Verbundabdichtung
Bauwerksabdichtung
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Eine Verbundabdichtung (auch Abdichtung im Verbund oder abgekürzt AIV) ist eine Bauwerksabdichtung, die unmittelbar mit einem darauf aufgebrachten Belag – in der Regel Fliesen oder Platten aus Keramik, Naturstein und Betonwerkstein – kraftschlüssig verbunden ist. Die Anwendungsbereiche liegen hierbei im Innenraum (z. B. Badezimmer und Duschen), auf Außenflächen (z. B. Terrassen und Balkonen) und im Behälterbau (z. B. Schwimmbecken) Das System basiert auf flüssig zu verarbeitenden, bahnenförmigen oder plattenförmigen Abdichtungsstoffen, die mit dem Fliesenkleber und dem späteren Belag eine funktionale Einheit bilden.
Historische Entwicklung
Erstmalig wurde im Februar 1988 durch den Fachverband des deutschen Fliesengewerbes im Zentralverband des deutschen Baugewerbes das ZDB-Merkblatt Hinweise für die Ausführung im Verbund mit Bekleidungen und Belägen aus Fliesen und Platten für Innenbereiche veröffentlicht. In diesem waren ausschließlich Regelungen für flüssig zu verarbeitende Abdichtungen erfasst. Allgemein wurden Kriterien für die Zulässigkeit der unterschiedlichen Stoffe definiert. Im September 1995 folgte dann das Merkblatt Prüfung von Abdichtungsstoffen und Abdichtungssystemen. In den 2000er Jahren wurden durch das DIBT erstmalig Prüfgrundsätze für Verbundabdichtungen veröffentlicht, zunächst für flüssig zu verarbeitende Systeme, später auch für bahnenförmige und für plattenförmige. Bei erfolgreicher Prüfung kann ein allgemeines bauaufsichtliches Prüfzeugnis – umgangssprachlich "abP" genannt – eingeholt werden. 2022 folgte hier die Ergänzung für die AIV-N. Im Lauf der Jahre wurden mehrfach Überarbeitungen des genannten ZDB-Merkblatts veröffentlicht, viele Fachverbände brachten eigene Fachinformation und Merkblätter heraus, so der Bundesinnungsverband der Steinmetze (BIV), der Bundesverband Estrich und Belag (BEB), der euroFEN und der Bundesverband der Gipsindustrie. Parallel entstanden auf europäischer Ebene Prüfverfahren zur Erzielung einer europaweit gültigen ETA. Endgültig als etabliert in Deutschland einzustufen sind Verbundabdichtungen mit der Veröffentlichung der Normen DIN 18531 (Dachabdichtungen), DIN 18534 (Innenraumabdichtungen) und DIN 18535 (Behälterabdichtungen) im Juli 2017.
Unterscheidung ETA und abP
Das abP ist juristisch auf die Anwendbarkeit in Deutschland beschränkt, in anderen Ländern findet der EU findet es teilweise wohlwollend Anerkennung. Durch das abP wird die Verwendbarkeit in Nassräumen (z. B. Badezimmer) und auch in Behältern (z. B. Schwimmbecken) bestätigt, ggf. auch in Kombination mit höheren chemischen Belastungen (z. B. in Großküchen). Die ETA beschränkt sich auf Nassräume ohne chemische Beanspruchung, im Grund Badezimmer, Duschen und Duschanlagen.
Funktion und Wirkweise
Die Verbundabdichtung dient dazu, den Untergrund vor Feuchtigkeit zu schützen, indem die Abdichtungsschicht direkt mit dem Oberbelag verbunden wird. Oberbelag sind hier in aller Regel Fliesen und Platten aus Keramik, Naturstein oder Betonwerkstein. Dabei übernimmt der Oberbelag nicht nur eine dekorative, sondern auch eine schützende und lastverteilende Funktion.
Verbundabdichtungen sind immer Systeme aus vielen Einzelkomponenten, die in der Kombination auch geprüft und zugelassen werden. Neben dem Abdichtungsstoff selbst sind dies vor allen Dingen Dichtbänder, Dichtecken und Dichtmanschetten, jeweils als Formteile und der jeweilige Fliesenkleber. Auch Wannenranddichtbänder, Ablaufrinnen und Bodenabläufe werden in Kombination mit den Abdichtungsstoffen geprüft.
Unterschiedliche Verbundabdichtungssysteme
Flüssig zu verarbeitende Abdichtungen (AIV-F)
Zu unterteilen sind AIV-F in drei Hauptkategorien. Dies sind Dispersionsabdichtungen, Kunststoff-Mörtel-Kombinationen (sogenannte flexible Dichtschlämmen) und Reaktionsharzabdichtungen.
Dispersionsabdichtungen (umgangssprachlich auch Elefantenhaut oder Flüssigfolie) sind die einfachste Form der Abdichtung. Sie sind immer zweilagig einzubauen, in Kontrastfarben, mit einer Gesamttrockenschichtdicke von mindestens 0,5 mm. Typischer Anwendungsfall ist die Wandfläche in einer privaten Dusche.

Dichtschlämmen sind höherwertigere Abdichtungssysteme, auch zweilagig zu applizieren, mit einer Gesamttrockenschichtdicke von mindestens 2,0 mm. Typische Anwendungsbereiche sind Bodenflächen in Duschen, Wand- und Bodenflächen in Duschanlagen, Balkone und Terrassen oder Schwimmbeckenabdichtungen.
Reaktionsharzabdichtungen basieren meist auf PU-Harzen, seltener auf Epoxidharz. Auch sie sind mindestens zweilagig aufzutragen, bedingen aber in aller Regel auch eine Grundierschicht. Die Gesamtschichtdicke liegt nach Norm bei mindestens 1,0 mm. Sie eignen sich auch für den Einsatz in Bereichen mit höherer chemischer Beanspruchung, z. B. in Gewerbeküchen oder Brauereien.
Bahnenförmige Abdichtungen (AIV-B)
AIV-B sind bahnenförmige Abdichtungen, welche in der Regel mit einem Kleber auf den Untergrund aufgeklebt werden. In selteneren Fällen gibt es auch selbstklebende Systeme. Sie eignen sich zur Anwendungen insbesondere in Badezimmern, aber auch bei chemischen Belastungen. Systematischer Aufbau ist in der Regel eine mindestens 0,2 mm dicke Dichtschicht, welche ober- und unterseitig mit einem Vlies ausgestattet ist, um die Verkrallbarkeit eines Klebers herstellen zu können. Einschränkungen haben die Systeme betreffend der Aufnahmefähigkeit von mechanischen Beanspruchungen, insbesondere Schub, bedingt durch ihren konstruktiven Aufbau. Sie sind normenseitig auf Anwendungen als Innenraumabdichtungen und Abdichtungen von Balkonen und Terrassen beschränkt.
Plattenförmige Abdichtungen (AIV-P)

Plattenförmige Abdichtungen basieren auf EPS- oder XPS-Hartschaumplatten, welche entweder mit einer Abdichtungsbahn, einer flexiblen Dichtschlämme oder einem Reaktionsharz als Abdichtungsschicht beschichtet sind. Wasserundurchlässige XPS Hartschaumplatten nach DIN EN 13164 und mit einer Rohdichte von > 30 kg/m³ nach DIN EN 1602 sowie mit einer werkseitigen Beschichtung ohne abdichtende Funktion sind auch zulässig. Oft findet dieser Abdichtungstypus als vorgefertigtes Duschelement Anwendung.
Abdichtungen mit Nutzbelägen (AIV-N)
Weblinks
Literatur
- "Bauchemie" Knobloch, Schneider, 4. Auflage, Werner-Verlag ISBN 3-8041-4576-0
- "baustoffkunde für den Praktiker" baustoffwissen.de ISBN 978-3-87463-430-4
- DIN 18534
- "Fussbodenatlas", Alexander Unger
- "Planer XI", Sopro Bauchemie, 2022