Vertenskreuzer
Segelboot - 30-qm-Einheitskreuzer
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Der Vertenskreuzer, offiziell als 30-qm-Einheitskreuzer des DSV[1] bezeichnet und regional auch Schleikreuzer[2] genannt, wurde 1932 von dem Schiffbauingenieur Karl (Carl) Vertens auf seiner Werft in Winning bei Schleswig entworfen.[1] Vorgestellt wurde die Klasse 1933 in der Zeitschrift Die Yacht.[3] Die Idee von Vertens war, ein preisgünstiges und seetüchtiges Fahrtenschiff zu schaffen.
| Klassenzeichen | |
|---|---|
| Bootsmaße | |
| Länge üA: | 9,50 m |
| Länge WL: | 6,45 m |
| Breite üA: | 2,00 m |
| Tiefgang: | 1,30 m |
| Gewicht (segelfertig): | ca. 2500–3000 kg |
| Segelfläche | |
| Segelfläche am Wind: | ca. 31,3 m² |
| Großsegel: | 23,0 m² |
| Fock: | 8,3 m² |
| Spinnaker: | 21,0 m² |
| Sonstiges | |
| Takelungsart: | Slup |


Vertenskreuzer werden heute noch in verschiedenen Schiffsregistern als Traditionsklassen geführt, erreichten aber nur einen sehr geringen Bekanntheitsgrad. Aufgrund des Klassenzeichens, einer auf der Spitze stehenden Raute, werden sie gerne als Karo mit angehängter Segelnummer (zum Beispiel Karo 14) bezeichnet.
Die Angaben zur gebauten Stückzahl schwanken. Das Yachtsportregister nennt 20 Exemplare,[4] ein Erfahrungsbericht des Segel-Vereins Altona-Oevelgönne (SVAOe) etwa 30.[2] Im Register Klassischer Yachten sind Vertenskreuzer mit Segelnummern bis Karo 38 verzeichnet.[5]
Entstehung
Der Entwurf geht auf eine Ausschreibung des Deutschen Segler-Verbandes in den 1930er Jahren zurück, mit der ein familienfreundliches Nachfolgeboot für den Schärenkreuzer gesucht wurde. Eingereicht wurden zwei Entwürfe: das Walboot, ein Knickspanter mit stark gerundetem Deck nach einer Idee von Hans Domitzlaff, gezeichnet von Adolf Heldt, sowie der Schleikreuzer von Carl Vertens. Als kleineres und günstigeres Boot ging das Walboot als Sieger hervor.[2]
Der Vertenskreuzer entstand aus dem Bedürfnis nach einem preiswerten Boot vor allem für das Fahrtensegeln an der Küste und auf See. Mit Abmessungen und Deplacement liegt er etwa in der Mitte zwischen dem 30er Seefahrtkreuzer und dem 30er Schärenkreuzer.[4] In den ersten Jahren wurde das Boot segelfertig für etwa 4.500 Reichsmark verkauft.[2]
Konstruktion
Das äußere Erscheinungsbild weist die typischen Linien einer Segelyacht zwischen den Weltkriegen auf. Der Vertenskreuzer hat weder die extrem schlanken, gestreckten Linien der Schärenkreuzer, noch die für seegehende Yachten bevorzugte Rumpfform mit großem Deckssprung und hochgezogenem Steven, wie sie zum Beispiel die Seefahrtskreuzer haben.
Die Yachten wurden alle als Slup getakelt, mit einem relativ großen Großsegel und einer eher kleinen, 3/4 hohen Fock, die fast ohne Überlappung nur die Anströmung des Großsegels verbessern sollte. Der Segelriss weist ein Großsegel von 23,0 m², eine Fock (Stagsegel) von 8,3 m², einen Spinnaker von 21,0 m² sowie einen Ballon von 12,4 m² aus.[3]
Rumpf und Deck wurden aus Eiche und/oder aus Mahagoni gefertigt; für einzelne Boote ist auch Lärche als Rumpfmaterial verzeichnet.[5] Der eiserne Kielballast macht etwa 50 % des Gesamtgewichtes der Yacht aus.
Unter Deck wurden die Boote mit zwei Salonkojen ausgestattet, darüber hinaus ließ die kleine Kajüte keinen Raum für Luxus. Die Konstruktionszeichnungen sahen wahlweise eine offene oder eine wasserdichte, selbstlenzende Plicht vor.[4]
Bauwerften
Die meisten Boote entstanden in der Vertens-Werft in Winning. Karl Vertens, gebürtiger Itzehoer, hatte zuvor seine Bremer Roland-Werft verkauft und 1926 das Gut Winning erworben; die Werft an der Schlei bestand insgesamt 57 Jahre.[6]
Daneben bauten weitere Werften Boote der Klasse. 1938 liefen bei Matthiessen & Paulsen in Arnis die baugleichen Schwesterschiffe Karo 20 und Karo 21 vom Stapel.[1] 1944 baute die Werft Hamann in Travemünde einen Vertenskreuzer in Eiche auf Eiche.[2] Weitere im Register Klassischer Yachten genannte Bauwerften sind Buchholz (Grünau), Schritt, Schultz und Rambeck.[5]
Verbreitung und Verbleib
Von den gebauten Schiffen gingen zwölf in die Gewässer Schleswig-Holsteins und fünf nach Berlin.[4] Weitere Vertenskreuzer wurden auf dem Bodensee gesegelt, wo einige mit einem modifizierten Rigg und hochgetakeltem Vorsegel ausgerüstet wurden (Bodenseerigg).
Drei Vertenskreuzer – Karo 9, 10 und 11 – waren zunächst in Neustadt stationiert und wurden 1937 zur Hanseatischen Yachtschule nach Glücksburg an der Flensburger Förde verlegt.[7] Zwei von ihnen erscheinen 1940 auf der Titelseite der Flensburger Illustrierten Nachrichten.[8] Während des Krieges wurden auf den Booten auch Offiziere der Marineschule Mürwik ausgebildet; bei Kriegsende wurde am Heck jeweils ein Stück abgesägt, um einer Beschlagnahme durch die Alliierten zu entgehen. Bis 1967 blieben die drei Boote im Schulbetrieb, danach gingen sie in privaten Besitz über.[7]
Im DSV-Register waren zwischen 1949 und 1960 nur noch sieben Exemplare aufgeführt.[4] Zahlreiche Boote wurden im Lauf der Jahrzehnte umgebaut. Der 1944 bei Hamann gebaute Vertenskreuzer „Venus“ – später „Pfeil“, heute „De greune See“ – erhielt bei einem Umbau 1974/75 unter anderem eine Kunststoffbeschichtung des Rumpfes, einen zusätzlichen Plankengang, eine Verbreiterung um 20 cm sowie eine Topptakelung anstelle der ursprünglichen 3/4-Takelung.[2]
Siehe auch
Weblinks
- Club Certificate 2025, WEICHSEL. "Karo 17", 1937. In: data.orc.org. 19. Mai 2025, abgerufen am 18. März 2026.