Víctor Polay
peruanischer Untergrundkämpfer, Mitgründer der peruanischen Untergrundorganisation Movimiento Revolucionario Túpac Amaru
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Víctor Polay Campos (* 6. April 1951 in Callao, Peru) ist einer der Gründer der peruanischen Terrororganisation Movimiento Revolucionario Túpac Amaru (MRTA), welche im Wesentlichen bis 1997 operierte.
Leben
Víctor Polay wuchs in Callao auf. Seine Eltern schickten ihn auf das Colegio San Antonio der Marianisten, eine der renommiertesten Schulen der Stadt. Als er erklärte, Priester werden zu wollen, nahm ihn sein Vater, ein Freimaurer, von der Schule.[1] Víctor Polay trat der Jugendorganisation der Alianza Popular Revolucionaria Americana (APRA) bei, in der er in Führungsämter aufstieg. 1972 ließ ihn die Militärregierung von Juan Velasco Alvarado wegen „subversiver Handlungen“ verhaften. Er war einige Monate im Gefängnis in Lurigancho inhaftiert. Nach seiner Freilassung begann er, an der Universidad Complutense in Madrid Soziologie zu studieren. Dort teilte er sich eine Wohnung mit Alan García. 1973 wechselte er an die Universität Paris IV und studierte dort Soziologie und Volkswirtschaftslehre. In seinen Jahren in Paris radikalisierte er seine politischen Ansichten infolge der Bekanntschaft mit exilierten Chilenen und Argentiniern, die Revolutionen in den lateinamerikanischen Ländern für unerlässlich erachteten. Von der APRA sagte er sich los.
1978 kehrte Polay nach Peru zurück. Er beteiligte sich an der Gründung der Frente Revolucionario Antiimperialista por el Socialismo (FRAS), einer marxistisch-leninistischen Splitterpartei, die bedeutungslos blieb, und an der Gründung der Izquierda Unida (Vereinigte Linke), eines Wahlbündnisses, dessen Kandidat bei der Präsidentschaftswahl 1980 jedoch nur 2,8 % der Stimmen gewann.
Nach diesem politischen Misserfolg beteiligte sich Polay 1982 maßgeblich an der Gründung des Movimiento Revolucionario Túpac Amaru (MRTA). Er wurde der erste Kommandant des militärisch organisierten MRTA, der noch im selben Jahr mit einem Banküberfall im Stadtteil La Victoria von Lima eine 15 Jahre dauernde Serie von Bombenanschlägen und bewaffneten Überfällen eröffnete. 1983 reiste Polay nach Libyen und 1986 nach Kolumbien, wo er sich vom Movimiento 19 de Abril in „subversiver Aktion“ ausbilden ließ.[2]
Am 3. Februar 1989 wurde Polay in einem Hotel in Huancayo verhaftet. Im Juli 1990 brachen Victor Polay und 46 weitere MRTA-Genossen durch einen 315 Meter langen, gegrabenen Tunnel aus dem Gefängnis „Miguel Castro Castro“ im Stadtteil Canto Grande von Lurigancho aus. Zwei Jahre später wurde er erneut gefasst.
Ein Militärgericht verurteilte Polay 1993 zu einer lebenslangen Freiheitsstrafe.[3] Das Urteil wurde jedoch von einem Appellationsgerichtshof aufgehoben, da der Prozess des Militärgerichtes nicht den internationalen Standards für ein rechtsstaatliches Verfahren entsprochen hatte. Deshalb wurde die Neuaufnahme des Prozesses vor einem Zivilgericht verfügt.[3]
Am 22. März 2006 wurde Polay für rund 30 Straftaten, die er mit der MRTA in den 1980er- und 1990er-Jahren begangen hatte, zu 32 Jahren Gefängnis verurteilt.[4] Seine Haftstrafe, die im Januar 2026 abläuft,[5] verbüßt er in einem Gefängnis in der Marinebasis in Callao, wo unter anderem auch der frühere Geheimdienstchef Perus Vladimiro Montesinos inhaftiert ist. Bis zu seinem Tod 2021 war auch Abimael Guzmán dort inhaftiert. In seiner Haftzeit schrieb Polay das Buch Revolución en los Andes. Desde la prisión Víctor Polay responde, eine autobiographische Rechtfertigungsschrift.
Schriften
- Revolución en los Andes. Desde la prisión Víctor Polay responde. Un balance del MRTA. Peoplekonsian, Paris 2019, ISBN 978-2-9559776-1-3.