Verdi. Roman der Oper

Roman von Franz Werfel From Wikipedia, the free encyclopedia

Verdi. Roman der Oper ist ein 1924 erschienener Künstlerroman von Franz Werfel.

Handlung

In Werfels Roman fährt der Komponist Giuseppe Verdi 1882 an Weihnachten nach Venedig um einen kranken Freund zu besuchen. Vor der Rückreise geht er ins Theater „La Fenice“, wo gerade sein künstlerischer Antipode, der selbstbewusste und erfolgreiche Richard Wagner eine Privataufführung dirigiert. Wagner erkennt Verdi nicht, es werden keine Worte gewechselt. Im Januar 1883 kommt Verdi wieder inkognito nach Venedig. Er selbst arbeitet seit langem an einer neuen Oper, König Lear, deren Komposition ihm Schwierigkeiten macht. Er empfindet sich selbst als Vertreter eines älteren Opernstils, einer alten Ordnung. Das wird ihm auch durch Gespräche und Diskussionen mit seinen langjährigen Freunden schmerzlich bestätigt. Verdi befindet sich seit bald zehn Jahren in einer Schaffenskrise; der Vergleich zwischen seinen eigenen, längst zurückliegenden Erfolgen und Wagners völlig neuartigen Opern lässt ihn nicht los. Er kommt schließlich auf den Gedanken, dass er nur wegen Wagner, „dem Deutschen“, nach Venedig gereist ist.

Mit den Personen „Gritti“ und „Matthias Fischböck“ im Roman stellt Werfel den Gegensatz zwischen Verdi und Wagner in den Kontext von Vergangenheit und Zukunft der Operngeschichte. Gritti ist ein 104-jähriges Unikum und Überbleibsel vom Ende der Barockzeit, ein Aristokrat, der allabendlich seine Opernvorstellung besucht und Opernzettel sammelt. Fischböck ist ein Komponist atonaler Musik, den der inkognito in Venedig auftretende Verdi zufällig kennenlernt, als Fischböcks blondes Kind beim Spielen über Verdis Stiefel stolpert. Fischböck hat kein Unterlegenheitsgefühl seiner Musik gegenüber der Wagners.

Die zweite und letzte Begegnung Verdis mit Wagner findet am Karnevalstag 1883 statt. Wieder bleibt Verdi inkognito, und Wagner, der ihn im Gedränge leicht anstößt, entschuldigt sich höflich bei dem ihm unbekannten Herren. Das Orchester spielt ein Potpourri aus Stücken von Verdi, und der Maestro meint zu erkennen, dass Wagner eine „sehr abfällige Handbewegung“ macht. Im anschließenden Maskenzug wird L’Orfeo von Claudio Monteverdi dargestellt, der wegbereitend für die Entwicklung der Gattung „Oper“ war.

Nach dem Karnevalstag 1883 gibt Verdi die Arbeit an seinem Lear auf und verbrennt rigoros die bereits entstandenen Skizzen. Seine Krise gipfelt in einem nächtlichen Ohnmachtsanfall. Er findet am 13. Februar 1883 den Mut, Wagner aufzusuchen; dieser ist aber eine Viertelstunde vor dem Eintreffen Verdis beim Palazzo Vendramin gestorben. Verdi überbringt dem todkranken Fischböck ins „Ospedale civile“ die fingierte Nachricht der Publikation seiner Kompositionen und zahlt den angeblichen Vorschuss des Musikverlegers aus, womit er der Familie hilft. Nach dieser berührenden Begegnung wird Verdi durch das einzige Wort „vendetta“ wieder an die Macht der Musik erinnert. Aus diesem ersten Funken wird, viel später, seine nächste Oper Otello entstehen.

Stilistik

Werfel verwendet in seinem Werk eine besondere Erzählweise: Alles, was in diesem Roman passiert, wird ausschließlich aus der Perspektive Verdis geschildert, ohne dass dieser bewusst Nachrichten an einen Leser übermittelt. Damit fungiert diese Hauptfigur gleichzeitig als Reflektorfigur des Romans.

Sonstiges

Werfels Werk erschien am 4. April 1924 als erstes Werk in dem von Paul Zsolnay gegründeten Paul Zsolnay Verlag und bildete mit seinen in kürzester Zeit verkauften 60.000 Exemplare den finanziellen Grundstein des Verlages.

Buchausgaben

  • Erstausgabe: Zsolnay, Berlin/Wien/Leipzig 1924
  • leicht veränderte („neu durchgesehene“) Ausgabe: ebd. 1930
  • aktuelle Taschenbuch-Ausgabe: Fischer, Frankfurt am Main 1992, ISBN 3-596-29456-8

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