Venus Frigida
Gemälde von Peter Paul Rubens
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Venus Frigida (Sine Cerere et Baccho friget Venus) ist ein Gemälde des flämischen Barockmalers Peter Paul Rubens aus dem Jahr 1614.[1] Das Tafelbild zeigt die mythologische Gestalt der Venus zusammen mit Amor (Cupido) und einem Satyr. Es befindet sich in der Sammlung des Königlichen Museums für Schöne Künste Antwerpen (Inventarnummer 709).[1] Die Ikonografie des Bildes bezieht sich auf ein geflügeltes Wort aus der römischen Literatur: einen Sinnspruch, der aus der Komödie Eunuchus des Dichters Terenz stammt. Der Sinnspruch „Sine Cerere et Baccho friget Venus“ bedeutet, dass die Liebe ohne Nahrung und Wein verkümmert.

Für die Gestaltung der Pose der Venus ließ sich Rubens von antiken Vorbildern inspirieren. Das Museum in Antwerpen verweist auf eine römische Statue aus der Sammlung des Palazzo Farnese, die sich heute im Museo Archeologico Nazionale in Neapel befindet und die Rubens gesehen haben soll. Für das Gemälde Venus frigida ist kein direkter Auftraggeber überliefert. Es scheint nicht im Rahmen eines konkreten Auftrags entstanden zu sein, sondern eher als eigenständiges Werk für den Kunstmarkt oder für Rubens’ engeren Kreis von Sammlern und Humanisten.
Beschreibung und Ikonografie
Zu sehen ist ein Satyr, der versucht, die frierende Venus mit einem Füllhorn voller Ähren, Trauben und weiterer Früchte zu erwärmen. Seine Attribute verweisen auf die Gottheiten Ceres (Fruchtbarkeit, Nahrung) und Bacchus (Wein). Neben ihr sitzt der ebenfalls frierende, geflügelte Amor auf einem unbenutzten Köcher voller Pfeile. Venus ist hockend in Dreiviertelansicht von hinten dargestellt. Diese Pose geht auf eine römische Skulptur der Venus aus dem 1. Jahrhundert n. Chr. zurück. Sie befindet sich heute im Museo Archeologico Nazionale in Neapel (Inventarnummer 6297). Rubens hatte die Skulptur im Palazzo Farnese gesehen.[1]
- Bilddetail Amor
- Bilddetail Venus
- Signatur und Datum auf dem Stein links unten
- Hockende Venus aus der Sammlung Farnese, Archäologisches Museum Neapel
- Hockende Venus aus der Sammlung Farnese, Archäologisches Museum Neapel
Format und Veränderungen
Ursprünglich besaß das Gemälde ein annähernd quadratisches Format, was durch eine Kopie des 17. Jahrhunderts in West Wycombe Park (Buckinghamshire) dokumentiert ist. Die originale Holztafel von Rubens mit den Maßen 121 × 95 cm wurde später erweitert: links um 69 cm durch zwei Bretter, oben und rechts jeweils um 20 cm. Dendrochronologische Untersuchungen belegen, dass das Holz für die Verbreiterungen frühestens im Jahr 1640 gefällt wurde. Die Vergrößerung des Landschaftshintergrunds erfolgte somit nach Rubens’ Tod durch einen unbekannten Maler.[1]
Provenienz
Vermutlich Michiel Peeters (1651–1729), Antwerpen, sein Inventar von 1729, Cavel B, Nr. 19 (naeckte Venus Rubens … gl. 550), hinterlassen an seine Witwe Anna Catharina Goos für ihre Kinder; Joannes Andreas Norbertus Peytier de Merchten (1706–1764), Schöffe von Antwerpen; dessen Witwe Maria–Theresia Peeters (1717–1789); ihre Versteigerung, Antwerpen (Grange), 3. August 179, Losnr. 1 (P.P. Rubens. Antiope presque nue, assise sur une draperie rouge, & vue par le dos; …); gekauft von ihrer Tochter Joanna Maria Claudia Peytier (1751–1785), Ehefrau von Gaspar Carolus Knyff (1746–1797), Antwerpen; durch Erbschaft an ihre Tochter Léonce de Knyff (1813–1866) und deren Ehefrau Anna van der Heyden (1842–1895), Antwerpen; verkauft an Philippe Joseph Allard (1805–1877), Brüssel; vom Museum 1881 von den Erben Allard erworben.[1]
Rezeptionsgeschichte
Im 18. Jahrhundert wurde das Gemälde fälschlicherweise als Darstellung von Jupiter in Gestalt eines Satyrs identifiziert, der sich Antiope, der Tochter des thebanischen Königs Nykteus, nähert.[1]
Werkgruppe
Das Rubens-Gemälde Venus Frigida gehört zu einer kleinen Gruppe von Arbeiten, die Rubens eher ungewöhnlicherweise signierte und datierte. Zu dieser Werkgruppe zählen die folgenden Gemälde:
- Jupiter und Kallisto (Kassel, Gemäldegalerie, Inventarnummer GK86)[2]
- Susanna und die Alten (Stockholm, Nationalmuseum, Inventarnummer 603)[3]
- Die Flucht nach Ägypten (Kassel, Gemäldegalerie, Inventarnummer GK87)[4]
- Die Beweinung Christi (Wien, Kunsthistorisches Museum, Inventarnummer 515)[5]
- Amor, der seinen Bogen schnitzt (München, Alte Pinakothek, Inventarnummer 1304)[6]
Literatur
- Nils Büttner: Corpus Rubenianum Ludwig Burchard (Allegories and Subjects from Literature) Band XII, Band 2, 2018.
- C. Denk, E. Paul, K. Renger (Hrsg.): Venus. Bilder einer Göttin. Herausgegeben von den Bayerischen Staatsgemäldesammlungen. München 2001, S. 168–169, Nr. 18 (K. Renger)