Verschlussfang
Vorrichtung bei einigen Handfeuerwaffen, die den Verschluss nach dem Abfeuern der letzten Patrone in geöffneter, rückwärtiger Position hält
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Der Verschlussfang (engl. bolt catch oder bolt hold-open device) ist eine Vorrichtung bei einigen Handfeuerwaffen, die den Verschluss nach dem Abfeuern der letzten Patrone in geöffneter (rückwärtiger) Position hält. Die Munition für die Waffe wird dabei durch ein Magazin bzw. Magazinkasten zugeführt.
Neben halb- und vollautomatische gibt es auch Repetierwaffen mit einem Verschlussfang, z. B. den Karabiner 98k.
Bei Pistolen wird der Verschlussfang als Schlittenfang bezeichnet.
Funktionsweise
Der Verschlussfang wird bei leerem Magazin durch eine entsprechende Fläche am Magazinzubringer während des Rücklaufs des Verschlusses in die obere Position gedrückt. Beim anschließenden Vorlauf des Verschlusses läuft dieser auf den Verschlussfang auf. Der Verschluss wird durch den mittels Haftreibung arretierten Verschlussfang in offener Position festgehalten. Hierdurch wird dem Schützen angezeigt, dass das Magazin leer ist und die letzte Patrone gezündet hat. Nach dem Wechseln des Magazins muss der Verschlussfang lediglich gelöst werden. Dadurch entfällt ein zusätzliches Durchladen mit dem Spannschieber, um die Waffe wieder schussbereit zu machen, was ein schnelleres Nachladen ermöglicht.
Je nach Bauart der Waffe wird der Verschlussfang auf unterschiedliche Art gelöst:
- durch Zurückziehen des Verschlusses bzw. des daran angebrachten Spannschiebers, z. B. beim SKS,
- durch Einstecken eines Magazins, z. B. beim EM-2,
- durch Drücken des Verschlussfanghebels, z. B. beim AR-10 (alternativ kann bei dieser Waffe auch die erste Methode verwendet werden, da der Verschlussfang federbelastet ist)
- Verschlussfanghebel einer AR-10: Wird die Oberseite des Hebels gedrückt, bewegt sich der Verschlussfang nach unten und der arretierte Verschluss schnellt nach vorne. Wird die Unterseite gedrückt, bewegt sich der Verschlussfang nach oben und man kann den Verschluss in seiner hinteren Position arretieren.
- Der Verschlussfang der Waffe reicht durch die Aussparung (roter Kreis) bis ins Magazin hinein und wird durch den sich nach oben bewegenden Magazinzubringer nach oben gedrückt.
- M27 mit offenem Verschluss während des Magazinwechsels
- Nach einem Magazinwechsel betätigt der Schütze den Verschlussfanghebel.
Weitere Funktionen

- Bei einigen Waffen, z. B. dem SKS, dient der Verschlussfang auch zum einfacheren Befüllen mittels Ladestreifen.
- Ein offener Verschluss fördert die Kühlung und wirkt so der selbständigen Zündung einer überhitzten Patrone entgegen.
- Der Lauf kann leichter mit einer Reinigungsschnur gereinigt werden.
- Ein hinten arretierter Verschluss kann die Beseitigung einer Ladehemmung vereinfachen.[1][2]
- Ist der Verschluss hinten arretiert, kann man leicht erkennen, ob sich eine Patrone im Patronenlager befindet.[2][3] So muss z. B. der Verschluss einer abgelegten Waffe auf Schießständen grundsätzlich offen sein.
- SKS wird mittels Ladestreifen geladen
- Patronenlager einer M14 wird inspiziert
Nachteile
Nachteilig ist die erhöhte Komplexität der Waffe. Außerdem kann durch den offenen Verschluss leichter Schmutz in die Waffe gelangen. Einige Waffen – wie z. B. die Kalaschnikows oder das FN FNC – haben daher keinen Verschlussfang.
Literatur
- Technische Informationen: TM 9-1005-249-23&P (Department of the Army Technical Manual)