut dem eichstättischen Salbuch (ca. 1300) unterstanden im Ort 7 Huben, 9 Lehen, 2 Widdemgüter, 2 Häuser und 1 Mühle dem Hochstift Eichstätt.[8] Um 1400 gab 17 Untertansfamilien: 15 Höfe waren eichstättisch, 1 Hof gehörte dem Heilig-Geist-Spital der Reichsstadt Nürnberg und 1 Hof gehörte zur Ausstattung der Windsbacher Gottesruhkapelle St. Stephan.[9] Für das Kollegiatstift St. Nikolaus zu Spalt wurden in den Salbüchern von 1380, 1517 und 1549 jeweils eine abgabenpflichtige Untertansfamilie in Veitsaurach angegeben.[10]
Im 16-Punkte-Bericht des Oberamts Windsbach aus dem Jahr 1608 wurden für Veitsaurach 17 Mannschaften verzeichnet: 1 Gut unterstand dem Rat zu Windsbach, 5 Bauern und 10 Köbler dem eichstättischen Kastenamt Abenberg und 1 Bauer der Reichsstadt Nürnberg. Daneben gab es noch die Pfarrkirche und das Gemeindehirtenhaus. Das Hochgericht übte das brandenburg-ansbachische Kasten- und Stadtvogteiamt Windsbach aus.[11] 1632 wurde der Ort im Dreißigjährigen Krieg durch die Schweden zerstört. Der Wiederaufbau begann erst ab 1655.[12] Im Eichstätter Salbuch von 1671 wurden für Veitsaurach wieder 19 Untertansfamilien verzeichnet, wovon 17 dem Kastenamt Abenberg unterstanden, 1 dem Kastenamt Windsbach und 1 der Reichsstadt Nürnberg.[13]
In der Amtsbeschreibung des Pflegamtes Lichtenau aus dem Jahr 1748 wurden für den Ort 13 Untertansfamilien angegeben, wovon eine dem Pflegamt unterstand und der Rest Fremdherren.[14]
Gegen Ende des 18. Jahrhunderts gab es in Veitsaurach 25 Anwesen. Das Hochgericht übte das Kasten- und Stadtvogteiamt Windsbach aus, die Dorf- und Gemeindeherrschaft hatte das Kastenamt Abenberg. Grundherren waren das Kastenamt Abenberg (23 Anwesen: 4 Höfe, 1 Dreiviertelhof, 8 Güter, 2 Mühlen, 1 Tafernwirtschaft, 1 Gütlein mit Backgerechtigkeit, 6 Halbhäuser), das Spital- und Katharinenklosteramt der Reichsstadt Nürnberg (1 Fünfachtelhof) und das Kastenamt Windsbach (1 Gütlein). Neben den Anwesen gab es noch kommunale (Hirtenhaus) und kirchliche Gebäude (Pfarrhof, Pfarrkirche).[15] Es gab zu dieser Zeit gab es 24 Untertansfamilien, von denen 1 ansbachisch war.[16] Von 1797 bis 1808 unterstand der Ort dem Justiz- und Kammeramt Windsbach.[17]
1806 kam Veitsaurach an das Königreich Bayern. Im Rahmen des Gemeindeedikts wurde Veitsaurach dem 1808 gebildeten Steuerdistrikt Bertholdsdorf und der 1810 gegründeten Ruralgemeinde Bertholdsdorf zugeordnet.[18] Mit dem Zweiten Gemeindeedikt (1818) entstand die Ruralgemeinde Veitsaurach, zu der Buckenmühle und Lanzendorf gehörten.[19] Sie war in Verwaltung und Gerichtsbarkeit dem Landgericht Heilsbronn zugeordnet und in der Finanzverwaltung dem Rentamt Windsbach. Von 1862 bis 1879 gehörte Veitsaurach zum Bezirksamt Heilsbronn, seit 1880 zum Bezirksamt Ansbach (1939 in Landkreis Ansbach umbenannt) und zum Rentamt Heilsbronn (1919–1929: Finanzamt Heilsbronn, seit 1929: Finanzamt Ansbach). Die Gerichtsbarkeit blieb beim Landgericht Heilsbronn (1879 in Amtsgericht Heilsbronn umbenannt), seit 1956 ist das Amtsgericht Ansbach zuständig.[17] Die Gemeinde hatte 1964 eine Gebietsfläche von 4,806 km².[20] Im Zuge der Gebietsreform in Bayern wurde Veitsaurach am 1. Januar 1978 nach Windsbach eingemeindet.[21][22]
Historisches Bildmaterial
- Karte Veitsaurach 1816
- Karte Veitsaurach 1870
- ca. 1911
- Gasthaus Arnold mit Kirche
- Handlung Joseph Dörr

Historische Beschreibung
Im Geographischen statistisch-topographischen Lexikon von Franken (1804) wird der Ort folgendermaßen beschrieben:
„Eichstättisches Pfarrdorf von 24 Unterthanen im Oberlande zum Pfleg- und Kastenamte Abenberg gehörig, aber noch im Fraischbezirke des Ansbachischen Oberamtes Windsbach 11⁄2 Stunden etwas westnördlich von Abenberg an dem Aurachflusse gelegen, der darinn eine Mühle treibt. Die Pfarre gehört der Kollegiate zu Spalt, sie war einst derselben incorporirt, und vom jüngsten Kanoniker versehen. Dermal ist ein eigner Pfarrer allda, und sind die Weiler Brunn, Leiperslohe, Kettersbach und Lanzendorf, dann die Buckemühle dahin gepfarrt. Ein Unterthan allda ist, so wie die Fraisch, Ansbachisch, alle übrigen Unterthanen, Rechte und Gerechtigkeiten samt der Erbtafern, Schmidstadt, Badstube und dem Hirtenstabe sind Eichstättisch.
Es werden jährlich 2 Märkte allda nebst dem Kirchweihrechte gehalten, einer am Veitstage, der andere am Sonntage nach Michaelis. Im Jahre 1425 hat der Eichstättische Bischoff Johann II. ein Herr von Heideck den damaligen Zehnt, der ein Eichstättisches Lehen war, unter andern auch dem Konrad und Heinrich, Gebrüdern von Lentersheim gegen einige Güter zu Stadel zugeeignet, dermal gehört der dortige kleine Zehnt zur Pfarre, der große aber zu 2⁄3 der Kollegiate in Spalt, und 1⁄3 davon dem Spital zu Schwabach.“[23]
Baudenkmäler
- Katholische Pfarrkirche St. Vitus: Chorturmkirche, Turm bezeichnet 1512, Saalbau 1622, Umbau und Erweiterung des Langhauses in neugotischen Formen 1880; mit Ausstattung; Friedhof; Kirchhofbefestigung, im Kern mittelalterlich, mit Grabsteinen.[24]
- Pfarrhaus, zweigeschossiger massiver Satteldachbau, um 1700; Nebengebäude, Scheune, eingeschossiger Satteldachbau, Natursteinmauerwerk, mit Fachwerkgiebel, wohl um 1800.[24]
Bodendenkmäler
In der Gemarkung Veitsaurach gibt es fünf Bodendenkmäler, darunter
- Siedlung vor- und frühgeschichtlicher Zeitstellung im Luftbild, ca. 500 m nördlich der Veitskirche[24]
Bürgermeister
- 1818–1821 Anton Arnold
- 1821–1827 Adam Disterer
- 1827–1828 Franz Anton Wurn
- 1828–1833 Joseph Disterer
- 1833–1836 Johann Kaspar Disterer
- 1836–1854 Kaspar Wieler
- 1854–1882 Georg Disterer
- 1882–1890 Georg Schmidt
- 1890–1906 Joseph Endres
- 1906–1930 Johann Schmidt
- 1930–1945 Johann Domeier
- 1945–1946 Johann Arnold (bestellt von der amerikanischen Militärregierung)
- 1946–1960 Josef Dörr
- 1960–1964 Hans Hoffmann (Lehrer)
- 1964–1978 Johann Georg Disterer
Einwohnerentwicklung
Gemeinde Veitsaurach
| Jahr | 1818 | 1840 | 1852 | 1855 | 1861 | 1867 | 1871 | 1875 | 1880 | 1885 | 1890 | 1895 | 1900 | 1905 | 1910 | 1919 | 1925 | 1933 | 1939 | 1946 | 1950 | 1952 | 1961 | 1970 |
|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|
| Einwohner | 227 | 287 | 314 | 317 | 336 | 349 | 372 | 360 | 369 | 354 | 340 | 370 | 368 | 379 | 358 | 352 | 351 | 333 | 321 | 481 | 396 | 401 | 382 | 382 |
| Häuser[25] | 47 | 51 | 64 | 66 | 64 | 64 | 69 | 73 | ||||||||||||||||
| Quelle | [26] | [27] | [28] | [28] | [29] | [30] | [31] | [32] | [33] | [34] | [35] | [35] | [36] | [35] | [35] | [35] | [37] | [35] | [35] | [35] | [38] | [35] | [20] | [39] |
Ort Veitsaurach
Religion
Der Ort ist römisch-katholisch geprägt und Sitz der Pfarrei St. Vitus.[15][41] Die Einwohner evangelisch-lutherischer Konfession sind nach St. Georg (Bertholdsdorf) gepfarrt.[20]
Wirtschaft
Bildung und Kultur
Öffentliche Einrichtungen
Es gibt eine städtische Kindertagesstätte. Die katholische öffentliche Bücherei wurde Ende 2014 geschlossen.
Freizeit
Viele Rad- und Wanderwege führen durch Veitsaurach oder sind in der Nähe: Der Kloster-, Kirchen- und Kartoffelradweg,[42] die Fernwanderwege Hopfenweg und Parzifal-Weg.[43] In der Nachbargemeinde Kammerstein gibt es im Staatsforst Heidenberg den Sagenwanderweg.[44]
Vereine

- Bauwong Veitsaurach (gegründet 2020)
- Freiwillige Feuerwehr Veitsaurach (gegründet am 3. Dezember 1895)
- DJK Veitsaurach (gegründet am 26. Januar 1958) (Fußball Herren, Fußball Damen, Fußball AH, Fußball Jugend, Gymnastik)
- Schnupferverein
- Theatergruppe Veitsaurach
- Kerwaboum und -madli Veitsaurach (neu gegründet 1994)
- Katholischer Frauenbund
Regelmäßige Veranstaltungen
- DJK-Faschingsball im Landgasthof Schwarz (Faschingszeit)
- Pfarrfest (Christi Himmelfahrt)
- Veitskerwa am DJK-Sportgelände (drittes Juni-Wochenende)
- Johannisfeuer am DJK-Sportgelände (Freitag nach Johannistag)
- Familienwochenende am DJK-Sportgelände (drittes Juli-Wochenende)
- Kirchweihschießen (Anfang Oktober)
- Allerweltskerwa im Gasthaus Arnold (dritter Sonntag im Oktober)
- Aufführungen der Theatergruppe Veitsaurach im Landgasthof Schwarz (Mitte November)
- Alle 2 Jahre finden im Dezember die Veitsauracher Adventsfenster statt. Beim gemütlichen zusammen sein werden an 23 Abenden die geschmückten Adventsfenstern der jeweiligen Gastgeber bewundert. Am 24. Dezember wird das Adventsfenster immer in der Kirche „geöffnet“.
Söhne und Töchter des Ortes
- Franz Jakob (* 17. November 1891 in Veitsaurach; † 10. September 1965 in Ingolstadt), deutscher Politiker.
Bilder
Literatur
- Franz Xaver Buchner: Das Bistum Eichstätt. Historisch-statistische Beschreibung, auf Grund der Literatur, der Registratur des Bischöflichen Ordinariats Eichstätt sowie der pfarramtlichen Berichte. Band 2: K–Z. Broenner & Daentler, Eichstätt 1938, DNB 365380032, S. 672–680 (Digitalisat).
- Johann Kaspar Bundschuh: Veitsaurach. In: Geographisches Statistisch-Topographisches Lexikon von Franken. Band 6: V–Z. Verlag der Stettinischen Buchhandlung, Ulm 1804, DNB 790364328, OCLC 833753116, Sp. 5–6 (Digitalisat).
- Karl Dunz: Windsbach – Heimat und Kulturgeschichte der Stadt mit allen Ortsteilen. Neuendettelsau 1985, OCLC 633891512, S. 285–291.
- Elisabeth Fechter: Die Ortsnamen des Landkreises Ansbach. Inaugural-Dissertation. Erlangen 1955, DNB 480570132, OCLC 872378821, S. 188.
- Günter P. Fehring: Stadt und Landkreis Ansbach (= Bayerische Kunstdenkmale. Band 2). Deutscher Kunstverlag, München 1958, DNB 451224701, S. 144–145.
- Ludwig Hefele: Geschichte der Pfarrei Veitsaurach. Funk Druck, Eichstätt 1977, OCLC 633144632.
- Georg Paul Hönn: Veits-Aurach. In: Lexicon Topographicum des Fränkischen Craises. Johann Georg Lochner, Frankfurt und Leipzig 1747, OCLC 257558613, S. 377 (Digitalisat).
- Manfred Jehle: Ansbach: die markgräflichen Oberämter Ansbach, Colmberg-Leutershausen, Windsbach, das Nürnberger Pflegamt Lichtenau und das Deutschordensamt (Wolframs-)Eschenbach (= Historischer Atlas von Bayern, Teil Franken. I, 35). Kommission für bayerische Landesgeschichte, München 2009, ISBN 978-3-7696-6856-8.
- Konrad Rosenhauer u. a. (Hrsg.): Der Landkreis Ansbach. Vergangenheit und Gegenwart. Verlag für Behörden und Wirtschaft Hoeppner, Aßling-Pörsdorf 1964, DNB 450093387, OCLC 17146040, S. 199.
Weblinks
- Stadtteile > Veitsaurach. In: windsbach.de. Abgerufen am 16. Juni 2023.
- Veitsaurach in der Ortsdatenbank von bavarikon, abgerufen am 3. September 2021.
- Veitsaurach in der Topographia Franconiae der Uni Würzburg, abgerufen am 14. September 2019.
- Veitsaurach im Geschichtlichen Ortsverzeichnis des Vereins für Computergenealogie, abgerufen am 21. Februar 2025.

