Villa Falconieri

Villa in der italienischen Stadt Frascati From Wikipedia, the free encyclopedia

Die Villa Falconieri ist eine Villa in der italienischen Stadt Frascati, knapp 20 Kilometer südöstlich von Rom. Sie ist eine der architektonisch bedeutsamsten der Ville Tuscolane, der 12 tuskolanischen Villen.

Villa Falconieri
Eingangshalle

Geschichte

Ansicht von 1699, Alessandro Specchi

Die Villa Falconieri ist die älteste einer Reihe von Villen in Frascati. Sie wurde 1545 bis 1548 im Auftrage des Bischofs von Melfi Alessandro Rufini gebaut, weshalb sie zunächst den Namen Villa Rufina oder La Rufina trug. Sie wurde auf den Fundamenten einer vorhandenen römischen Villa errichtet, so dass in einem Zimmer im Erdgeschoss sogar der originale römische Mosaikfußboden erhalten geblieben ist. Papst Paul III. ließ die Villa um 1546 erweitern. Als Architekt gilt Giovanni Lippi, genannt Nanni di Baccio Bigio, aus dem Umfeld von Antonio da Sangallo der Jüngere.[1] Rafael Bombelli verfasste hier um 1560 sein Rufini gewidmetes Werk L'Algebra.

Von 1573 bis 1623 wechselte die Villa mehrfach den Besitzer, darunter die Familien Cenci, Sforza und Gonzaga, sowie möglicherweise die Familie Montalto. Insbesondere die Familien Sforza und Gonzaga förderten mit ihrer Mäzenatenschaft Künstler und Intellektuelle und trugen so zur Entwicklung des Humanismus und der Renaissance bei.[1]

Im Jahr 1628 kaufte der Florentiner Adlige Orazio Falconieri (1579–1664) das Gebäude. Die Villa blieb bis 1879 im Besitz der Familie.[1] Orazio beauftragte Francesco Borromini mit der architektonischen Erweiterung und Renovierung. Dieser war später auch für die Umgestaltung des Palazzo Falconieri in Rom verantwortlich.[2] Einige Forschungen identifizieren auch Camillo Arcucci als (möglicherweise zusätzlichen) Architekten.[1] Ziel von Orazio Falconieri war es, auf dem Gelände der Villa für sich und seinen Bruder, Kardinal Lelio Falconieri, eine Grablege errichten zu lassen. An der Umgestaltung des Hauses wirkten neben Borromini bedeutende Architekten wie Antonio da Sangallo der Jüngere mit. Die Fresken im Inneren wurden u. a. von Pier Leone Ghezzi, Giacinto Calandrucci, Ciro Ferri, Andrea Locatelli, Niccolò Berrettoni, Francesco Grimaldi, Luzio Luzi Roman und Piero Bonaccorsi (auch Perino del Vaga genannt) angefertigt.[1]

Die Familie Falconieri baute ab dem 17. Jahrhundert eine reiche Bibliothek auf (inventarisiert 1849) und veranstaltete Musik- und Theateraufführungen. Sie beherbergten den Kreis von Intellektuellen um Christina von Schweden, zu dem auch Ottavio Falconieri (Neffe von Orazio und Kardinal Lelio Falconieri) gehörte. Ab 1656 stiftete die Familie zwanzig jährliche Stipendien zur Förderung der Studien fähiger, bedürftiger und wohlerzogener junger Männer.[1] Zur Villa gehört ein ausgedehnter Park, der im 17. Jahrhundert angelegt wurde.

Von 1898 bis 1905 beherbergte die Villa Trappistenmönche der Abtei Tre Fontane, die einige der Fresken beschädigten, da sie diese als unpassend für eine klösterliche Umgebung erachteten.[1]

Der deutsche Schriftsteller Richard Voß lebte ab 1880 (statt 1874) in dem Gebäude und schrieb hier einige seiner Werke, darunter den 1896 publizierten Roman Villa Falconieri. Die Geschichte einer Leidenschaft, sowie Febbre romana und Il figlio della Volsca.[3] Die Villa wurde unter anderem von dem Maler Philipp Hackert, dem Historiker Friedrich Meinecke und dem Schriftsteller Paul Heyse frequentiert.[1]

Im Jahr 1905 kaufte der Berliner Bankier Ernst von Mendelssohn-Bartholdy, ein Enkel des Komponisten, die Villa und machte sie 1907 Kaiser Wilhelm II. zum Geschenk. Wilhelm II. beabsichtigte, sie als Sitz einer deutschen Schule für Bildende Kunst und Literatur zu nutzen, die mit der französischen Académie de France à Rome konkurrieren sollte.[1] Bereits 1907 wurde ein weiteres Gebäude (das heutige „Rote Haus“) für die Ateliers der Künstler errichtet. Im April 1911 besuchten Kronprinz Wilhelm und seine Frau Prinzessin Cecilie die Villa Falconieri.

Im Jahr 1921 wurde die Villa vom italienischen Staat enteignet. Ab 1928 war sie Sitz des Internationalen Instituts für Unterrichtskinematographie (IIEC) unter der Leitung von Luciano De Feo und beherbergte Persönlichkeiten wie Louis Lumière (1929). Für kurze Zeit ab 1938 diente die Villa als Sitz des Nationalen Instituts für Auslandsbeziehungen (INRE) unter der Leitung von Galeazzo Ciano.[1]

Während des Zweiten Weltkriegs wurde die Villa vom deutschen Militärkommando unter Feldmarschall Albert Kesselring besetzt. Sie wurde am 8. September 1943 durch Bombenangriffe schwer beschädigt (der gesamte rechte Flügel sowie das Land- und Pförtnerhaus wurden zerstört). Es folgte eine Zeit der Vernachlässigung, die nur durch die zeitweise Anwesenheit von „Heliotherapiekolonien“ für Kinder aus Frascati unterbrochen wurde.[1]

Von 1956 bis 1958 wurde die Villa äußerlich rekonstruiert und in den Jahren 1983 bis 1996 größeren Sanierungsarbeiten unterzogen.[1] Von 1959 bis 1999 beherbergte sie das Europäische Zentrum für Bildung (EEC, später CEDE). Von 2000 bis 2015 war die Villa Sitz des INVALSI (Istituto nazionale per la valutazione del sistema dell’istruzione).

Seit dem Jahr 2016 beherbergt die Villa die private Accademia Vivarium Novum, eine Akademie für humanistische Lehre. Die Accademia ließ einige Räume im zerstörten Flügel der Villa als Neuinterpretation der klassischen Symbolik gestalten. Dadurch erhielt die Villa Falconieri wieder ein ikonografisches Programm, das mit der internationalen Ausrichtung des entstehenden Welt-Campus für Humanismus verbunden ist.[4]

Besichtigung

Die Accademia Vivarium Novum öffnet die Villa jeden Sonntag für die Öffentlichkeit mit kostenlosen, italienischsprachigen Führungen, die um 10:00 Uhr und 12:00 Uhr stattfinden. Ausgenommen sind Sonntage, an denen Konferenzen oder andere kulturelle Veranstaltungen stattfinden. Eine vorherige Reservierung per E-Mail ist erforderlich.[1]

Einzelnachweise

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