Verflucht normal

britische Filmbiografie aus dem Jahr 2025 From Wikipedia, the free encyclopedia

Verflucht normal (Originaltitel: I Swear, was auf Deutsch unter anderem „ich fluche“ oder „ich schwöre“ bedeutet) ist eine britische Filmbiografie aus dem Jahr 2025. Regisseur des Filmdramas ist Kirk Jones, der auch das Drehbuch schrieb. Dargestellt wird das Schicksal des Schotten John Davidson, der in einer Zeit, als die Krankheit noch praktisch unbekannt ist, am Tourette-Syndrom erkrankt und Jahrzehnte sowie Hilfe von außen benötigt, um seinen Platz im Leben zu finden.

TitelVerflucht normal
OriginaltitelI Swear
OriginalspracheEnglisch
Schnelle Fakten Titel, Originaltitel ...
Film
Titel Verflucht normal
Originaltitel I Swear
Produktionsland Vereinigtes Königreich
Originalsprache Englisch
Erscheinungsjahr 2025
Länge 121 Minuten
Altersfreigabe
Stab
Regie Kirk Jones
Drehbuch Kirk Jones
Produktion Georgia Bayliff,
Kirk Jones,
Piers Tempest
Musik Stephen Rennicks
Kamera James Blann
Schnitt Sam Sneade
Besetzung
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Handlung

Im Jahr 1983 lebt der 12-jährige John Davidson mit seinen Eltern in der südostschottischen Kleinstadt Galashiels. Er ist beliebt und begeistert sich für Fußball, wo er als Torwart großes Talent aufweist und der ganze Stolz seines Vaters ist. Als ein Talentscout eines Profi-Fußballvereins angekündigt wird, entwickelt er motorische Störungen und koprolalische Anfälle, für die er zunächst keine Erklärung hat. Nach einem durch solche Tics verursachten Zwischenfall in der Schule züchtigt ihn der Direktor durch Schläge auf die Handinnenfläche. Wegen der dadurch entstandenen Verletzungen und wegen seiner Tics verpatzt er sein nächstes Fußballspiel und damit seine Chance, den anwesenden Talentscout zu beeindrucken. Nachdem er seinen wütenden Vater beim Abendessen unwillentlich bespuckt und Vater wie Mutter davon ausgehen, dass Johns Ausfälle willentlich geschehen, sind die Familienverhältnisse nachhaltig zerrüttet. Der Vater wendet sich von der Familie ab und zieht schließlich aus, wofür John sich die Schuld gibt. Er unternimmt einen Suizidversuch, wird aber gerettet. Die Mutter akzeptiert schließlich sein Leiden.

Im Jahr 1996 lebt der inzwischen 25-jährige John noch bei seiner Mutter; die Geschwister sind mittlerweile ausgezogen. Mittlerweile wurde bei ihm das Tourette-Syndrom diagnostiziert, das als unheilbar gilt. Die Behandlung mit Haloperidol hilft kaum, bringt aber starke Nebenwirkungen mit sich. Seiner Mutter ist er eine große Last, aber auch einziger sozialer Bezugspunkt. Eine Veränderung in Johns eintönigem Leben tritt ein, als sein ehemaliger Schulfreund Murray nach einem mehrjährigen Auslandsaufenthalt zurückkehrt, um seine krebskranke Mutter Dottie zu unterstützen. Diese, eine ehemalige Fachkrankenpflegerin in der Psychiatrie, erkennt, dass Johns Leiden in seinem aktuellen sozialen Umfeld keine Chancen auf Linderung hat, und bietet ihm an, zu ihr und ihrer Familie zu ziehen, was John gegen den Willen seiner Mutter annimmt. Ihre Motivation ist, in ihrer verbleibenden Lebenszeit jemandem zu helfen. In Dotties Haushalt wird er mit all seinen Problemen akzeptiert, was ihm sichtlich guttut.

Auf Dotties Vermittlung hin spricht der langzeitarbeitslose und demoralisierte John für eine Stelle als Assistent des Hausmeisters im lokalen Bürgerzentrum vor. Hausmeister Thomas „Tommy“ Trotter weiß um Johns Krankheit und stellt ihn trotz mehrerer Pannen während des Bewerbungsgesprächs ein. Er wird zu einer väterlichen Bezugsperson und legt John nachdrücklich nahe, dass nicht er das Problem sei, sondern das Unwissen seiner Umwelt, und dass die Gesellschaft über seine Krankheit aufgeklärt werden müsse.

Eines Tages findet John Tommy tot in dessen Wohnung auf; mutmaßlich war er an einer natürlichen Ursache gestorben. In der Folge wird John vom Assistenten zum Hausmeister befördert; zeitgleich stellt sich die Krebserkrankung seiner Ersatzmutter Dottie als Fehldiagnose heraus. Nachdem das nahegelegene Krankenhaus eine Familie zu ihm schickt, deren Tochter am Tourette-Syndrom leidet und die sich sichtlich erleichtert zeigt, mit einem an der gleichen Krankheit Leidenden sprechen zu können, greift John den Rat seines Mentors Tommy auf und beginnt, Öffentlichkeitsarbeit zum Thema Tourette-Syndrom zu betreiben. Seine Workshops für Betroffene und Angehörige im Bürgerzentrum werden wahrgenommen; er kann Vorträge an Schulen und vor Polizeieinheiten halten und einem immer größer werdenden Publikum vermitteln, was das Tourette-Syndrom ist und wie man als Betroffener, Angehöriger oder Unbeteiligter damit umgehen kann. Sein Engagement wird 2019 durch die Verleihung des Order of the British Empire durch die britische Königin Elisabeth II. gekrönt, der er vor Aufregung im Rahmen eines Tics ein „Fuck the Queen!“ entgegenschleudert.

Der Film endet mit dokumentarischen Szenen aus dem Leben des realen John Davidson.

Entstehungsgeschichte

Regisseur und Drehbuchschreiber Kirk Jones wurde durch den Dokumentarfilm John's Not Mad über das Schicksal des realen John Davidson zu seinem Film inspiriert.[2] Seine Faszination für Davidsons Geschichte begründete er damit, dass sie zugleich „unglaublich traurig“ und gelegentlich humorvoll sei. Er hatte die Dokumentation 1989 gesehen und griff das Thema 2022 auf der Suche nach einem neuen Filmmotiv wieder auf. Nach seiner Aussage stellt das Drehbuch eine „Dramatisierung der tatsächlichen Geschichte“ Davidsons dar, sei aber „zu 98 % authentisch“.[3] Das Thema Tourette-Syndrom erschwerte anfangs die Produktion des Films – das erste Studio, dem Jones sein Drehbuch antrug, lehnte es mit der Begründung ab, dass es zu viel Gefluche enthalte.[4] Um die Finanzierung sicherzustellen, verkaufte Jones sein Zweithaus in London (sein Hauptwohnsitz lag im günstigeren Bristol). Durch die teilweise Selbstfinanzierung konnte Jones eine größere kreative Freiheit erzielen als bei einer kompletten Fremdfinanzierung.

I Swear war Jones’ erster Langfilm seit My Big Fat Greek Wedding 2, der 2016 erschien. Produziert wurde der Film letztendlich von den Firmen One Story High und Tempo Productions; neben Kirk Jones fungierten Georgia Bayliff (Paradise Highway) und Piers Tempest (Die Frau des Nobelpreisträgers) als Produzenten. Tempest hatte zwei Tourette-Patienten im Familienkreis, was ihm die Entscheidung erleichterte.[3] John Davidson stand dem Filmteam beratend zur Seite und wird in den Credits als Executive Producer aufgeführt. Jones und Tempest waren federführend bei der Konzipierung der Produktion. Aus Kostengründen fokussierten sie sich auf einen möglichst schnellen Produktionsablauf, was den Verzicht auf geldgebende, aber Mitsprache einfordernde Institutionen erforderte, so wurden beispielsweise keine öffentlichen Förderungen beantragt.

Jones erwog eine Zeitlang, Davidson am Ende des Films sich selbst spielen zu lassen. Probeaufnahmen enttäuschten aber Jones’ Erwartungen, und die Idee wurde fallengelassen. Im August 2024 wurden die Rekrutierung von Robert Aramayo für die Rolle des John Davidson sowie weitere Besetzungsnamen bekanntgegeben.[5] Ungewöhnlicherweise fand für die Rollenbesetzung kein Casting statt, stattdessen engagierte Jones den Schauspieler aufgrund eines Bauchgefühls, was möglich war, da er selbst den Film zu einem signifikanten Teil finanziert hatte.[6] Überzeugt hatte Jones Aramayos Spiel in der Netflix-Serie Sie weiß von Dir aus dem Jahr 2021.[4] Mehrere Nebenrollen wurden mit Tourette-Patienten besetzt. Zur Vorbereitung auf seine Rolle nutzte Aramayo den zugrundeliegenden Dokumentarfilm und begleitete Davidson über Monate hinweg bei seinem Alltag in Galashiels. Die Dreharbeiten fanden im Juli und September 2024 in Glasgow statt und dauerten 30 Tage. Der Soundtrack des Films, kuratiert von Stephen Rennicks, umfasst unter anderem Werke von New Order, Oasis, Paul Weller, Portishead, Primal Scream und Supergrass.[7]

I Swear hatte seine Premiere beim Toronto International Film Festival im September 2025. Der Film kam am 10. Oktober 2025 in die britischen Kinos. Wegen der inhaltsbedingt häufigen Fluchereien erhielt er im Vereinigten Königreich eine Freigabe ab 15 Jahren.[3]

Nachdem John Davidson den Film über sein Leben erstmals sah, erlitt er einen Herzinfarkt, den er überlebte.[4]

Rezeption

Wertungen
Blu-Ray.com 8/10[8]
The Guardian 4/5[9]
The Independent 4/5[10]
Metawertungen
Rotten Tomatoes 100 %[11]

An den Kinokassen spielte I Swear am Eröffnungswochenende vom 10. bis zum 12. Oktober 2025 gut 1,35 Millionen Euro ein.[12] Stand März 2026 lag der Umsatz des Films im Vereinigten Königreich bei gut 7,2 Millionen Euro; dazu kamen geringfügige internationale Umsätze.

Stand März 2026 waren von den bei Rotten Tomatoes aggregierten Kritiken 100 Prozent positiv.[11]

Der britische Guardian stellte hinsichtlich der im Film dargestellten Diagnoseprobleme einen Zusammenhang mit der „Überdiagnose-Debatte“ hinsichtlich ADHS und Autismus her. Redakteur Peter Bradshaw analysierte, dass die zahlreichen Tics im Film humoristische Züge trügen, aber niemals ironisierend oder belehrend eingesetzt würden. Der Film lege Wert darauf, dass Tourette eine Erkrankung, aber keine Behinderung sei. In Summe sei I Swear ein packender, leidenschaftlicher Film.[9] Für den ebenfalls britischen Independent setzte I Swear zwar auf „vorhersehbar ergreifende Genre-Konventionen“, gehe aber subtil und schlau mit der Krankheit des Hauptdarstellers um. I Swear folge der britischen Tradition des Films über Kleinstadt-Underdogs, unterwerfe Davidsons Schicksal aber nicht einer Mainstream-Dramaturgie, sondern folge den tatsächlichen Ereignissen und verhindere so, zu einem „Wohfühl“-Film zu verkommen.[10] Blu-Ray.com befand, I Swear sei in formeller Hinsicht eine gewöhnliche Filmbiografie, das Spiel von Robert Aramayo sei allerdings „sensationell“ und stelle die inneren Kämpfe seines Charakters mit vollem Körpereinsatz dar. Der Film stelle auf eindrucksvolle Weise die Demontage des Lebens des jugendlichen John und sein einsames Leiden ohne Verständnis von dessen Ursachen dar. Im weiteren Verlauf sei der Film lehrreich, bleibe dabei aber stets zugänglich.[8]

Auszeichnungen

Bei den British Independent Film Awards im November 2025 wurden I Swear und sein Personal für neun Preise nominiert.[4] Der Film gewann in den Kategorien „Best Lead Performance“ und „Best Casting“. Für den British Academy Film Award gab es Nominierungen in sechs Kategorien.[13] Sieger wurden auch hier Robert Aramayo als bester Hauptdarsteller und Lauren Evans für das beste Casting; zusätzlich gewann Aramayo den Publikumspreis EE Rising Star Award.

Einzelnachweise

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