Landverbindung zwischen Nürnberg und Prag
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Als Goldene Straße wird eine historische Landverbindung zwischen der Freien Reichsstadt Nürnberg und der Königsstadt Prag bezeichnet. Die Bezeichnung „gulden straß“ lässt sich seit 1513 für verschiedene spätmittelalterlicheHandelswege nachweisen. Der Ursprung des Namens wird auf den König von Böhmen sowie den Römisch-deutschen KaiserKarl IV. zurückgeführt, dem an einer territorialen Verbindung zwischen seinen böhmischen Stammlanden und den Reichsstädten Nürnberg und Frankfurt am Main gelegen war.[1]
Auf bundesdeutscher Seite folgt die B 14 zwischen Nürnberg und Hirschau in etwa dem Verlauf des alten Weges. Hinter Hirschau biegt der Weg nördlich von der B 14 ab und verlief über Kohlberg und Weiden bis zur heutigen Staatsgrenze hinter Bärnau.
Aus tschechischer Perspektive folgt die Dálnice 5 zwischen Prag und Pilsen in etwa dem Verlauf des alten Weges. Hinter Pilsen verlief der Weg nördlicher als die D 5, über Mies und Tachau bis zur heutigen Staatsgrenze.
Hohlwegebündel der Goldenen Straße, Bodendenkmal bei Hirschau
Indem die direkteste Ost-West-Linie zwischen Nürnberg und Prag verlassen wurde („Verbotene Straße“ über Waidhaus-Rozvadov/Roßhaupt), blieb der Weg innerhalb des Königreiches Böhmen (im sogenannten Neuböhmen).[2]
Die BAB 6 als Teil der Europastraße 50 wird als Via Carolina bezeichnet und kommt heute der direkten Ost-West-Verbindung am nächsten.
Der sogenannte Goldene Steig bezeichnet eine weitere historische Verbindung, die weiter südlich über/durch den Böhmerwald nach Böhmen führt.
Geschichte
Die Goldene Straße war seit dem 13. Jahrhundert der wichtigste Handelsweg zwischen Nürnberg und Prag. Die Route liegt auf einer schon in vorgeschichtlicher Zeit benutzten Verbindung. Ihre große Zeit begann jedoch unter dem König von Böhmen und Römisch-deutschen Kaiser Karl IV. als Verbindung zwischen Böhmen und dem Westen des Römisch-deutschen Reiches bzw. seinem Stammland Luxemburg sowie Frankreich – wohin er ebenfalls enge Verbindungen hatte, da er prägende Jahre seiner Jugend am französischen Hof in Paris verbrachte, wo er eine erstklassige Bildung erhielt.
Wanderweg Goldene Straße Schild in der Altstadt von Weiden i.d.OPf.
Durch Kauf, Heirat, Verpfändung, Erbschaft und Diplomatie hatte Karl IV. in den fünfziger und sechziger Jahren des 14. Jahrhunderts von den Wittelsbachern umfangreiche Gebiete in der „Oberen Pfalz“ erworben und unterstellte diese 1355 der Krone Böhmen.[3] Das Gebiet wurde nun als Neuböhmen bezeichnet. Vor der Zeit Karls IV. handelte es sich dabei um ein zerrissenes Territorium mit vielen Besitzern. Dadurch gewann er eine Landbrücke zwischen seinen böhmischen Stammlanden und der Reichsstadt Nürnberg.[3] Die Verbindung Nürnberg – Prag sollte durch eine Straße hergestellt werden, die fast ausschließlich auf neuböhmischem und böhmischem Gebiet verlief.[3] Durch die Landerweiterung konnte Karl IV. sicher und ohne Zoll zu bezahlen von Prag nach Nürnberg gelangen. Das bot ihm auch Gelegenheit zu repräsentieren und eine gute Möglichkeit, Volksnähe zu zeigen. Zudem gewährleistete diese Verbindung dem Kaiser eine bequeme und kostengünstige Reise zu seinen luxemburgischenHausmachtgütern, weshalb die Route eigentlich von Prag bis Luxemburg konzipiert war.
Die Bedeutung der Straße wird auch am militärischen Schutz der Straße deutlich: Zahlreiche Pflegamtssitze und Burgen säumten ihren Weg. Dennoch gab es ab und zu auch Berichte über Überfälle, so wurde 1395 eine Straßburger Gesandtschaft bei Tachau gefangen und eine andere bei Bärnau beraubt. Spätmittelalterliche Handelswege wiesen viele Spuren auf, welche die häufig verkehrenden Wagen mit der Zeit geschaffen hatten.
Wandmalerei Goldene Straße (Weiden, Königstraße 15).
Karl IV. erklärte diese Straße zur Reichsstraße und verfügte, dass nur auf ihr die böhmischen Könige ihren Weg zu den Reichstagen und Königswahlen nehmen sollten. Er selbst reiste 52 mal auf der Goldenen Straße,[3] was ihm und seiner Familie auch die Gelegenheit bot, in der Öffentlichkeit aufzutreten und sich zu präsentieren.
Entlang der Goldenen Straße wurden zahlreiche Burgen und Amtssitze angelegt, die berührten Orte erfuhren erhebliche Förderung und Privilegienzuwendungen (Stadterhebungen, Zollfreiheiten, Bergwerksrechte, Geleitrechte usf.)[3]
Neben der politischen war die Goldene Straße auch von großer wirtschaftlicher Bedeutung. Aus Böhmen kamen auf ihr Häute, Wachs, Gewürze, Kupfer, Zinn, Eisen, Heringe, Talg, Schinken, Salz, Loden und Ochsen. Nach Böhmen wurden geliefert flandrischeTuche, Sämereien, Getreide, Wein, Wolle und Eisenwaren. Auch die Deutsche Hanse, der bedeutendste Wirtschaftsbund des Mittelalters und der Frühen Neuzeit, benutzte die Goldene Straße als Handelsweg.
Aber nicht nur eine Zeugin von Politik und Wirtschaft wurde die Goldene Straße, auch der böhmische Theologe und Reformator Jan Hus zog 1414 auf ihr dahin auf dem Weg nach Konstanz zum Konzil, wo er dann 1415 auf dem Scheiterhaufen hingerichtet wurde, obwohl ihm Freies Geleit versprochen worden war. Seine Anhänger, die sich als seine Rächer verstanden, benutzten sie dann für kriegerische Zwecke. Auf ihren Feldzügen, die sie ironisch „liebliche Reisen“ nannten, fielen sie mehrmals in der Oberpfalz sowie anderen angrenzenden Ländern ein und verbreiteten Angst und Schrecken. Die Kreuzzugsheere des Römisch-deutscher KönigsSigismund und seiner katholischen Verbündeten, die sich ihnen entgegenstellten, marschierten zwischen 1422 und 1430 dreimal auf der Goldenen Straße zu ihrem Sammelpunkt Weiden, von wo aus sie jedes Mal in eine vernichtende Niederlage zogen.
Diese Verbindung zwischen Böhmen und Bayern änderte zwar im Laufe der Jahrhunderte ihren Verlauf, blieb jedoch vom Spätmittelalter bis hin zum Ende des 18. Jahrhunderts die wichtigste Handels- und Verkehrsroute der beiden Königreiche.[4]
Im 16. Jahrhundert änderte sich der Straßenverlauf: zwischen Hirschau und Mies wurde eine südliche, kürzere Route über Wernberg, Leuchtenberg, Vohenstrauß, Waidhaus, Pfraumberg und Haid gewählt.[3] Nach dem Tod Kaiser Karls IV. gingen die Kaufleute wieder dazu über, den Weg über die „Verbotene Straße“ zu wählen, da die Höhe bei Bärnau mit 712 m ein zu umständliches Hindernis darstellte, welches man umgehen wollte.[4]
Die Bedeutung als Handelsstraße konnte die Goldene Straße mit dem Fall des Eisernen Vorhangs 1989 zumindest teilweise wieder zurückgewinnen. Die historisch gewachsene Handelsstraße lädt heute zum Radfahren und Wandern ein, etwa auf dem vom Oberpfälzer Waldverein ausgeschilderten Wanderweg zwischen Sulzbach-Rosenberg und der Landesgrenze (93 km) oder dem vom Fränkischen Albverein gepflegten Teilstück von Nürnberg nach Sulzbach-Rosenberg (58 km).
Herkunft des Namens
Die Bezeichnung Goldene Straße ist seit 1513[1] die nachgewiesene Bezeichnung für den nördlichen Weg von Prag über Pilsen und Tachov durch „neuböhmisches“ Gebiet (Bärnau, Weiden, Sulzbach, Lauf) nach Nürnberg.[1] Die Bezeichnung wurde erstmalig 1513 in einem Bericht des Bärnauer Pflegers Hans von Uttelhofen schriftlich festgehalten.[5] Ausschlaggebend für die Namensgebung dürfte der aufblühende Handel gewesen sein.[3] Die südliche und kürzere Wegvariante von Pilsen über Pfraumberg und Waidhaus über das Gebiet der Landgrafen von Leuchtenberg wird im späten Mittelalter auch als Verbotene Straße erwähnt. Für diese Route konnte kein Nutzungverbot nachgewiesen werden; sie war allerdings nicht mit den Privilegien der nördlichen Variante ausgestattet.[1]
Verlauf
Nach dem Willen Karls IV. sollte die Verbindung zwischen Nürnberg und Prag durch eine Straße erfolgen, die nur böhmisches Gebiet berührte. Deshalb wurde die Streckenführung genau festgelegt:[1]
Graphische Symbole Via Carolina auf Autobahnen A6 (Deutschland) und D5 (Tschechien). In Erlenstegen, der Grenze zwischen reichsstädtischem und „neuböhmischen“ Gebiet, war Geleitwechsel
Um 1490 gab es Klagen vor allem aus den Städten Tachau, Bärnau und Weiden, weil immer häufiger die südliche und Alternativstrecke zwischen Hirschau und Stříbro (Mies) über
In der ersten deutschen Straßenkarte des Nürnberger Kartographen Erhard Etzlaub aus dem Jahr 1501 hingegen ist der Weg über Weiden und Bärnau immer noch als einzige Verbindung zwischen Nürnberg und Prag eingezeichnet. Etzlaub stützte sich dabei vermutlich auf die Angaben Nürnberger Handelsleute.
Die Verlängerung der Goldenen Straße von Nürnberg in die Reichsstadt Frankfurt a. Main (Variante):