Trittschaden

naturschutzfachlicher Begriff From Wikipedia, the free encyclopedia

Trittschäden, auch Vertritt, entstehen durch das Betreten empfindlicher Untergründe durch Menschen oder Tiere. Oberflächen und Strukturen werden durch Gewichtskräfte und die daraus resultierende Flächenpressung geschädigt oder zerstört. Trittschäden betreffen dabei nicht nur die sichtbare Oberfläche, sondern häufig auch den Bodenaufbau (z. B. Porenraum) sowie Vegetation und Bodenorganismen.[1]

Trittschaden durch Huftiere
Verbotszeichen nach DIN

Trittschäden in der Natur

Mechanismen und Einflussfaktoren

Die Intensität von Trittschäden hängt unter anderem ab von (i) Auftrittsdruck und Wiederholungszahl (Begehungsintensität), (ii) Bodenfeuchte (nasse Böden sind meist stärker verdichtungsgefährdet), (iii) Bodentyp/Textureigenschaften, (iv) Hangneigung und Abflussprozessen sowie (v) Vegetationstyp und deren Regenerationsfähigkeit.[1][2] Im Boden führt wiederholter Tritt häufig zu Bodenverdichtung, d. h. zu einer Verringerung von Grobporen und Porenkonnektivität. Dadurch können Wasserinfiltration, Gasdiffusion und Wurzelwachstum beeinträchtigt werden.[3][4]

Trittschäden in Schutzgebieten und Erholungslandschaften

Empfindliche Bodenstrukturen oder Pflanzenauflagen können durch Betreten gefährdet, beschädigt oder gestört werden. Trittempfindliche Flächen finden sich in fast allen Naturschutzgebieten. So sollte das Begehen von Feuchtwiesen, Mooren, Dünen oder Trockenrasen unterlassen werden. Als Folge häufigen Begehens wird der Boden verdichtet – das ist schädlich für unterirdische Wohnröhren von Tieren und die Wurzeln von Pflanzen. Pflanzengesellschaften werden auch direkt geschädigt, wenn Pflanzenteile abgebrochen oder zertreten werden.[1]

Auch in Erholungsgebieten (z. B. Wanderwege) sind Trittschäden ein wichtiges Managementthema. Untersuchungen an Freizeitpfaden zeigen, dass Begehung und Topographie messbare Änderungen physikalischer und biologischer Bodenparameter (u. a. Dichte/Struktur, Leitfähigkeit, organische Substanz, mikrobielle Atmung) verursachen können, insbesondere bei hoher Besuchsfrequenz.[2] Experimentelle Studien in alpinen Grasländern belegen zudem kurzfristige Veränderungen von Boden- und Vegetationseigenschaften nach Trampelbelastung.[3] Entlang alpiner Wandertrails kann Trittdruck die Pflanzendeckung reduzieren und artspezifisch Wachstums- und Reproduktionsmerkmale beeinflussen; Wachstumsmerkmale reagieren dabei teils empfindlicher als Reproduktionsmerkmale.[4]

Trittschäden durch Wild- und Nutztiere

Trittschäden durch Tiere werden vor allem dort verursacht, wo Huftiere sich regelmäßig oder über längere Zeit aufhalten. Auch andere Tiere können Trittschäden verursachen, so werden zum Beispiel ausgetretene Nilpferdwechsel durch das in ihnen ablaufende Regenwasser allmählich vertieft und können daher die Landschaft beeinflussen. Am bekanntesten sind die Vertrittfolgen der großen Tierherden in den Savannen und Steppen. So lassen sich auf Luftbildaufnahmen afrikanischer Savannen häufig Tierpfade erkennen, die zu Wasserlöchern führen.

Trittschäden können die Bodenerosion fördern. Typisch ist Erosion als Folge von Vertritt in der Nähe von Salzlecken in bergigen Bereichen. Salzlecken liegen häufig in steilen Hangbereichen, so dass unter der hohen Trittbelastung durch Dickhornschafe, Schneeziegen oder Steinböcke die Erosion deutlich zunehmen kann. Vertrittschäden in Gebirgen, sogenannte Viehgangeln, sind jedoch zum überwiegenden Teil auf eine Überweidung durch Hausschafe und Hausrinder zurückzuführen.

In Weide- und Agroforstsystemen können Trittschäden räumlich stark variieren (z. B. stärker in häufig genutzten Bereichen), was eine differenzierte Bewirtschaftung und ggf. Ruhezeiten zur Regeneration nahelegt.[5]

Trittschäden im Wald und Folgewirkungen

Trittschäden können auch Wälder betreffen, etwa durch Viehhaltung im Wald (Silvopastur). Neben Bodenverdichtung können dabei mechanische Schäden an oberflächennahen Wurzeln auftreten. Für Norway spruce (Picea abies) wird diskutiert, dass solche Wurzelverletzungen Eintrittspforten für holzabbauende Organismen sein können; entsprechende Untersuchungen in silvopastoral genutzten Fichtenbeständen befassen sich mit dem Zusammenhang zwischen Wurzelverletzungen durch Trampeln und Holzfäule/Erregern (u. a. Heterobasidion, Corinectria).[6]

Trittschäden an Deichen und im Küstenschutz

Auch im Hochwasser- und Küstenschutz stellen Trittschäden ein relevantes Sicherheitsrisiko dar. Deiche sind technische Bauwerke, deren Schutzwirkung wesentlich von einer geschlossenen und belastbaren Grasnarbe abhängt. Wiederholte Trittbelastung durch Menschen oder Tiere (z. B. Pferde, Hunde) kann die Grasnarbe beschädigen und lokale Vertiefungen oder offene Stellen erzeugen. Solche Strukturen können bei Sturmfluten oder starkem Wellenschlag als Angriffsstellen für Erosion wirken und die Standsicherheit des Deiches beeinträchtigen.

Der Niedersächsische Landesbetrieb für Wasserwirtschaft, Küsten- und Naturschutz (NLWKN) weist in diesem Zusammenhang darauf hin, dass auf als Hauptdeiche gewidmeten Anlagen nach dem Niedersächsischen Deichgesetz jede Nutzung außerhalb der Deicherhaltung unzulässig ist. Hierzu zählt auch das Betreten der unbefestigten Grasnarbe durch Menschen sowie Tiere wie Pferde und Hunde. Zulässig ist lediglich die Nutzung befestigter Deichwege. Verstöße gelten als Ordnungswidrigkeit und können mit Bußgeldern geahndet werden.[7]

Schutz und Management

Der Schutz vor Trittschäden kann landschaftsprägend wirken. Um die wertvollen Ackerflächen vor dem Weidevieh zu schützen, wurden daher Heckenformen angelegt wie Knicks oder Redder, die vor allem für den Norden Deutschlands typisch sind. Aus dem gleichen Grund wurden auch in den Eschfluren des Münsterlands Hecken angelegt.

Im Besuchermanagement werden Trittschäden häufig durch Wegeführung (Bündelung des Verkehrs), Sperrungen/Betretungsverbote, saisonale Lenkung (z. B. bei Nässe), Holzbohlenstege in Mooren sowie durch robuste Untergründe und Pflege/Unterhaltung von Trails reduziert.[1][2]

Trittschäden in der Technik

Trittschäden kommen auch in der Technik vor. Empfindliche Maschinenteile, Blechabdeckungen, Tragflächen oder Glasflächen sind Beispiele für empfindliche Oberflächen. Vor allem im technischen Bereich sollten Warnschilder und Sicherheitshinweise beachtet werden, da bei Missachtung Verletzungs- oder Lebensgefahr bestehen könnte.

Siehe auch

Einzelnachweise

Related Articles

Wikiwand AI